Geldanlage Deutsche bleiben bei Aktienkäufen skeptisch

Die Bundesrepublik ist weiterhin kein Land von Aktionären, das zeigt eine neue Umfrage des Deutschen Aktieninstituts. Dafür werden deutsche Sparer immer toleranter gegenüber Schulden. Das ist besorgniserregend.

Die Deutschen und Aktien sind längst noch keine Freunde. Quelle: AP

Aktien gelten zunehmend als alternativlos am Anlagehorizont. Doch trotz Niedrigzinsphase sind die Missverständnisse und Vorurteile der Deutschen gegenüber Aktien unverändert hoch. Das ergab eine aktuelle Studie, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Lobbyorganisation für die Aktie, zusammen mit der Börse Stuttgart erstellt hat. Demnach würden 55 Prozent der Anleger keinen Cent in Aktien stecken, wenn sie 10.000 Euro für einen Zeitraum von 25 Jahren anlegen sollten.

Interessant ist allerdings, dass das Interesse an Aktien offenbar höher ist als die Bereitschaft, die Papiere auch tatsächlich zu kaufen. Während 45 Prozent der Deutschen über Aktien als langfristige Geldanlage nachdenken würden, liegt der Anteil der Aktionäre und Fondsbesitzer in der Bundesrepublik aktuell gerade einmal bei 13,1 Prozent.

Aktienkultur in Deutschland

Unsicher sind naturgemäß besonders die Nicht-Aktionäre. Fast drei Viertel von ihnen glauben, dass Aktienkäufe gute wirtschaftliche Kenntnisse erfordern. Mehr als die Hälfte der Befragten halten solche Investments bei kleinen Anlagebeträgen für sinnlos.

Das DAI pocht nun erneut auf bessere Aufklärung. "Eine bessere Aktienkultur nimmt in den Köpfen der Anleger ihren Anfang", sagt Michael Völter von der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse. Für die Studie wurden mehr als 2000 Personen über 14 Jahren zu ihren Anlageinteressen befragt. Der Anteil der Aktionäre war dabei mit knapp zwölf Prozent ähnlich hoch wie in der gesamten Bevölkerung.

Positiv schlussfolgerten die Studienautoren, dass die Mehrheit der Teilnehmer zumindest den Sachwertcharakter der Papiere erkannt hat. "Die Befragten erkennen, dass sich Weltmarkterfolge von Unternehmen letztlich im Aktienkurs niederschlagen", heißt es in der Studie. Allerdings sei die Anlagekultur in Deutschland viel zu einseitig auf vermeintlich „risikoarmes Sparen“ ausgerichtet. So werde der langfristige Vermögensaufbau verhindert, das könne sich spätestens im Alter rächen.

Am Bullenmarkt schlagen Männer zu

Dabei zeigt eine andere Studie, wie hoch die Renditen sind, die sich mit Aktieninvestments zumindest in guten Zeiten einfahren lassen. Männer und Frauen schneiden dabei allerdings unterschiedlich ab - obwohl Frauen eigentlich als die besonneneren und besseren Geldanleger gelten. In Rallyzeiten wie den vergangenen zwei Jahren ist das aber offenbar anders, wie nun eine Untersuchung der DAB Bank ergab. Demnach ist die erzielte Rendite bei Männern in den Jahren 2013 und 2014 jeweils höher gewesen als bei den weiblichen Anlegern.

Besonders das Jahr 2013 war für viele erfolgreich, Männer kamen im Schnitt auf eine Rendite von 15,5 Prozent und Frauen auf 13,3 Prozent. 2014 waren die Erfolge zwar insgesamt geringer, dennoch lagen Männer mit 4,5 Prozent weiterhin vor den Frauen mit 3,4 Prozent. "Männer investierten in steigenden wie volatilen Märkten erfolgreicher", schreibt die DAB Bank. In einer vergleichbaren Untersuchung 2012 hätten beide Anlegergruppen noch gleichauf gelegen.

Für die Untersuchung wurden rund eine halbe Million Privatanlegerdepots der Münchener Bank ausgewertet. Auch in Sachen Depotstruktur gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während der Anteil an Einzelaktien bei Männern etwas höher ist, setzen Frauen etwas lieber auf Investmentfonds. Ihr Anteil liegt in den weiblichen Depots bei 37,2 Prozent, bei ihren männlichen Kollegen sind es nur 33,1 Prozent. Frauen schätzen an den Fonds die breitere Risikostreuung im Vergleich zur Einzelaktie.

Auffällig ist auch, dass Männer im untersuchten Zeitraum deutlich aktiver waren was ihre Depotpflege angeht. Für 2013 fielen im Schnitt 7,8 Transaktionen bei Männern an, bei Frauen waren es nur 3,8. Im volatileren Börsenjahr 2014 waren beide Geschlechter aktiver am Markt, das Verhältnis blieb aber in etwa ausgeglichen.

Schulden werden zunehmend toleriert

So konservativ wie bei Aktien sind die deutschen Sparer beim Thema Schulden offenbar nicht mehr. Mehr als die Hälfte der Deutschen findet, dass Schulden mittlerweile weit verbreitet und normal seien, zitiert die "Welt" aus einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag des Inkassounternehmens KRUK erstellte.

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Ein möglicher Grund für die Entwicklung könnten die niedrigen Zinsen sein. Da Kredite immer günstiger werden, ist die Hemmschwelle für die Verschuldung etwas gesunken - obwohl Deutschland nicht als Verschuldungs-Nation bekannt ist.

Beim Immobilienkauf sind Darlehen gängig und kaum vermeidbar. Auch Autos werden immer häufiger finanziert. Als gefährlich bewerten Verbraucherschützer dagegen sogenannte Null-Prozent-Finanzierungen für Konsumgüter wie Elektroartikel oder Möbel. Sie verlocken zum Kauf auf Pump. Wer aber am Ende zu viele Konsumentenkredite bedienen muss, läuft Gefahr, die Raten nicht mehr bezahlen zu können.

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