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Global Wealth Report Einmal reich, immer reich – die Party geht weiter

Wohltuender Niederschlag - Auch in der Coronakrise regnet es weiter Geld in Strömen für die Reichen und Superreichen dieser Welt. Ihre Vermögen schrumpfen nicht.   Quelle: dpa

Der neue Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse zeigt Erstaunliches: Während die Weltwirtschaft dramatisch schrumpft, geht es mit den Vermögen weiter nach oben. Wie kann das sein?

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„Ich wär so gerne Millionär, dann wär mein Konto niemals leer“, singt die deutsche Band „Die Prinzen“. Ja, da ist schon was dran. Wer gehörte nicht gerne dazu. Denn wer einmal angekommen ist in der Liga der Reichen und Superreichen, der muss sich heute schon sehr ungeschickt anstellen, um wieder abzusteigen in die Liga der Habenichtse. Da mag kommen, was will - eine globale Finanzkrise oder, wie jetzt, eine globale Pandemie.  

Daher eine Nachricht vorweg: Die Anzahl der Millionäre auf der Welt hat sich trotz des globalen Wirtschaftseinbruchs in der Pandemie nicht verringert. Wie schon Ende 2019 besitzen weiterhin rund 52 Millionen Erwachsene auf der Welt ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar. So steht es im am Donnerstag veröffentlichten „Global Wealth Report“ der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS). Es gibt zwar inzwischen einige solcher Studien, die sich mit der weltweiten Vermögensverteilung beschäftigen, etwa vom Versicherer Allianz oder den Beratungsunternehmen Cap Gemini und Boston Consulting. Das Werk von Credit Suisse gilt weithin aber als das umfassendste und wohl auch verlässlichste.

Die Autoren berücksichtigen die Vermögenswerte von 5,164 Milliarden Erwachsenen aus mehr als 200 Ländern. Zusammen besaßen sie Ende 2019 ein Vermögen von rund 400 Billionen Dollar, allerdings ziemlich konzentriert mit Blick auf die Verteilung. Gut 43 Prozent dieses Reichtums entfallen auf das reichste Prozent der Weltbevölkerung. Das sind unsere 52 Millionen Millionäre.

In diesen Ländern leben die meisten Dollar-Millionäre
Das Research Institute der Schweizer Bank Credit Suisse veröffentlicht jährlichen seinen „Global Wealth Report“ Quelle: imago images
Global Wealth Report: Die meisten Dollar-Millionäre leben im Heimatland des Dollars: den USA Quelle: imago images
Global Wealth Report: China erreicht Platz 2 der Länder mit den meisten Dollar-Millionären mit einem Anteil von 11 Prozent. Quelle: imago images
Auf dem dritten Platz im Global Wealth Report landet Japan. Quelle: imago images
Großbritannien nimmt als Heimat von rund fünf Prozent aller Dollar-Millionäre auf der Welt den vierten Platz ein Quelle: imago images
Plätze fünf und sechs im Global Wealth Report teilen sich Deutschland und Frankreich. Quelle: imago images
Die nächsten Plätze teilen sich Italien, Kanada und Australien. In diesen Ländern sind etwa drei Prozent der weltweiten Einkommensmillionäre zuhause. Quelle: imago images

Dass unter ihnen in diesem Jahr 122 Personen den Status als „Ultra High Net Worth Individuals“, kurz UHNWI, verloren haben, mag diese schmerzen. Verarmt aber ist niemand, und ihren Lebensstil müssen sie auch nur unwesentlich anpassen an die neue Vermögenslage. Denn als UHNWI gilt erst, wer ein Nettovermögen von 50 Millionen Dollar an aufwärts sein Eigen nennt. Vom Aussterben bedroht sind UHNWIs auch nicht. Mit 175 566 stehen gut zehn Prozent mehr ganz oben an der Spitze der globalen Vermögenspyramide als Anfang 2019.

Klar, mit Blick auf den scharfen Börseneinbruch im März dieses Jahres sind auch die Reichen und Superreichen gehörig ins Schwitzen gekommen. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die gesamten globalen Haushaltsvermögen im März zwischenzeitlich um 17,5 Billionen Dollar unter den Stand vom Jahresanfang lagen. Doch angebrannt ist letztlich nichts.

Die Vermögensretter haben die Lektion aus der Finanzkrise verstanden und nicht mehr so lange gezappelt wie damals. „Regierungen und Zentralbanken haben gelernt, wie wichtig Kreditvereinbarungen und quantitative Lockerungen während einer schweren Krise sind“, sagt Nannette Hechler-Fayd’herbe, Leiterin Economics & Research bei Credit Suisse. Als der massive Einsatz von Regierungen und Zentralbanken erkennbar wurde, ging es mit den Aktienkursen auch rasch wieder nach oben – und damit auch mit den Vermögen. Abseits der Finanzanlagen haben die schnellen Rettungsmaßnahmen indirekt auch die Immobilienpreise gestützt und vor dem befürchteten Einbruch bewahrt – zumindest bis jetzt. Außerdem, so Hechler-Fayd’herbe, sei der globale Finanzsektor heute gesünder als in der Finanzkrise.

Während also die großen Vermögen ungeschoren durch die Corona-Krise kommen – die Vermögen der Reichen und Superreichen aus Branchen wie Technologie und Gesundheit legten gar spürbar zu –, wird das kurzarbeitende Fußvolk, kleine und mittlere Angestellte, Freiberufler und viele kleine und mittlere Unternehmer von Existenzsorgen geplagt. 

Noch werden sie von der Politik in Schach gehalten – mit Beruhigungspillen wie Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld. Eingriffe in die Grundrechte  wie Ausgangssperren, Versammlungs-  und Reiseverbote, rigide und hart kontrollierten Maskenpflichten signalisieren aber vielerorts, dass der von vielen herbeigewünschte starke Staat auch härtere Bandagen anlegen kann.

Die Sparquote hat sich in der Pandemie insgesamt zwar erhöht. Doch nur die Wenigsten denken dabei an den langfristigen Vermögensaufbau über den Kauf von Aktien und schauen täglich auf Dax & Dow. Für sie heißt das Gebot der Stunde: Gürtel enger schnallen, Geld zusammenhalten. Wer weiß, was noch kommt. Und bei einigen geht es bereits an die Reserven. Bei ihnen passiert genau das Gegenteil von Vermögensaufbau.


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Wer kein Kapital in Form von Immobilien, Wertpapieren, Unternehmensanteilen oder Geldvermögen geerbt hat, für den war es in den westlichen Industrieländern schon in den vergangenen Jahren problematisch, mit einem durchschnittlichen Arbeitseinkommen eine Familie zu gründen und sich einen gewissen Wohlstand aufzubauen. Das verhinderten einerseits künstlich gedrückten Zinsen, andererseits steigende Lebenshaltungskosten, etwa für Wohnen, Gesundheit und Bildung.

Seit der Finanzkrise geht es eigentlich nur um Krisenprävention und vor allem darum, die Aktien- und Anleihemärkte in ihren Kursbahnen zu halten. Während die Mittelschicht allmählich verschwindet, landen die von den Zentralbanken in Umlauf gebrachten Milliarden vor allem bei den Reichen und Superreichen. Und die singen „Luxus“ von Herbert Grönemeyer: „Wir feiern hier ne Party, und Du bist nicht dabei.“

Mehr zum Thema: Die Zahl der Dollar-Millionäre ist seit Beginn der Coronapandemie geschrumpft, zeigt der neue Reichtumsbericht der Credit Suisse. In manchen Ländern sind es nun viel weniger. Das sind die Top Ten.

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