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Gläubigerversammlung Wer gewinnt die Schlacht um Prokon?

Die Gläubigerversammlung entscheidet darüber, wie es mit dem Windparkbetreiber Prokon weitergeht. Der vorläufige Höhepunkt einer einzigartigen Schlammschlacht.

Auf der Gläubigerversammlung wird darüber gestritten, wie es mit dem insolventen Windparkbetreiber Prokon weitergeht. Quelle: dpa

Es ist ein Kampf mit zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der nüchterne Rechtsanwalt mit kurzem, dünnen Haar, dunklem Anzug und Krawatte. Dort der selbsternannte Öko-Pionier mit grauem, zum Zopf geflochtenen Haar, der am liebsten kariertes Hemd und wattierte Weste trägt.

Doch auf der heutigen Gläubigerversammlung des insolventen Windparkbetreibers Prokon werden sich Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus wieder begegnen - und gegeneinander um die Stimmen der Anleger kämpfen.

In den vergangenen Wochen wurde der Kampf zum regelrechten Showdown. Noch in der Nacht zu Montag meldete sich Rodbertus bei den Prokon-Anlegern und warb um seine Sicht der Dinge. In einer E-Mail, die WirtschaftsWoche Online vorliegt, bedankt sich Rodbertus nicht nur bei denen, die seinem Mitstreiter Alfons Sattler eine Vollmacht erteilten. Der Prokon-Gründer nutzt außerdem die Gelegenheit, Stimmung gegen Penzlin zu machen. Dieser verletzte "massiv" seine Neutralitätspflicht, schreibt Rodbertus, und kämpfe um "seinen millionenschweren Auftrag".

Sattler gilt als eine Art Mittelsmann von Rodbertus. Denn dieser kann aufgrund einstweiliger Verfügungen und Ermittlungen gegen ihn nicht selber die Interessen der Gläubiger vertreten. Dennoch ist klar, dass Rodbertus die Zügel der "Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon" in der Hand hält.

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Widerruf des Widerrufs

Außerdem räumt Rodbertus in seinem Schreiben ein, dass etwa 800 Anleger ihre Vollmacht für Sattler wieder zurückgezogen haben, "weil sie sich von den unzutreffenden und falschen Aussagen des Herrn Dr. Penzlin verunsichern lassen haben", wie Rodbertus es formuliert. Dank eines mitgeschickten Formulars sei aber der Widerruf des Widerrufs möglich.

Verständlich, denn für Rodbertus zählt jede Stimme - auch die bereits verloren gegangenen. Ob die Widerrufe auch mit dem Bericht der "Bild-Zeitung" Ende der vergangenen Woche zusammenhingen, erläutert Rodbertus in seiner E-Mail nicht. Das Blatt hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem ein halbnackter Rodbertus auf einer Betriebsfeier einer Partnerfirma eine ebenfalls nur leicht bekleidete Frau in den Armen hält. Stattdessen versucht Rodbertus den Anlegern Hoffnung zu machen. Der ehemalige Oberstaatsanwalt Dieter Graefe habe angekündigt, Sattler während der Versammlung zur Seite zu stehen.

Öffentliche Schlammschlacht

Schon in den Tagen zuvor schwappte die Schlammschlacht zwischen Prokon-Gründer Rodbertus und Insolvenzverwalter Penzlin von einem Höhepunkt zum nächsten. Insbesondere Rodbertus versucht mit allen Mitteln, gegen Penzlin Stimmung zu machen und Inhaber von Genussrechten auf seine Seite zu ziehen. Penzlin erklärte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: "Inhalt und Form der Vorhaltungen von Herrn Rodbertus werden immer unsachlicher. Ich werde hierzu derzeit keine Stellung mehr beziehen."

Rodbertus wirft Penzlin vor, ihn öffentlich als Feindbild dargestellt zu haben. Penzlin wolle, so Rodbertus wörtlich, die "Gläubigerversammlung ad absurdum führen". Seiner Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon liege ein Schreiben vor, wonach Penzlin versucht habe, Sattler von den Abstimmungen auszuschließen. Dieser sei irrational und für einfachste Tätigkeiten des täglichen Lebens ungeeignet.

Scharfe mutmaßliche Vorwürfe, auf die Rodbertus ebenso scharf reagiert. "Die Äußerungen von Herrn Dr. Dietmar Penzlin sind von tiefster menschlicher Verachtung geprägt und verletzten die Persönlichkeitsrechte von Herrn Alfons Sattler massiv", erklärt Rodbertus' Arbeitsgemeinschaft. "Herr Dr. Penzlin: Ihre Äußerungen sind menschenverachtend" heißt es dort.

Ob das zuständige Insolvenzgericht dieser möglichen Ausschluss-Aufforderung Penzlins nachkommt, ist fraglich. "Dann würden die Stimmrechte von 14.000 Anlegern unberücksichtigt bleiben, die erneut auf falsche Versprechungen von Carsten Rodbertus hereingefallen sind", sagt der Bonner Anlegeranwalt Marc Gericke, der ebenfalls einige Anleger auf der Gläubigerversammlung in den Hamburger Messehallen vertreten wird. Es sei daher unwahrscheinlich, dass das Gericht diese Anleger einfach von der Abstimmung ausschließe.

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