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Geldanlage global
Passanten gehen an einer elektronischen Anzeigetafel einer Bank vorbei, die den Hongkonger Aktienindex an der Hongkonger Börse anzeigt. Quelle: dpa

Warum Anleger China nicht länger ignorieren sollten

Maximilian Kunkel Quelle: PR
Maximilian Kunkel Chief Investment Officer, UBS Wealth Management Germany & Global Family Office Zur Kolumnen-Übersicht: Geldanlage global

China ist ein zentraler Motor der Weltwirtschaft. Doch im Vergleich zur Relevanz des Landes ist das Anlagevolumen internationaler Investoren dort erstaunlich gering. Sollten Investoren China weiterhin derart ignorieren?

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Die kurze Antwort lautet nein. China ist zu groß und zu bedeutend geworden, um es in Portfolios nicht zu berücksichtigen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich Chinas Wirtschaft verfünffacht und entspricht heute etwa 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung sowie 30 Prozent des jährlichen globalen BIP-Wachstums. Seit 2002 ist die Marktkapitalisierung des chinesischen Aktienmarktes um das Fünfundzwanzigfache gestiegen und entspricht heute nahezu elf Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung. Der Markt für handelbare chinesische Schuldverschreibungen ist im gleichen Zeitraum von 200 Milliarden US-Dollar auf 16 Billionen gewachsen. Der chinesische Renminbi hat sich stand 2019 zur weltweit achtmeist gehandelten Währung entwickelt.

Mit Blick auf die Investitionstätigkeit vieler global orientiertrn Anleger wird jedoch deutlich, dass Chinas Finanzmärkte nach wie vor bestenfalls wenig berücksichtigt werden. Oft zitierte Gründe sind ein unzureichendes Verständnis der Anlagechancen, die Marktkomplexität oder das strikte Festhalten an globalen Vergleichsindizes, in denen China immer noch deutlich unterrepräsentiert ist.

Für chinesische Aktien und Anleihen erwarte ich über die kommenden Jahre eine bessere Entwicklung im Vergleich zu anderen Märkten. Denn China ist der Ursprung für einige der überzeugendsten globalen Wachstumschancen. Das Land ist darauf ausgerichtet, sich technologisch unabhängig zu machen. So wachsen Forschungs- und Entwicklungsausgaben doppelt so schnell wie in den USA. Zudem beheimatet China den größten Bestand an Supercomputern und Industrierobotern.

Darüber hinaus hat sich die chinesische Regierung zum Ziel gesetzt, bis 2060 CO2-neutral zu werden. Dies soll vor allem durch eine intelligentere Infrastruktur und die Führungsrolle im Bereich der Batteriezellentechnologien für Elektrofahrzeuge ermöglicht werden. Und wenn es um digitale Disruption in der Einzelhandels- und Finanzindustrie geht, steht China an erster Stelle. China macht 57 Prozent des globalen Marktes für Onlinehandel aus. Dies ist auch einer der Gründe, warum das Land führend in der Transformation zu einer bargeldlosen Gesellschaft ist. Die schnell wachsende Zahl an großen und erfolgreichen Technologieunternehmen ist nur ein Beweis für diese Entwicklung.

Risiken streuen mit China-Anteil im Depot

Die Einbeziehung chinesischer Vermögenswerte in ein globales Portfolio bietet Diversifikationsvorteile. Vor allem aufgrund der binnenwirtschaftlich orientierten Wirtschafts- und Geldpolitik. Diese führt zu Wirtschafts- und Zinszyklen, die von denen außerhalb Chinas abweichen können. Entsprechend weisen chinesische Aktien und Anleihen relativ niedrige Korrelationen zu globalen Vergleichsindizes auf. Beispielsweise zeigt der MSCI China Onshore-Index eine langfristige Korrelation zum MSCI All Country World Index von 50 Prozent auf. Wenig überraschend liegt die Korrelation des US-Aktienmarktes zum globalen Vergleichsindex bei 97 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei chinesischen Staatsanleihen: Die Korrelation zu länger laufenden US-Staatsanleihen liegt bei 20 Prozent.



Investitionen in China bergen Risiken, einschließlich regulatorischer, geopolitscher und makroökonomischer Natur. Die kartellrechtliche Regulierung im Technologiesektor war bisher eher bedacht, könnte aber für chinesische Internetplattformen strenger werden. Das Risiko in Bezug auf die Aufhebung der US-Börsenzulassung für chinesische Unternehmen hat zugenommen, aber ich gehe davon aus, dass durch vermehrte Börsengänge chinesischer Unternehmen näher am Heimatmarkt und ein starkes Investoreninteresse in China mögliche Auswirkungen begrenzt werden.

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Die Spannungen mit den USA werden wohl auch unter der neuen US-Administration anhalten. Jedoch sollte sich die Form der Diskussionen als deutlich weniger erratisch erweisen. Die beiden Länder dürften allgemein über die nächsten Jahre unterschiedliche wirtschaftliche und technologische Modelle verfolgen, die parallel, jedoch zeitweise in Zusammenarbeit und zu anderen Zeiten in Konkurrenz zueinander agieren. Zu den längerfristigen wirtschaftlichen Risiken gehören der Anstieg der Schuldenquote um 100 Prozent in den vergangenen zehn Jahren und die schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Doch Chinas politische Entscheidungsträger haben immer wieder gezeigt, dass sie über umfangreiche Instrumente verfügen, um solche Risiken zu mindern.

Mehr zum Thema: Die USA und Europa zittern sich noch durch die Krise – China geht schon wieder voran. China ist ehrgeizig – doch zur Panik besteht kein Anlass.

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