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Geldanlage Wie es an den Märkten weitergeht

Acht Thesen dazu, wie es an den Finanzmärkten weitergehen könnte – und mit welchen Strategien Anleger im kommenden Jahr ihr Vermögen einigermaßen absichern können.

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Noch einmal tiefer als im abgelaufenen Jahr dürfte der Deutsche Aktienindex fallen. Dann besteht die Chance auf eine Erholung. Quelle: Illustration: Marin Haake

Niehler Straße 33, im Kölner Stadtteil Nippes. Wo über lange Jahre Lebensmittel-Feinkost Helmut Voetz die Menschen im urkölschen Veedel mit Obst und Gemüse versorgte, klafft eine Lücke. Nur noch Reste des Geschäfts sind übrig geblieben, wer durch die Eingangstür schreitet, steht nicht im Laden, sondern in einem zugigen Hof voller Schutt. Bis Ende 2012 soll die Lücke mit einem Neubau geschlossen sein. Die fünf Eigentumswohnungen haben bereits ihre Besitzer gefunden, im Schnitt für mehr als 300.000 Euro pro Stück. Der letzte Erwerber habe gleich den kompletten Kaufpreis in bar beim Notar abgeliefert, berichtet der türkischstämmige Makler. Auf der Bank sei dem Kunden sein Cash zu unsicher geworden.

Test des Aufwärtstrends bei 4500 Punkten steht bevor

Im Jahr vier nach dem Fall der Düsseldorfer IKB, drei Jahre nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers und im Jahr zwei der großen Staatsschuldenkrise geht bei Sparern und Anlegern immer noch die große Angst um. Zu Recht. Schließlich leihen sich die Banken selbst untereinander so wenig Geld wie fast noch nie. Abzulesen an den Über-Nacht-Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die zuletzt mit 346 Milliarden Euro nahe ihrem Rekordstand waren.

Doch Panik und unüberlegtes Handeln sind trotz zugespitzter Situation im Bankensektor und damit an den Finanzmärkten kein guter Ratgeber. So hat auch der Schnellkäufer der Nippeser Wohnung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn bis sein Geld für den Neubau abgerufen wird, gehen Monate ins Land. Solange parkt nun der Notar für ihn die Euro – bei einer Bank.

Den richtigen Weg zur Sicherung des Vermögens zu finden, wird 2012 wieder eine große Herausforderung für Anleger. Welche Chancen und Risiken bieten und bergen die wichtigsten Anlageklassen? Und wie sollte man sein Geld über sie verteilen? Dazu unsere acht Thesen.

Aktien

Durch das Risiko einer sich nochmal verschäfenden Euro-Krise wird es 2012 spannend am Aktienmarkt - in negativer Hinsicht. Quelle: dpa

Spannend wird es 2012 am Aktienmarkt – im negativen Sinn. Ob und wie der Euro gerettet werden kann, darauf gibt es immer noch keine überzeugenden Antworten. Ebenso bleibt unklar, wie die USA von ihrem enorm hohen Schuldenberg herunterkommen wollen. Zudem könnte die chinesische Wirtschaft nicht mehr länger den Joker für die Weltökonomie spielen. Die Analysten von Bank of America Merrill Lynch zählen sogar noch einen verschärften Iran-Konflikt zu den „Schlüsselrisiken“ für die Märkte im kommenden Jahr. Dies sind schon Belastungsfaktoren für die Börsen genug.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme auf Unternehmensebene. Die beiden ehemaligen Zugpferde des Deutschen Aktienindex, E.On und RWE, versinken in Gewinn- und Schuldenproblemen wegen verfehlter Strategien und Irrungen der Energie-Politik. Der von der Telekom groß angekündigte Verkauf ihrer Investitionen fressenden Tochter T-Mobile USA ist geplatzt, nachdem AT&T ein Kaufangebot zurückgezogen hat. Siemens hat die Aussichten für das bereits seit Oktober laufende neue Geschäftsjahr vorsichtshalber selbst schon einmal gedämpft. Richtig rund läuft es noch bei den Autobauern, die gute Inlandsnachfrage verzeichnen und auf einem ordentlichen Auslandspolster sitzen, oder etwa bei SAP und Linde. Über allem lastet eine größere Unsicherheit als gewohnt: Wie werden sich unter diesen Gegebenheiten die Gewinne entwickeln? Kaum positiv, so viel ist sicher. Die Deutsche Bank zum Beispiel schätzt, dass die Analystengemeinde die Dax-Gewinne 2012 noch um 15 Prozent wird nach unten revidieren müssen.

