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Geschlossene FondsDie schmutzigen Tricks maroder Fonds

Anleger, die sich an Immobilien, Windparks oder Schiffen beteiligt haben, stehen vielfach vor einem Scherbenhaufen. Häuser sind mieterlos, Windräder rosten vor sich hin, und Seefrachtraten stürzen ab. Wie die Fondsanbieter tricksen, um Investoren trotzdem bei der Stange zu halten. Wie sich Anleger wehren können.Martin Gerth, Daniel Schönwitz 24.10.2013 - 06:09 Uhr
Foto: dpa, Montage

Christoph Schmidt sieht gar nicht aus wie ein Rebell. Der 49-jährige Diplom-Mathematiker entspricht in vielen Details eher dem Klischeebild eines Hanseaten: korrekt nicht nur bei der Kleidung und ein wenig unterkühlt – so wie man die Hamburger kennt. Doch als er seine 15.000 Euro und das Geld der anderen Anleger in einem 2005 aufgelegten, geschlossenen Fonds des Emissionshauses Wölbern Invest in Gefahr sah, verlor Schmidt seine Contenance. Wölbern versuchte über einen Liquiditätspool Geld von einem Fonds in den anderen umzuschichten. Schnell organisierte Schmidt als 2012 gewählter Anlegerbeirat den Widerstand gegen Wölbern: "Wir wollten verhindern, dass unser Geld aus dem Immobilienfonds Österreich 04 an notleidende Fonds verliehen wird", sagt Schmidt.

Unternehmerisches Risiko bis zum Totalverlust

Es kommt selten vor, dass sich Anleger gegen die Emittenten eines geschlossenen Fonds durchsetzen. Anders als Sparer in offenen Fonds, in die beispielsweise Aktien oder Anleihen eingekauft werden und die täglich an der Börse zu einem exakten und fairen Gegenwert verkauft werden können, tragen Investoren in geschlossenen Fonds ein unternehmerisches Risiko – bis hin zum Totalverlust. Geschlossen sind die Fonds deshalb, weil sie in der Regel eine Laufzeit zwischen 10 und 15 Jahren haben, währenddessen ein Ausstieg kaum oder nur zu hohen Abschlägen möglich und ein fairer Wert eher unbekannt ist.

Welche Ansprüche Anleger bei geschlossenen Fonds haben und wie sie ihr Geld retten können
Geschlossene Fonds müssen die Namen und Anschriften der übrigen Anleger gegenüber Gesellschaftern offenlegen, um einen Informationsaustausch zu gewährleisten. Dies entschied der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen (II ZR 187/09, II ZR 134/11). So können Anleger Mehrheiten für Beschlüsse auch gegen den Willen des Fondsgeschäftsführers organisieren.
Anleger haften bei einem als Kommanditgesellschaft konzipierten Fonds nur mit ihrer Einlage. Eine automatische Nachschusspflicht gibt es nicht. Ausnahme: Schüttet der Fonds unabhängig von Gewinnen aus, kann der Initiator dieses Geld zurückfordern. Dies gilt aber nur, wenn diese Ausschüttungen laut Gesellschaftsvertrag ausdrücklich als Darlehen gewährt werden (Bundesgerichtshof, II ZR 73 11, II ZR 74 11). Ohne diese Klausel, so entschieden die Richter, dürfen die Anleger die Ausschüttungen behalten oder zu Unrecht überwiesenes Geld zurückverlangen. Anders sieht es bei einem Fonds aus, der als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) konstruiert ist. Bei einer GbR haften die Gesellschafter auch mit ihrem gesamten Vermögen.
Initiatoren dürfen nicht eigenmächtig Immobilien oder Schiffe verkaufen – auch nicht bei einem Liquiditätsengpass. Sie brauchen dazu eine Mehrheit der Anleger. Wie groß der Anteil sein muss, steht im Gesellschaftervertrag. Vor einem Beschluss haben die Gesellschafter Anspruch auf Informationen über die aktuelle Geschäftsentwicklung. Zwei bis drei Jahre alte Geschäftsberichte sind keine ausreichende Entscheidungsgrundlage.
Wenn ein geschlossener Fonds kriselt, besteht gegenüber Beratern, Bank oder Fonds unter Umständen ein Anspruch auf Schadensersatz oder die Rückabwicklung des gesamten Geschäfts. Ansprüche können bestehen:wenn der Berater Provisionen gar nicht oder nicht detailliert genug offengelegt hat. Selbst wenn der Prospekt die Vergütung und deren Empfänger korrekt angibt, muss der Berater darüber aufklären;wenn der Fonds als risikoloses Investment für die Altersvorsorge beworben wurde, obwohl es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt, bei der Anleger ihren Einsatz verlieren können;wenn der Initiator zum Nachteil der Anleger Geschäfte mit eigenen Firmen gemacht hat. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Reederei Schiffe überteuert an hauseigene Fonds verkauft, ohne dass dies im Prospekt steht;
Des weiteren können Ansprüche auf Schadensersatz bestehen,wenn das Geld zweckentfremdet wurde. So sammelte beispielsweise die Commerzbank Geld für Medienfonds ein, das aber nur zu einem kleinen Teil in die Produktion von Spielfilmen floss;wenn der Prospekt falsche Angaben enthält, etwa über die Höhe der Kosten oder über unternehmerische Risiken;wenn von der Gesellschafterversammlung beschlossene Änderungen der Geschäftsgrundlagen juristisch angreifbar sind. Dazu gehören beispielsweise der zeitweise Verzicht auf Mieten oder die Verpflichtung, Geld in einen kriselnden Fonds nachzuschießen.
Ansprüche auf Schadensersatz gegen Vermittler, Fonds oder Bank verjähren nach drei Jahren. Die Frist läuft am Ende des Jahres an, in dem Anleger von der Falschberatung oder dem Prospektfehler hätten wissen müssen. Dieser Zeitpunkt kann je nach Einzelfall auch erst viele Jahre nach Vertragsschluss eingetreten sein. Nur wenn die Unkenntnis auf grober Fahrlässigkeit beruht, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz.
Anfangsverluste des Fonds lassen sich nur mit Gewinnen aus der geschlossenen Beteiligung verrechnen. Das Finanzamt akzeptiert allerdings nur Verluste bis zur Höhe der Einlage. Zweifelt das Finanzamt an der Gewinnerzielungsabsicht des Fonds, weil dieser nur Verluste produziert, muss der Anleger die Steuervorteile nachträglich zurückerstatten.

Trotz dieser Konstruktion haben deutsche Anleger in den vergangenen Jahren insgesamt rund 200 Milliarden Euro in solch riskante Portfolios gesteckt (siehe Grafik). In 1,9 Millionen Beteiligungen hängt das Geld fest; zuletzt legten Sparer im Schnitt 25 350 Euro pro Neubeteiligung an. Einfach aussteigen geht nicht: Als im vergangenen Jahr das Hamburger Emissionshaus MPC Capital vorübergehend in Schieflage geriet, konnten sich nur die Aktionäre in Sicherheit bringen.

Anleger, die ihr Geld in geschlossene Beteiligungen, beispielsweise von MPC oder anderen Initiatoren, investiert haben, können dagegen ihre Anteile nur schwer losschlagen. Meist gelingt dies nur mit hohen Abschlägen.

Wenn sie solche Notverkäufe vermeiden wollen, müssen sie sich mit ihren Anbietern herumschlagen, so wie die Anleger des Fonds Österreich 04. Die betroffenen Anleger des Österreich-Fonds leisteten auch deshalb Widerstand gegen den Liquiditätspool, weil sie vermuten, dass sie nachträglich bereits getätigte Transfers absegnen sollen.

In welche Vermögenswerte geschlossene Fonds investieren (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Etappenziel erreicht

Denn in einem aktuellen Schreiben von Wölbern an die Anleger heißt es, dass sie den "in diesem Zusammenhang stehenden durchgeführten vorbereitenden Maßnahmen und Transaktionen" zustimmen sollen. Zudem befürchten viele Anleger, dass bisher intakte Fonds in den Sog maroder Beteiligungen geraten könnten. Wölbern schreibt dazu: "Dennoch kann ein Ausfall einzelner oder mehrerer teilnehmender Darlehensnehmer nicht ausgeschlossen werden..." Wölbern gab bis Redaktionsschluss dazu keine Stellungnahme ab.

Mathematiker Schmidt boxte sich 2012 in den Anlegerbeirat des Österreich 04. Seither geht dieser gegen den Ursprungsgeschäftsführer vor: Es geht um angeblich ungültige Beschlüsse, manipulierte Wahlen und verweigerte Daten. Nach vorläufig zwölf Prozessen vornehmlich an Hamburger Gerichten haben die Anleger des Österreich 04 ein Etappenziel erreicht: Der Geschäftsführer wurde geschasst.

