Geschlechter-Debatte Milliardär nennt Frauen schlechte Investoren

„Sobald Babylippen den Busen einer Frau berührt haben – vergiss es“, sagte US-Milliardär Paul Tudor Jones bei einer Podiumsdiskussion. Kinder schadeten der Konzentration, die beim Makrohandel so wichtig sei.

Wenn Frauen Kinder bekommen, sei es mit der Konzentration hin, sagt US-Milliardär Paul Tudor Jones. Mit dieser Aussage sorgte er an der Universität von Virginia für Aufregung. Quelle: Presse

Makrohandel ist nichts für Frauen. Zu diesem Schluss ist Top-Investor Paul Tudor Jones, 58, während einer Podiumsdiskussion an der Universität von Virginia gekommen. Der Vorfall liegt einen Monat zurück, doch erst am Donnerstag rechtfertigte sich der Milliardär gegenüber der Washington Post und ruderte zurück.  

„Meine Äußerungen aus dem Stegreif an der Universität von Virginia bezogen sich auf globale Makrohändler, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche abrufbereit sein müssen  und von denen nur wenige Tausend in der Welt erfolgreich sind“, hieß es in der Erklärung gegenüber der Zeitung. „Lebensereignisse, wie Geburt, Scheidung, Tod einer geliebten Person und andere emotionale Hochs und Tiefs sind Erfolgshürden in diesem speziellen Finanzfeld.“

Diese Fehler verbauen Frauen die Karriere
1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchternKeine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt... Quelle: Fotolia
2. Schon Mädchen scheuen WettbewerbMatthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen. Quelle: Fotolia
3. Frauen unterschätzen ihre LeistungErnesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment ( .pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen. Quelle: Fotolia
4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussenMarina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information. Quelle: Fotolia
5. Frauen sind schneller zufriedenDer Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie ( .pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche. Quelle: Fotolia
6. Frauen scheuen Jobs mit WettbewerbAndreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift "Job gefällig?" in der Hand Quelle: dpa
6. Chefinnen unerwünschtNicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.     Quelle: Fotolia
 Eine Frau steht mit zwei Paar Schuhen vor ihrem Kleiderschrank Quelle: dpa
10. Frauen streben seltener nach FührungspositionenEin Team von Organisationspsychologen um Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg untersuchte für eine Langzeitstudie ( .pdf) „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“. Kurios: Zwar hatten die Frauen häufig wesentlich mehr Potenzial als die Männer. Doch das hieß noch lange nicht, dass sie nach einer steilen Karriere strebten. Ganz im Gegenteil: Laut Felfe haben sie haben mehr Bedenken als Männer, in einer Führungsposition zu versagen und befürchten, Arbeit und Familien nicht vereinbaren zu können. Deshalb fahren sie „auf der Karriereautobahn mit angezogener Handbremse“. Quelle: Fotolia
11. Frauen kommunizieren Ihre Schwächen, nicht ihre StärkenFrauen kommunizieren anders als Männer. Nämlich sprechen sie rund 20-mal häufiger über ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten als über ihre Stärken und Erfolge, wie Studien zeigen. So verkaufen sie sich unter Wert. Denn im Berufsleben ist "ich kann das nicht" keine Botschaft, die einen weiter bringt. Quelle: Fotolia

Tatsächlich ist der globale Makrohandel, der makroökonomische Kenntnisse erfordert und weltweite Zinstrends, politische Umbrüche, Regierungspolitiken und innerstaatliche Beziehungen analysiert, ein kompliziertes Investmentfeld – für Frauen und Männer gleichermaßen. So feinsinnig wie in seiner Erklärung drückte sich Jones in seiner Antwort jedoch nicht aus, als ein Student am 26. April fragte, welche Chancen sich für Frauen in diesem Bereich ergeben: „Sobald Babylippen den Busen einer Frau berührt haben, vergiss es.“ Denn Kinder seien Killer für die Konzentration – und gerade diese sei beim globalen Makrohandel unerlässlich.

„Jede einzelne Investmentidee, jeder Wunsch zu verstehen, was die Kurse bald steigen oder fallen lässt, all das wird überwältigt von der allerschönsten Erfahrung, etwas das ein Mann nie teilen wird, diese Art der Verbindung zwischen Mutter und Kind.“ Als Beispiel nannte er zwei Frauen, die mit ihm in den 1970ern zusammengearbeitet hatten. Sie heirateten, bekamen Kinder, und brachten seiner Meinung nach nicht mehr die nötige Konzentration für den intensiven Makrohandel mit. „Und das habe ich immer wieder passieren sehen“, sagt Jones. „Du wirst nie so viele großartige weibliche Investoren und Händler sehen, wie männliche – Punkt, Ende der Geschichte.“

Frauenanteil in Deutschlands Großkonzernen
Adidas Herbert Hainer Quelle: dapd
Elizabeth Corley Allianz Quelle: Pressebild
Sandra Peterson Bayer Quelle: Pressebild
BASFBeim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr ebenfalls nur um rund ein Prozent auf 10,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Hier sind auch Ziele in Sachen Frauenförderung wenig ambitioniert. Lediglich 15 Prozent sollen bis Ende 2020 in den Chefetagen des Konzerns sitzen. Auch insgesamt gibt es wenige Frauen im Konzern. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft liegt bei 23 Prozent. Allerdings sitzt hier eine Frau im Vorstand. Margret Suckale ist Personalchefin des Ludwigshafener Chemieunternehmens. Bekannt wurde sie während des Lokführer-Streiks 2008 als Personalchefin bei der Deutschen Bahn. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht ist RTL-Chefin Anke Schäferkordt, die im Aufsichtsrat von BASF sitzt. Quelle: dpa
Beiersdorf Quelle: dpa
Hildegard Wortmann Quelle: Pressebild
Commerzbank Quelle: dapd
Daimler Dieter Zetsche Quelle: REUTERS
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Infineon Quelle: dapd
K+S AG Quelle: dpa
Manfred Schneider Linde Quelle: dapd

Eine Studie der DAB Direktbank vom März kann dies nicht bestätigen. Das Institut verglich 480.000 Privatanleger und ermittelte, dass beide Geschlechter im Jahr 2012 im Schnitt die gleiche Rendite von 7,7 Prozent erwirtschaftet haben. Ein Blick auf die langfristige Performance der letzten vier Jahre zeigt sogar, dass Frauen einen besseres Händchen beim Anlegen haben. Frauen, die Anfang 2009 zum Beispiel 1.000 Euro angelegt hat, konnte Ende 2012 rund 1.275 Euro einstreichen. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 6,3 Prozent. bei den Männern lag sie bei 6,0 Prozent.

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