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Geldschwemme der Notenbanken Die Geldbomben bringen nichts als Chaos

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Anleihenmärkte zittern

Anleihemärkte unter Druck

Sind Staatsanleihen vergleichsweise solide wirtschaftender Staaten über Jahrzehnte hinweg Witwen- und Waiseninvestments mit einer realen positiven Rendite gewesen, so sind diese im Verlauf der Finanzkrise fast ausnahmslos zu Hochrisikoinvestments mit einer Nullrendite mutiert. In Kenntnis der auf nunmehr weltweit etwa 51 Billionen US-Dollar angewachsenen staatlichen Schulden gestand der Notenbanker Andrew Haldane, Direktor für Finanzstabilität der Bank of England: „Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen.“ Sollte diese durch eine „ungeordnete Umkehr bei den Renditen für Staatsanleihen“ platzen, wäre dies das „größte Risiko für die globale Finanzstabilität!“

Die jüngsten unmissverständlichen Warnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hinsichtlich der aus der jetzigen Geldpolitik resultierenden Gefahren für die Finanzstabilität haben möglicherweise zuletzt die Fed-Vorderen bewegt, zumindest einmal den Exit aus der ultra-lockeren Geldpolitik zu thematisieren. Die vage Aussicht allein aber auf eine auch nur leichte Liquiditätsreduzierung reichte bereits aus, um die Anleihemärkte, wie von Haldane befürchtet, weltweit erzittern zu lassen. In den USA sprangen beispielsweise die Renditen der 10-jährigen Treasuries von 1,6 Prozent auf in der Spitze 2,6 Prozent, während die erheblichen Zinssteigerungen in Europa den nach wie vor mit der Pleite ringenden Staaten der Peripherie und dem Alles-tun-was-nötig-ist-EZB-Chef Draghi große Sorgen bereiten dürften.

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Doch was würde erst passieren, wenn der Verbalakrobatik Bernankes wirklich Taten folgen sollten? Ohne Notenbank-Versicherung würde es zweifelsfrei zu noch stärkeren Turbulenzen an den Anleihemärkten kommen mit der Folge von auf breiter Front steigenden Zinsen. Doch das würde wiederum bedeuten, dass die kreditabhängige Wirtschaft in die seit Jahren fällige Bereinigungskrise (Rezession oder Depression) gestürzt würde, und das Verschuldungskartenhaus angesichts des erreichten ungeheuren Gesamtverschuldungsniveaus der westlichen Volkswirtschaften, die von 332 Prozent (Deutschland) bis knapp 650 Prozent (Japan) in Relation zur Wirtschaftsleistung reichen, in absehbarer Zeit zusammenbrechen könnte. Genau aber das wollten (und wollen) die Geld schaffenden Mephistos in den Notenbanken mit ihrer „Geldpolitik“ der letzten Jahre ja aber nun um jeden Preis vermeiden, so dass wir uns - Verbalakrobatik hin oder her - wohl letztendlich auf ein unbegrenzt Schulden aufkaufendes „QE-Eternity“ einstellen müssen … bis zum Ende aller Papiergeldträume!

Wir können angesichts dieser Tatsachen nicht mehr erkennen, wie die Bürokraten, Geldtheoretiker oder einstigen Investmentbanker in den Notenbanken noch einen Weg aus der geldpolitischen Sackgasse finden können, in die sie sich mit ihrer viel zu lange währenden Nullzinspolitik und der Erschaffung von Billionen an neuem "Geld" selbst hineinmanövriert haben. Ohne noch, wie es Bernanke im Mai auch offenbarte, über eine eigene risikofreie Exit-Strategie zu verfügen, sind es die Notenbanken inzwischen selbst, die das allergrößte Risiko für die globale Finanzstabilität darstellen!

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