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Geldstrategie Wie Sie Ihr Vermögen sichern

Wer der Inflation entgehen will, muss durchschnittlich etwa vier Prozent Rendite erzielen. Anleger müssen dafür nicht mal ein großes Risiko gehen - sie dürfen nur nicht auf Sparbücher und Staatsanleihen setzen.

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Wer sein Geld im Sparschwein aufbewahrt, muss mit einem Vermögensverlust rechnen. Quelle: dpa

Düsseldorf/Frankfurt Hauptsache kein Geld verlieren! Das ist die eherne Regel des deutschen Anlegers. Durch die europäische Schulden- und Währungskrise hat dieser Grundsatz noch an Bedeutung gewonnen. Doch wie ambitioniert dieses bescheiden anmutende Ziel tatsächlich ist, wurde zuletzt wieder deutlich: An den Aktienbörsen herrscht kein klarer Trend - politische Entscheidungen dominieren die Märkte, die Kurse fahren Achterbahn. Die Notierungen der vor kurzem noch als clevere Anlagealternative gepriesenen Rohstoffe und Edelmetalle enttäuschen. Staatsanleihen der meisten europäischen Länder sind zu Risikoinvestments mutiert, die selbst Profis nur noch mit spitzen Fingern anfassen - wenn überhaupt.

Das Resultat: Investoren machen zunehmend einen Bogen um die Anlagemärkte und ziehen ihr Geld auch aus vielen Fonds ab. Allein im April sind hierzulande 6,7 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgeflossen. Einen Großteil ihres Vermögens horten die Deutschen lieber wie eh und je auf Spar- oder Girokonten oder in bar unter dem Kopfkissen. Knapp zwei Billionen Euro waren es im vergangenen Jahr. Rund 608 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel davon waren Spareinlagen, wie die Bundesbank berechnet hat. Die Hoffnung der Investoren: Dort sind die Zinsen zwar niedrig - nach Angaben der FMH Finanzberatung werden beispielsweise Guthaben auf Sparbüchern mit durchschnittlich nur 0,6 Prozent verzinst. Aber dafür ist das Vermögen vermeintlich verlustsicher aufgehoben.

Für Experten ein gefährlicher Trugschluss: „Private Anleger ignorieren das Risiko negativer Realrenditen“, sagt Markus Steinbeis, Leiter des Fondsmanagements beim renommierten Münchener Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen. „Denn entscheidend ist, das Vermögen nicht nur nominal zu erhalten, sondern auch die Kaufkraft des Portfolios zu sichern.“ Doch schon jetzt beträgt die Inflationsrate in Deutschland 1,9 Prozent, zwischenzeitlich lag sie bereits deutlich darüber. Und die meisten Ökonomen sehen dieses Niveau eher als Unter- denn als Obergrenze für die Zukunft an: „Drei bis vier Prozent Inflation im Euro-Raum sind realistisch - wobei die Inflationsrate in Deutschland höher sein dürfte als in den Südländern“, erwartet beispielsweise der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.

Für langfristig orientierte Sparer ist das fatal: Wer bei solchen Teuerungsraten sein Vermögen zu einem Magerzins von 0,6 Prozent „in Sicherheit“ bringt, hat nach einer Dekade etwa ein Viertel seines Geldes vernichtet. Noch schlechter fällt die Bilanz aus, falls auf die dürftigen Zinserträge auch noch eine Abgeltungsteuer fällig wird. Wenn also die jährlichen Kapitalerträge des Anlegers den sogenannten Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro bei Ledigen und 1 602 Euro bei Verheirateten im Jahr übersteigen.


„Vier Prozent Bruttorendite ein Muss“

Für Anleger gilt deshalb: „Will man nach Teuerung und Abgeltungsteuer das Vermögen zumindest erhalten, sind mittelfristig etwa vier Prozent Bruttorendite ein Muss“, sagt Steinbeis. Alles darunter bedeutet negative reale Erträge und führt langfristig unausweichlich zu Vermögensschwund. Das ergibt sich aus folgender kleiner Rechnung: Die Inflationsrate könnte in Deutschland vielen Experten zufolge im Jahresschnitt bei 2,5 Prozent liegen, hinzu kommen Abgeltungsteuer und Gebühren für Kauf und Depotführung. Ab etwa vier Prozent ist somit erst mal die Grenze erreicht, ab der netto ein Gewinn erzielt wird.

