Geldpolitik am Ende Warum Chinesen und Inder zu Recht Unmengen Gold kaufen

Kaum eine Notenbanksitzung wurde mit so viel Spannung erwartet, wie die der Fed im September. Doch was passierte? Nichts. Was für eine Farce, was für ein Offenbarungseid, was für ein Nachweis des Scheiterns der gefeierten Geldpolitik.

Zehn kuriose Fakten über Gold
Gold ist essbarEine Bedienung serviert eine Currywurst mit Blattgold und Champagner. Auch Süßspeisen, edle Pralinen oder Gebäck werden gern mit Blattgold verziert. Einen Eigengeschmack hat Gold nicht. Quelle: Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung Quelle: dpa/dpaweb
Gold ist sehr gut formbarVon allen bekannten Metallen ist Gold dasjenige, das am besten dehn- und formbar ist - zugleich ist es sehr stabil. So kann aus nur einem Gramm Gold ein mehr als drei Kilometer langer Draht hergestellt werden, der dünner als ein menschliches Haar ist. Quelle: REUTERS
Früher waren Olympia-Medaillen aus GoldDie deutsche Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch posiert mit zwei Medaillen, die sie bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 gewann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Goldmedaillen noch aus massivem Gold. Heute sind sie nur noch vergoldet. Schuld sind die seit dem Jahr 1900 stark gestiegenen Goldpreise. Bei einem aktuellen Goldpreis von etwa 1172 Dollar wäre die 500 Gramm schwere Medaille rund 18.840 Dollar wert. Quelle: dpa
Deutsche sind Gold-FansDie Deutschen setzen auf Gold: Laut einer Studie, die der Edelmetallkonzern Heraeus bei der Berliner Steinbeis-Hochschule in Auftrag gegeben hatte, haben die Deutschen im Herbst 2014 mehr Gold in ihrem Privatbesitz als die US-Notenbank Fed eingelagert hat. Es sind etwa 8200 Tonnen. Quelle: dpa
Gold als HeilmittelSeit Jahrtausenden wird Gold in der Naturheilkunde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Auch heute noch werden Gold-Spritzen oder -Tabletten zum Beispiel gegen Rheuma angeboten. Die Therapie kann aber zahlreiche Nebenwirkungen haben und erfordert eine intensive ärztliche Betreuung. Quelle: dpa
Das größte GoldnuggetHier ist das
Warum ist Gold kein offizielles Zahlungsmittel mehr?Der damalige US-Präsident Richard M. Nixon verkündete am 15. August 1971, dass der US-Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Von da an verwandelten sich die Währungen der Welt in nicht einlösbares Papiergeld, Gold war keine Währungsdeckung mehr. Die Schweiz war lange eine Ausnahme: Bis das Alpenland 1999 in den IWF eintrat, waren noch 40 Prozent jedes Schweizer Frankens durch Gold gedeckt. Quelle: AP

Kaum eine Notenbanksitzung wurde in den letzten Jahren mit so viel Spannung erwartet, wie die der US-amerikanischen Notenbank Fed im September. Schließlich hatten Yellen & Co die »Märkte« nicht nur außergewöhnlich lang – knapp zwei Jahre – auf die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren vorbereitet, sondern auch die Fed-eigene Konjunkturprognose schien die Frage nach dem „Wann, wenn nicht jetzt?“ klar beantwortet zu haben. Denn schließlich rechnet die Fed für das Jahr 2016 mit dem Erreichen der Vollbeschäftigung, einem robusten realen Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent und einer in der Nähe des Zwei-Prozent-Fed-Zieles liegenden Kerninflationsrate. Was will man mehr? Doch statt auf diese rosigen Aussichten wenigstens mit einer Anhebung des US-Leitzinses um die vom Fed-Vize Stanley Fischer angedachten „25 Basispunkte“ zu reagieren, und so von einer extrem expansiven Geldpolitik zu einer nur noch sehr expansiven überzugehen, kamen die Zins-Hohepriester plötzlich zu ganz anderen Erkenntnissen. Eigentlich entwickle sich die US-Wirtschaft ja sehr gut, aber eben noch nicht gut genug. Auch sei da noch das Problem mit der chinesischen Konjunkturabkühlung, die jetzige Marktvolatilität erfordere ein kluges Risikomanagement, außerdem wolle die Inflation nicht so richtig ins Laufen kommen.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Und da zudem der Konjunkturausblick für die Weltwirtschaft schwach sei, müsse man nicht nur die Zinswende vertagen, sondern auch erstmals die Möglichkeit von Negativzinsen in den USA diskutieren. Einmal mehr probten die offenbar an kognitiver Dissonanz leidenden Währungshüter den Spagat, den statistischen Erfolgsmeldungen zur US-Konjunktur und ihren eigenen Prognosen selbst doch nicht zu glauben, und die dauerangekündigte Zinswende doch nicht so zu meinen - nur um keine Verantwortung für das zu übernehmen, was die Währungskrieger längst angerichtet haben! Was für eine Farce, was für ein Offenbarungseid, was für ein Nachweis des Scheiterns der gefeierten Geldpolitik. Und was für ein Beweis dafür, die Folgen selbst einer Mini-Mini-Mini-Zinserhöhung nicht ansatzweise abschätzen oder beherrschen zu können! Wenig überraschend verbreitete die Fed-Chefin Yellen dann zwar eilig und zur Aufrechterhaltung des Spannungsbogens die frohe Kunde einer „später in diesem Jahr“ stattfindenden Zinswende, doch nach fast zwei Jahren Zinswende-Dauerabsage fehlt immer mehr Marktteilnehmern nicht nur der Glaube daran.

