WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Glückliche Millionäre Das Erfolgsgeheimnis hinter Norwegens Reichtum

Seite 4/4

Zweifelhaften Nebeneffekte

Investoren warnen vor Börsencrashs
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnte davor, dass die stark steigenden Preise an Aktien- und Immobilienmärkten zu gefährlichen Finanzblasen führen könnten. „Ich rufe noch nicht Alarm. Aber in vielen Ländern liegen die Kurse an der Aktienbörse auf einem hohen Niveau, und auch an manchen Immobilienmärkten sind die Preise stark angestiegen“, sagt der US-Ökonom dem „Spiegel“. Diese Entwicklung könne böse enden. "Der Boom am Aktienmarkt in den USA macht mir die meisten Sorgen", so Shiller. "Auch weil unsere Wirtschaft noch immer schwach und anfällig ist." Für ihn sind Preisblasen eine "gesellschaftliche Geisteskrankheit". Seine "Sorge" sei viel mehr, jenes von ihm entwickelte Maß des zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis. Aktien seien aber derzeit noch nicht übertrieben teuer. Er selbst habe sein Geld in Aktien angelegt, "die ich noch für niedrig bewertet halte". Dazu zählten laut Shiller Werte "etwa aus dem Energie- und Gesundheitssektor. Ich setze aber auch auf weltweite Aktienindizes", sagte er. Aus Branchen wie dem Finanz- und Technologiesektor habe er sich bereits zurückgezogen. Quelle: REUTERS
Der amerikanische Großinvestor Warren Buffett macht sich keinerlei Sorgen um den Aktienmarkt. Er erklärte: Aktien seien nicht überkauft, sondern befänden sich einer "Zone der Angemessenheit". Aktien würden nicht auf Blasen-Niveau notieren. "Man muss sein Vermögen in irgendetwas investieren und ich denke, dass gute Unternehmen, in die man sein Geld für lange Zeiträume steckt, mit Sicherheit gute Ergebnisse liefern werden." Quelle: dapd
Analysten der Deutschen Bank erwarten einen Absturz des deutschen Aktienmarkts. Dies berichtet das " Wall Street Journal". Die Prognose: Zum Jahresende werden der Dax nur noch bei 8400 Punkten liegen. Der Pessimismus rührt von den relativ schwachen Zahlen für das dritte Quartal her, die viele Unternehmen in den letzten Wochen vorgelegt haben. Eine Aufwärtsbewegung soll es demnach erst im kommenden Jahr wieder geben. "Ende 2014 dürfte der Dax mit der Erholung der Weltwirtschaft [...] zulegen und auf 9700 Punkte steigen", lautet die Prognose der Deutsche-Bank-Analysten. Quelle: REUTERS
Finanzinvestoren sollten sich nach Einschätzung der europäischen Branchengröße Permira nicht von den günstigen Kreditkonditionen blenden lassen. "Nur weil man derzeit viel Geld leihen kann, ist es nicht unbedingt eine gute Idee, dies auch zu tun", sagte Co-Chef Kurt Björklund. Das günstige Marktumfeld verlange ein großes Maß an Disziplin, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Permira ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, die Konzerne wie Hugo Boss und ProSieben Sat1 in ihrem Portfolio hat. Quelle: dpa
Der umtriebige US-Investor Carl Icahn hat nach eigenen Angaben momentan besonders leichtes Spiel. "Meiner Meinung nach gab es noch nie eine bessere Zeit für aktivistische Investoren", sagte der Profi-Anleger. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen seien Übernahmen derzeit günstiger und leichter umsetzbar als sonst. Allerdings hat der Großinvestor auch Bedenken vor einem zu großen Engagement an den Börsen geäußert. Er sei derzeit bei Aktien sehr vorsichtig, sagte Icahn auf einer Reuters-Veranstaltung. Schließlich könnten die Kurse tief fallen, weil die Gewinne vieler Unternehmen mehr durch die niedrigen Kreditzinsen befeuert würden als durch die Strategie des Managements. Diese Einschätzung des 77-jährigen Milliardärs, der mit seinen Investitionen oft saftige Gewinne einfährt, sorgte an der New Yorker Börse für Aufsehen. Der S&P 500, der vor Icahns Rede praktisch unverändert notiert hatte, gab 0,4 Prozent nach. Der für sein aggressives Auftreten gegenüber dem Management seiner Beteiligungen bekannte Icahn signalisierte zudem, dass er seinen Kampf bei Apple nicht aufgeben wolle. Der Investor fordert, dass der US-Konzern sein Aktienrückkaufprogramm auf 150 Milliarden Dollar ausbaut. Apple will dem bisher nicht nachkommen. Quelle: REUTERS
Auch der US-Investor Jim Rogers hatte vor Kurzem vor Kurseinbrüchen um bis zu 50 Prozent gewarnt. Für ihn sei die aktuelle Bewertung von US-Aktien nicht zu rechtfertigen. Die wirtschaftliche Situation er USA gebe einen solchen Jubel nicht her, auch wenn der Shutdown abgewendet worden sei. "Es ist total künstlich, was wir sehen", sagt er gegenüber dem Deutschen Anleger Fernsehen. "Wenn der Markt das nächste Mal einbricht, dann geht es bis zu 50 Prozent nach unten." Quelle: AP
Mitte September hatte auch die EZB zur Vorsicht gemahnt. In einem Interview mit der "Bild" sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen auf die Frage, ob eine neue Blase oder ein neuer Crash drohten: "Leider haben viele Investoren ein kurzes Gedächtnis. Wir müssen immer damit rechnen, dass es zu Instabilitäten kommt." Quelle: dpa

