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Glückliche Millionäre Das Erfolgsgeheimnis hinter Norwegens Reichtum

Jeder Norweger ist rechnerisch Millionär, hat ein Eigenheim und erhält Sozialleistungen. Das Geld dafür kommt von Norwegens Pensionsfonds. Was Anleger vom weltweit größten Staatsfonds lernen können.

Norwegen ist reich, und das gleich in mehrfacher Hinsicht: 25.000 Kilometer Atlantikküste mit tausenden Fjorden, 150.000 Inseln, eine der höchsten Geburtenraten Europas, eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit und jährlich üppige Haushaltsüberschüsse des Staates. Norweger gelten mit dem dritthöchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von umgerechnet knapp 75.000 zudem als besonders einkommensstark, nur in Luxemburg und dem Emirat Katar liegt es noch ein bisschen höher. Die Arbeitslosigkeit liegt im Bereich von drei Prozent, das Kindergeld ist eines der höchsten im Vergleich. Das und mehr macht die Norweger zu besonders glücklichen Menschen. Laut World Happiness Report 2013 sind die Einwohner Norwegens die zweitglücklichsten Menschen auf dem Planeten - knapp hinter Dänemark und noch vor der Schweiz, den Niederlanden und Schweden.

Bald könnte es auch für Platz eins im Glücklichsein reichen. Denn jetzt hat Norwegen eine weitere Rekordmarke auf der Wohlstandsleiter erreicht. In norwegischen Kronen gerechnet ist nun jeder der rund fünf Millionen Norweger Millionär - zumindest auf dem Papier. Seit vergangenem Mittwoch ist der staatseigene Pensionsfonds nach neuen Daten der Zentralbank 5,11 Billionen Norwegische Kronen (NOK) schwer und damit umgerechnet auf ein Volumen von 611 Milliarden Euro angeschwollen. In Euro entfallen auf jeden Norweger rund 120.000 Euro. Das habe es noch nie gegeben, sagte Notenbank-Sprecher Thomas Sevang. "Der Fonds ist ein Erfolg", sagt auch der Chefvolkswirt der Finanzgruppe DNB Markets, Öystein Dörum. "Es gibt eine ganze Reihe von Ländern, die das nicht geschafft haben."

Der 1990 gegründete "Government Pension Fund Global" (GPFG) ist heute der größte Staatsfonds der Welt. Saudi-Arabiens Staatsfonds, der zweitgrößte, ist mit einem Volumen von umgerechnet rund 500 Milliarden Euro bereits um mehr als 100 Milliarden Euro kleiner. Der einzigartige Erfolg der Norweger wirft Fragen auf: Was macht den Fonds so erfolgreich? Wie lässt sich so viel Geld halbwegs sicher und rentabel anlegen? Wie sieht die Investmentstrategie aus? Welche Lehren können Privatanleger daraus ziehen?

Norwegens Reichtum kam nicht über Nacht. Noch in den 60er Jahren zählte Norwegen zu den armen Ländern Europas. Innerhalb von 40 Jahren hat sich das skandinavische Land zu einer der wohlhabendsten Nationen Europas aufgeschwungen. Den opulenten Wohlstand verdanken die Norweger ihren reichen Ölvorkommen. Seit Anfang der der 70er Jahre wird es aus der Nordsee vor der Küste Norwegens gefördert. Heute rangiert Norwegen in der Rangfolge der größten Förderländer auf Rang 13 und ist der siebtgrößte Exporteur des Rohstoffes. Mit ihrem plötzlichen Rohstoffreichtum gingen die Norweger von Anfang an sehr umsichtig um. Mit einem großen Teil der Gewinne aus dem Ölgeschäft, dass mehrheitlich in Staatshand ist, begründeten sie den gigantische Staatsfonds. Deswegen heißt der GPFG in Norwegens Volksmund auch heute noch schlicht "Ölfonds", obwohl er schon 2006 seinen heutigen Namen erhielt. Solange das Öl weiter sprudelt, wächst auch der Fonds.

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