Doch vier Prozent möglichst sichere Rendite sind momentan selbst für Profis eine Herausforderung. Zwar sind die Aktienmärkte mittlerweile wieder weit von ihren Höchstständen im Frühjahr entfernt. Richtig in die Vollen gehen will wegen der unsicheren politischen Situation - etwa durch die Wahlen in Griechenland an diesem Wochenende - aber auch niemand. Trotzdem herrscht vorsichtiger Optimismus. „Angesichts der äußerst negativen Stimmung der vergangenen Wochen sind wir der Ansicht, dass die Zeit zur Wiederaufnahme von mehr Risiko in unseren Strategien kurz bevorstehen könnte“, sagt Matthias Hoppe, Fondsmanager bei Franklin Templeton Multi Asset Strategies. Dem entgegen stehen schmerzliche Erfahrungen aus der Vergangenheit, als viele Fondsmanager in ähnlicher Situation zu früh losgelaufen sind und dann erst mal weiter fallende Kurse verkraften mussten.

Ähnlich ist die Situation bei Rohstoffen. Auch hier sind die Preise, egal ob bei Industrie- oder Edelmetallen, bei Agrarrohstoffen oder Öl in den vergangenen drei Monaten deutlich gefallen. Abgesehen von den Edelmetallen wie Gold, die sich zumindest stabil hielten, gerieten gerade Industriemetalle wie Kupfer und Zink unter Druck. Mussten für die Tonne Kupfer vor einem Vierteljahr noch über 8 600 Dollar gezahlt werden, so sind es nun weniger als 7 400 Dollar. Ein Ende des Abschwungs scheint aber auch hier in Sicht. „Mit dem zu erwartenden Abklingen der Krise im Euro-Raum und wieder höherer Dynamik in den Schwellenländern im zweiten Halbjahr müsste sich das makroökonomische Umfeld auch für Rohstoffe wieder aufhellen“, sagt Heinrich Peters von der Helaba.


Alternativen mit überschaubarem Risiko

Wer auf üppige Renditen aus war, musste zwar schon immer das Auf und Ab im Depot ertragen. Ganz anders als heute war allerdings in der Vergangenheit die Ausgangsposition für defensive Anleger, die sich mit bescheideneren Erträgen zufriedengaben. Der konservative Klassiker: Um sein Vermögen kaufkraftbereinigt zu erhalten, konnte man das Geld einfach dem deutschen Staat leihen. Man setzte auf Bundesanleihen und durfte sich über stetigen Wertzuwachs freuen. Im Schnitt der vergangenen 20 Jahre lag beispielsweise die reale Rendite zehnjähriger Bundespapiere bei rund drei Prozent. Etwas niedriger fällt das Plus aus, wenn man nur die letzten zehn oder fünf Jahre betrachtet. Immerhin um 2,2 beziehungsweise 1,8 wuchs das Vermögen aber auch hier jedes Jahr.

Mittlerweile geht diese Strategie aber nicht mehr auf: Die Renditen deutscher Rentenpapiere sind in den vergangenen Monaten so stark gesunken, dass Anleger nach Abzug der Inflation beträchtliche Verluste einfahren. „Genauso wie Tagesgeld sind Bundesanleihen reale Vermögensvernichtung“, warnt Stefan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Auslöser ist die enorme Nachfrage nach Bundesbonds, die als eine der wenigen verbliebenen krisenfesten Rückzugsmöglichkeiten von Investoren aus aller Welt geschätzt werden.

Alternativen, um die Vier-Prozent-Faustregel einzuhalten, gibt es. Sogar mit überschaubarem Risiko. Aktien von Versorgern wie Eon und RWE oder der Deutsche Telekom liefern seit Jahren Dividendenrenditen, die über dieser Grenze liegen. Auch bieten grundsolide Dax-Werte Anleihen, die Renditen darüber aufweisen. Wer sein Geld über mehrere Jahre entbehren kann, findet bei manchen Festgeld-Anbietern ebenfalls entsprechende Angebote. Wie Sie mit überschaubarem Risiko die magische Grenze von vier Prozent erreichen, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.