Die Sieger und Verlierer im Dax 2011

DAX-30 - Gipfelstürmer und Absteiger 2011

These: Der Dax fällt zunächst auf seinen langfristigen Aufwärtstrend bei 4500 Punkten, dann besteht eine Erholungschance Richtung 6000 Zähler.

Strategie: An stärkeren Tagen sollten Anleger in nächster Zeit Positionen abbauen oder Absicherungen auf fallende Kurse in ihr Depot einbauen. Wer dennoch kaufen will, sollte nicht in den gesamten Markt investieren – über Dax-Fonds oder ähnliche Konstrukte –, sondern nur in einzelne Titel guter Unternehmen.

Risiko: Die These ist angesichts des unklaren Umfelds nicht gesichert, Risiken bestehen in beide Richtungen. Zum einen könnte die EZB bald als (vorläufiger) Krisenretter einspringen und unbegrenzt Geld drucken. Das würde den Aktienmarkt zunächst stark beflügeln. Zum anderen besteht das Risiko einer sich noch einmal verschärfenden Euro-Krise, in deren Verlauf der Dax unter die wichtige Marke von 4500 Zählern rauschen könnte. Dann wäre auch ein Crash auf 2200 Punkte denkbar.

Staatsanleihen

Bundespapiere werden bei Großinvestoren auch 2012 erste Wahl bleiben. Quelle: dpa

Keine Hausse hält ewig? Vielleicht doch! Zumindest was deutsche Staatsanleihen betrifft. Seit 22 Jahren gehen die Renditen deutscher Papiere zurück, unter Schwankungen, versteht sich. Rückläufige Renditen bedeuten steigende Kurse. Der RexP, ein Index, der durchschnittliche Bundespapiere inklusive Zinsertrag abbildet, legte auch 2011 wieder zu – um knapp acht Prozent. Seit 1990 schaffte der RexP 320 Prozent Plus – gut sieben Prozent pro Jahr. Zehnjährige Bundespapiere gewannen auch 2011 stark, sodass die Rendite im Tief auf 1,7 Prozent fiel. Noch am 5. Dezember rissen sich Investoren um sechs Monate laufende Papiere, Zins: 0,0005 Prozent. Sichere Rückzahlung, dauernde Handelbarkeit in kleinsten Einheiten und die Angst vor dem Scheitern des Euro – die Gründe für die enorme Nachfrage nach deutschen Anleihen liegen auf der Hand.

Unsere besten Aktientipps 2011

Unsere zehn besten Aktientipps
Syngenta Quelle: dpa
Petrobas Quelle: Reuters
Newmont Mining Quelle: dapd
Harmony Gold Quelle: Pressebild
Jaguar Mining Quelle: Reuters
Yamana Gold Quelle: AP
Marathon Oil Quelle: Presse

These: Bundespapiere werden, neben US-Staatspapieren, bei Großinvestoren auch 2012 erste Wahl bleiben. Die Renditen für zehnjährige Papiere steigen nicht über 3,3 Prozent. Sie markieren im Jahresverlauf sogar Allzeittief-Renditen bei 1,4 Prozent.

Strategie: Privatanleger, die einen größeren Anteil an kurzfristigen Anlagen halten wollen, sollten sich beim Bund bedienen. Im Gegensatz zu strategischen Käufern wie Versicherern, die langfristige Verpflichtungen für ihre Kunden abbilden müssen, bieten sich für Privatanleger eher kurzlaufende Papiere an. So die Tagesanleihe des Bundes, die variabel verzinst wird (derzeit mit rund 0,6 Prozent). Wer an die wenig wahrscheinliche, aber nicht ausgeschlossene Rückkehr der D-Mark glaubt, kauft auch lang laufende Bundespapiere. Zockertipp: Wer einen lebendigen Euro erwartet, kauft dreijährige italienische Papiere mit sechs Prozent Rendite.

Risiko: Sollten die Schulden der Länder der Euro-Zone vergemeinschaftet werden, könnten die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen deutlich steigen – auf etwa 4,0 bis 4,5 Prozent. Platzt der Euro, gehen die Renditen unter 1,0 Prozent zurück.

