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Geldanlage 50plus "Kapital aufteilen und schrittweise liquidieren"

Im Interview mit WirtschaftsWoche Online hat Michael Huber vom VZ VermögensZentrum die Fragen unserer Leser zur Geldanlage für die Generation 50plus beantwortet. Was Best-Ager beachten müssen.

Michael Huber Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Herr Huber, gelten jenseits der 50 die gleichen Grundsätze zum Geld anlegen wie vorher auch?

Michael Huber: Grundsätzlich natürlich schon. Allerdings nehmen viele die Vorsorge ernster, je näher es auf die Rente zugeht. Und das ist auch richtig so. Während Jüngere oft zu Recht nur einen groben Plan für die Altersvorsorge haben, ist jetzt ein konkreter Kostenplan notwendig. Anfang 50 ist ein guter Zeitpunkt, um den aufzustellen. Die persönliche finanzielle Situation lässt sich dann viel konkreter einschätzen, als beispielsweise mit Anfang 30.

Wie sollte so ein Plan aussehen?

Eine möglichst detaillierte Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Wie hoch ist meine gesetzliche Rente? Und wie viel muss ich selber beisteuern, um meinen gewünschten Lebensstandard halten zu können? Auch die Kostenseite spielt natürlich eine große Rolle. Viele Sparer jenseits der 50 wohnen im Eigenheim. Ist das noch nicht abbezahlt, hat das Tilgen der Schulden höchste Priorität.

Auch Versicherungen belasten die Kostenseite. Worauf kann ich im Alter verzichten?

Zunächst gilt Vorsicht beim Neuabschluss von Policen. Das lohnt sich selten. Die Absicherung gegen elementare Risiken wie eine Haftpflichtversicherung muss dagegen in jedem Fall behalten werden. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung hilft ein Blick auf die Ersparnisse. Ließe sich ein früheres Arbeitsende auch gut aus den Rücklagen stemmen, darf die Police auch gekündigt werden. Gleiches gilt für die Risikolebensversicherung. Oft werden solche Versicherungen abgeschlossen, um die Familie vor großen Kosten zu schützen, etwa wenn ein hoher Immobilienkredit aufgenommen wurde. Ist das Haus aber abbezahlt und es wurden genug Rücklagen gebildet, kann man eventuell auf die Police verzichten. Letztlich ist das alles eine Typfrage. Wer kein Risiko eingehen möchte, wird mehr absichern als andere, und das ist auch in Ordnung. Jeder soll sich mit seiner Entscheidung wohlfühlen.

