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Geldanlage So packen Sie den Einstieg in die Geldanlage

Vom Sparen zum Anlegen ist es nur ein winziger Schritt. Wer aber noch nie mit Fonds, Aktien oder Anleihen hantiert hat, sollte nicht ins kalte Wasser springen. Wie Einsteiger systematisch vorgehen und Fehler vermeiden.

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Zehn Geldanlage-Tipps
Geld und ein Display
Ein Kugelschreiber und ein Diagramm
Eine Hand und Münzen
Sparbuch und Geldscheine
Ein Stift und ein Diagramm
Ein Kugelschreiber, Geld, ein Taschenrechner und ein Blatt Papier
Eine Lupe vergrößert das Wort Kontoauszug Quelle: dpa

Zum Thema Sparen gibt es reichlich Binsenweisheiten und Bonmots. Henry Ford sagte zum Beispiel einmal: „Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“ Die 1994 verstorbene Versandhaus-Milliardärin Grete Schickedanz prägte den Satz: „Der Pfennig ist die Seele der Milliarde.“ Und Konfuzius lehrte die Chinesen bereits ein halbes Jahrtausend zuvor: „Wenn sich Wohlstand einstellt, brauche ihn nicht vollständig auf.“

Zwischen Sparen und Geldanlage besteht jedoch ein Unterschied. Sparen dient seit jeher der Rücklage für Notsituationen oder dem Horten von Geld für eine bestimmte Anschaffung. Geldanlage hingegen hatte schon immer das Ziel, auch einen Rendite abzuwerfen und das gesparte Geld zu vermehren. Weil sich beide Ziele durchaus miteinander verbinden lassen, werden beide Begriffe auch gern synonym benutzt.

Bevor man aber etwas sparen kann, muss erst einmal Geld übrig sein. Aber was dann? Unters Kopfkissen? Zur Bank? Selbst an der Börse mitmischen? Wer sparen kann und will, muss vor solchen ersten Schritten zunächst einige Fragen beantworten. Denn am Anfang einer jeden Geldanlage sollte zunächst die gründliche Vorbereitung stehen. Nur so lassen sich Enttäuschungen weitgehend vermeiden, etwa weil der gesparte Beitrag zu gering, die Rendite zu niedrig oder Verluste zu hoch sind.

Einfach zur Hausbank zu laufen, sich beraten zu lassen und auch gleich zu unterschreiben, ist keinesfalls empfehlenswert – selbst wenn das Vertrauen zur Bank und ihrem Personal jahrelang gewachsen und nahezu unerschütterlich ist. Denn wer ohne Vorkenntnisse und Vorbereitung in eine Anlageberatung geht, stellt die falschen Fragen - und gibt seinerseits vielleicht die falschen Antworten. Denn spätestens beim Abschluss eines Wertpapierkaufs oder eine Ansparvertrages sollte sich der Anleger über seine grundlegenden Ansprüche sowie Prämissen im Klaren sein und die Einhaltung derselben im Beratungsgespräch kritisch hinterfragen. Schließlich liegt der Teufel bei der Produktauswahl wie immer im Detail. Schätzungen besagen, dass durch Falsch- und Fehlberatung sowie Anlagebetrug jedes Jahr 20 bis 30 Milliarden Euro Schaden bei Anlegern entstehen. Kritische Stimmen halten selbst diese enormen Summen für deutlich untertrieben. Andreas Oehler, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg etwa bezifferte vor einem Jahr in einer Studie den Schaden, den Anleger durch Falschberatung erleiden, auf jährlich mehr als 50 Milliarden Euro. Auch der Bundesverband für den Fachhandel Finanzdienstleistungen vermutet die Schäden eher in dieser Höhe.

Ralf Nomrosky, Finanzplanungsgutachter und einer von nicht einmal zwei Duzend vereidigten und öffentlich bestellten Sachverständigen für Kapitalanlagen und private Finanzplanung, weiß aus Erfahrung, welche Fehler Anleger bei ihrer Anlageentscheidung häufig machen. „Viele Anleger stecken ihr Geld in Dinge, die sie nicht verstehen. Zudem vernachlässigen sie oft die Kosten einer Geldanlage und die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken. Nicht zuletzt beruht ein Teil der falschen Anlageentscheidungen schlicht auf falscher Planung“, sagt Nomrosky.

Wie aber gelingt eine tragfähige Anlageplanung? Wie geht man das Thema Geldanlage an, wenn bislang nur Konto und Spardose als Hort des eigenen Geldes dienten?