Unternehmensanleihen

Renditen für Unternehmenspapiere aus der Investmentklasse bleiben 2012 niedrig, die Ausfälle homöophatisch. Quelle: dapd

Kaum weniger begehrt als Bundespapiere sind Anleihen deutscher Unternehmen mit gutem bis mittlerem Rating. Papiere etwa der Telekom oder von BASF mit einer Laufzeit von vier bis fünf Jahren bringen mit gut zwei Prozent Rendite zwar doppelt so viel wie eine gleich lang laufende Bundesanleihe, am Ende bleiben Anlegern aber doch nur mickrige Erträge. Einzelinvestments in hoch verzinste Papiere mit schwacher Bonität locken zwar mit Zinsen von acht bis zehn Prozent (bei Anleihen aus sich in Turbulenzen befindenden Solarunternehmen gibt es sogar mehr als 20 Prozent), das Verlustrisiko ist aber entsprechend hoch.

Wo sich der Einstieg lohnen könnte

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Deutsche Telekom Die Telekom wird langweilig – und für Aktionäre interessant. „Größere Akquisitionen“ und Schwellenländerabenteuer seien „nicht geplant“, verspricht der jüngste Quartalsbericht. Künftig will sie sich vor allem auf Europa konzentrieren, allen voran Deutschland, wo die Telekom 2011 noch rund 40 Prozent ihrer erwarteten 59 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Wachstumsfelder sind DSL- und TV-Angebote sowie mobiles Internet, das bis 2015 zehn Milliarden Euro Umsatz bringen soll. Schwach entwickelt sich das Geschäft der griechischen OTE, an der die Telekom 40 Prozent hält. Bislang macht sie dort sechs Prozent ihres Umsatzes und sieben Prozent des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda). Ein anderes unrühmliches Kapitel wollte die Telekom beenden: Ende März hatte sie den Verkauf ihrer Tochter T-Mobile USA für rund 28 Milliarden Euro bekannt gegeben. Doch der Verkauf ist geplatzt, Kaufinteressent AT&T zog sein Angebot Mitte Dezember wegen der Widerstände der Aufsichtsbehörden zurück. Als Ausgleich soll die Telekom immerhin 2,3 Milliarden Euro Ausgleichszahlung in bar bekommen und darf das AT&T-Netz mitnutzen. An den Gewinnprognosen soll der geplatzte Deal laut Telekom nichts ändern. Die Chancen auf stabile Gewinne sind dank Kostensenkungsprogrammen gut. Solange die Telekom ihren freien Mittelzufluss bei 6,5 Milliarden Euro hält, sind auch die versprochene Mindestdividende von 0,70 Euro und fast acht Prozent Dividendenrendite nicht in Gefahr.
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These: Die Renditen für Unternehmenspapiere aus der Investmentklasse bleiben sehr niedrig, die Ausfälle homöopathisch. Hochzinspapierrenditen steigen im Durchschnitt zunächst noch etwas an, umgekehrt fallen die Kurse.

Strategie: Bestände mit guter Bonität halten und nach seltenen Gelegenheiten suchen, die einen sicheren Zins von wenigstens 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von höchstens vier Jahren bringen.

Risiko: Eine Weltwirtschaftskrise wie nach der Lehman-Pleite würde auch die Kurse sicherer Unternehmenspapiere drücken. Dann ergäben sich Kaufgelegenheiten.

Tagesgelder

Das Investieren in Tagesgelder bleibt auch 2012 mühsam, aber lohnend. Quelle: dpa

Im abgelaufenen Jahr schafften Sparer es immerhin, mit kurzfristigen Geldern so eben die Inflation einzuholen: vor Steuern und wenn sie bereit waren, regelmäßig den Anbieter zu wechseln. Das wird auch 2012 notwendig sein.

These: Generell werden die ohnehin weit unterhalb von Top-Angeboten liegenden Zinsen für Tagesgelder bei Sparkassen und Volksbanken noch weiter zurückgehen: Denn die EZB dürfte den Leitzins von zuletzt 1,0 Prozent weiter senken. Das wird sich aber auf Lockangebote von Privatbanken und Autobanken nicht zwangsläufig negativ auswirken. Banken suchen Sparer, weil ihnen andere Banken nur wenig Geld leihen. Für die Autobauer bleibt das Geschäft intakt, Privatsparer sind für sie eine günstige Finanzquelle, selbst wenn sie bis zu drei Prozent zahlen müssen.