Anleihen

In festverzinslichen Anlagen ist der norwegische Staatsfonds mit 35 Prozent des Portfolios beziehungsweise mit 216 Milliarden Euro engagiert. Zwar werfen diese Papiere zuletzt mit einer Wertsteigerung von 0,3 Prozent kaum nennenswerte Rendite ab, aber sie sorgen für Stabilität. Im vergangenen Jahr schwankte der Wert des Portfolios um weniger als zehn Prozent. Vor allem in Staatsanleihen der USA ist der GPFG stark investiert, gefolgt von Papieren aus Japan und Deutschland.

Immobilien

Immobilien dürfen seit 2010 maximal fünf Prozent des Fondsvermögens ausmachen. Während das Fondsmanagement derzeit die Aktienquote stabil hält oder leicht schrumpfen lässt, weil sie die Mittelzuflüsse nicht mehr in Aktien investiert, baut sie die Immobilieninvestitionen langsam aus. Dem letzten Quartalsbericht lag der Immobilienanteil noch bei nur 0,9 Prozent. Immerhin brachte der zuletzt eine Rendite von 4,1 Prozent.

Experten erwarten, dass sich der Fonds auch künftig gut entwickeln wird. Sein Wert belief sich 2013 auf 183 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Norwegens. Bis 2030 soll das Fondsvolumen auf 220 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen.

Das riesige Vermögen Norwegens sichert zwar eine Zukunft in Wohlstand, hat aber ökonomisch betrachtet durchaus seine zweifelhaften Nebeneffekte. Die Subventionspolitik Norwegens treibt ungeahnte Blüten. So bekommen Bauern beispielsweise Geld für Milchkühe in beheizten Ställen in der Arktis. Selbst in den besonders dünn besiedelten Gegenden gibt es einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr - auch wenn die Busse des Öfteren ohne Fahrgäste unterwegs sind. Sogar die beliebte Schifffahrtslinie Hurtigruten erhält bis 2019 insgesamt 650 Millionen Euro an Subventionen. Elektroautos sind dank staatlicher Anschubhilfen die meistverkauften Autos in Norwegen. Selbstverständlich sind auch die Sozialleistungen generös. "Jeder Fünfte im erwerbsfähigen Alter bezieht irgendeine Art von Sozialleistung", so Ökonom Dörum - obwohl die offizielle Arbeitslosenquote nur bei 3,3 Prozent liegt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Zudem droht in Norwegen eine Immobilienblase. Die Immobilienpreise haben sich in den vergangenen zehn Jahr ungefähr verdoppelt, die private Verschuldung norwegischer Haushalte ist auf ein vielfaches des verfügbaren Einkommens gestiegen. Schätzungsweise 80 Prozent der norwegischen Haushalte leben in der eigenen Immobilie, viele habe zusätzlich ein Ferienhaus. In den vergangenen Monaten begann bereits der Sinkflug der Immobilienpreise.

Dass es den Norwegern insgesamt zu gut gehen könnte, fürchten daher Arbeitgeber jenseits der Ölindustrie. Im ländlichen Raum, so konstatieren sie, lässt das Interesse an einer erfüllenden Arbeit spürbar nach. Moderate Arbeitszeiten und gute Sozialleistungen gewinnen bei den jüngeren Generationen an Gewicht. Fachkräftemangel ist die absehbare Folge. Aber wie sagt schon ein norwegisches Sprichwort: Glücklich ist, wer sich nicht darüber sorgt, was im fehlt, sondern sich darüber freut, was er hat.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%