So klappt die Geldanlage für Sparer ab 50
Keine langen LaufzeitenGeht es ums Sparen im Alter, müssen sich Anleger zunächst die Frage stellen, wie sie ihr Geld besser nicht anlegen sollten. Denn vor allem Sparprodukte, die sehr langfristig angelegt sind, sind für Ältere nicht geeignet. Zu hoch ist das Risiko, dass das Ende der Laufzeit nicht mehr erlebt wird. Die Riester-Rente hat beispielsweise eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren. Auch Schiffsfonds, die viele Rentner zeichneten, hatten oft eine lange Laufzeit. Anleger hätten teilweise über 100 Jahre alt werden müssen, um kündigen zu dürfen. Für Ältere sind flexiblere Anlagezeiträume wichtig, um im Notfall auf zusätzliche Liquidität zugreifen zu können. Quelle: dpa
SparstrumpfBei vielen Hausentrümpelungen findet er sich noch an: der gute alte Sparstrumpf. Zwar liegt die Idee eines Notgroschens unter dem Kopfkissen nah. Allerdings gibt es mittlerweile kaum noch Argumente für viel zu Hause gelagertes Bargeld. Denn die jüngste Geschichte und ihre Bankenrettungen durch den Staat haben bewiesen, dass eine Bank in Deutschland nicht so einfach Pleite geht. Plötzliche Bargeld-Knappheiten sind daher unwahrscheinlich. Langfristig verliert das Bargeld im Strumpf aufgrund der Inflation seinen Wert. Die entgangenen Zinsen fallen trotz der aktuellen Niedrigzinsphase zusätzlich ins Gewicht. Quelle: dpa
Geschlossene FondsGerade Senioren wurden in den letzten Jahren immer wieder von ihren Bankberatern in undurchsichtige, riskante geschlossene Fonds gelockt. Auch die Zertifikate der 2008 in die Insolvenz gerutschten US-Bank Lehman Brothers vertickten die Berater gerne an ältere Anleger, die ihrem langjährigen Ansprechpartner vertrauten. Gleiches gilt für Schiffsfonds, auch hier waren viele Senioren investiert. Von derart riskanten Papieren sollten Sie in jedem Fall die Finger lassen. Sie sind nicht nur zu intransparent, auch die Laufzeiten sind in der Regel für Senioren viel zu lange. Nur wer seine Geldanlage versteht, kann weiterhin ruhig schlafen. Quelle: dpa
Kredite abzahlenOberste Priorität für reifere Geldanleger sollte das Tilgen der Altkredite haben, wie beispielsweise Hypotheken auf Wohneigentum. Denn nur wer schuldenfrei ist, kann sich über den Aufbau des weiteren Vermögens kümmern. Quelle: AP
Rentenversicherung/SofortrenteWer als älterer Mensch viel angespart hat, kann auch eine Rentenversicherung abschließen, die sogenannte Sofortrente. Der Versicherte zahlt eine größere Menge Geld ein, aus diesem Topf wird dann ab sofort eine regelmäßige Rente gezahlt. Immerhin garantiert die Rentenversicherung eine lebenslange Zahlung, während etwa ein Banksparplan irgendwann ausläuft. Allerdings ist diese Form der Rentenvorsorge eine Wette auf ein langes Leben. Stirbt der Versicherte kurz nachdem er eingezahlt hat, ist das Geld futsch - die Reste eines Banksparplans könnten an die Nachkommen vererbt werden. Quelle: dpa
AktienAuch Aktien sind für Ältere eine gute Geldanlage, viele Senioren halten Papiere. Das wird spätestens auf den jährlichen Hauptversammlungen der Konzerne klar, die Senioren gerne als Ausflug mit Erbsensuppe und Bockwurst nutzen. Der Zeithorizont sollte beachtet werden, da möglicherweise nicht endlos Zeit bleibt, um ein Kurstief auszusitzen. Vergleichsweise sicher fahren ältere Anleger mit der Dividendenstrategie, bei der gezielt Titel mit einer hohen Dividendenrendite ausgewählt werden, wie Aktien des Schweizer Lebensmittelherstellers Nestlé oder des Rückversicherers Munich Re. Auf diese Weise bringen die jährlichen Ausschüttungen regelmäßige Renditen ins Depot. Und die Bockwurst gibt es als Bonus oben drauf. Quelle: dpa
Tages- und FestgeldTages- oder Festgeldkonten sind ein Klassiker unter den Geldanlagen von Senioren. Das Ersparte ist vergleichsweise sicher angelegt und - im Fall von Tagesgeld - auch täglich verfügbar. Allerdings drohen angesichts der niedrigen Zinsen und etwas Inflation real bei vielen Konten sogar Verluste. Denn die meisten Banken und Sparkassen geizen gerade bei den Zinsen. Wer eine erträgliche Rendite einfahren will, muss sich mit Hilfe der verfügbaren Tagesgeldrechner über die aktuell besten Angebote informieren und möglicherweise den Kontoanbieter wechseln. Oft sind es Direktbanken, die beim Tagesgeld die besten Zinsen bieten. Wer sein Geld bei einer ausländischen Bank parkt, sollte sich informieren, wie die Einlagensicherung geregelt ist. Diese greift im Fall einer Pleite der Bank in der Regel für Einlagen bis 100.000 Euro. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Wo liegen die größten Fehler beim Anlegen fürs Alter?

Zum einen achten viele Anleger zu wenig auf die Verfügbarkeiten des Geldes. Wenn ich einen Großteil in Immobilien oder langfristige Beteiligungen stecke, kann ich die im Ernstfall nicht schnell genug verkaufen. Darauf sollte also nicht das Hauptaugenmerk liegen. Zudem denken viele, die Altersvorsorge höre mit dem Renteneintritt auf und betrachten das Ersparte fürs Alter als Gesamtsumme. Aber die Ersparnisse müssen nicht ab 65 Jahren vollständig verfügbar sein. Es kommt vielmehr darauf an, das Geld nach seiner Verfügbarkeit zu klassifizieren.

Wie geht das?

Ich schlage jeweils einen Zehnjahres-Horizont vor. Was kurzfristig verfügbar sein soll, kann in Form von Tagesgeld oder kurzläufigen Anleihen gehalten werden. Was darüber hinausgeht, darf auch in schwankungsanfälligere Anlagen investiert sein wie beispielsweise Rohstoffe. Wichtig ist, das Kapital aufzuteilen und schrittweise zu liquidieren.   

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