Als erstes zählt die Bestandsaufnahme

Auf diese Niedrigzinsprodukte schwören die Deutschen
FestgeldDas Marktforschungsinstitut TNS Emnid hat ermittelt, wo die Deutschen ihr Geld im Jahr 2013 angelegt haben. Auch 2011 hat sich das Institut das Spar- und Anlageverhalten der Deutschen angesehen. Das Ergebnis: Die Deutschen sparen zwar mitunter mehr Geld als noch vor zwei Jahren, aber es scheint ihnen mittlerweile völlig egal zu sein, wie viel Zinsen sie bekommen. So parken dieses Jahr fast 20 Prozent der Deutschen ihr Geld auf Festgeldkonten (2011 waren es rund 15 Prozent), auf denen sie maximal 1,91 Prozent bekommen (VakifBank). Quelle: Fotolia
Sparstrumpf22 Prozent stecken ihr Erspartes in die Sparstrümpfe oder das Schweinchen. Jedenfalls antworteten sie auf die Frage nach ihrer Geldanlage, dass sie ihr Geld zuhause verwahren. Quelle: Fotolia
TagesgeldDeutlich mehr Zinsen als beim heimischen Sparschwein winken den 27 Prozent der Deutschen, die ihr Erspartes aufs Tagesgeldkonto legen. Bei 1,1 Prozent Inflation im August sind 1,5 Prozent Zinsen allerdings nicht wirklich lohnend. Quelle: Fotolia
SparbuchDas Sparbuch ist in diesem Jahr deutlich in der Gunst der Deutschen gefallen. Im ersten Quartal 2013 ist die Beliebtheit des Sparkontos um fünf Prozentpunkte auf 31 Prozent gesunken. Trotzdem ist das Sparbuch mit seinen 0,1 bis 1,5 Prozent Zinsen die Nummer vier der beliebtesten Anlageformen der Deutschen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
LebensversicherungenDie Lebensversicherung ist seit Jahrzehnten der Deutschen liebste Form der Altersvorsorge, es existieren Millionen Verträge. Und auch, wenn die Zeiten üppiger Renditen schon lange vorbei sind und die Policen immer häufiger als Kostenfalle, Abzocke und Auslaufmodell gelten: Die Deutschen lieben sie. Allein in diesem Jahr gaben 33 Prozent der Befragten an, ihr Erspartes in Lebensversicherungen zu stecken. Quelle: dpa
BausparverträgeDie Nummer zwei in der Gunst der Deutschen ist der Bausparvertrag. Er zählt vor allem noch immer zu den Klassikern der Immobilienfinanzierung. Dementsprechend gaben 34 Prozent an, 2013 ihr Geld in Bausparverträgen anzulegen. Quelle: dpa
GirokontoDie meisten Deutschen parken ihr Geld allerdings auf dem völlig unverzinsten Girokonto. 45 Prozent nutzen dieses Konto 2013, um ihr Geld zu verwahren. Quelle: dpa

Vor der ersten Anlageentscheidung braucht es eine fundierte Entscheidungsbasis, also eine ehrliche Bestandsaufnahme. Diese sollte Aufschluss darüber geben, welche Geldmittel zur Verfügung stehen und wie viel Vermögen in welcher Form bereits vorhanden ist. Zur Ermittlung der liquiden Mittel sollten daher Einnahmen und Ausgaben auf Monatsbasis für mindestens ein komplettes Jahr zusammengefasst werden. Nur dann tauchen neben dem Monatseinkommen und der monatlichen Miete und den weiteren Lebenshaltungskosten auch Posten wie etwa für jährliche Versicherungsprämien, Steuerzahlungen, Weihnachtsgeld oder Autoreparaturen in der Einnahmen-Ausgaben-Liste auf. Außerdem sollten alle Konten und Vermögenswerte aufgelistet werden. Dazu gehören die Rückkaufwerte von angesparten Lebensversicherungen ebenso wie Immobilien oder Gegenstände mit hohem Verkaufswert wie Kunst oder Antiquitäten. Erst wenn alles offen liegt, lässt sich eine Geldanlage finden, die das vorhandene sinnvoll ergänzt und das Risiko adäquat streut. Ebenfalls wichtig ist die genaue Auflistung vorhandener Verbindlichkeiten wie Bankdarlehen, Hypotheken oder Ratenkredite. Bei Krediten gilt der Grundsatz: Rückzahlung und Tilgung haben Vorrang vor der Geldanlage.