Zäher Kämpfer. Mathematiker Christoph Schmidt setzte sich als gewählter Anlegerbeirat im Kleinkrieg um ungültige Beschlüsse, manipulierte Wahlen und verweigerte Daten gegen den Initiator seines Fonds durch. 3500 Anleger haben in den Immobilienfonds Wölbern Österreich 04 investiert. Zwölf Prozesse haben die Fondsgesellschafter bisher gegen Wölbern geführt.

Foto: Anna Mutter für WirtschaftsWoche

Jonas Köller und Stephan Schäfer waren bekannt für ihre Partys. Damit dürfte es erst mal vorbei sein. Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Anlagebetrug in dreistelliger Millionenhöhe gegen die Frankfurter Unternehmensgruppe S&K.

Foto: WirtschaftsWoche

„Get rich or die tryin´“, werde reich oder stirb, wenn du es versuchst - so könnte auch das Motto der beiden S&K-Chefs Jonas Köller (Foto) und Stephan Schäfer lauten. Mittlerweile sitzen beide in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihnen vor, betrügerisch erlangte bzw. veruntreute Anlagegelder hauptsächlich für den extrem aufwändigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten verwendet zu haben. Die Beschuldigten bestreiten bisher die Vorwürfe.

Foto: WirtschaftsWoche

Ein opulenter Fuhrpark gehörte ebenfalls zum aufwändigen und exzessiven Lebensstil der beschuldigten Firmenchefs. Laut WirtschaftsWoche gehörten zum Fuhrpark von S&K Edelkarossen wie Porsche, Lamborghini, Ferrari, Audi R8, Bentley Cabrio, 7er BMW und Aston Martin DB9 Cabrio.

Foto: WirtschaftsWoche

Sogar ein Hubschrauber wurde mit dem Logo der Unternehmensgruppe dekoriert.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch mehr oder weniger prominente Gäste wie hier Sänger Mark Medlock wurden von Köller und Schäfer gern empfangen.

Foto: WirtschaftsWoche

Hier empfängt Köller den durch die "Big-Brother"-Sendung bekannt gewordenen "Jürgen".

Foto: WirtschaftsWoche

Für eine seiner Veranstaltungen mietete S&K-Chef Köller einen Elefanten.

Foto: WirtschaftsWoche

Schöne Frauen zum Posieren waren dagegen Standard auf jeder Veranstaltung.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Staatsanwaltschaft erhebt den Verdacht, S&K hätte ein Schneeballsystem betrieben. Sie haben ein Konglomerat an Fonds- und Vertriebsgesellschaften errichtet. Die haben keine Gewinne erwirtschaftet, sondern die Gelder von Neu-Anlegern wurden genutzt, um Alt-Anleger auszuzahlen.

Foto: WirtschaftsWoche

Küss die Hand schöne Frau – Jonas Köller mit einer blonden Schönheit unter Palmen.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch ihre Körper zeigten Schäfer (links) und Köller gerne.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch das Peace-Zeichen gehört für die Jungs zu einem guten Party-Foto dazu.

Foto: WirtschaftsWoche

Stephan Schäfer (2. von links) und Jonas Köller (rechts) feierten gern.

Foto: WirtschaftsWoche

Jonas Köller in eindeutiger Pose.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch hier zeigen sich Stephan Schäfer (links) und Jonas Köller (Mitte) mit schönen Frauen.

Foto: WirtschaftsWoche

S&K-Chef Jonas Köller posiert gerne mit Models und Luxuskarossen.

Foto: WirtschaftsWoche

Die beiden S&K-Chefs Stephan Schäfer (links) und Jonas Köller auf einer Party.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Partys der S&K gelten als legendär. Auch der eine oder andere Finanzberater wird eingeladen. In der Szene kursieren Unmengen an Fotos von den Veranstaltungen.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch leicht bekleidete Frauen gehören zum Ambiente.

Foto: WirtschaftsWoche

Großes Accessoire: S&K-Chef Jonas Köller mietete einmal einen Elefanten für eine Veranstaltung.

Foto: WirtschaftsWoche

Fürs Erste veranstalten Stephan Schäfer und Jonas Köller keine Partys mehr. Alle Details zur Razzia finden Sie hier.

Foto: WirtschaftsWoche

Inzwischen ist auch der Kampf zwischen Anlegern und der Fondsgeschäftsführung bei den übrigen Wölbern-Fonds entschieden: Die Wölbern Fondsmanagement GmbH ist insolvent. Mit Bernd Depping von der Kanzlei dnp Depping wurde ein Insolvenzgeschäftsführer bestellt. Sein Vorgänger Heinrich Maria Schulte hat sein Amt als Geschäftsführer niederlegt. Laut Depping sollen die geschlossenen Fonds nicht vom vorläufigen Insolvenzverfahren der Fondsmanagement GmbH betroffen sein. Depping werde sich auch um die Geschäftsführung der einzelnen Fonds kümmern.

Ob die Anleger, die in Wölbern-Fonds investiert haben, tatsächlich ungeschoren davon kommen, bleibt fraglich. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ sollen bei einem Immobilienprojekt eines Wölbern-Fonds in München mehrere Millionen Euro an den Anlegern vorbei geschleust worden sein. Wie viel Geld aus den Fonds insgesamt versickert ist, ist derzeit noch unklar.

Solarworld

Der Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015.

Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben.

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Nordex

Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent.

Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen.

Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen.

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Solarworld

Die Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn.

Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird.

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SMA Solar

Schlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten.

Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben.

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Sunways

Beim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück.

Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen.
Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet.

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S.A.G. Solarstrom AG

Die Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen.

Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland.

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Prokon

Der Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik.

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Meyer Burger

Beim Schweizer Maschinenhersteller stieg der Verlust 2013 um knapp 50 Prozent auf 163 Millionen Franken - trotz Kostensenkungen um rund 100 Millionen Franken. Der Umsatz sank um zwei Drittel auf 203 Millionen Franken. Allerdings freuen sich die Schweizer über die gute Auftragslage: Insgesamt stieg der Eingang um 29 Prozent auf 288 Millionen Franken. In den ersten beiden Monaten 2014 holte Meyer Burger Aufträge über 42 Millionen Franken herein. Im Laufe des Jahres rechnet die Firma mit zusätzlichen Aufträgen für Modernisierung und den Ausbau von Produktionskapazitäten bei Kunden. Bereits 2013 habe sich die Kapazitätsauslastung bei großen Solarzellen-Herstellern wieder deutlich verbessert. Zudem bestehe eine gute Pipeline an langfristigen Großprojekten in neuen Märkten, "von denen das eine oder andere Projekt zu einem Vertragsabschluss gelangen kann". Kurzfristig will die Firma durch die Platzierung von 4,8 Millionen Aktien zu neuem Geld kommen.

Foto: Screenshot

Solarwatt

Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus schimpft über die Pläne zur Reform des EEG: "Wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne eins zu eins umsetzt, wird der Markt für Eigenstrom-Verbrauch zerstört." Gabriel will auch Besitzer von Solaranlagen, die ihren Strom hauptsächlich selbst verbrauchen, an der EEG-Umlage beteiligen. Bisher waren sie von der Abgabe für erneuerbare Energien befreit. Solarwatt hatte sich nach der Fast-Pleite strategisch neu ausgerichtet. Statt der Produktion von Modulen stehen nun Systeme im Fokus, mit denen Hausbesitzer ihren Energiebedarf durch selbsterzeugten Strom decken können - an der Ausrichtung soll sich nichts ändern. Der mittelständische Hersteller von kristallinen Solarmodulen hat 2012 den Sprung aus der Insolvenz heraus geschafft, doch rund läuft es noch nicht. Die Zahl der Mitarbeiter soll in den kommenden Monaten auf deutlich unter 200 sinken. Nach der Insolvenz hatten bereits knapp hundert der 435 Mitarbeiter gehen müssen. Der Umsatz werde 2013 bei nur 60 bis 70 Millionen Euro liegen, gut 20 Millionen weniger als noch im Frühjahr angenommen. Ein "schwarze Null" werde man erst 2014 erreichen - ein Jahr später als geplant. BMW-Erbe Stefan Quandt ist mit einem Anteil von 90 Prozent Ankeraktionär der Dresdener.

Foto: dpa

Solon

Paukenschlag beim Solarmodul-Hersteller Solon: Der indisch-arabische Investor Microsol macht die Zentrale der Solarfirma in Berlin zum 30. April dicht. Der Sitz wechselt in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Dort wird schon der Großteil der Module gefertigt. Damit verlieren am Standort Adlershof 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Standortleiter Lars Podlowski sicherte ihnen eine geordnete Schließung zu. „Kein Mensch soll auch nur einen Euro verlieren“, sagt er in einer Pressekonferenz am 7. März. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am gleichen Tag beginnen, eine Transfergesellschaft schloss Podlowski aus.

Nach der Insolvenz von Solon war Microsol im März 2012 eingestiegen. Erklärte Absicht war es damals, in Berlin weiter Module für den deutschen und europäischen Markt zu bauen. Offenkundig waren aber die Produktionskosten in Deutschland angesichts des hart umkämpften Weltmarkts für Solarzellen zu hoch.

