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Geschlossene Fonds Der beste Schutz vor gefährlichen Geldanlagen

Die Skandale reißen nicht ab: Egal ob Immobilien, Schiffe oder Windparks - riskante Beteiligungen können teuer werden. Wie Anleger unseriöse Anlageangebote meiden, welche Rechte Investoren haben.

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Die größten Reedereien der Welt
Platz 10Kapazitäten zum Transport von 509.065 Standardcontainer hat die Reederei Mitsui O.S.K Lines nach Angaben des Branchendienstes Alphaliner am 1. November 2012. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das japanische Unternehmen auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Foto: die Alligator Bravery im Hafen von Oakland, Kalifornien. Quelle: AP
Platz 9CSCL Die Reederei China Shipping Container Lines mit Sitz in Schanghai verfügt über eine Flotte von über 150 Schiffen. Am 1. November 2012 hatte sie Platz für 554.607 Standardcontainer, was etwas über drei Prozent Weltmarktanteil bedeutet. Das bringt in der Rangliste der größten Reedereien den neunten Platz. Foto: Der Containerriese „CSCL Europe“.
Platz 8Die American President Lines (APL) konnte am Stichtag 577.143 Standardcontainer gleichzeitig bewegen und belegt damit den achten Platz des Rankings. Das Unternehmen ist eine Tochter der Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur. Foto: APL Terminal am Hafen von Los Angeles.
Platz 7Mit einem Transportvolumen von 578.114 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem siebten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Foto: Das Containerschiff „Hanjin Cairo“.
Platz 6Das Hamburger Logistikunternehmen Hapag-Lloyd entstand 1970 aus einer Fusion der Reedereien Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und Norddeutscher Lloyd aus Bremen. Mit einer Kapazität von 636.214 Standardcontainern landet die Reederei auf dem sechsten Platz. Foto: Containerschiff Hamburg Express von Hapag-Lloyd am Terminal Hamburg-Altenwerder.
Platz 5Auf Position fünf des Rankings: Die Reederei Cosco beziehungsweise Coscon mit Sitz in Peking besitzt am 1. November 2012 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 719.652 Standardcontainer. Das sind über vier Prozent Weltmarktanteil. Das Unternehmen ist im Besitz der Volksrepublik China. Foto: Ein Cosco Container im Terminal des Hafens von Hongkong.
Platz 4Mit 734.845 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line auf Position sieben. Noch zum Jahresanfang hatte die Reederei drei Plätze weiter hinten in den Top Ten rangiert. Die Evergreen Group setzt sich aus fünf Unternehmen zusammen: Evergreen Marine Taiwan, Italia Marittima, Evergreen Marine UK, Evergreen Marine Hong Kong und Evergreen Marine Singapore. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen. Foto: Evergreen Containerschiff am Hafen von Los Angeles.

Die traditionsreiche Reederei Hapag-Lloyd hat schon bessere Tage gesehen. Niedrige Frachtraten und hohe Treibstoffkosten habe die Bilanz des vergangenen Jahres verhagelt: 128 Millionen Euro Verlust. Bereits 2011 fuhr Hapag-Lloyd einen Minus von 26 Millionen Euro ein. Schuld, so die Reederei, sei die Abkühlung der Weltkonjunktur.

Das lahmende Frachtgeschäft bekommen derzeit Privatanleger zu spüren, die ihr Geld in geschlossene Schiffsfonds investiert haben. Über diese Fonds sind sie beispielsweise an Containerschiffen beteiligt, wie sie auch Hapag-Lloyd betreibt. Weil die Schiffe zu wenig abwerfen, können die Fonds die versprochenen Ausschüttungen nicht erbringen.

Über Schiffsfonds

Stattdessen fordern einzelne Fonds sogar Geld zurück: mehrere Millionen Euro an Ausschüttungen wollten kriselnde Schiffsfonds der Dr. Peters-Gruppe von den Anlegern. Es geht noch schlimmer: Mehrere Tausend Anleger des geschlossenen Schiffsfonds MPC Offen Flotte, mussten dem Notverkauf der Schiffe zustimmen. Von dem eingezahlten Geld lässt sich wohl nur ein Bruchteil retten.

Die aktuelle Krise zeigt, dass unternehmerische Beteiligungen auch das Risiko eines Totalverlusts einschließen. Bisher gingen etwa 120 Schiffsfonds pleite. Weitere Fonds in Schieflage mussten im vergangenen Jahr insgesamt 86 Schiffe verkaufen. Reeder Bertram Rickmers hält die Zeit für Schiffsfinanzierungen über Fonds inzwischen für abgelaufen (Das Interview mit Bertram Rickmers finden Sie in WirtschaftsWoche Heft 13/2013, jetzt am Kiosk).