Bleibt noch das Bargeld. „Immer wieder vergessen Anleger in ihrer Finanzplanung eine ausreichend große Liquiditätsreserve und geraten in Bedrängnis, weil etwa das Auto kaputt gegangen ist. Muss dann eine Geldanlage aufgelöst werden, bevor sie erwartbare Rendite erwirtschaften konnte, bleibt der Anleger auf den Kosten und Verlusten seines Investments sitzen“, mahnt Finanzplaner Nomrosky. „Je nach Lebensstandard sollten Anleger deshalb immer eine Liquiditätsreserve von drei bis sechs Nettomonatseinkommen zur Verfügung haben“, rät Nomrosky.

Ist durch die Bestandsaufnahme klar, wie viel im Monat oder einmalig in eine Geldanlage investiert werden kann und auch die eiserne Reserve hinlänglich berücksichtigt, gilt es als nächstes, die eigenen Risikovorsorge zu prüfen. Bevor die Rendite einer Anlage in den Fokus gestellt wird, sollten existenzielle Risiken abgesichert werden. Neben einer privaten Haftpflichtversicherung kann das zum Beispiel auch eine Unfall- oder Lebensversicherung sein. Gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft schützt zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung – die allerdings nur bei Abschluss in jungen Jahren noch vergleichsweise günstig abzuschließen ist. Auch eine private Krankenzusatzversicherung wie zum Beispiel für Zahnersatz oder Krankentagegeld ist im Einzelfall sinnvoll.

Ist auch der Versicherungsschutz geklärt und für ausreichend befunden, geht es für den angehenden Anleger um die Definition seiner Ziele und Anforderungen an eine Geldanlage. Dazu muss sich der Anleger über seine Risikoneigung und seinen Anlagehorizont im Klaren sein. Die Fragen, die sich jeder Sparer stellen muss, lauten: „Wie viel Verlust bin ich bereit zu tragen?“ und „Wann und wofür möchte ich das angelegte Geld verwenden?“ Wer etwa wegen der Aussicht auf eine höhere Rendite in einzelne Aktien investiert, muss sich des Risikos bewusst sein, dass diese während der Anlagedauer Kursverluste erleiden können – bis hin zum Totalverlust. Aber je langfristiger an der Börse investiert wird, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit für einen gestiegenen Aktienkurs.

In Eigenregie oder mit Profi-Unterstützung

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Im Jahre 2012 hatten die deutschen Bürger ein Gesamtvermögen von rund 4,94 Billionen Euro. Bis auf die Jahre 2002 und 2008 stieg das Vermögen der Deutschen stetig. Wie stark es zugenommen hat, zeigt ein Vergleich mit dem Jahr 1991. Zu dieser Zeit kumulierten die privaten Haushalte ein Kapital von gerade einmal 1,9 Billionen Euro. Die Übersicht zeigt, wo sich das Geld der Deutschen befindet. Quelle: dpa
In festverzinsliche Wertpapiere wurden im vergangenen Jahr nur 238 Milliarden Euro investiert. Zwar gelten zum Beispiel Staatsanleihen aus Deutschland als besonders sicher, doch die Rendite bewegt sich oft sogar unter dem Inflationsniveau. Staatsbonds aus den Euro-Krisenländern Spanien und Italien werfen hingegen recht hohe Zinsen ab, doch das Verlustrisiko ist dementsprechend hoch. Quelle: dpa
Seit 2007 nimmt das angelegte Geld in festverzinsliche Finanzprodukte ab. 2011 lagen noch 247,1 Milliarden Euro in Staats-, Wandel, und Indexanleihen, um nur einige festverzinsliche Anlagemöglichkeiten zu nenne. Indexanleihen werden in Deutschland bisher allerdings nur selten vergeben. Emissionen solcher Anleihen erfolgen nur unter Genehmigung der Bundesbank. Quelle: dpa
Rund 259 Milliarden Euro liegen in Aktien. In Relation zum Gesamtvermögen sind das gerade einmal fünf Prozent. Anfang der 1960er-Jahre betrug der Aktienanteil noch 20 Prozent. Die Scheu, Geld in Aktien anzulegen, kann nicht mit den Renditen erklärt werden. Denn 1987 notierte der Dax noch bei 1.000 Punkten, mittlerweile hat sich der Kurs, trotz mehrfacher Rückschläge, mehr als verachtfacht. Keine andere Analagemöglichkeit bietet langfristig so hohe Renditen. Quelle: dpa
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt aber, dass der Aktienanteil zyklischer Veränderung unterliegt. Je nach Börsengeschehen verändert sich der Anteil. Während 2007 knapp 371 Milliarden Euro in Aktien investiert waren, verringerte sich das Volumen im darauffolgenden Jahr auf 182 Milliarden Euro. Die Veränderung von 2011 auf 2012 hingegen war von 222 Milliarden auf 259 Milliarden Euro wieder eine positive. Quelle: dpa
Investmentfonds unterliegen den gleichen Schwankungen wie Aktien. Im vergangenen Jahr investierten die Deutschen rund 420 Milliarden Euro in solche Fonds und damit knapp 25 Milliarden mehr als noch 2011. Doch bereits 2007 lagerten die Bundesbürger über 467 Milliarden Euro in Investmentfonds. Quelle: dpa
Geldanlagen bei Versicherungen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Rund 1,5 Milliarden Euro des Geldvermögens liegen bei den Versicherungen. Besonders beliebt sind Lebensversicherung, Pensionskassen und Versorgungswerke. Quelle: dpa