Foto: dpa/dpaweb

Centrosolar

Für die Aktionäre der insolventen Solarfirma sieht es düster aus. Da kein Eigenkapital mehr vorhanden ist, steht ihnen auch nichts mehr zu, wie Centrosolar am 28. Februar 2014 mitteilte. Für die Gläubiger der 50-Millionen-Euro-Anleihe sieht der vom Gläubigerausschuss genehmigte Insolvenzplan dagegen vor, sie über einen Tausch ihrer Ansprüche in Aktien zumindest teilweise zu entschädigen. Für nominal je 1000 Euro Anleihe sollen sie acht junge Aktien erhalten. Zudem sollen ihnen wie auch den Finanzgläubigern und Mitarbeitern bei der geplanten Barkapitalerhöhung Aktien zum Bezug angeboten werden. Die Anleihegläubiger müssen dem Insolvenzplan auf der Versammlung am 18. März zustimmen.
Gläubiger und Aktionäre hatten im Frühjahr 2013 einem Kapital- und Schuldenschnitt zugestimmt. Mehr als 250 Stellen und damit ein Viertel der Arbeitsplätze wurden gestrichen. Das reichte jedoch nicht aus, um die ehemalige Tochter des Klimatechnik-Spezialisten Centrotec auf gesunde Füße zu stellen. Der mit 100 Millionen Euro verschuldete Solaranlagenbauer musste im Herbst unter den Schutzschirm flüchten. Betroffen sind die Holding, die AG und die Centrosolar Sonnenstromfabrik. Nicht betroffen sind dagegen die Töchter Renusol und die Grundstücksverwaltung GmbH, die beide verkauft werden sollen. Allein das US-Geschäft soll übrig bleiben. Dieser Markt verspreche Wachstum, ist sich das Management sicher.

Foto: Presse

Windwärts

Nach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch nun auch ein niedersächsischer Windkraft-Projektierer Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe. Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei.

Foto: dpa

Boschs Solarsparte Aleo Solar

Eine Investorengruppe aus Asien kauft Großteile des Solarmodulherstellers. Für die meisten Beschäftigten ist das eine schlechte Nachricht: Nur 200 der zuletzt rund 730 Mitarbeiter haben eine Zukunft bei Aleo. Der seit 2009 mehrheitlich zur Bosch-Gruppe zählende Solarspezialist zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter monatelange Negativnachrichten: Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren und war von der Insolvenz bedroht. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Weg für die Pläne freimachen, einen Termin für das Treffen gibt es noch nicht. Außerdem steht der Deal noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Wettbewerbshüter.
Das Käuferkonsortium stammt aus der Solarbranche und sitzt in Taiwan, Japan und Hong Kong. Die neuen Besitzer wollen den Kauf über eine GmbH mit Sitz in Hamburg abwickeln, die sie als Investoren mit 13,5 Millionen Euro Eigenkapital ausstatten. Aleo muss für den Kauf drauflegen: Den Angaben zufolge fließt für die Produktionsstätte in Prenzlau inklusive Anlagevermögen, Vorräten, gewerblichen Schutzrechten und Anteilen an einem Tochterunternehmen nur ein symbolischer Euro. Aleo dagegen überweist zehn Millionen Euro an die neuen Besitzer. Der Noch-Mehrheitsaktionär Bosch stützt Aleo zum Abschluss mit 31 Millionen Euro. Der unverkaufte Rest des Unternehmens soll aufgelöst werden.

Foto: AP

Conergy

Die neuen Eigentümer Kawa Solar Holdings rechnet bereits in diesem Jahr wieder mit einem Gewinn bei Conergy. Kawa hatte Conergy mit deren globalen Service-Vertriebsaktivitäten im Oktober 2013 übernommen. Seither sind die Conergy Deutschland GmbH und die Conergy Services GmbH - ebenso wie die Einheiten in Großbritannien, Italien und Australien - Teil des US-Konzerns. 350 Arbeitsplätze sollten gesichert werden. Conergy hatte am 5. Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Kawa sitzt in Florida und verwaltet ein Volumen von 500 Millionen US-Dollar und will unter anderem in Solarprojekte investieren. An den Töchtern Mounting Systems und der SolarModule GmbH hatte Kawa kein Interesse.

2012 erwirtschaftete Conergy bei 473,5 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit der US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Am 10.12.2013 ging Conergy von der Börse.

Foto: dapd

IBC Solar

Einer der größten deutschen Händler von Solaranlagen muss erstmals selbst Personal abbauen. 83 der 286 Mitarbeiter des Solarpioniers aus dem fränkischen Bad Staffelstein müssen gehen. Sie werden von einer Transfergesellschaft aufgenommen. Weltweit beschäftigt der Mittelständler 400 Mitarbeiter. 2011 macht IBC noch einen Umsatz von rund 810 Milliarden Euro, 2012 waren es nur noch 580 Millionen, 2013 brach das Geschäft auf 300 Millionen ein. Obwohl es im Jahr 2013 gelungen war, den Marktanteil in Deutschland von sieben auf elf Prozent zu steigern, hat das Unternehmen das Jahr zum ersten Mal in der Unternehmensgschichte mit einem operativen Verlust abgeschlossen. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 80 Prozent ist IBC für den Umbau aus eigener Kraft aber gut gerüstet. Nächstes Jahr will Chef Udo Mörstedt wieder profitabel wirtschaften. Dazu will er das Geschäft im privaten und gewerblichen Eigenverbrauch ankurbeln und stärker internationalisieren. Die Entwicklung und Vermarktung von solaren Großprojekten will Möhrstedt beispielsweise in Japan und Chile ausbauen und die Kernkompetenz in Eigenverbrauchs- und Speichersystemen in internationale Märkte übertragen. Der Auslandsanteil am Umsatz soll bis 2016 auf 45 Prozent steigen.

Foto: Screenshot

Bosch

Damit hat die Krise der Solarbranche Bosch bisher einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt. Im vergangenen Jahr seien nochmals 1,3 Milliarden Euro an Belastungen durch die defizitäre Photovoltaik angefallen. Von 2008 bis 2012 hatte Bosch bereits 2,4 Milliarden Euro verbrannt. Die starke Konkurrenz aus China und Überkapazitäten hatten die Preise für Solartechnik in Deutschland rapide sinken lassen und etliche Unternehmen in die Pleite getrieben.
Die Stuttgarter hatten im Frühjahr 2013 den Ausstieg aus der Photovoltaik beschlossen und im Herbst den Verkauf der Solarmodulfertigung in Arnstadt an Solarworld angekündigt...

Foto: dpa

Bosch Solar Engery - Solarworld

Solarworld ist neuer Besitzer des Thüringer Solarwerk des Industriekonzerns Bosch. Im März 2014 soll die Produktion anlaufen. Das Bonner Unternehmen von Frank Asbeck steckt selbst mitten in der Sanierung. Solarworld übernehme am Standort Arnstadt eine Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW sowie insgesamt 800 der 1600 Mitarbeiter. Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, der Kauf werde die Finanzmittel nicht reduzieren. Insider hatten berichtet, Asbeck erhalte sogar eine Art Mitgift von bis zu 130 Millionen Euro von Bosch.
Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3000 Mitarbeitern im Frühjahr 2013 auf die Verkaufsliste gesetzt. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert.

Foto: dpa

Windpark-Entwickler Windreich saniert sich nicht mehr in Eigenregie. Jetzt geht das Unternehmen in eine geregelte Insolvenz. Das Unternehmen hatte am 9. September 2013 Insolvenz angemeldet. Gründer und Firmenchef Willi Balz (Foto) legte die Geschäftsführung nieder. Sein Nachfolger Werner Heer, zuvor Berater der Gesellschaft, verliert nun seinen operativen Einfluss, die Geschäfte führt ab der Eröffnung des Verfahrens Sachwalter Holger Blümle. Windreichs prekäre finanzielle Lage beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation - unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.
Windreichs Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Mehr über die Windreich-Pleite lesen Sie hier: Balz-Nachfolger muss retten, was zu retten ist.

Foto: dpa

Bard

Der angeschlagene Offshore-Pionier stellt den Betrieb ein. Wegen fehlender Aufträge will die Unternehmensgruppe im Januar 250 Beschäftigten kündigen. Weitere 300 Mitarbeiter sollen von der neuen Gesellschaft Offshore Wind Solutions (OWS) im ostfriesischen Emden übernommen werden, wie Bard am 20. November mitteilte. Die Neugründung OWS solle Betrieb und Service des größten deutschen Offshore-Windparks Bard Offshore 1 (hier im Bild) sowie Schiffe und Gebäude der Bard-Gruppe übernehmen. Das Projekt mit 80 Anlagen rund 100 Kilometer nördlich von Borkum war Ende August eröffnet worden. Die Leistung von 400 Megawatt entspricht rechnerisch dem Jahresstrombedarf von mehr als 400.000 Haushalten. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten wurde er jedoch deutlich teurer als geplant. Bard hatte zudem mit technischen Schwierigkeiten beim Bau und mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Die Eröffnung wurde um mehrere Jahre verschoben.
Zuletzt hatte das Unternehmen gut 800 Millionen Euro Schulden in der Bilanz. Die Suche nach Investoren blieb erfolglos. Mit dem Stocken der Energiewende hatte Bard wegen fehlender Anschlussaufträge bereits im Sommer 2012 Teilverkäufe von Unternehmensteilen angekündigt. Danach wurde die Rotorblattfertigung eingestellt. Im Juni kam dort auch die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen zum Erliegen. In Cuxhaven wurde zudem die Produktion von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks geschlossen.