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    Auch bei anderen Sachwerten, beispielsweise Immobilien häufen sich Insolvenzen. So ging im vergangenen Jahr das von einem geschlossenen Fonds des Initiators Anno-August Jagdfeld finanzierte Hotel Heiligendamm pleite. Ein Insolvenzverwalter kümmerte sich um den Weiterbetrieb. Inzwischen hat Jagdfeld eingeräumt, dass das Hotel gescheitert sei. Schuld seien Tagestouristen, die als Zaungäste den Hotelbetrieb störten.

    Die Pleite Heiligendamms ist kein Einzelfall. Tausende Anleger waren beispielsweise von Pleiten der Immobilienfonds, die die Falk Gruppe oder die DG Bank aufgelegt hatten. Laut einer Studie des Analysehauses Deutsche Fondsresearch drohe in den kommenden drei Jahren jedem zehnten geschlossenen Immobilienfonds die Pleite, weil die Mieterträge nicht reichten, um die aufgenommenen Darlehen zu bedienen.

    Oft geraten geschlossene Fonds in Schieflage, weil die Macher zu optimistisch geplant haben. So werden beispielsweise bei Immobilienfonds die erzielbaren Mieten zu hoch angesetzt. Schwächelnde Konjunktur und Stellenabbau sorgen für leere Bürotürme, die Mieteinnahmen bröckeln.

    Geschlossene Fonds unter der Lupe

    Neuer Rückschlag für Solarworld
    SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
    Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
    SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
    SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
    SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
    S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
    ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

    Bei Windkraftfonds stehen die finanzierten Rotoren häufiger still als erwartet, weil sich die Fondsinitiatoren auf zu optimistische Windprognosen verlassen haben. So kassierte das Finanzamt die Steuervorteile des von der Deutschen Bank vertriebenen Windpark-Fonds Heede/Wiesmoor wieder ein. Wegen falscher Windprognosen machte der Park dauerhaft Verluste.

    Diese Fehler könnten mit gutem Willen noch unter unternehmerisches Risiko fallen. Allerdings segeln einige Initiatoren hart am Rande der Legalität, etwa wenn der Fonds Aufträge an Freunde und Angehörige vergibt oder Sachwerte von der Bank kauft, die die Beteiligung vermittelt oder deren Tochter den Fonds aufgelegt hat. Mitunter fließt das Geld der Anleger, beispielsweise bei einigen Filmfonds, gar nicht dorthin, wo der Prospekt es versprochen hat.

    Anders als etwa börsengehandelte Wertpapiere sind Beteiligungen an geschlossenen Fonds weitgehend unreguliert. Das soll sich ändern. Künftig will das Aufsichtsamt BaFin geschlossene Fonds stärker unter die Lupe nehmen. Grundlage ist das Kapitalanlagegesetzbuch, dass neue Regeln für alle Formen von Investmentfonds vorschreibt. Das Gesetzeswerk ist nötig, um eine EU-Richtlinie umzusetzen.

    Bisher gibt es nur einen Gesetzentwurf. Danach sollen die Aufseher unter anderem sicherstellen, dass die Initiatoren geschlossener Fonds Mindestanforderungen erfüllen. Dazu gehört beispielsweise die fachliche Qualifikation und die Berufserfahrung. So soll verhindert werden, dass unseriöse Anbieter mit Beteiligungen Geld einsammeln können.

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      Anleger, die sich betrogen oder schlecht beraten sehen, sollten...

      Laut Gesetzentwurf soll ein Großteil der neuen Regeln aber nur bei Fonds mit mehr als 100 Millionen Euro Volumen greifen. „Damit fallen 90 Prozent dieser Fonds nicht unter die staatliche Aufsicht“, sagt Peter Mattil, Anwalt aus München. Deren Initiatoren bräuchten keine Zulassung des Aufsichtsamts.

      Zudem werde die Prospekthaftung für geschlossene Fonds eingeschränkt, so Mattil. Bisher hätten auch die Hintermänner eines geschlossenen Fonds für fehlerhafte Prospekte haften müssen. Künftig könnten Anleger nur noch gegen die Kapitalverwaltungsgesellschaft klagen. „Unter dem Strich würde sich durch das Gesetz die Rechtslage des Anlegers eindeutig verschlechtert“, kritisiert Anwalt Mattil.

      Wann die Alarmglocken läuten sollten

      Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
      Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
      EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
      ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
      AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
      DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
      AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
      ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP

      Auf den Staat können Anleger daher nicht hoffen. Letztlich müssen sie selbst darum kümmern, dass sie nicht auf unseriöse Beteiligungen hereinfallen. Die Alarmglocken sollten läuten, wenn

      • bei Auflage des Fonds noch nicht bekannt ist, in welche Objekte, etwa Immobilien oder Schiffe, investiert wird (Blind-Pool). Anleger können das Risiko ihres Investments nicht abschätzen.

