Geschlossene Fonds Beipackzettel genügen nicht

Viele geschlossene Fonds informieren ihre Anleger in den knappen Beipackzetteln nur unzureichend über die Art der Geldanlage, Anlagestrategie, Risiken und Kosten. Worauf Privatinvestoren achten sollten.

Die sogenannten

Geldanlagen sind immer auch Vertrauenssache: Arbeitet der Anbieter seriös? Ist die Anlagestrategie plausibel? Sind die möglichen Gewinne realistisch kalkuliert und die Risiken transparent und tragbar? Anleger müssen das beurteilen können, bevor sie investieren. Aber trotz der verbesserten Informationspflichten bei Vermögensanlagen bleibt es für Privatanleger schwierig, sich ein genaues Bild zu machen. Vor allem mit den neuen dreiseitigen Beipackzetteln zu Beteiligungen, fanden jetzt Verbraucherschützer heraus.

Wer sein Geld in Vermögensanlagen stecken will, erhält auf den neuen Beipackzetteln der Anbieter nur unzureichende Informationen. Das ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest und des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Gegenstand der Studie waren geschlossene Fonds und andere nicht an den Börsen gehandelte Beteiligungen wie Genussrechte und Namensschuldverschreibungen. Von 24 Informationsblättern erfüllte demnach keines die gesetzlichen Anforderungen. „Viele juristische Wortfloskeln, wenig Informationen, die Inhalte sind viel zu allgemein gehalten, Geschäftsrisiken werden nur vage beschrieben“, sagte Studienleiter Stephan Kühnlenz in Berlin. Der Verband Geschlossene Fonds (VGF) bezweifelte die Allgemeingültigkeit der Aussagen der Verbraucherschützer. Das Bundesfinanzministerium wies die Kritik zurück.

Warnsignale bei geschlossenen Fonds

Wenig Informationen zur Anlage

Kunden erhalten die VIB zusätzlich zum bis zu 200 Seiten langen ausführlichen Prospekt. Für geschlossene Fonds, Genussrechte, Namensschuldverschreibungen und stille Beteiligungen sollen die Beipackzettel die Anlagestrategie erklären sowie die Risiken, Kosten und die Provision für den Vermittler durchschaubar machen. Drei DIN-A-4 Seiten sollen reichen - leicht verständlich, kompakt und übersichtlich sollen sie sein. Das zumindest war die Idee des Gesetzgebers, als er die Einführung beschloss. Seit Juni 2012 müssen Anbieter geschlossener Fonds diese Kurzinformationen vorlegen.

Die Verbraucherschützer fanden anderes: Werbende Bilder zu einem Hotelfonds - aber keine Angaben zum Standort und zur Auslastung, ein Solarparkfonds-Beipackzettel ohne Angaben zur erwarteten Stromproduktion, ein Immobilienfonds, der ausschließlich mit steigenden Mieten rechnet. Häufig würden auch Kaufnebenkosten wie Maklergebühren und Notarhonorare verschwiegen, sagte Kühnlenz. "Aus der Qualität des Informationsblatts lässt sich nicht schließen, ob eine Anlage etwas taugt."

Geschlossene Fonds brauchen einen Warnhinweis

Der Branchenverband VGF hob hervor, seine Empfehlungen für die Beipackzettel richteten sich nach den gesetzlichen Vorgaben. "Das VIB hat aber nicht den Anspruch, den Verkaufsprospekt komplett abzubilden", betonte Hauptgeschäftsführer Eric Romba. "Er ist eine Grundlage, um beispielsweise zwei Angebote zu vergleichen." Maßgeblich bleibe der detaillierte Prospekt. Romba bot den Verbraucherschützern aber Gespräche über Verbesserungen an.

„Die Produkte brauchen einen klaren Warnhinweis“, forderte Dorothea Mohn, Anlageexpertin der Verbraucherzentralen - nach dem Vorbild der Gesundheits-Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Die Verbraucherschützer zitierten den Fondsexperten Stefan Loipfinger, dem zufolge 50 bis 70 Prozent der in den vergangenen 20 Jahren aufgelegten geschlossenen Fonds Verlustbringer waren. 90 Prozent der Fonds erreichten ihr Anlageziel nicht.

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