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Geldanlage für Senioren Ältere Anleger müssen beim Sparen mehr riskieren

Gerade für ältere Anleger hat die Niedrigzinsphase Tücken, ihr geliebtes Sparbuch wirft keine Rendite mehr ab. Um kein Geld zu verlieren, müssen sie mehr Risiko eingehen - ein schwieriger Balanceakt.

Risikoreiche Geldanlage im Alter Quelle: Getty Images

Früher war der Beginn des Ruhestands noch ein richtiger Grund zum Feiern. Familie und Freunde wurden eingeladen, bei Bier und Wein auf die kommenden besten Jahre angestoßen. Diese Feiern gibt es heute auch noch, die Stimmung ist aber häufiger als früher gedrückt. Finanziell sorgenfrei sind mittlerweile die wenigsten im Alter. Dass die Rente am Ende nicht das hält, was einst versprochen wurde, ist nicht neu. Die niedrigen Zinsen verschärfen allerdings das Problem - ältere Anleger müssen deutlich mehr Risiko eingehen, um die gewünschten Erträge zu erwirtschaften.

Wer vor zehn oder zwanzig Jahren aufhörte zu arbeiten, hatte neben der Rente oft eine Immobilie oder eine fällig werdende Lebensversicherung. Das Geld daraus war auf dem Sparbuch oder mit Tages- oder Festgeld gut untergebracht, der sorgenfreie Ruhestand konnte beginnen.

So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

Mittlerweile sind fällig werdende Lebensversicherungen dagegen mehr Herausforderung denn Freude. Wird das Kapital auf dem Sparkonto deponiert, drohen Verluste, die niedrigen Zinsen reichen oft nicht mal aus, um die Inflation auszugleichen. Gleichzeitig steigt durch die gestiegene Lebenserwartung der Kapitalbedarf. "Die Situation ist für ältere Anleger nicht trivial", sagt Alexander Schmidt. Der 47-Jährige ist nicht nur Honoraranlageberater, sondern auch Geschäftsführer der "Alten Hasen", einer unabhängigen Geldanlageberatung von Älteren für Ältere. Die Skepsis gegenüber Anlageprodukten sei auch bei älteren Anlegern sehr groß, berichtet Schmidt. Gleichzeitig sei es aber zu einem Umdenken gekommen. "Das Thema Geld wird bei Älteren relevanter", sagt Schmidt. Geld einfach auf einem Konto parken und liegen lassen, das könne sich keiner mehr leisten.

Zwei Probleme

Zwar wissen viele, dass der finanzielle Lebensabend mittlerweile deutlich mehr Eigeninitiative erfordert als früher. Laut einer Studie des Finanzdienstleisters Aegon reagieren aber die wenigsten darauf, fast jeder fünfte Bundesbürger empfindet seine Vorsorge demnach als mangelhaft.

So sparen die Deutschen
65 Prozent aller Westdeutschen sparen regelmäßig, im Osten sind es dagegen nur 56 Prozent Quelle: dpa
56 Prozent aller alleinstehenden Deutschen sparen regelmäßig Quelle: dpa
Die finanzielle Bildung hängt offenbar nicht mit der schulischen Bildung zusammen Quelle: dpa
Die Sparsituation hängt in Deutschland stark von der beruflichen Situation ab Quelle: dpa
Wer mehr verdient, der spart auch mehr Quelle: dpa
Wo wird fleißiger gespart: In Großstädten oder auf dem Land? Quelle: dpa/dpaweb
Bei den Bundesländern ist Bayern das Land der Sparer Quelle: dpa

Zum anderen fühlen sich gerade ältere Anleger jenseits der 60 Jahre eher in klassischen, weil risikoärmeren Anlagen wie Festgeld oder Sparkonten zu Hause. "Viele haben äußersten Respekt vor Aktien", sagt Honorarberater Schmidt. Trotzdem zwingt die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) viele zum Umdenken. Wie können ältere Anleger ihr Portfolio möglichst risikoarm optimieren?

Der erste Schritt sollte eine Bestandsaufnahme sein. Wie viel Geld habe ich zur Verfügung, wie viel brauche ich, und vor allem: wovon kann ich mich trennen. Diese Frage stellt sich besonders bei Versicherungen. Denn einige Policen drohen für Senioren zur Kostenfalle zu werden, beispielsweise Unfallversicherungen. Die enden in der Regel, wenn der Versicherte zwischen 65 und 75 Jahre alt ist, je nach Vertrag und Laufzeit. "Wer weiterhin versichert sein will, wird von vielen Assekuranzen zum Abschluss eines speziellen Senioren-Tarifs genötigt", sagt Kerstin Becker-Eiselen, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Diese seien nicht nur deutlich teurer, sondern werben oft mit Leistungen, die gar nicht mitversichert werden müssten, beispielsweise Leistungen im Fall eines Oberschenkelhalsbruchs, erklärt Becker-Eiselen. Bei dieser typischen Alters-Verletzung springt normalerweise die Krankenversicherung ein.

"Ältere Menschen brauchen viel weniger private Versicherungen als Jüngere", sagt Becker-Eiselen. Eigentlich reiche oft die Haftpflicht. Wer also Geld sparen will, kann bei Versicherungen radikal kürzen. Die Frage sollte dabei immer lauten, welches Risiko so existenziell ist, dass es abgesichert werden muss.

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