      • der Fonds Renditen von mehr als acht Prozent pro Jahr verspricht, gleichzeitig aber 30 Prozent der Investitionen für Vertrieb und Verwaltung draufgehen. Die Rechnung geht dann kaum auf

      • der Initiator des Fonds bereits Fonds aufgelegt hat, deren Anteile am Zweitmarkt für geschlossene Fonds (www.zweitmarkt.de) mit hohen Abschlägen gehandelt werden.

      Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

      • das wirtschaftliche Umfeld gegen hohe Renditen spricht. Solarparks litten zuletzt unter gekürzten Subventionen, Büroimmobilien unter Leerstand.

      • der Fonds in einen gerade überhitzten und überall beworbenen Markt investiert, zuletzt etwa in Immobilien oder erneuerbare Energien.

      • der Fonds eine weitgehende Nachschusspflicht des Anlegers vorsieht, falls der Fonds zum Sanierungsfall wird.

      • die Initiatoren von einem Liebhaberobjekt mit hohem historischem Wert sprechen. Meist ist dann das Pleiterisiko hoch – wie im Fall des Hotels Heiligendamm.

      Wenn Anleger bereits in einen geschlossenen Fonds investiert haben, müssen sie sich nicht alles von den Machern der Beteiligungen gefallen lassen. So hat der Bundesgerichtshof kürzlich entschieden, dass die Schiffsfonds der Dr. Peters Gruppe gewinnunabhängige Ausschüttungen nicht zurückfordern dürfen (II ZR 73/11, II ZR 74/11). Im Gesellschaftsvertrag fehlten entsprechende Klauseln.

      Wann Aussicht auf Schadensersatz besteht

      Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
      Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben. Quelle: gms
      Senioren sind Top-AnlegerDer Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren. Quelle: gms
      Freud und Leid bei den AnlegernTrotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte ( 48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden. Quelle: dpa
      Festgeld und Tagesgeld besonders beliebtIm laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen. Quelle: gms
      Frauen mögen Festgeld und meiden AktienWährend Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar. Quelle: dpa
      Potenzial für Immobilien und GoldNeben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen. Quelle: obs
      Geringe Risikobereitschaft bei der AnlageTrotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit. Quelle: gms

      Auch sind die Anleger meist nicht verpflichtet, Geld in einen maroden Fonds nachzuschießen. So sind Gesellschafter laut Bundesgerichtshof (BGH) nur zu Nachschüssen verpflichtet, wenn der Gesellschaftsvertrag Nachschusspflichten genau regelt. Dazu gehöre auch eine Obergrenze für eventuelle Nachzahlungen, so der BGH. Genügt der Gesellschaftsvertrag nicht den Anforderungen des BGH, besteht auch keine Nachschusspflicht. Meist fehlen entsprechende Klauseln in den Verträgen, weil die Initiatoren potenzielle Interessenten nicht verschrecken wollen.

      Geldanlage



      Lücken im Gesellschaftsvertrag lassen sich auch nicht ohne weiteres durch Beschlüsse der Gesellschafter nachträglich ausfüllen. So entschied der BGH, dass sich eine Nachschusspflicht nur mit Zustimmung der betroffenen Anleger beschließen lasse und dass sie für alle Gesellschafter gleichermaßen gelten müsse (II ZR 96/06).

      Wenn der Fonds kriselt, besteht gegenüber Berater, Bank oder Fonds Aussicht auf Schadensersatz oder einen Vergleich, wenn

      • die Berater Provisionen verschwiegen oder nicht detailliert genug offengelegt haben. Dies gilt auch, wenn der Prospekt die Höhe der Vergütung und deren Empfänger korrekt angibt.

      • die Anlage als risikoloses Investment beworben wurde, obwohl es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt, oder sie zum Beispiel einem älteren Sparer zur Altersvorsorge empfohlen wurde.

      • der Fondsbetreiber Geschäfte mit sich selbst zum Nachteil der Anleger gemacht hat. Beispielsweise verkauft eine Reederei Schiffe überteuert an hauseigene Fonds, ohne dass dies im Prospekt steht.

      • das Geld zweckentfremdet wird. So warb beispielsweise die Commerzbank Geld für Filmfonds ein, das aber nur zu einem Bruchteil in die Filmproduktion floss.

      • der Prospekt falsche Angaben enthält, beispielsweise über die Höhe der Kosten oder unternehmerische Risiken.

      • wenn die von den Gesellschaftern beschlossenen Änderungen der Geschäftsgrundlagen juristisch angreifbar sind. Dazu gehören etwa der zeitweise Verzicht auf Mieten oder die Verpflichtung, Geld in einen kriselnden Fonds nachzuschießen.

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        Für Anleger lohnt es sich, die eigenen Rechte zu kennen. Allerdings sollten sie immer auf dem Laufendem sein, denn noch ist der Gesetzentwurf zur Regulierung von Investmentfonds nicht verabschiedet.

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