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Geldanlage "Auch Aktien gehören ins gut strukturierte Depot"

Der Bereichsvorstand Wealth Management der Commerzbank über Immobilieninvestments, geschlossene Fonds und die Frage, welche Anlage-Strategie sich auch für Normalverdiener eignet.

Gustav Holtkemper Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Holtkemper, Sie kümmern sich um das Vermögen von Wohlhabenden und Reichen. Gelten Ihre Anlagetipps auch für Normalverdiener?

Holtkemper: Im Prinzip ja, denn die niedrigen Zinsen auf Kontoguthaben treffen alle Kunden in gleicher Weise. In Deutschland müsste das Zinsniveau eigentlich um drei Prozentpunkte höher liegen, was es nicht tut, weil sich die sehr expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auf alle Länder der Eurozone auswirkt. Die meisten Deutschen Sparer haben derzeit zu viel Geld in niedrigverzinsten Spareinlagen wie Sparbüchern, Einlagen und Tagesgeldkonten investiert.

Was tun – Immobilien, Aktien und Rohstoffe kaufen?

Wir empfehlen unseren Kunden, neben den eigenen vier Wänden bis 20 Prozent ihres Vermögens in Immobilien zu investieren. Unsere Kunden bevorzugen hierbei Direktinvestments, beispielsweise eine Kapitalanlage in vermietete Immobilien. Aber Vorsicht: Das sollten nur Objekte sein, die sich leicht vermieten oder verkaufen lassen, wie Gebäude in zentraler Lage mit Büros oder Wohnungen in den oberen Stockwerken und Ladenflächen im Erdgeschoss.

Neben Immobilien-Investments gehören natürlich auch Aktien und Rohstoffe in ein gut strukturiertes Depot. Im Ergebnis ist die Streuung über verschiedene Anlageklassen nach wie vor entscheidend für den Erfolg.

Kann sich jeder ein Haus leisten?

Wie wohlhabende Deutsche ihr Geld anlegen

Im Moment kommen die historisch niedrigen Zinsen für Baugeld auch Immobilienkäufern entgegen, die sich nicht zu den besonders Wohlhabenden zählen. Deshalb sollte man sich in einer Niedrigzinsphase wie jetzt die Zinsen möglichst lange sichern. Denn wenn irgendwann die Zinswende kommt, bei der die Notenbanken die Geldmenge einschränken, werden die Kreditkosten spürbar steigen. Deshalb darf die Restschuld nach Ende der Zinsfestschreibung, auf die später möglicherweise höhere Zinsen fällig werden, nie zu groß sein. Bei einem Immobilienerwerb müssen aber auch Kosten für Grunderwerbsteuer, Makler- und Notargebühren sowie mögliche Honorare für Gutachter und Architekten berücksichtigt werden. Übrigens können sich Immobilien selbst für Wohlhabende als Kostenfalle entpuppen. So kann beispielsweise ein Penthouse in einem Premium-Objekt wegen der Kosten für Aufzüge, Reinigungspersonal und Concierge-Service Monat für Monat hohe Summen verschlingen. 

Ist in Deutschland schon eine Immobilienblase entstanden?

Nein, auch wenn die Preise in manchen Bereichen deutlich gestiegen sind. Im Frankfurter Ostend etwa zahlt so mancher Berufseinsteiger für seine 60-Quadratmeter-Wohnung im Neubau schon Kaltmieten von monatlich 18 Euro je Quadratmeter. Im internationalen Vergleich ist das aber immer noch ein moderates Niveau für eine Großstadt, die so viele Möglichkeiten hinsichtlich Job und Freizeit bietet.

Betrüger haben Kunden überteuerte Schrottimmobilien angedreht, auch die Commerzbank lieh ihren guten Namen, indem sie Kredite für den Kauf solcher Wohnungen gab. Haben Sie diese Praxis inzwischen abgestellt?

Wir schauen uns grundsätzlich jeden Einzelfall an. Unabhängig davon, sollte ein Käufer immer wissen, was das für eine Immobilie ist, für die er sehr viel Geld investiert.

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