Unternehmensanleihen statt Staatspapiere

Sind die Anleihen von Unternehmen sicherer als die von Staaten? Diese Frage beantworten Investoren seit zweieinhalb Jahren mit: „Ja“. Und sie verlangten bereits damals für Anleihen von soliden Unternehmen weniger Rendite als von Staaten wie Griechenland, Portugal oder Irland - obwohl sich alle Länder damals noch selbst an den Märkten finanzieren konnten.

Seither hat sich die Lage mit dem Schuldenschnitt Griechenlands sowie der Flucht Portugals und Irlands unter den Rettungsschirm dramatisch zugespitzt, und selbst Spanien beantragte zuletzt Hilfen für seine Banken. Investoren greifen als vergleichbar sichere Alternative deshalb immer stärker zu den Zinspapieren von Firmen. Die Logik dahinter: „Die Einnahmen von Unternehmen, die qualitativ gut und global aufgestellt sind, sind in der Regel größer als die Ausgaben“, erklärt Dieter Hein, der bei der Banque de Luxembourg Investments verantwortlich für festverzinsliche Anlagen ist. Das gelte derzeit für kein Budget eines Staates der Euro-Zone.

Das Problem: Weil viele Anleger so denken, gibt es nur noch wenig Rendite. Anleihen europäischer Unternehmen mit einer Laufzeit von fünf Jahren werfen nach Daten der Bank of America Merrill Lynch heute im Schnitt nur noch 2,7 Prozent ab. Das ist zwar mehr als die nach wie vor als sicher angesehenen Anleihen Deutschlands, die für fünf Jahre nur knapp 0,6 Prozent Rendite bringen, aber reich werden Anleger auch mit den Firmenbonds nicht. Das gilt vor allem für deutsche Papiere.

Wer mindestens vier Prozent oder mehr Rendite haben will, muss deshalb mehr Risiken eingehen. Anleihen von globalen Unternehmen aus den angeschlagenen Südländern wie zum Beispiel Telefónica und Iberdrola aus Spanien oder Telecom Italia und Enel aus Italien locken Anleger mit Renditen von fünf bis sechs Prozent für fünfjährige Bonds.


Europäische Firmen mit schwächeren Ratings wählen

Noch mehr Zinsen gibt es für die Anleihen von den Unternehmen, denen die Ratingagenturen eine nur schwache Bonität attestieren. Die beginnt ab den Ratingnoten Doppel-B. Die Strategen der Landesbank Baden-Württemberg raten Anlegern explizit dazu, nach Bonds von Firmen mit etwas schwächeren Ratings aus Kerneuropa Ausschau zu halten. Dabei bekommen Anleger zum Beispiel für knapp fünfjährige Anleihen der Dax-Konzerne Heidelberg Cement und Thyssen-Krupp Renditen von 5,4 Prozent. Für eine sechsjährige Anleihe von Fresenius Medical Care gibt es 4,5 Prozent.

Firmen mit noch schlechterer Kreditqualität und hohen Ausfallrisiken wie zum Beispiel Tui oder Europcar werfen noch mehr ab. Gleiches gilt für das noch junge Segment der Mittelstandsanleihen, die meist keine Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen haben, sondern nur von der Auskunftei Creditreform benotet werden und speziell mit dem Blick auf Privatanleger aufgelegt werden.

An den Börsenplätzen Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg-Hannover tummeln sich Bonds von 45 Markenartiklern und weniger bekannten Firmen aus zahlreichen Branchen mit einem durchschnittlichen Volumen von 30 bis 50 Millionen Euro. Anleihen von bekannten Adressen sind häufig stark nachgefragt und notieren über ihrem Ausgabepreis. Der Buchverlag Bastei-Lübbe beispielsweise bietet daher eine Rendite von 4,6 Prozent, der Hemdenhersteller Seidensticker 6,1 Prozent. Bei unbekannteren Firmen ist dagegen mehr zu holen: So lockt das weltweit tätige Recyclingunternehmen Scholz zum Beispiel mit 7,6 Prozent. Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin bietet um die zwölf Prozent Rendite. Hochspekulativ wird es mit Unternehmen aus dem Solar- und Windenergiebereich mit Renditen bis zu 76 Prozent.

Anleger sollten Mittelstandsanleihen dem Depot jedoch nur beimischen. Denn Transparenz und Gläubigerschutz sind hier wenig ausgeprägt. Zuletzt wurde das Segment zudem von drei Insolvenzen erschüttert.