Im letzten Schritt der Vorbereitungsphase müssen Anlagehorizont und Anlageziele bestimmt werden. „Viele Anleger investieren entweder kurzfristig, weil sie gerade Geld übrig haben und angesichts der niedrigen Sparzinsen eine höhere Rendite suchen, oder langfristig, um etwa Geld im Alter zu haben oder um eine Immobilie zu erwerben“, berichtet Finanzgutachter Nomrosky. „Dabei wird der mittelfristige Anlagehorizont – also die nächsten drei bis fünf Jahre – gerne vergessen.“ Weil sich Menschen, ihre Ziele und ihre Einkommensverhältnisse jedoch über die Jahre oftmals ändern, sollten Anleger auch daran denken, dass innerhalb von ein paar Jahren auch eine Neuausrichtung der Geldanlage möglich sein sollte. Eine Geldanlage, die erst in 20 oder 30 Jahren aufgelöst werden kann, wird dann schnell zum Klotz am Bein. Ist das Budget ausreichend groß, bietet sich eine Streuung auf kurz-, mittel- und langfristige Anlagen an. So bieten etwa langlaufende Anleihen oft einen höheren Zins, mit größerer Laufzeit nehmen jedoch auch die Risiken zu.

Ist somit die notwendige Vorarbeit abgeschlossen, stellt sich Gretchenfrage: Geldanlage in Eigenregie, mit Hilfe eines Finanzberaters oder sogar eines Vermögensverwalters? Es ist ein bisschen wie bei Bauarbeiten: Der Do-it-yourself-Heimwerker kommt zwar kostengünstiger zum Ziel, dafür muss er aber Zeit und Kraft investieren. Für ein letztlich gutes Ergebnis aber bieten weder die Do-it-yourself-Variante noch die Beauftragung eines gestandenen Profis eine Garantie. Selbst wenn die Konsultation eines Experten die Chance eröffnet, wegen Falschberatung im Verlustfall Schadenersatz zu fordern, so liegen Chancen darauf, diese vor Gericht durchzusetzen laut Gutachter Nomrosky gerade mal bei 50:50.

Wer sich aber nicht selbst um seine Geldanlage kümmern kann oder will, kommt um die Hilfe eines Profis nicht umhin. Dennoch bleibt ihm die Mühe nicht erspart, einen geeigneten Berater zu finden. Grundsätzlich gilt: Eine Geldanlage sollte niemals am Ende des ersten Beratungsgesprächs abgeschlossen werden. Erst wenn die Notizen und Unterlagen nochmals in Ruhe gelesen und ausreichend Bedenkzeit verstrichen ist, sollten der Anleger seine Entscheidung für oder gegen ein Angebot treffen. Berater, die allzu offensiv drängeln, sollten hingegen misstrauisch machen. Welche Hinweise noch auf eine unseriöse Geldanlage hindeuten, hat die Finanzaufsicht BaFin in einer Broschüre zusammengefasst.

