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Geldverwalter-Ranking So finden Anleger den passenden Geldprofi

„Die Frage ist immer die gleiche: Wohin mit dem Geld?“ Quelle: imago images

Klaus-Dieter Erdmann und Nicolai Bräutigam bewerten für die WirtschaftsWoche jährlich über 400 Vermögensverwalter. Im Interview verraten Sie, wie Investoren die passenden Geldmanager auswählen.

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Zu den Interviewpartnern: Klaus-Dieter Erdmann und Nicolai Bräutigam sind Geschäftsführer bei MMD Analyse & Advisory aus Arnsberg. Für das jährliche Vermögensverwalter-Ranking der WirtschaftsWoche bewerten sie die Geldmanager. Mit diesem tiefen Einblick in Erfolg und Misserfolg bieten Sie wertvolle Orientierung bei der Suche nach dem passenden Vermögensverwalter.

WirtschaftsWoche: Herr Erdmann, Herr Bräutigam, gibt es nach der Coronakrise an den Börsen jetzt mehr Gier oder mehr Angst?
Klaus-Dieter Erdmann: Es gibt eine Menge Spielerei an der Börse, wie Bitcoin und Gamestop zeigen. Die neuen Rekordstände etwa beim Dax machen manchen sicherlich gierig. Sie führen ja auch zu dem FOMO genannten Phänomen, dem „Fear of missing out“. Viele Anleger haben Angst, die Rally zu verpassen und kaufen jetzt Aktien. Aber je größer das Vermögen, desto solider meistens die Anlage der Gelder, die langfristig die Vermögensbasis ausmachen. 

Doch auch bei diesen Anlegern gibt es eine schöne Abkürzung, die ihr Verhalten beschreibt. Es ist TINA, für „there is no alternative“. Wer jetzt an der Börse Aktien kauft, hat realisiert, dass er allein mit Zinsanlagen wenig Rendite erzielen kann. Und bei den Großanlegern findet schon seit Jahren eine Rotation statt - wenn Zinsanlagen fällig werden, sind sie jetzt so massiv mit Negativzinsen konfrontiert, dass Aktien durchaus die auf Dauer bessere Alternative sind. 

Nicolai Bräutigam (li) und Klaus-Dieter Erdmann bewerten für die WirtschaftsWoche jährlich über 400 Vermögensverwalter. Quelle: PR

Hat die Krise denn bei den Anlegern irgendwelche Spuren hinterlassen? 
Nicolai Bräutigam: Ja, durchaus positive. Wir haben bei unseren Kunden festgestellt, dass sie die Kursschwankungen besser ausgehalten haben als in der vorangegangenen Finanzkrise. Sie hatten zu den Geldverwaltern Vertrauen. Und die Anleger wurden für ihre Beharrlichkeit belohnt, denn es folgte ja eine sehr schnelle Kurserholung an den Börsen. Das wiederum animierte viele dazu, etwas höhere Aktienquoten in ihrem Depot zu akzeptieren. 

Mit welchen Anliegen melden sich denn Kunden bei Ihnen am häufigsten? 
Erdmann: Die Frage ist immer die gleiche: Wohin mit dem Geld? Da haben sich keine großen Veränderungen ergeben. Es geht weiterhin aufgrund des Niedrigzinsumfelds darum, auskömmliche Renditen bei begrenztem Risiko zu erzielen. Vermehrt kommt das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage hinzu. Anleger möchten, dass ihr Geld in mehrerlei Hinsicht verantwortungsvoll investiert wird und nicht in Unternehmen, die kurz gesagt „gegen die guten Sitten“ verstoßen. 

Was sollte ein Anleger tun, der sich Sorgen um seine Geldanlage macht?
Bräutigam: Er sollte sich mal anschauen, wie sein Depot gemischt ist und nicht alles auf eine Anlage setzen sondern auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle. Genug Geld liquide haben ist auch beruhigend. Am häufigsten scheitern Anleger an ihren eigenen Emotionen, kaufen dann zu viel zu Höchstkursen oder verkaufen aus Angst zu Tiefstkursen. Wer einen Vermögensverwalter hat, macht diese Fehler nicht und diszipliniert sich selbst. 

Worauf kommt es bei der Suche nach dem richtigen Geldverwalter an? 
Bräutigam: Im ersten Schritt helfen Rankings und Auswertungen. Anhand dieser kann man sich mit den Vermögensverwaltern beschäftigen und wird mit den Personen vertraut, ihrem Hintergrund, den Anlageklassen. Dort findet man auch Angaben zur Wertentwicklung und zu den Risiken wie etwa der Höhe zwischenzeitlicher Verluste. Und die Kosten der Geldanlage sollte man sich dann auch ansehen - aber die sind in der Wertentwicklung bereits berücksichtigt.

Reicht ein einziger Vermögensverwalter? 
Erdmann: Wenn ich fünf Manager habe, die das gleiche machen, habe ich vier zu viel. Aber auch hier gibt es ja durchaus Unterschiede bei den Investmentstilen und Anlageklassen. Die Geldverwalter haben entweder einen weltweiten oder europäischen Anlageschwerpunkt, einige investieren auch zusätzlich in Schwellenländern, manche setzen stärker auf Anlagetrends andere bleiben bei klassischen Branchen. Und je nach dieser Ausrichtung unterschieden sich auch die Ergebnisse in bestimmen Phasen.

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Einige Geldmanager haben einen Boom vielleicht nicht mitgemacht und eine schwache Wertentwicklung, aber sie holen dann in einem Crash etwas raus, weil sie nicht so stark verlieren. Wenn man Fonds miteinander in einem langfristigen Chart vergleicht, erkennt man die Unterschiede. 

Mehr zum Thema: Exklusives Ranking der Börsenstrategen: Was Deutschlands erfolgreichste Geldmanager jetzt empfehlen – und wie sie ihre Fonds gegen Inflation und Crashrisiken absichern.

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