Auch Festgeld kann Rendite bringen

Die gute Nachricht ist: Es gibt noch Banken, die vier Prozent Zinsen im Jahr für Festgeld zahlen. Ein nicht zu verachtender Vorteil: Anleger wissen exakt, wie viel Geld sie am Ende der vereinbarten Laufzeit herausbekommen.

Allerdings bekommt der Sparer einen relativ attraktiven Ertrag nur, wenn er sein Kapital mindestens fünf Jahre anlegt. „Ein bisschen Rendite gibt es noch, aber man muss sich lange binden“, sagt Sigrid Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH, die Bankkonditionen beobachtet. FMH zählt sieben Banken, die für längerfristige Einlagen auf Konten noch Zinsen mit der wichtigen Vier vor dem Komma bieten (Tabelle). Die höchsten Sätze für Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren zahlt die estnische Big Bank: 4,2 Prozent im Jahr über fünf Jahre. Wer 4,45 Prozent haben möchte, muss sich zehn Jahre lang festlegen.

Solch lange Laufzeiten gleichen Wetten auf dauerhaft niedrige Zinsen. Dabei sind die Zinsen derzeit für Tages- und auch Festgeld im Zuge der gesunkenen Kapitalmarktzinsen so niedrig wie seit Jahren nicht. Vor gut vier Jahren lag der durchschnittliche Zins für Fünfjahresfestgeld bei gut vier Prozent und damit fast doppelt so hoch wie heute, wie Herbst errechnet. Wenn sich in einigen Jahren die Lage an den Finanzmärkten beruhigt hat, worauf Ökonomen hoffen, dürften die Zinsen deutlich klettern. Im Zweifel kann ein Sparer dann die Zinsbindung lösen, verliert allerdings auch rückwirkend seinen Sonderzins und bekommt vielfach nur den Tagesgeldsatz von derzeit durchschnittlich 1,7 Prozent im Jahr.

Und Schutz vor Inflation bietet Festgeld ebenfalls nicht. Wer nun nach einem Parkplatz für sein Geld sucht, sollte sich genau das Anbieterinstitut anschauen. Denn die Topanbieter unterscheiden sich im Einlagenschutz. Zwar genießen Sparer bei den genannten Geldhäusern überall mindestens den gesetzlichen Einlagenschutz der EU von 100 000 Euro pro Person. Doch im Fall einer Pleite muss ein Sparer sein Geld in dem Land einklagen, in dem seine Bank ihren Sitz hat. Das kann Deutschland sein wie beim Absatzfinanzierer AKF oder bei den deutschen Töchtern der spanischen Santander oder dem türkischen Pensionsfonds Oyak.

Die beiden Letzteren gehören zudem dem privaten Einlagensicherungsfonds deutscher Banken an. Andere Häuser wie die Akbank, die Credit Europe Bank oder die Deniz Bank unterliegen dem niederländischen Einlagenschutz. Im Fall der Big Bank haftet Estland. Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg raten daher zu in Deutschland ansässigen Instituten. Denn: Es dürfte aufwendig sein, sein Geld vor einem Gericht im Ausland zu erstreiten.


Dividenden sollten stetig steigen

Rekordgewinne und üppige Dividenden - das bieten die Dax-Konzerne ihren Anlegern. Es scheint daher, als sei es eine leichte Übung, an den Aktienmärkten eine Jahresrendite von vier und mehr Prozent zu erzielen. Wer nur auf die hohen Dividenden schielt und die (möglichen) Kursverluste ausblendet, hat es tatsächlich nicht schwer. Denn etliche Unternehmen bescheren dem Anleger seit Jahren eine Dividendenrendite von vier und mehr Prozent.

Beispiel T-Aktie: Die Deutsche Telekom schüttet seit Jahren so viel aus, dass Anleger damit gemessen am Aktienkurs eine Rendite von mehr als sechs Prozent erzielen. Die Dividende verringerte sich zwar von 78 auf 70 Cent. Doch angesichts des stetig sinkenden Kurses fällt die Dividendenrendite nicht - sie errechnet sich aus der Relation zwischen Kurs und Dividende. Auf Basis des aktuellen Kurses von gut acht Euro erzielen Anleger eine Rendite von 8,75 Prozent.

