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Geldanlage Fünf bittere Wahrheiten über Gold

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Gold zahlt weder Zins noch Dividende

„Bullion does not pay interest or dividends, nor does it grow or expand by itself. That is the price you pay for tranquility.“
Pierre Lassonde, Edelmetallinvestor

Der kanadische Geschäftsmann und ehemalige Chairman des World Gold Council weist auf einen wesentlichen Nachteil der Goldbarren hin: Sie zahlen weder Zins noch Dividende und können daher nicht aus sich selbst heraus wachsen. Lassonde sieht das jedoch nicht zwingend als Argument gegen Gold. Der fehlende Zins und die nicht vorhandene Dividende seien einfach der Preis, den Anleger zahlten, um ruhig schlafen zu können.
Gold ist also ein teurer Notgroschen, den man sich leisten können muss. Und zum Zinsverzicht hinzu kommen noch die erheblichen Kosten für die sichere Lagerung der Schätze. Wer auf Zinsen oder Ausschüttungen angewiesen ist, um während des Investments konsumieren zu können, sollte also kein Gold kaufen sondern in Aktien.

„The relevance of gold is not in its price but in its ownership. This is extremely important for those who wish to make a profit form gold by purchasing certificates, ETFs and the linke. Participating in a price move is not the same as owning an asset.“
Anthony Deden, Edelweiss Holdings

Der Vermögensverwalter Anthony Deden unterstreicht, dass es beim Goldbesitz nicht um den Kurs geht, sondern um den Besitz. Das sollten sich vor allem Käufer von Gold-Investmentfonds oder anderen mit Gold in Verbindung stehenden Wertpapieren vor Augen halten. Beim Gold gehe es darum, es auch physisch greifbar zu haben – unter dem Kopfkissen oder im Tresor. Erst dann kann man Gold als Notgroschen bereithalten für den hoffentlich nie eintretenden Fall, dass die Systeme versagen. Beispiel: Die Börse verspricht den Zeichnern des Wertpapiers Xetra Gold, das Metall auf Verlangen der Kunden in physischer Form nach Hause zu liefern.
Doch wer will sich im Fall einer Systemkrise auf ein solches Versprechen verlassen? In Wirtschafts- und Währungskrisen, die die Organisation von Unternehmen lähmen können, helfen Wertpapiere wie ETFs nicht weiter. Wer aus Angst vor Hochwasser einen Rettungsring braucht, muss ihn immer dabeihaben.

„Ich wünsche Ihnen, dass Gold nie ihr bestes Investment ist, denn dann haben wir alle andere Probleme.“
Herbert Wüstefeld, ehemals Royal Bank of Scotland

Diesen Wunsch hat der legendäre Frankfurter Finanzexperte Herbert Wüstefeld seinen Kunden gern mit auf den Weg gegeben haben. Auch dieses Zitat offenbart schonungslos den Kern eines physischen Goldinvestments: Es dient für Zeiten einer lang anhaltenden und schweren Krise, in der sicher geglaubte Werte implodieren und einst verlässliche Institutionen versagen. Wirklich freuen kann man sich daher über einen rasanten Preisanstieg beim Gold nicht, denn eine Gold-Hausse signalisiert die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusammenbruchs. Wer sich gegen Hochwasser versichert, jubelt ja auch nicht, wenn die Flut kommt.

Und wenn es soweit ist: Wer will sich dann wirklich mit ein paar Edelmetallmünzen in der Tasche beim Bauern in die Schlange stellen, um sich eine Kanne Milch für einen Krügerrand abzuholen? Und kommt man in einer solchen Situation überhaupt so weit mit den Taschen voller Gold? Denn in einer solchen Welt gilt nichts mehr – außer dem Recht des Stärkeren. Und die haben es auf Gold ganz besonders abgesehen.

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