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Vestas

Nach harter Sanierung und mehreren Gewinnwarnungen peilt Vestas eine höhere Rentabilität für das Gesamtjahr an. Zuversicht versprühte, dass sich der Betriebsgewinn (Ebit) im dritten Quartal auf 67 Millionen Euro mehr als verfünffachte. Wegen neuerlicher Abschreibungen bleibt im dritten Quartal aber ein Minus von 87 Millionen Euro. Der seit Ende August 2013 amtierende Chef Anders Runevad wertet die Zahlen als gute Grundlage für die Trendwende. Der Auftragseingang habe sich auf fast 1,5 Milliarden Euro vervierfacht. Der Umsatz sank im letzten Quartal allerdings um 27 Prozent, Vestas bekommt die sinkenden Einspeisevergütungen zu spüren. Die Umsatzprognose für 2013 bleibt bei 5,5 Milliarden Euro. Seit Ende 2011 fielen beim Windradbauer fast 5500 Jobs weg. Bis Ende 2013 will Runevad maximal noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigen.

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Suntech

Lichtblick für den angeschlagenen chinesischen Solarmodul-Hersteller Suntech Power Holdings: Eine Investmentfirma der Heimatprovinz hat eine Finanzspritze von umgerechnet knapp 110 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Es gebe eine entsprechende Absichtserklärung von Wuxi Guolian Development.
Suntech, einst größter Solarmodul-Hersteller der Welt, hatte im März 2013 Konkurs angemeldet. Die chinesischen Hersteller, die die meisten ihrer Produkte exportieren, leiden unter den höheren Importzöllen der USA und der EU. Diese waren erhöht worden, weil China seine Produktion subventioniert haben soll. Diese Subventionen hatten die Expansion der Branche in den vergangenen zehn Jahren unterstützt und Hunderte kleiner Unternehmen entstehen lassen, die den Markt überschwemmten und die Preise drückten.

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Wirsol-Gruppe

Der baden-württembergische Projektierer Wirsol hat am 24. Oktober in Karlsruhe einen Insolvenzantrag erstellt. Davon betroffen sind Wirsol Solar, Wirsol Deutschland und Wirsol Solar System. Nicht betroffen sind die Windsparte, das Privatkundengeschäft und die Gesellschaft für technische Betriebsführung. Das Unternehmen, dass 2012 rund 292 Millionen Euro umsetzte und rund 17 Millionen Euro Gewinn (Ebit) machte, möchte sich mit einer Planinsolvenz retten. Eine Sanierung in Eigenregie im so genannten Schutzschirmverfahren scheiterte am Widerstand der Banken. Wirsol tut sich als Mittelständler sehr schwer den schrumpfenden Markt in Deutschland durch Aufträge im Ausland zu kompensieren. Man versuche es in Großbritannien, Japan und Brasilien, doch zur Großoffensive fehlt das nötige Kleingeld. Wirsol ist jetzt auf der Suche nach Investoren. Wie viele der 300 Arbeitspläne im Rahmen der Planinsolvenz erhalten werden können, ist noch unklar.

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Centrotherm

Nur wenige Monate nach dem aufgehobenen Insolvenzverfahren (Juni 2013) meldet der Anlagenbauer neue Probleme. Die Geschäfte der Schwaben laufen schlechter als erwartet. Die im Insolvenzplan avisierten Ziele seien nicht zu halten, teilte die für die Solar- und Halbleiterindustrie produzierende Firma aus Blaubeuren mit. Der Plan sah einen operativen Gewinn (Ebitda) von jeweils 37 Millionen Euro für 2014 und 2015 vor und einen Überschuss von 23 Millionen Euro. Der von Marktforschungsinstituten prognostizierte "signifikante Anstieg" des globalen Solarmarktes habe sich bisher nicht eingestellt. Der Vorstand übt sich indes in Zuversicht und hofft auf eine deutliche Belebung, die eine Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr ermöglicht.
Centrotherm flüchtete im Juli 2012 in ein Schutzschirmverfahren, das nach dem neuen Insolvenzrecht eine schnelle Sanierung in eigener Regie erlaubt und unter anderem den Tausch von Schulden in Eigenkapital. Im Zuge dessen verloren die Altaktionäre, darunter die Gründerfamilie Hartung mit ihren ehemals rund 50 Prozent, den größten Teil ihrer Anteile. Die Verwaltungsgesellschaft Sol Futura hält inzwischen 80 Prozent an Centrotherm und die Familie zehn Prozent. Die restlichen Anteile sind in Streubesitz. Im Zuge der Sanierung besann sich die Firma auf ihr ursprüngliches Geschäft und nimmt statt der Solarindustrie nun zunehmend die Halbleiterindustrie ins Visier. Ende Oktober will das Management über die Entwicklung im dritten Quartal berichten. Von ehemals 1900 Arbeitsplätzen blieben 900 übrig. Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro.

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Das Systemhaus Donauer Solartechnik in Gilching bei München hat Insolvenz angemeldet. Wie in einer Pressemitteilung des Unternehmens zu lesen ist, gibt Donauer der Gemeinde Gilching eine Mitschuld am Scheitern der Rettungspläne. Monatelang habe man an einer Firmenfusion mit einem starken Partner gearbeitet, die Parteien waren sich bereits einig. Notwendig zur Fusion sei die Veräußerung einer Firmenimmobilie in Gilching gewesen, um die Liquidität für das laufende Geschäft zu erhalten. Dieser konnte nur mit Zustimmung der Gemeinde erfolgen. Der Gemeinderat konnte sich bis zum Stichtag jedoch zu keiner Zustimmung durchringen. Somit bleibt dem Fachgroßhändler mit seinen 90 Mitarbeitern nur der Gang in die Insolvenz. Gesellschafter Rudolf Donauer: "Eine Schadensersatzklage wird angestrebt, aber das rettet nicht mehr den Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Mir fehlen die Worte zu einem derart unprofessionellen politischen Verhalten seitens der Gemeinde.“

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RWE

Der Essener Energiekonzern macht bei seinen Sparanstrengungen auch bei der Ökosparte nicht halt. Wie „Der Spiegel“ berichtet will Chef Peter Terium die Konzern-Tochter Innogy massiv verkleinern. So soll Terium Investitionen in die Anlagen in Nord- und Ostsee-Windparks erheblich zurückfahren und neue Anlagen nur noch mit Partnern bauen wollen. Spezialschiffe für den Bau von Offshore-Windparks sollen den Informationen zufolge verkauft werden. Das Unternehmen wollte sich dazu bisher nicht äußern.

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Der Projektierer Gehrlicher Solar AG meldet Zahlungsunfähigkeit und ist damit das erste Opfer der Antidumping-Zölle gegen chinesische Importe in Europa. Das Unternehmen hat am 5. Juli 2013 beim Amtsgericht München die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Agence France Presse.

Schuld an der Situation sind die Anti-Dumpingzölle, die die EU gegen chinesische Importeure verhängt hat. Also genau jene, die auf Druck der von Solarworld-Chef Frank Asbeck ins Leben gerufener Initiative, von der Kommission erlassen wurden, um die europäische Solarzellenindustrie zu schützen. Gehrlicher verbaute chinesische Module.

Die Hausbank hat den Darlehensvertrag nicht verlängert, weil das Unternehmen aufgrund der neuen Bedingungen die im Geschäftsplan formulierten Ziele nicht mehr erreichen könne - sprich voraussichtlich nun deutlich teurere Module einkaufen muss und damit mit weniger Gewinn rechnen kann. Gehrlicher ist seit 1994 am Markt und plant, finanziert und baut vom Hauptsitz in Deutschland aus weltweit Solaranlagen.

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Roth & Rau

Verluste halbiert: Der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Sachsen kündigte im Februar 2012 ein Restrukturierungsprogramm an. Mehrere Hundert Arbeitsplätze im In- und Ausland fielen weg, Tochtergesellschaften wurden verkauft. Bis zur Bekanntgabe der Sparmaßnahmen arbeiteten bei Roth & Rau knapp 1400 Menschen, zum Jahresende 2012 waren es nur noch 900. Betroffen waren die Standorte in Hohenstein-Ernstthal, wo 15 Prozent der 420 Stellen gestrichen wurden. Roth & Rau gehört seit Februar 2011 zur Schweizer Meyer Burger-Gruppe. 2012 setzen die Sachsen 154 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 208 Millionen Euro. Die Verluste (Ebit) belaufen sich auf 40 Millionen Euro - nach 106 Millionen Euro im Jahr 2011. Die Richtung stimmt.

