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Geldanlage Das Sparbuch ist gar nicht so übel – wenn man es noch bekommt

Quelle: imago images

Das Geld auf dem Sparbuch ist sicher vor Bankpleiten. Es kostet weder Gebühren noch Strafzinsen – und kann auch nicht von Hackern geklaut werden. Eine Verteidigung der beliebtesten Anlageform der Deutschen.

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Sind die deutschen Sparer alle doof? Keine Angst, das wird nicht die gewohnte „Die-Deutschen-kaufen-keine-Aktien-und-verzichten-auf-hohe Rendite“-Klage – die stimmt zwar, aber die haben wir an anderer Stelle oft genug geführt. Das nur vorab: Bei Geldanlagen dominiert in Deutschland nach wie vor das Sparbuch, meldet der Bankenverband. 41 Prozent der befragten Anleger haben eines.

So dumm ist das allerdings nicht: Wenn das Geld irgendwo sicher ist, dann hier – die Einlagensicherung der Sparkassen ist die vertrauenswürdigste von allen. Zusammen sind die Sparkassen das vermutlich größte Kreditinstitut der Welt, die Risiken sind breit verteilt, und wenn mal eine ausfällt, müssen alle helfen. Was auch für das Sparbuch spricht: Immerhin kostet ein Sparbuch keine Gebühren. Und es ist, wenn physisch vorhanden, nicht von irgendwelchen softwarebedingten Hin- und Herüberweisungsfehlern betroffen, wie zuletzt etwa die Kontokunden der Commerzbank. Hacker, Phishing, Pin-Klau, nervige 2-Faktor-Authentifizierung – alles kein Thema.

Vor allem aber: es kostet keine Negativzinsen – jedenfalls wäre es irgendwie schwer vorstellbar, dass der Kunde mit dem physischen Büchlein jedes Jahr zur Sparkasse läuft, um sich etwas Geld abziehen zu lassen. Bei Einlagenkonten dagegen, vor allem Tagesgeld, kommen die Einschläge langsam näher. Jetzt hat erstmals der Chef einer großen Sparkasse gewarnt: „Sollte der Einlagenzins der EZB von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent oder sogar noch weiter runtergehen, wird sich früher oder später jedes Institut mit diesem Thema auseinandersetzen müssen und wahrscheinlich nicht mehr umhinkommen, das den Kunden in Rechnung zu stellen“, sagte der Chef der Stadtsparkasse München, Ralf Fleischer, dem „Münchner Merkur“. 13 Millionen Euro Negativzinsen für Guthaben hat die Sparkasse demnach an die EZB überwiesen, wenn das viel mehr werde, könne er das nicht mehr abfangen, so Fleischer – stellt aber einen Freibetrag von zum Beispiel 50.000 Euro in den Raum.

Klassischerweise ist das Sparbuch für die Sparkassen eine Art Einstiegsdroge: der erste Kontakt zum oft noch sehr jungen Kunden kommt über das rote Buch. Auch wer ein simples Sparbuch will, braucht deshalb einen Termin in der Filiale. Am Weltspartag bekommt er dann Kugelschreiber und Sparschweinchen, und irgendwann kommt dann der Tag, an dem der freundliche Sparkassenberater Alternativen vorstellt, die angeblich sehr viel mehr Rendite, in jedem Fall aber der Sparkasse Provisionen einbringt. Manchmal passiert das auch schon beim Erstkontakt. So manche Eltern, die mit Kind in die Sparkasse gingen, um die ersten fünf Euro aufs Sparbuch einzuzahlen, mussten sich dann erst mal eine Dreiviertelstunde über die angeblichen Vorzüge von Riester-Sparplänen aufklären lassen.

Wer eines hat, sollte es ruhig behalten. Viele Sparkassen bieten das ganz simple Sparbuch nämlich nicht mehr an, jedenfalls nicht aktiv. Die Frankfurter Sparkasse etwa wirbt nur noch für ein „KidsKonto“, das mit dem 14. Geburtstag des Kindes automatisch in ein Girokonto verwandelt wird („ bis zum 18. Geburtstag kostenfrei und verzinst“). Die Stadtsparkasse München bietet immerhin auch noch Erwachsenen ein Sparbuch an, mit einer Verzinsung „von derzeit 0,001 % p. a.“ – mehr Stellen nach dem Komma schaffen vermutlich die Computersysteme nicht.

Und trotzdem: Es ist sicher, es kostet nichts, und es ist immer noch besser als 100-Euro-Scheine unter der Matratze. Und vielleicht, wenn dann genug drauf ist, wagt sich sein Besitzer doch noch mal an ein paar Aktien – oder wenigstens ein paar klitzekleine Goldmünzen. Die verkaufen die Sparkassen neuerdings nämlich auch wieder sehr aktiv – samt dem dazugehörigen Bankschließfach.

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