Geldanlage Privates im Netz, aber Geld auf dem Sparbuch

Die Deutschen verzichten auf Rendite, parken ihr Geld lieber auf Tagesgeldkonten. Das soll sich mit jungen Anlegern im Internet ändern, hoffen die Banken. Doch der Online-affine Nachwuchs bleibt stockkonservativ.

Euroscheine und Smartphone Quelle: dpa

In Deutschland besitzen nur rund vier Millionen Anleger Aktien. Den Großteil ihres Vermögens stecken die sicherheitsbewussten Bundesbürger noch immer in Tagesgeldkonten und Versicherungen. Die aktuellste Analyse der Deutschen Bundesbank zeigt, dass sie vor allem auf schnell verfügbare Bankeinlagen setzen, im ersten Quartal 2015 flossen rund 17 Milliarden Euro neues Geld auf solche Konten. Selbst langfristige Festgeldkonten überzeugen sie nicht mehr. Allein ein Fünftel ihres gesamten Geldvermögens von 5,2 Billionen Euro parken sie als Bargeld oder Sichteinlagen etwa auf Girokonten.

Mit der neuen Generation, einer Gruppe von 18- bis 34-Jährigen, für die das Internet stets zum Alltag gehörte, sollte sich diese Bild ändern, so die Erwartung. Sie teilen privateste Momente und Fotos auf Facebook oder Twitter, offenbaren Programmen wie WhatsApp alle ihre Kontaktdaten und Gespräche mit Freunden. Und ihre Fotos sammeln sie nicht mehr in einem Pappschächtelchen zu Hause, sondern laden alles in die Cloud, um stets drauf zugreifen zu können. Warum also nicht Geld über Crowdfunding investieren, digital Indexfonds verwalten und Finanzapps nutzen, statt sich in der Filiale beraten zu lassen.

Aber wenn es ums Geld geht, sind die digitalen Vorreiter noch vorsichtiger als die deutsche Gesamtbevölkerung. Das zeigt eine Studie der Postbank.
Sie befragte mehr als 6000 Deutsche, von denen eine Hälfte 18 bis 34 Jahre alt ist und angab, als sogenannte Digital Natives und Early Adopters neue Technologien möglichst frühzeitig auszuprobieren und täglich zu nutzen. Für Banken scheinen sie besonders interessant, da sie mutmaßlich mehrheitlich ihre Konten online verwalten. Das ist für die Geldinstitute günstiger, als ein Filialnetz mit Mitarbeitern zur persönlichen Beratung aufrecht zu erhalten.