„Vor dem Beratungsgespräch sollten Anleger immer nach der Qualifikation und den Fachgebieten des Beraters fragen, ankündigen worum es geht und einen Termin vereinbaren. Dann haben beide Seiten die Gelegenheit, sich auf das Gespräch vorzubereiten“, empfiehlt Nomrosky. „Auch wenn der Termin bei der Hausbank stattfindet, sollten sich Anleger immer notieren, mit wem sie gesprochen haben, welche Funktion er bekleidet und wie er sich ausgewiesen hat. Auch die Gesprächsdauer und die überreichten Unterlagen sollten festgehalten werden. Vor einem Abschluss muss zudem das Beratungsprotokoll vollständig sein. Denn kommt es zur Auseinandersetzung über eine mögliche Falschberatung, sind all diese Angaben hilfreich.“

Für eine Anlageberatung kommen verschiedene Beratertypen infrage. Die meisten von ihnen arbeiten auf Provisionsbasis. Das gilt insbesondere für Berater bei Banken und großen Finanzdienstleistern. Daneben gibt es auch reine Honorarberater, die nach Stundenaufwand bezahlt werden und keine Vermittlungsprovision annehmen dürfen. Daneben sind auch Berater anzutreffen, die ein Mischmodell verfolgen und teilweise Provisionen und teilweise Honorare verlangen. Lediglich bei reinen Honorarberatern dürfen Anleger davon ausgehen, dass sie unabhängig von den Vorgaben der Produktanbieter und verlockenden Provisionen unabhängig beraten, eine am Kunden orientierte Anlagestrategie entwickeln und die richtigen Anlageinstrumente für ihren Kunden aussuchen. Das Stundenhonorar ab zirka 150 Euro sollte sich bei einer Anlagesumme im fünfstelligen Bereich schnell amortisieren.

Passende Instrumente für jeden Geldbeutel

Goldene Regeln für den Vermögensaufbau
Foto eines Eigenheims im Entstehen (Baustelle) Quelle: dpa
Foto Sparbuch Quelle: Fotolia
Foto eines Pappreiters "Lebensversicherung" Quelle: Fotolia
Börsenhändler vor Anzeige eines fallenden Kurses Quelle: dpa
Bild einer Rentnerin am Meer Quelle: Fotolia
Foto einer Finanzberatung Quelle: dpa
Die alte Börsenweisheit "Nicht alle Eier in einen Korb legen" stösst derzeit an Grenzen Quelle: Marcel Stahn

Grundsätzlich eignen sich nicht alle Anlageinstrumente für jedes Budget. Aber selbst für die kleinsten Anlagebeträge gibt es bereits passende Instrumente – teilweise sogar vom Arbeitgeber oder Vater Staat gefördert. Wer ein paar tausend Euro und mehr anlegen will, kann sich von den einfachen zu den anspruchsvolleren Anlagevehikeln vorarbeiten. Wer sich für eine Geldanlage in Eigenregie entscheidet, muss die Suche nach den richtigen Anlageinstrumenten allerdings selbst übernehmen. Dazu ist es unumgänglich, sich die Informationen aus Geschäftsberichten, von Börsenseiten im Internet und aus Medienberichten zusammenzusuchen. Der Zeiteinsatz ist entsprechend hoch. Viele Privatanleger haben jedoch große Freude daran, tief in die Materie einzutauchen.

Zur Auswahl stehen für Privatanleger etwa festverzinsliche Anlagen wie Anleihen (Rentenpapiere), börsennotierte Aktien, tausende Investmentfonds mit den unterschiedlichsten Anlagestrategien und -schwerpunkten sowie abertausende sogenannten Derivate – von einem Basiswert abgeleitete Wertpapiere - wie Optionsscheine und Zertifikate mit teilweise hochkomplexen Mechanismen und Berechnungsmethoden. Einige Derivate bergen sogar das Risiko, dass die Verluste das eingesetzte Kapital übersteigen. Während Anleihen und Aktien noch einfach zu verstehen sind, sind Derivate in der Regel mit deutlich höheren Ausfallrisiken versehen und daher nicht für Einsteiger oder Anleger hohen Sicherheitsanforderungen geeignet. Daneben können Anleger ihr Geld vor Abstürzen an der Börse oder Wechselkursschwankungen durch den Kauf von Gold in Münz- und Barrenform zusätzlich schützen. Münzen und Barren gibt es in zahlreichen Größen und somit für fast jedes Budget.

Fonds bieten gegenüber Einzelanlagen in der Regel den Vorteil einer bequemen Geldanlage, die zugleich durch die Streuung des investierten Geldes auf viele Wertpapiere die Risiken mindert. Das macht sie für den Einstieg in die Geldanlage besonders interessant. Zudem kann in viele von ihnen nicht nur mit einer großen Einmalzahlung sondern auch mit einem kleinen monatlichen Betrag investiert werden. Einige Fonds lassen sich schon mit 25 Euro monatlich ansparen.