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Alfasolar

Der norddeutsche Modulhersteller hat am 24. April die vorläufige Insolvenz beantragt. Alfasolar ist seit zwanzig Jahren am Markt und beschäftigt rund100 Mitarbeiter. Die Produktionsanlage in Hannover hat eine Gesamtkapazität von 40 Megawatt - damit zählt das Unternehmen zu den kleinen Modulherstellern. Der Mittelständler kann wie viele andere Unternehmen der Branche dem Preisverfall nicht länger standhalten. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen jedoch vorläufig weiter. Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

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Der Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.

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Der insolvente Solzellenhersteller Sovello stoppt die Produktion und kündigt allen 1000 Mitarbeitern. „Die finanzielle Lage des Unternehmens macht diesen Schritt leider erforderlich“, sagte Insolvenzverwalter Luca F. Flöther. Das Unternehmen das zum "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen zählte, hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Die geplante Sanierung in Eigenverwaltung platzte Ende Juli. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sovello noch 200 Millionen Euro Umsatz. Der Solarbetrieb ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchenfirmen Evergreen Solar, Q-Cells und REC ASA hervorgegangen und gehört seit 2010 dem Beteiligungsfonds Ventizz Capital.

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Der insolvente ostfriesische Offshore-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden wird zum Februar durch den saarländischen Stahlbauer DSD Steel übernommen. Das teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am 17. Januar nach Gesprächen mit dem Investor, der Landesbank NordLB und dem Alteigentümer Siag mit. „Es wurde heute ein Eckpunktepapier mit einer grundsätzlichen Einigung erstellt“, sagte Bode. Damit können 240 von rund 750 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Weiteren 150 Siag-Beschäftigten will ThyssenKrupp Arbeitsplätze anbieten. Das Unternehmen war früher Besitzer der Nordseewerke.

Die Siag Nordseewerke stellen Fundamente für Windkraftanlagen her. 2010 hatte das Unternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach die frühere traditionsreiche Schiffswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seitdem wurde das Emder Unternehmen zu einem Windkraft-Zulieferer umgebaut. Nun fehlen Folgeaufträge, weil der Boom der Offshore-Branche insgesamt ins Stocken gerät, da es Schwierigkeiten bei der Anbindung der Windparks auf hoher See an das Netz an Land gibt.

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Deutlich besser steht das ebenfalls insolvente Photovoltaik-Unternehmen Sunstrom aus Dresden da. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg konnte das Unternehmen gerettet werden, die ehemaligen Geschäftsführer Reiner Matthees und Stephan Riedel haben die GmbH gekauft und wollen das Unternehmen mittels einer sogenannten übertragenden Insolvenz sanieren. Die 64 Beschäftigten der Sunstrom GmbH werden von der neuen Gesellschaft MR Sunstrom GmbH übernommen.

Die Solarwatt-Tochter Sunstrom hatte im Juli Insolvenz angemeldet.

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Q-Cells

Am 3. April stellte Q-Cells beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag. Seither haben 100 der ehemals knapp 1300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der ostdeutsche Solarzellenhersteller schrieb 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Nedim Cen rang monatelang mit Gläubigern und Anlegern um ein Sanierungskonzept. Im August 2012 folgte die Überraschung: Der koreanische Mischkonzern Hanwha kauft Q-Cells. Mit der Übernahme des Q-Cells Werks in Malaysia könnte Hanhwa Antidumping-Zölle der US-Behörden auf chinesische Produkte umgehen. Hanwha will bis 2020 einer der führenden Anbieter im Photovoltaik-Markt werden. Mit 53 Tochterunternehmen gehört er zu den größten Industriekonglomeraten Südkoreas.

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Inventux

Im Mai 2012 muss der Berliner Solarzellenhersteller Insolvenz anmelden. Das Unternehme war seit 2008 am Markt und beschäftigte 200 Mitarbeiter. Von den einst rund 200 Mitarbeitern wurden 100 übernommen. 70 wechselten in eine Transfergesellschaft, die für neue Beschäftigungschancen sorgen soll. Im August wurde Inventux durch zwei südamerikanische Unternehmen übernommen.

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Odersun

Ende März muss der Modulhersteller Odersun aus Frankfurt Oder seine Pleite bekanntgeben. Zum 1. Juni hat das Unternehmen den Betrieb ein gestellt. Alle 260 Mitarbeiter müssen sich einen neue Stelle suchen.

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Solarhybrid

Das 2008 an die Börse gegangene Unternehmen teilte Mitte März 2012 mit, dass man beim Amtsgericht Arnsberg wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt habe. Solarhybrid ist auf den Bau von großen Solarstrom-Kraftwerken spezialisiert. Das Unternehmen selbst hatte im Oktober 2011 noch Optimismus verbreitet und Zuwächse für 2012 in Aussicht gestellt. Zudem schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten schwarze Zahlen. Offenbar hat es sich aber bei der Finanzierung von Großprojekten übernommen. Das Unternehmen wird abgewickelt.

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Siag Schaaf

Der Windkraft-Zulieferer hat am 19. März Antrag auf Insolvenz gestellt. Das zuständige Amtsgericht Montabaur teilte mit, davon sei nicht nur die AG betroffen, es seien auch einige Anträge für Tochterfirmen gestellt worden. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, war zunächst unklar. Die Offshore-Windkraftbranche leidet unter Problemen bei der Anbindung von Anlagen im Meer ans Stromnetz. Siag beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 1800 Menschen in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Die AG war aus dem Stahlbau hervorgegangen. Vor drei Jahren hatte Siag Schaaf von Thyssen-Krupp die Nordseewerke in Emden gekauft, um dort Produkte für Offshore-Windanlagen zu fertigen.

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Solon

Im Dezember 2011 meldete der Solarmodulhersteller Solon Insolvenz an. Der arabische Solarzellen-Produzent Microsol kauft das Berliner Unternehmen Anfang März 2012. Microsol übernimmt das Solon-Werk in Berlin, die Markenrechte sowie Forschung und Entwicklung. 433 der 471 Arbeitsplätzen sollen erhalten bleiben. Solon war mit 400 Millionen Euro verschuldet.

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Solar Millennium

Kurz vor Weihnachten 2011 stellt der fränkische Solar-Projektentwickler Antrag auf Insolvenz. Seither sucht Insolvenzverwalter Volker Böhm nach Investoren. Das US-Geschäft geht im Februar 2012 an den Konkurrenten Solarhybrid, weitere Beteiligungen schlägt Böhm im Laufe des Jahres los. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Dazu gehören auch 16.000 Anleihen-Besitzer. Unterdessen prüft Böhm weiter, ob Manager für Investitionen in den USA über 80 Millionen Euro haftbar gemacht werden können. Wegen der komplizierten Konzernstruktur der Mittelfranken werde das aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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Soltecture

Das Berliner Unternehmen musste im Mai 2012 Insolvenz anmelden. Noch läuft die Investorensuche

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Weitere umstrittene Vorgänge wie bei den Fondsinitiatoren S&K, deren Chefs sich derzeit in Untersuchungshaft befinden, und Fairvesta tragen nicht gerade zum Vertrauen in die Branche der Beteiligungsfonds bei.

Verschärfte gesetzliche Regeln, Überkapazitäten bei Schiffen etwa oder die gekürzte Solarförderung in Deutschland machen den Anbietern geschlossener Fonds bereits das Leben schwer. Das Berliner Research-Haus Scope rechnet daher, dass die Fonds dieses Jahr 40 Prozent weniger Anlegerkapital einwerben als 2012. Einen Teil der Probleme haben sich die Initiatoren selbst eingebrockt. Zwar war die Finanzkrise nicht vorherzusehen. Aber es war leichtfertig, das Wachstum von Mieten oder Frachtraten linear fortzuschreiben.

Immer mehr Notverkäufe

Insbesondere Schiffsfonds sind in einen Abwärtsstrudel geraten. Weil der Leitindex Baltic Dry zur Messung der Frachtraten seit Ende 2009 zeitweise um zwei Drittel eingebrochen ist, kommen immer mehr Schiffe unter den Hammer. Das Hamburger Analyseunternehmen Deutsche Fonds Research zählte allein im ersten Halbjahr 2013 rund 100 Notverkäufe von Schiffen, die von geschlossenen Fonds finanziert wurden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr zuvor wurden insgesamt nur 86 Schiffe ausgemustert. In diesem Jahr erwischte es die Hamburger Schiffsfondsanbieter GHF und EEH Elbe (siehe Tabelle).