Strategie: Mühsam, aber lohnend: Regelmäßige Wechsel zahlen sich aus, dabei Gelder auf mehrere Anbieter streuen; nicht jedem Lockangebot insbesondere ausländischer Banken nachlaufen.

Risiko: Bricht die Euro-Zone auseinander, sind sehr hohe Einlagen gefährdet. Zudem könnte die Konten-Verfügbarkeit eingeschränkt sein.

Baugelder

Hypothekendarlehen bleiben auch 2012 historisch günstig. Quelle: gms

Top-Bonität, erstrangige Grundschuld, Effektivzins von dann nur gut drei Prozent – wer derzeit eine Immobilie finanziert, lebt beinahe im Schlaraffenland.

These: Hypothekendarlehen bleiben bis auf Weiteres historisch günstig.

Strategie: Eile mit Weile: Wer jetzt finanzieren will, sollte sich bei mehreren Anbietern nach Konditionen erkundigen. Ein bis zwei Zehntel Zinsunterschied sind je nach Darlehen rauszuholen. Wer über eine Anschlussfinanzierung für in den nächsten sechs Monaten fällige Altschulden nachdenkt, sollte zuschlagen. Die Zinsaufschläge dafür sind niedrig. Generell dürften Festzinsdarlehen lohnenswerter sein als solche mit variablem Zins.

Risiko: Bricht die Euro-Zone auseinander, geraten Banken in neue Turbulenzen. Dann könnte selbst die klassische Finanzierung von Privatimmobilien zwischenzeitlich gestört werden.

Lebensversicherungen

Kunden von Lebensversicherungen sollten ihre monatlichen Raten reduzieren und das Geld breiter streuen. Quelle: dapd

Vorbei ist es mit den herrlichen Renditen. Über viele Jahrzehnte schrieben die Assekuranzen allen Verträgen die gleiche Überschussbeteiligung gut. Heute muss die Branche wegen der niedrigen Zinsen differenzieren. Am besten schneiden Kunden ab, die Verträge zwischen 1994 und 2000 abgeschlossen haben. Sie erhalten weiter den damals versprochenen Garantiezins von vier Prozent. Inzwischen ist die garantierte Rendite auf 2,25 Prozent gesunken, vom 1. Januar an beträgt sie für Neuverträge nur noch 1,75 Prozent. Marktführer Allianz reduziert den Zins für 2012 von 4,1 auf 4,0 Prozent, die R+V von 4,1 auf 3,85 Prozent, Axa und DBK von 4,0 auf 3,8 Prozent, bei Wüstenrot & Württembergische gibt es unverändert nur 3,5 Prozent. Targo, für 2011 mit 4,8 Prozent Spitze, reduziert auf 4,6 und Europa von 4,5 auf 4,35 Prozent, Ergo von 4,0 auf 3,8 Prozent und Victoria von 3,7 auf 3,5 Prozent.

These: Lebensversicherungskunden werden nicht nur 2012, sondern auch in den Jahren danach kleinere Brötchen backen. Die Gutschriften liegen aber weiter deutlich über den am Markt erzielbaren Zinsen.

Strategie: Solange die Lage an den Finanzmärkten prekär und die Euro-Frage nicht gelöst ist, sollten Anleger keine Neuverträge abschließen. Wer seine gesamte Ersparnis monatlich in eine Lebensversicherung steckt, sollte die Rate reduzieren und sein Geld breiter streuen.

Risiko: Das Ende des Euro und Bankpleiten würden das System vor eine Zerreißprobe stellen. Kunden müssten dann erhebliche Abschläge auf ihr angespartes Kapital hinnehmen.

Immobilien

Für Eigennutzer gilt: Lieber in Mehrparteienobjekte als in einzelne Wohnungen investieren. Quelle: dpa

Rund vier Prozent teurer wurden Wohnungen und Häuser 2011. Die Preise der Neubauten stiegen um gut sechs Prozent. So weit der Bundesschnitt. In den Ballungsräumen wie München oder Hamburg legten die Preise noch stärker zu.

These: Die kleine deutsche Immobilienhausse hält an, ihre Dynamik flaut aber ab.

Strategie: Eigennutzer sollten inklusive aller Nebenkosten nicht mehr als die 24-fache erzielbare Jahresnettokaltmiete für ein Objekt bezahlen. Sollten die Bauzinsen steigen, diesen Faktor gedanklich reduzieren. Für gut vermietete Renditeobjekte darf derzeit die 14-fache Miete bezahlt werden. Lieber Mehrparteienobjekte als einzelne Wohnungen kaufen. In strukturschwachen Regionen jeweils deutlich geringere Multiplikatoren ansetzen.