Im Gegenzug sind in aller Regel die Gebühren und Depotkosten der Fondsgesellschaften deutlich höher als die Kosten beim Kauf von Aktien oder Anleihen. Eine Ausnahme bilden passive Fonds, die ohne Fondsverwalter auskommen. Besonders beliebt sind in dieser Kategorie börsengehandelte Indexfonds, die stur einen Aktienindex wie den deutschen Aktienindex Dax nachbilden und vergleichsweise geringe Gebühren verlangen. Dafür hat der Anleger gleich einen Mix aus den 30 Dax-Aktien im Depot. Vergleichbare Fonds gibt es auf zahlreiche Börsenindizes. Wer ein günstiges Online-Depotkonto bei einer Direktbank hat, kann diese Fonds zudem jederzeit günstig kaufen und verkaufen. Wer direkt über die Fondsgesellschaft Anteile handeln will, benötigt hingegen leicht ein paar Tage.

Gestreute Risiken

Investmentideen für ein flexibles Portfolio

Zu allen Fonds gibt es einen Verkaufsprospekt sowie regelmäßige Berichte, in denen Anleger viele wichtige Informationen finden. Diese sind auf den Internetseiten der Fondsgesellschaften abrufbar. Fondslösungen gibt es in einer enormen Bandbreite – von extrem riskant und chancenorientiert bis hin zu konservativ, sicher und renditeschwach. Wie Anleger den passenden Fonds für ihre Ansprüche finden, haben wir an anderer Stelle bereits beschrieben.

10 Tipps für Börseneinsteiger

Ein Investment in einzelne Aktien ist erst dann sinnvoll, wenn ein Budget von mindestens 10.000 Euro zur Verfügung steht. Denn nur dann lässt sich das Anlagerisiko über mehrere Papiere verteilen, ohne das die Depotgebühren die Anlagesumme zu sehr schmälern. Klumpenrisiken sind allerdings nicht ganz leicht zu vermeiden. Wer zum Beispiel nur fünf verschiedene Aktien im Depot hat, sollte darauf achten, nicht nur Papiere zu halten, die stark mit der Konjunktur schwanken und auch über die Branchen streuen. Generell gilt: Je größer die Anlagesumme, umso genauer, flexibler und auch risikoärmer lässt sich ein Depot steuern. Anleger sollten in ihrer Geldanlage auch zyklisches Handeln vermeiden, das heißt, Aktien sollten nicht im Börsenboom, sondern im Börsentief gekauft werden. Gleiches gilt grundsätzlich für Anleihen und andere Anlageklassen. Wer aber sucht, wird immer eine Anlage finden, die noch Potenzial hat.

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Erst ab einem Anlagevolumen, das deutlich größer ist, lässt sich dann aus Aktien, Anleihen, Liquidität und Gold eine Depotstruktur bilden, die gute Renditechancen auch in schwierigen Börsenphasen bei vertretbarem Risiko bietet. Wer klein anfangen möchte, kann allerdings auch über börsengehandelte Fonds vergleichbar gut Risiken streuen – und dabei hohe Kosten umgehen. Denn diese haben einen oft unterschätzten Einfluss auf den Erfolg der Geldanlage. „Besonderes Augenmerk sollten Anlegern den Kosten ihrer Geldanlage widmen. Entscheidend ist, was vom investierten Geld nach Abzug von Kosten und Steuern übrig bleibt“, betont Nomrosky. „Geschlossene Beteiligungen lohnen sich oft schon allein deswegen nicht, weil selbst bei guten Angeboten häufig nur 80 Prozent von der Einzahlung tatsächlich in das Investment fließen. Anleger sollten daher auch immer nach den Vermittlungsprovisionen fragen.“

Anleger sollten bei allem gewissenhaften Einsatz allerdings bedenken: Sparen bedeutet fraglos auch Verzicht, aber die Lebensfreude sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben – denn Sparen ist kein Selbstzweck. Wäre es so, behielte der deutsche Filmproduzent Arthur Brauner leider recht: „Sparsamkeit ist die Fähigkeit, Geld so auszugeben, dass es einem keine Freude bereitet.“ Eine gelungene Geldanlage hingegen sollte das Gegenteil bewirken, wenn sich Träume oder Wünsche eines Tages erfüllen. Und mit der richtigen Planung sollte auch der Weg dahin mehr Freude als Quälerei sein. Denn wie sagte schon Cicero vor mehr als 2000 Jahren: „Oh, ihr unsterblichen Götter! Sie sehen es nicht ein, die Menschen, welch große Einnahme die Sparsamkeit ist.“

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