Dass den Überlebenden der Beteiligungsbranche nun oft das Wasser bis zum Hals steht, zeigt der Fall des Dortmunder Beteiligungshauses Dr. Peters. Das forderte von seinen Investoren bereits geleistete Ausschüttungen aus einem Schiffsfonds zurück.

Zwei Anleger weigerten sich und klagten erfolgreich bis zum Bundesgerichtshof. Allein der Umstand, dass die Beträge unabhängig von einem erwirtschafteten Gewinn ausgeschüttet wurden, lässt keinen Rückzahlungsanspruch entstehen, urteilten die Richter (II ZR 73 11 und II ZR 74 11). Nach den BGH-Urteilen meldete der Dr. Peters jedoch für mehrere Schiffsfonds Insolvenz an.

Banken fürchten um ihre Kredite

Auch Gertrud Wiesinger (Name von der Redaktion geändert) könnte mit ihren Beteiligungen Schiffbruch erleiden. Die Selbstständige erbte 2004 von einem verstorbenen Verwandten aus Italien rund 70 000 Euro. Das Geld wollte die über 70-jährige Frankfurterin für ihre Altersvorsorge zurücklegen. Ihre Hausbank empfahl drei geschlossene Fonds, zwei von Wölbern (Holland 52, Real Estate Deutschland 01) und einen weiteren von MPC (Sachwert Rendite Fonds Holland 50). Anfangs lief es durchaus rund, die Fonds zahlten pünktlich ihre Ausschüttungen. Von 2011 an gab es jedoch kein Geld mehr. Wiesinger soll nun ebenfalls bereits erhaltene Gewinne zurückzahlen, um die Fonds zu stützen. Dagegen geht die Unternehmerin nun anwaltlich vor.

Die Rückzahlungsforderungen der Initiatoren gehen vor allem auf den Druck der Banken zurück, die um ihre Kredite fürchten. "Der Ton gegenüber den Anlegern wird rauer", sagt Anwalt Alexander Schaal in der Kanzlei von Buttlar in Stuttgart. Wo früher gebeten wurde, werde jetzt gefordert. Anderenfalls, so die Drohung, sei der Totalverlust der Einlage nicht mehr zu verhindern.

Warnsignale

Fallen in geschlossenen Fonds

von Martin Gerth und Daniel Schönwitz

Platz 9
Die Orient Overseas Container Line, kurz OOCL, kann mehr als 606.735 Standardcontainer transportieren, ergibt eine Auswertung des Branchendienstes Alphaliner von Ende Juni 2016. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Hongkong auf dem neunten Platz der größten Reedereien der Welt.

Quelle: Alphaliner, Stand: Juni 2016

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Platz 8
Mit einem Transportvolumen von rund 625.000 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem achten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Mittlerweile ist Hanjin Shipping pleite.

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Platz 7
Auf Rang Sieben landet die Deutsche Reederei Hamburg Süd mit einer Kapazität von knapp 650.000 Standardcontainern. Das Unternehmen wurde 1871 von elf Hamburger Handelshäusern gegründet. Heute ist es im Besitz der Oetker-Gruppe.

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Platz 7

CSCL, die Reederei China Shipping Container Lines mit Sitz in Schanghai, verfügt über eine Flotte von über 126 Schiffen mit Raum für mehr als 707.000 Container. Das bringt in der Rangliste der größten Reedereien den siebten Platz - noch. Denn CSCL soll in den kommenden Wochen mit ihrem chinesischen Konkurrenten Cosco fusionieren.

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Platz 6

Die China Ocean Shipping (Group) Company - kurz COSCO -, gehört wie CSCL der Volksrepublik China. Der volkseigene Betrieb verfügt über insgesamt 165 Schiffe, davon stammen 85 aus dem eigenen Besitz. Mit einer Kapazität von rund 854.000 Standardcontainern landet die Reederei auf dem sechsten Platz. Doch die Fusion mit CSCL könnte Cosco schon bald auf Rang 4 befördern.

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Platz 6
Auf Position sechs des Rankings: Die Reederei Hapag-Lloyd mit Sitz in Hamburg besitzt am 21. Juni 2016 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 925.21 Standardcontainern. Das sind 4,5 Prozent Weltmarktanteil. Die tief gefallenen Ölpreise sorgten auch bei der größten Reederei Deutschlands für Probleme: Eine Gewinnwarnung des Weltmarktführers Møller-Maersk hatte im vergangenen Jahr den Börsengang erschwert. Die Hamburger mussten ihre Aktien billiger anbieten, um Investoren zu finden. Darunter litten auch die Großaktionäre - Tui, die Stadt Hamburg, und der Großspediteur Klaus Michael-Kühne.
Um besser durch die Krise der globalen Schifffahrt zu kommen, will sich Deutschlands größte Containerreederei eigenen Angaben zufolge mit dem arabischen Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC) zusammenschließen.

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Platz 5
Mit 963.777 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line aus China auf Position fünf. Damit hat Evergreen seit Februar einen Platz verloren. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen.

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Platz 3
Die Top drei der größten Reedereien eröffnet CMA CGM. Mit über 2,3 Millionen Containern Kapazität und 11,3 Prozent Marktanteil liegt die französische Gesellschaft deutlich vor der viertplatzierten COSCO Container Lines. Durch die Fusion mit der singapurischen NOL haben die Franzosen diesen Abstand noch vergrößert.

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Platz 2
Die Silbermedaille gibt es für die Mediterranean Shipping Company, kurz MSC. Dabei handelt es sich um eine 1970 gegründete Reederei aus der Schweiz, mit Sitz in Genf. Die Erfolgsstrategie: bis vor rund 17 Jahren kaufte man nur Second-Hand-Containerschiffe. Erst später stieg man auf neue beziehungsweise Charterschiffe um. Das Unternehmen kann rund 2,7 Millionen Container transportieren. Dies entspricht einem Marktanteil von 13,3 Prozent.

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Platz 1
Auf dem ersten Platz hisst die Reederei APM-Maersk Line ihre Flagge. Mit einem Transportvolumen von über 3,1 Millionen ist das Unternehmen der dänischen Gruppe A.P. Moeller-Maersk das größte seiner Branche und konnte seinen Marktanteil noch um 2 zwei Prozent auf 15,2 Prozent erhöhen.

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Banken, die über Kredite Schiffe oder Windparks mitfinanzieren, haben über ihre Sicherheiten wie etwa Hypotheken als erste Zugriff auf die Vermögenswerte des Fonds. Deshalb müssen Anleger bei einem Notverkauf von Schiffen, Flugzeugen oder Immobilien mit hohen Verlusten rechnen.

Fatal für Investoren: Die Fondsmacher bringen einzelne Pleiten nicht in Bedrängnis. Denn deren Vertrieb hat die Provision – oft mehr als zehn Prozent – längst kassiert, die Projektierungskosten sind eingefahren, und die Verwaltungsgebühren sind auch dann weiter geflossen, während der Fonds schon Verluste machte. Allerdings sind die Anleger nicht völlig wehrlos. Der Gesetzgeber, Gerichtsurteile und nicht zuletzt die Gesellschafterverträge setzen eigenmächtigen Initiatoren inzwischen harte Grenzen.

Neuer rechtlicher Rahmen

Es dauerte allerdings bis Juli dieses Jahres, ehe der Gesetzgeber den geschlossenen Fonds einen rechtlichen Rahmen verpasste. Nach dem neuen Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) müssen Fondsanbieter neuerdings eine interne Revision einrichten und vor allem eine Bank oder eine Treuhandfirma engagieren, welche die Ein- und Auszahlungen des Fonds überwacht. Und sie sollen bewerten, "ob Kauf- und Verkaufspreise der Assets – Immobilien oder Schiffe – angemessen sind", erklärt Frank Herring, Partner der Kanzlei Allen & Overy in Frankfurt. Zudem müssen Anbieter geschlossener Fonds bis zum 21. Juli 2014 eine Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragen. Nur wer als Fondsmanager bestimmte Mindestkriterien, etwa Zuverlässigkeit und berufliche Qualifikation, erfüllt, soll künftig von den BaFin-Aufsehern als Anbieter zugelassen werden.

Nordex

Nach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro.

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Siemens Windenergiesparte

Siemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben.

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Wiwo green

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Vestas

Der weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012.

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Enercon

Das vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas.

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Das Problem: Wer als Initiator weniger als 100 Millionen Euro Anlegerkapital verwaltet, muss die neuen Vorgaben nicht erfüllen. Das sei "unter Anlegerschutzgesichtspunkten unverständlich", sagt Herring. Hinzu kommt: Das KAGB enthält kaum Vorgaben zu Gesellschafterverträgen, in denen zahlreiche gefährliche Klauseln schlummern. "Hier müsste die Bundesregierung für klare Standards sorgen", fordert Patrick Elixmann, Anlegeranwalt bei der Kanzlei Göddeke in Siegburg. Damit können die Anbieter weiterhin die Verträge mehr oder weniger frei gestalten. Anleger sollten vor einem möglichen Investment den Gesellschaftsvertrag streng prüfen. Wichtig ist auch, wie die Lasten einer Sanierung verteilt sind. Kritisch wird es, wenn ausschließlich die Anleger mit ihrem Eigenkapital zur Kasse gebeten werden, die Bank sich mit ihrem Kredit dagegen schadlos hält.