So gehen die Deutschen mit Geld um
Die Deutschen gelten als fleißige Sparer. Doch die Statistik sagt etwas anderes. 30 Prozent der Deutschen haben gar nichts auf der hohen Kante. 19 Prozent wollten sich nicht dazu äußern. Elf Prozent besitzen bis zu 2.500 Euro. Nur ein Prozent besitzt mehr als 500.000 Euro an Geldvermögen. Quelle: Das Buch „Wie wir Deutschen ticken“, erschienen im Edel Verlag und basiert auf repräsentativen Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Quelle: dpa
Die Einstellung der Deutschen zur Aktie ist bekanntlich eher skeptisch. 16 Prozent aller Männer und sieben Prozent aller Frauen besitzen Aktien. Zum Vergleich: In den USA legen 56 Prozent der Bevölkerung ihr Geld in Aktien an. Der Aktienbesitz ist auch von der Bildung und dem Einkommen abhängig: Wer mehr als 3.000 Euro im Monat verdient, hat eher Aktien (23 Prozent). Wer weniger als 3.000 Euro verdient kommt noch auf elf Prozent Aktien. Wer Abitur hat, besitzt auch öfter Aktien (18 Prozent) als ein Hauptschulabsolvent (sechs Prozent). Quelle: dpa
40 Prozent aller Deutschen besitzen kein nennenswertes Vermögen. Beliebtester Besitz ist mit 32 Prozent das Sparbuch, dahinter kommt mit 27 Prozent das Auto bzw. Möbel. 23 Prozent der Deutschen besitzen Immobilien und nur sechs Prozent verfügen über Gold. Quelle: dpa
Die Mehrheit der Deutschen scheint den Artikel aus dem Grundgesetz „Eigentum verpflichtet“ nicht zu mögen. 52 Prozent wünschen sich, dass ein Unternehmer mit seiner Firma tun kann, was er will. Beim geliebten Eigenheim ist dies noch deutlicher: 74 Prozent wollen, dass ein Grundstückseigentümer mit seinem Grundstück machen kann, was er will. Nur 33 Prozent äußerten sich für eine Zwangsvermietung einer leeren Immobilie durch den Staat. Quelle: dpa
Bei der Beziehung zum Geld sind die Deutschen innerlich gespalten. Die Moral und die Gier geben sich die Hand – wohl ohne, dass es die Befragten merkten. So sagten 75 Prozent der Deutschen: „Bei uns werden Menschen zu sehr über ihren Besitz definiert.“ Besitz wird also überbewertet. An anderer Stelle sagten jedoch 77 Prozent: „Es ist mir wichtig, einen gewissen Wohlstand zu haben.“ Sprich: Wenn die anderen Geld lieben, ist das schlecht. Wenn ich selbst Geld habe, dann ist es kein Problem. Quelle: dpa
Geld macht nicht glücklich, so lautet eine abgedroschene Lebensweisheit. Die Mehrheit der Deutschen schließt sich ihr an. „Nur“ 36 Prozent sagten, dass sie glücklicher wären, wenn sie mehr Geld hätten. Quelle: dpa
Beim Thema Geld sind die Deutschen sehr misstrauisch. Oder selbstbewusst. Oder beides. Jedenfalls gaben 76 Prozent an, dass sie sich bei finanziellen Entscheidungen auf ihr eigenes Wissen verlassen. Auf Platz zwei landen Freunde und Verwandte mit 28 Prozent, dicht gefolgt vom Bankberater mit 23 Prozent. Nur zehn Prozent vertrauen einem unabhängigen Finanzberater und neun Prozent den Finanztipps in der Presse. Quelle: gms

Doch diese Annahme ist ein Trugschluss, zumindest nach den Daten der Postbank-Studie. Danach lassen sich digitalen Vorreiter von ihrer Bank fast genauso gerne persönlich beraten, wie der Durchschnittsdeutsche. Nur 22 Prozent von ihnen nutzen überwiegend Onlinebanking – in der Gesamtbevölkerung sind es 23 Prozent. Und ihr Geld parken sie ganz traditionell, in allen Kategorien sind sie etwas sicherheitsbewusster als der Durchschnittsdeutsche:
- 47 Prozent parken Geld auf dem Sparbuch, unter allen Deutschen sind es 45 Prozent,
- 34 Prozent sparen auf dem Tagesgeldkonto, ein Prozentpunkt mehr als im Durchschnitt aller Bundesbürger,
- ein Drittel investiert in einen Bausparvertrag gegenüber 30 Prozent in der Gesamtbevölkerung,
- acht Prozent besitzen Gold, während es im deutschen Durchschnitt nur sechs Prozent der Anleger sind.
Aktien besitzen in beiden Kategorien nur 15 Prozent der Befragten.

Wie viele vorsichtige Anleger ihr Geld ganz renditelos im Sparschwein oder unter der Matratze aufbewahren, zeigt die Studie zwar nicht. Für Banken, die auf digitale Produkte für ihre jungen Kunden setzen, dürften die Ergebnisse aber eine herbe Enttäuschung sein.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Allerdings: Wenn es um Informationen zu Bankprodukten geht, unterscheiden sich die beiden Gruppen doch noch deutlich. Die digitalen Vorreiter informieren sich deutlich mehr im Onlineportal ihrer Hausbank, sie nutzen auch verstärkt Vergleichsportale im Internet und lesen häufiger Blogs und Finanzforen. Die persönliche Bankberatung scheinen diese Alternativen aber nicht ersetzen zu können, sie ist nach wie vor für beide Anlegergruppen mit rund 88 Prozent die wichtigste Beratungsmöglichkeit.

Einzig wenn es um soziale Netzwerke und Finanzapps auf dem Smartphone geht, machen die Digital Natives ihrem Namen alle Ehre. Gut ein Viertel nutzt schon entsprechende Apps auf dem Smartphone, gegenüber nur 15 Prozent der traditionellen Anleger. Und ein Fünftel informiert sich auch über Facebook und Twitter zu Anlageprodukten. Einfluss auf das Anlageverhalten hat das offenbar nicht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%