Diese Substanzen sind teurer als Gold
Platz 10: MethamphetaminKosten: 95 Euro pro Gramm Hoher Grammpreis, aber billig im Vergleich zu anderen Drogen: Unter dem Modenamen Crystal Meth gilt Methamphetamin heutzutage als am schnellsten zerstörende Droge überhaupt. Der Gebrauch führt unter anderem zu Karies und Zahnausfall. Quelle: dpa
Platz 9: KokainKosten: 470 Euro pro Gramm Kokain gilt als die Partydroge in besseren Kreisen. Besser Finger weg: Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Quelle: dpa
Platz 8: LSDKosten: 2.300 Euro pro Gramm Lysergsäurediethylamid, kurz LSD genannt, ist in Deutschland ein nichtverkehrsfähiges Betäubungsmittel. Der unerlaubte Gebrauch ist strafbar. In zahlreichen anderen Ländern, wie den USA, ist die Droge verboten. Quelle: dapd
Platz 7: PlutoniumKosten: 3.150 US-Dollar pro Gramm Die Atombombe, die 1945 auf Nagasaki fiel, trug Plutonium als Spaltmaterial in sich. Außer militärischen Zwecken dient Plutonium auch der Energiegewinnung. Es entsteht aus dem Uran der Brennelemente in Atomkraftwerken.   Quelle: REUTERS
Platz 6: TaaffeitKosten: 2.000 bis 15.750 Euro pro Gramm Der irische Forscher Richrd Taaffe entdeckt den Edelstein bei einem Schmuckkauf 1945. Wegen seiner hohen Seltenheit dient er bis heute nur als Schmuckstück. Quelle: Rob Lavinsky, iRocks, Creative Commons, CC BY-SA 3.0
Platz 5: TritiumKosten: 23.616 Euro pro Gramm Tritium ist ein Nebenprodukt der Kernspaltung und kommt auf natürliche Weise nur in der Stratosphäre vor. Damit lassen sich in der Medizin bestimmte Substanzen markieren. Außerdem ist der Stoff fester Bestandteil von Atombomben. Quelle: dpa
Platz 4: DiamantenKosten: ein farbloser Stein von einem Karat kann über 50.000 Euro pro Gramm kosten Diamanten machen was her und sind der härteste natürliche Stoff der Welt. Ihr Aussehen macht sie zu Kostbarkeiten der Schmuckbranche, ihre Härte zu einem begehrten Schneidstoff in der Industrie. Quelle: AP

Ihnen fehlt auch gleich das Vertrauen in diejenige Institution selbst, für die Vertrauen – in einem ungedeckten Geldsystem – existenziell ist! Eine freiwillige Normalisierung der Fed-Geldpolitik ist angesichts der in den vergangenen Jahren erzeugten totalen Abhängigkeit der Finanzmärkte von der Null-Zins-Kredit-Droge längst nicht mehr vorstellbar. Eine Intensivierung des geldpolitischen Wahnsinns – so wie ihn auch schon längst die EZB oder die Bank of England kommunizieren – jedoch schon. Die sich abzeichnende Rezession, und die dann folgenden noch größeren Gelddruckprogramme sowie weitere Negativ-Zins-Experimente werden endgültig offenbaren, dass die allmächtigen Notenbanker mit ihrer Politik, ein Überschuldungsproblem mit neuen Schulden und rotierenden Druckerpressen lösen zu wollen, auf ganzer Linie gescheitert sind. Im Gegensatz zum noch grenzenlosen Vertrauen der westlichen Bevölkerung in die Heilsversprechen der Zentralbankbürokraten war dieses in Asien nie besonders ausgeprägt. Während Gold nach einer dreijährigen Baisse und einem rund 40-prozentigen Verlust auf Dollar-Basis im Westen zweifellos zum meist gehassten Investment avanciert ist, kaufen die Inder und Chinesen seit Jahren unbeirrt Gold. Und je tiefer der Preis dafür ist, umso mehr kaufen sie. Weder interessieren dort Charttechnik, noch Kursziele, noch „flash crashs“, einzig der Besitz des ultimativen Zahlungsmittels erscheint bedeutend. Trotz aller staatlichen Gängelei summiert sich die physische Nachfrage in Indien seit Jahresbeginn bereits auf rund 666 Tonnen (plus 69 Prozent zum Vorjahreszeitpunkt).

Die Goldkäufe der Chinesen belaufen sich – allen Unkenrufen zum Trotz – auf aktuell 1.957,6 Tonnen, was sämtliche zuvor gemeldeten Rekorde förmlich pulverisierte. Lässt die Nachfrage der Bevölkerung dort im Jahresverlauf nicht noch plötzlich nach, werden allein diese beiden Länder die auf etwa 3.200 bis 3.500 Tonnen geschätzte Goldminenproduktion des Jahres 2015 vom Markt nehmen! Zwar könnte an den Papiergoldmärkten noch der ein oder andere Goldpreisabsturz initiiert werden, aber angesichts der weltweit hohen physischen Nachfrage und des jetzt geleisteten Offenbarungseides der bedeutendsten Notenbank der Welt könnten sowohl Gold als auch die vom Hoch um 85 Prozent (!) gefallenen Edelmetallminen in den nächsten Monaten vor einem fulminanten Richtungswechsel stehen.

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