Risiko: Die Gefahr von Fehlkäufen mit schlechter Bausubstanz, Lage oder Mieterstruktur besteht, sonst geringes Risiko.

Gold

Auch für 2012 gilt: Gold bleibt die beste Krisenversicherung für diejenigen, die nicht auf Renditenjagt aus sind. Quelle: dpa/dpaweb

Der Preis je Feinunze erreichte 2011 mit rund 1920 Dollar ein Allzeithoch, stand zuletzt aber stark unter Druck.

These: Gold bleibt die beste Krisenversicherung für alle, die nicht auf Renditejagd sind.

Strategie: Mit einem Fünftel an physischem Gold sollte ein sicherheitsorientiertes Depot bestückt sein.

Risiko: Ein massiver Abzug spekulativer Gelder, die in Goldfonds stecken, könnte den Unzenpreis stark drücken. Die eigentliche Funktion des Goldes – Versicherung gegen einen Finanzcrash – aber würde dadurch letztendlich nicht berührt.

Wo Anleger zweimal hinschauen sollten

Wo Anleger zweimal hinschauen sollten
Allianz
BASF
Commerzbank Vorstandschef Martin Blessing braucht die Aktionäre, aber keiner will die Aktie. Sie notierte zuletzt auf historischem Tief, viel fehlt nicht zum Pennystock und Rausschmiss aus dem Dax. Die Bank kann sich nicht aufs Geschäft konzentrieren, weil sie Kapitallücken schließen muss. Deshalb verzichtet sie sogar darauf, margenträchtige Neukredite zu vergeben. Zudem bremst die abflauende Konjunktur das wichtige Geschäft mit Mittelständlern. Laut EU-Kommission müssen Bankeigentümer das Haftungspolster ihrer Institute bis Mitte 2012 deutlich aufstocken. Das hat Priorität – über Wachstum und Rendite für Aktionäre spricht keiner. Kapital bringen soll die Umwandlung hybrider Anleihen oder die Ausgabe neuer Aktien, was die Anteile der Altaktionäre verwässern würde. Schrottpapiere der Tochter Eurohypo sollen abgestoßen oder in einer staatlichen Bad Bank endgelagert werden. Zockern winken Gewinne, wenn Blessing Teile der Eurohypo dem Staat unterjubeln könnte. Langfristig ist die Aktie nur etwas, wenn die Bank wieder Neugeschäft machen kann. Risiko: Beschafft Blessing das Kapital nicht, wartet der Bund mit dem Bankenrettungsfonds. Aktionäre würden dann billig herausgedrängt, wie bei IKB und Hypo Real Estate.
Deutsche Bank Josef Ackermann, der Ende Mai aufhört, wollte 2011 zehn Milliarden Euro Rekordgewinn vorlegen. Es werden aber eher nur sechs Milliarden. Für 2012 gibt es keine Prognose. Wie auch? Alle Unsicherheiten der Schuldenkrise schlagen voll auf den weltweit vernetzten Branchenprimus durch. Immerhin kann sich die Bank als deutsches Institut günstig finanzieren. Im September gab sie eine unbesicherte Anleihe aus, europäische Konkurrenten schaffen das kaum noch. Trotz Postbank-Übernahme bleibt das Investmentbanking mit rund 60 Prozent der Erträge dominierend. Die besten Jahre sind hier vorbei. Marktunsicherheit und verschärfte Regulierung dürften in den kommenden Jahren nur noch Eigenkapitalrenditen zwischen 9 und 13 Prozent ermöglichen. Teile der Vermögensverwaltung stehen zum Verkauf, die Erlöse dürften aber kaum reichen, um die größte Last für den Aktienkurs zu beseitigen, den Kapitalbedarf von fünf bis zehn Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als die jüngst von der Bankenaufsicht EBA festgestellte Lücke von 3,2 Milliarden Euro, die die Bank durch einbehaltene Gewinne leicht füllen dürfte. Als besonders systemrelevantes Institut muss sie bis 2018 aber 9,5 und damit 2,5 Prozentpunkte mehr Kernkapital vorweisen als Konkurrenten. Dazu wird sie ihre Bilanz verkleinern und damit auch einst lohnendes Geschäft aufgeben müssen.
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