Auch mit dem Versicherer Allianz, dem Handelskonzern Metro und den beiden Versorgern Eon und RWE fahren Anleger seit Jahren üppige Renditen von mehr als vier Prozent ein. Das Problem: Diese ergeben sich nicht aus stetig oder gar rasant steigenden Dividenden, sondern aus Kursverlusten. Sie fressen die Dividendenrenditen mehr als auf.

Besser fährt, wer sich auf Aktien von Unternehmen konzentriert, die ihre Dividenden Jahr für Jahr anheben. Denn solche Werte entwickeln sich langfristig überdurchschnittlich gut. Der Dialysespezialist FMC erhöht seit 14 Jahren die Dividende Jahr für Jahr um rund zehn Prozent. Die Dividendenrendite ist mit 1,7 Prozent vergleichsweise bescheiden. Doch die Ursache dafür besänftigt: Der Aktienkurs stieg in den vergangenen Jahren ebenso rasant wie die Dividende. Nur deshalb verharrte die Dividendenrendite auf so niedrigem Niveau.


Auf Unternehmen setzen, die ihre Dividende jährlich anheben

Gut fahren Anleger mit hohen Dividendenrenditen langfristig dann, wenn die Unternehmen ihre Dividende möglichst jährlich anheben. Denn dann signalisiert die hohe Dividendenrendite, dass der Aktienkurs mit den höheren Ausschüttungen einigermaßen Schritt hält.

Beispiel BASF: In den vergangenen zehn Jahren lag die durchschnittliche Dividendenrendite bei 3,84 Prozent. Der Kurs hat sich seitdem fast verdoppelt, die Dividende mehr als verdreifacht. Mit solch einer Anlage fuhren Investoren gut.

Während BASF die Ausschüttung seit Jahren eng an den Gewinnen und Kapitalrenditen orientiert und sie angesichts stetig wachsender Erträge erhöht, haben sich andere Konzerne erst in neuerer Zeit eine aktionärsfreundlichere Dividendenpolitik auferlegt. Für diesen Schwenk steht exemplarisch die Deutsche Börse. Sie zählte bis 2005 zu den knauserigsten Zahlern, ehe der aggressive Großaktionär, der Hedge-Fonds TCI, die geplante Übernahme der London Stock Exchange torpedierte und stattdessen höhere Dividenden erzwang. Seit diesem denkwürdigen Ereignis, das Vorstandschef Werner Seifert damals seinen Vorstandsposten kostete, erhöht die Deutsche Börse stetig ihre Dividende.

Vorbild für kontinuierlich steigende Dividenden sind die Amerikaner. Hier entziehen sich selbst rasant wachsende Technologiekonzerne, bei denen Ausschüttungen einst als Eingeständnis von Ideenlosigkeit verpönt waren, nicht mehr dem Trend zur Dividende. Jüngst verkündete sogar Apple, angesichts einer Bargeldreserve von 100 Milliarden Dollar erstmals seit 1995 wieder eine Dividende zu zahlen.


Langfristige Kursgewinne

Im Mutterland der Börse fordern die milliardenschweren Pensionsfonds hohe und regelmäßige Ausschüttungen, um mit diesen Einnahmen unabhängig von allen Kursschwankungen kalkulieren zu können. McDonald's hob seine Ausschüttungen seit 1976 ununterbrochen an. Philip Morris zahlt seit 80 Jahren Dividenden. IBM steigerte seine Ausschüttungen seit 2003 um 400 Prozent.

Die Aktien dieser Unternehmen sind selbst in großen Krisen vor allzu schweren Kursverlusten geschützt, weil die Fonds an ihren Anteilen festhalten. Auffällig ist, dass diese Firmen ihren Aktionären auch im vergangenen Jahr wieder deutlich überdurchschnittliche Gesamtrenditen von mehr als 25 Prozent beschert haben. Sie errechnen sich aus dem Kursgewinn und den Dividenden.

„Diese Unternehmen schaffen nicht primär durch Umsatzwachstum Wert“, sagt Frank Plaschke, Partner bei der Managementberatung Boston Consulting Group. Vielmehr setzten Philip Morris, IBM & Co auf eine Kombination aus verbesserten Margen und einer Rückzahlung eines großen Teils der freien Mittelzuflüsse an Aktionäre in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen. Die Maxime dieser Unternehmen heißt: höherer Börsenwert - und damit Kurszuwachs. Der Anleger profitiert also doppelt: durch verlässlich hohe und steigende Dividenden und durch langfristige Kursgewinne.