Kein Anreiz für bessere Konzepte

Geht es hart auf hart, dann ist eine Abwahl der Geschäftsführer oft die einzige Chance für Anleger, um noch an ihr Geld zu kommen. "Geschäftsführer und Anleger haben in der Regel entgegengesetzte Interessen", moniert der Berliner Anlegeranwalt Timo Gansel.

Anleger von Windkraftfonds, die zwischen 1997 und 2005 aufgelegt wurden, wissen das sehr gut. Denn obwohl die meisten Fonds wegen teurer Reparaturen an den Anlagen und falscher Windprognosen schlecht laufen – rund 60 Prozent von ihnen liegen unter Plan, schätzt Christian Herz vom Windparkmanager Ökofair Energie –, versuchen Geschäftsführer selten, das Ruder noch herumzureißen. Eine Option wäre, ineffiziente Windräder durch neuere zu ersetzen. Solange aber die Verwaltungsgebühren erfolgsunabhängig fließen, haben die Fonds keinen wirklichen Anreiz, um ein besseres Konzept zu entwickeln.

Welche Ansprüche Anleger bei geschlossenen Fonds haben und wie sie ihr Geld retten können
Geschlossene Fonds müssen die Namen und Anschriften der übrigen Anleger gegenüber Gesellschaftern offenlegen, um einen Informationsaustausch zu gewährleisten. Dies entschied der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen (II ZR 187/09, II ZR 134/11). So können Anleger Mehrheiten für Beschlüsse auch gegen den Willen des Fondsgeschäftsführers organisieren.
Anleger haften bei einem als Kommanditgesellschaft konzipierten Fonds nur mit ihrer Einlage. Eine automatische Nachschusspflicht gibt es nicht. Ausnahme: Schüttet der Fonds unabhängig von Gewinnen aus, kann der Initiator dieses Geld zurückfordern. Dies gilt aber nur, wenn diese Ausschüttungen laut Gesellschaftsvertrag ausdrücklich als Darlehen gewährt werden (Bundesgerichtshof, II ZR 73 11, II ZR 74 11). Ohne diese Klausel, so entschieden die Richter, dürfen die Anleger die Ausschüttungen behalten oder zu Unrecht überwiesenes Geld zurückverlangen. Anders sieht es bei einem Fonds aus, der als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) konstruiert ist. Bei einer GbR haften die Gesellschafter auch mit ihrem gesamten Vermögen.
Initiatoren dürfen nicht eigenmächtig Immobilien oder Schiffe verkaufen – auch nicht bei einem Liquiditätsengpass. Sie brauchen dazu eine Mehrheit der Anleger. Wie groß der Anteil sein muss, steht im Gesellschaftervertrag. Vor einem Beschluss haben die Gesellschafter Anspruch auf Informationen über die aktuelle Geschäftsentwicklung. Zwei bis drei Jahre alte Geschäftsberichte sind keine ausreichende Entscheidungsgrundlage.
Wenn ein geschlossener Fonds kriselt, besteht gegenüber Beratern, Bank oder Fonds unter Umständen ein Anspruch auf Schadensersatz oder die Rückabwicklung des gesamten Geschäfts. Ansprüche können bestehen:wenn der Berater Provisionen gar nicht oder nicht detailliert genug offengelegt hat. Selbst wenn der Prospekt die Vergütung und deren Empfänger korrekt angibt, muss der Berater darüber aufklären;wenn der Fonds als risikoloses Investment für die Altersvorsorge beworben wurde, obwohl es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt, bei der Anleger ihren Einsatz verlieren können;wenn der Initiator zum Nachteil der Anleger Geschäfte mit eigenen Firmen gemacht hat. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Reederei Schiffe überteuert an hauseigene Fonds verkauft, ohne dass dies im Prospekt steht;
Des weiteren können Ansprüche auf Schadensersatz bestehen,wenn das Geld zweckentfremdet wurde. So sammelte beispielsweise die Commerzbank Geld für Medienfonds ein, das aber nur zu einem kleinen Teil in die Produktion von Spielfilmen floss;wenn der Prospekt falsche Angaben enthält, etwa über die Höhe der Kosten oder über unternehmerische Risiken;wenn von der Gesellschafterversammlung beschlossene Änderungen der Geschäftsgrundlagen juristisch angreifbar sind. Dazu gehören beispielsweise der zeitweise Verzicht auf Mieten oder die Verpflichtung, Geld in einen kriselnden Fonds nachzuschießen.
Ansprüche auf Schadensersatz gegen Vermittler, Fonds oder Bank verjähren nach drei Jahren. Die Frist läuft am Ende des Jahres an, in dem Anleger von der Falschberatung oder dem Prospektfehler hätten wissen müssen. Dieser Zeitpunkt kann je nach Einzelfall auch erst viele Jahre nach Vertragsschluss eingetreten sein. Nur wenn die Unkenntnis auf grober Fahrlässigkeit beruht, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz.
Anfangsverluste des Fonds lassen sich nur mit Gewinnen aus der geschlossenen Beteiligung verrechnen. Das Finanzamt akzeptiert allerdings nur Verluste bis zur Höhe der Einlage. Zweifelt das Finanzamt an der Gewinnerzielungsabsicht des Fonds, weil dieser nur Verluste produziert, muss der Anleger die Steuervorteile nachträglich zurückerstatten.

An der S&K-Villa in der Kennedyallee weist riesiger Banner auf die Online-Pfandversteigerung des S&K-Mobiliars hin. Ziel war es, möglichst viele (Wert-)Gegenstände aus dem S&K-Reich zu liquidieren.

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Das alte Schiffs-Modell hat bei der Online-Auktion schon einige Gebote eingeheimst. Es soll für mindestens 30 Euro unter den Hammer.

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Pompös und staatsmännisch, so war die Einrichtung von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Nicht kleckern, sondern klotzen...

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Ein Kunstwerk mit den Initialen wird genauso versteigert...

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...wie ein Gemälde mit Dollar-Zeichen.

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Bereits geöffnete Getränkedosen mit aufgedrucktem S&K-Logo - Überbleibsel der Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller.

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Von solchen Sofas können Interessierte gleich mehrere ersteigern.

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Auch die Buddha-Skulptur aus dem Garten der Frankfurter Immobiliengruppe hat bereits einige Interessenten.

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So sieht das Hundetherapiebecken aus. Es ist zwar laut Auktionsliste nicht voll funktionsfähig, mit 4500 Euro Mindestpreis aber das teuerste Produkt aus dem Büro von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Es ermöglicht eine Art Aqua-Jogging für Hunde.

Foto: WirtschaftsWoche

Auf zahlreichen Möbelstücken, wie auf diesem Schrank, findet sich das S&K-Logo.

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Stehpult mit Logo - damit haben Schäfer und Köller sicher einige Mitarbeiter und Anleger beeindruckt.

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Auch der massive Konferenztisch im Obergeschoss der Villa glänzt mit dem Firmenlogo.

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Wittern die Fondsgeschäftsführer allerdings Meuterei, schlagen sie mit juristischen Mitteln hart zurück. Bis vor zwei Jahren verweigerten viele Initiatoren, Daten der übrigen Gesellschafter weiterzugeben. Der Widerstand konnte sich so nicht organisieren. Erst als der Bundesgerichtshof 2011 den Anspruch der Gesellschafter auf die Daten anderer Anleger bestätigte, bröckelte der Widerstand der Emissionshäuser (BGH II ZR 187/09). Trotz BGH-Entscheid weigerte sich Wölbern unter Hinweis auf den Datenschutz aber bis heute, die Daten der übrigen Anleger an den geprellten Christoph Schmidt weiterzuleiten.

Schmidt ließ sich dadurch aber nicht entmutigen und ermittelte auf eigene Faust "einzelne Namen mühsam über Handelsregisterauszüge". Inzwischen weist Wölbern in Schreiben an die Anleger auf die Urteile des BGH hin. Andere Initiatoren schreckt die Rechtsprechung des BGH offenbar immer noch nicht. Diese Erfahrung macht zumindest Anlegeranwalt Elixmann: "Ich musste bei mehreren Windkraftfonds die Herausgabe von Adressen erst gerichtlich durchsetzen."

Einfluss der Anleger wird vermieden

Allein mit den Adressen anderer Teilhaber ist noch nicht viel gewonnen. Zur Rebellion gewillte Anleger müssen danach erst noch die schwerste Hürde nehmen – eine Mehrheit gegen die Fondsgeschäftsführung zu gewinnen. Laut Gesellschaftervertrag sind oft 75 Prozent der Anteilseigner notwendig, um einen neuen Geschäftsführer installieren zu können. Erschwerend kommt hinzu, das sich manche Initiatoren bei Auflage der Fonds solche Gesellschafter ins Boot holen, von denen keine große Opposition zu erwarten ist. So werden beispielsweise gerne Chefs von Finanzvertrieben beteiligt – sie haben kein Interesse, den Geschäftsführer, der sie nährt, abzusetzen. "Fondsanbieter wollen unbedingt vermeiden, dass Anleger Einfluss nehmen können", sagt Anwalt Gansel.