Versicherern genau auf die Finger schauen

Lebensversicherer sind im Allgemeinen nicht für eine klare Sprache bekannt. Sie mögen zwar von vier Prozent Rendite reden, die sie erreichen. Doch damit meinen sie etwas anderes als ein Bankberater. Versicherer meinen die Überschussbeteiligung. Jedes Jahr im Herbst taucht das Wort auf, wenn die Versicherer festlegen, wie viel sie ihren Kunden für das nächste Jahr geben wollen. Das heißt: Auf die Sparsumme in der Lebensversicherung werden drei, vier oder in Einzelfällen sogar fünf Prozent gutgeschrieben. Was viele vergessen: Seine Kosten hat der Versicherer schon vorher abgezogen - und die können happig sein.

Entscheidend für Kunden ist daher nicht die Überschussbeteiligung, sondern die Rendite seiner Lebensversicherung. Solche Zahlen nennen die Versicherer jedoch nur ungern, meistens lassen sie diese von Analysten ausrechnen. Aus gutem Grund: Häufig liegt die Rendite auf die eingezahlten Beiträge deutlich unter der Überschussbeteiligung. Grob geschätzt also eher bei drei als bei vier Prozent.

Der Branchendienst Map-Report hat es genau ausgerechnet: 2,78 Prozent Ablaufrendite, also die Rendite über die gesamte Laufzeit, im Marktschnitt für Verträge über zwölf Jahre, 3,31 Prozent für Verträge über 20 Jahre und 3,52 Prozent für 30 Jahre laufende Policen. Der Grund für diese niedrigen Werte: „Die Beispielrechnungen der Lebensversicherer leiden unter der Niedrigzinspolitik.“

Das ist aber nicht der einzige Haken. Lebensversicherer rechnen auch den nicht garantierten Überschuss auf die Vertragslaufzeit hoch. Diese Kalkulation mag schön aussehen, ist aber letztlich unverbindlich. Denn auch der Versicherer weiß ja nicht, wie sich die Zinsen künftig entwickeln. Das ist eine Spekulation, die aufgehen kann oder auch nicht.


Lebensversicherungen lohnen nicht mehr

Sicher ist dem Kunden bei einer Lebensversicherung nur der Garantiezins. Der liegt jedoch derzeit für neue Verträge bei 1,75 Prozent. Und wenn man auch hier die Kosten des Versicherers abrechnet, bleiben vielleicht ein Prozent oder auch weniger an sicherer Rendite auf die eingezahlten Beiträge. Diese Systematik muss man kennen, wenn man hofft, mit einer Lebensversicherung vier Prozent zu schaffen. Ausgeschlossen ist das nicht, schließlich haben manche Anbieter das Geld ihrer Kunden in der Vergangenheit gut angelegt. Doch bei den aktuell niedrigen Zinsen dürfte das nicht so bleiben.

Wer mit seiner Lebensversicherung langfristig vier Prozent einfahren möchte, muss also darauf hoffen, dass die Zinsen am Kapitalmarkt irgendwann wieder steigen, so wie Branchenbeobachter Manfred Poweleit: Die aktuell berechenbaren, unverbindlichen Ablaufrenditen „könnten den sachunkundigen Betrachter auf die Idee bringen, Lebensversicherungen würden sich in Zukunft nicht mehr lohnen. Wie die Märkte sich in Zukunft entwickeln, welche Zins- oder Aktiengewinne erzielbar sein werden, ist nicht über Jahre vorausberechenbar.“

Deutsche Staatsanleihen seien hoffnungslos überbewertet, meint Poweleit im Übrigen. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Blase platze. Wenn die Finanzmärkte die deutsche Überschuldung und Vergreisung richtig bewerteten, würden die deutschen Finanzminister wieder risikogerechte, sprich höhere Zinsen für ihre Schulden bezahlen müssen. Dann gehe es den Vorsorgesparern auch wieder besser, weil die Versicherer den Großteil ihres Geldes in Staatsanleihen anlegen.

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