Aber nicht immer gelingt das. Tapfer kämpften im vergangenen Jahr 175 Anleger gegen das Management des Windparks Erfurt-Möbisburg. Ein großer Teil des Anlegergelds ging für Vertrieb, Verwaltung und weitere Nebenkosten drauf. Die Gesellschafter schafften es, eine Mehrheit zu organisieren und setzten im Mai 2011 den Geschäftsführer und Ventimotor-Chef Stephan Hloucal ab. An seine Stelle rückte der unabhängige Windparkmanager Ökofair Energie Mettmann.

Streitfälle häufen sich

Hloucal zog gegen den Beschluss der Gesellschafter bis vors Oberlandesgericht Jena, aber ohne Erfolg (2 U 650/11). Derartige Streitfälle häufen sich: "Selbst eindeutige Gesellschafterbeschlüsse werden immer wieder angefochten", berichtet Elixmann, der die Möbisburg-Anleger beraten hat. Beim Windpark Amesdorf-Wellen in Sachsen-Anhalt hätten die Anleger auf jeder Gesellschafterversammlung in den zurückliegenden drei Jahren die Geschäftsführer erneut abwählen müssen, weil vorherige Absetzungsbeschlüsse angefochten worden waren, berichtet Elixmann. Dies habe eine wahre Prozessflut ausgelöst. Ruhe hätten die Anleger wohl erst, wenn der Fall vor dem Bundesgerichtshof lande landen würde.

Schmidt und seine Mitstreiter sind davon nicht mehr weit entfernt. Im Juli hat das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die Absetzung des Fondsgeschäftsführers abgewiesen.

Der Fall Wölbern zeigt auch exemplarisch, um was es vielen kriselnden Emissionshäusern geht: um einen Verkauf des Restvermögens, im Fall von Wölbern um die Immobilien.

Notverkäufe bei Schiffsfonds nehmen zu (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

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Je mehr Fondsanleger einem Verkauf der Immobilien zustimmen, desto schneller wäre der Hamburger Initiator seine Altlasten los und könnte mit neuen Produkten wieder höhere Gebühreneinnahmen in die eigene Bilanz schaufeln.

Ähnlich sieht in es Düsseldorf aus. Bei Westfonds, einer Tochter der beiden WestLB-Nachfolgegesellschaften Portigon und Erste Abwicklungsanstalt, fürchten Anleger, dass die Firmengruppe das Fondsgeschäft möglichst schnell abwickeln will – und dafür sogar bereit ist, die Immobilien zulasten der Anleger unter Wert zu verkaufen. Nachdem kritische Anleger des von Westfonds aufgelegten Fonds RWI 25 alle übrigen Gesellschafter angeschrieben haben und so das nötige 25-Prozent-Quorum für eine außerordentliche Gesellschafterversammlung erreicht hatten, verschickte Westfonds ebenfalls ein Rundschreiben – verbunden mit der Bitte, die Zustimmung zurückzuziehen. Wie es mit der Büroimmobilie in Düsseldorf nun weitergehen soll, ist offen. Von der NRW-Landesregierung als ehemalige Patronin der WestLB können die Anleger keine Hilfe erwarten. Sollte Westfonds gegen Anlegerinteressen verstoßen haben, stünde den Betroffenen der Rechtsweg offen, so die Landesregierung. Für ein Eingreifen der Politik sehe sie keine Notwendigkeit. Die Landesregierung bestreitet zudem, dass die von Westfonds gehaltenen Immobilien unter Zeitdruck verramscht werden müssten.

Schnelle Erlöse unter dem Marktwert

Notverkäufe aus geschlossenen Fonds haben einen, wenn auch überschaubaren Vorteil: Geld fließt relativ schnell zurück. Allerdings ist der Preis dafür ein Erlös, der in der Regel deutlich unter dem Marktwert liegt. Denn Kaufinteressenten wissen um die Not der Verkäufer und verhandeln den Preis der Objekte hart nach unten.

Ove Franz, Ex-Vorstand der Wölbern Bank, der selbst noch eine halbe Million Euro in zwei Immobilienfonds seines ehemaligen Arbeitgebers stecken hat, stimmte trotzdem einem Notverkauf des Immobilienfonds Holland 56 zu. "Wir sahen keine Alternative, weil die Mietverträge für die Fondsimmobilien 2014 ausgelaufen wären", sagt Franz.

Allerdings sind die Ertragsaussichten nicht für alle Fonds gleichermaßen schlecht. Wo die Perspektiven besser sind, lohnt es sich, um die Weiterführung des Fonds zu kämpfen – oder zumindest um eine geordnete Abwicklung des Portfolios.

Falsch beraten

Wenn der Fonds nicht mehr zu retten ist, bleiben Anlegern immer noch zwei Alternativen: entweder dass komplette Geschäft per Klage rückabwickeln zu lassen oder die Fondsanteile auf dem Zweitmarkt zu verkaufen.

Ist ein Emissionshaus insgesamt in Schieflage geraten, dann sollten sich die Anleger vornehmlich an die Banken und Anlageberater wenden, die ihnen die geschlossenen Fonds verkauft haben. Deren Berater haben ihre Kunden bisweilen nicht hinreichend auf Risiken hingewiesen oder auch Provisionen (Kick-Backs) verschwiegen. Der Erbin Wiesinger etwa hatte der Bankberater die riskanten Beteiligungen empfohlen, obwohl sie kundgetan hatte, eine sichere Altersvorsorge zu suchen.

Auch vom Risiko, die komplette Einlage zu verlieren, hätte ihr der Bankberater nichts gesagt, sagt sie. Juristen sprechen in solchen Fällen von Falschberatung (siehe Kasten).

Jeder Anleger muss dabei für sich allein kämpfen. "Wird in einem Fall ein Anlageberater wegen Falschberatung zu Schadensersatz verurteilt, dann heißt das nicht, dass auch alle anderen Kunden, die den Fonds bei der Bank gekauft haben, ihr Geld zurückbekommen", sagt Adrian Wegel, Anwalt in der Kanzlei Bouchon Hemmerich & Partner in Frankfurt.

Die Richter schauen sich jeden Fall genau an. Wie ist die Beratung gelaufen? Wie viel Erfahrung hat der Anleger mit riskanten Kapitalanlagen? Wann hätte der Bankkunde die Falschberatung erkennen können? Schließlich sind Schadensersatzansprüche in der Regel nach drei Jahren verjährt.

Nicht alle Gerichte sind anlegerfreundlich

Anleger sollten sich deshalb genau prüfen, bevor sie klagen. Denn ohne eine Rechtsschutzversicherung oder einen Prozessfinanzierer sprengen die Kosten des Verfahrens spätestens in der zweiten Instanz den Rahmen eines Kleinanlegers. Zudem besteht immer noch die Gefahr, dass der Anleger den Prozess verliert, denn nicht alle Gerichte sind gleichermaßen anlegerfreundlich. Dann müssen die Kläger auch noch die Anwaltskosten der Gegenseite tragen.

Bei einem geringen Streitwert, schmalem Geldbeutel und einem schwer kalkulierbaren Prozessrisiko kann ein Verkauf über den Zweitmarkt für geschlossene Fonds die bessere Alternative sein. Allerdings lassen sich die Fondsanteile anders als etwa Aktien nicht per Mausklick losschlagen.

Denn der von den Börsen Hamburg, Hannover und München betriebene Zweitmarkt für geschlossene Beteiligungen ist nicht sehr liquide. Im vergangenen Jahr setzte er lediglich 146 Millionen Euro um, die sich auf etwa 4300 Geschäfte verteilten. Am Zweitmarkt nehmen wenige Interessenten die Anteile meist nur gegen hohe Abschläge ab.

So liegt der Durchschnittskurs der am Zweitmarkt gehandelten Schiffsbeteiligungen zwischen 20 und 30 Prozent (siehe Grafik). Bei Immobilienfonds liegt der Kurs zwischen 40 und 50 Prozent.

Anleger müssen also spitz rechnen, was sich lohnt: entweder die bereits gezahlten Ausschüttungen zu behalten und den Fonds am Zweitmarkt mit Verlust zu verkaufen – oder weiter Geld nachzuschießen und auf einen höheren Erlös bei einem späteren Verkauf der Sachwerte zu hoffen.

Für Anleger in Wölbern-Fonds ist der Notausstieg über den Zweitmarkt jedoch verschlossen: Derzeit sind die Fondsanteile vom Handel ausgesetzt. Den Betroffenen bleibt also nur, juristisch für ihre Interessen zu kämpfen.

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