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Gold als Geldanlage Der Goldpreis wird zum Glücksspiel

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Was für einen steigenden Goldpreis spricht

Indien und China: Die Nachfrage nach Gold ist in beiden Ländern zuletzt deutlich gestiegen. So lag die chinesische Nachfrage an der Goldbörse in Shanghai zuletzt 35 Prozent über dem Vorjahreswert. Außerdem ist die chinesische Notenbank neben der russischen die einzige, die ihre Goldreserven noch nennenswert aufbaut. In Indien zeichnet sich seit Sommer 2015 hingegen eine Erholung der Nachfrage ab. Da die Importbeschränkungen für Gold gelockert weiter zurückgenommen werden und Gold in Indien traditionell in der Hochzeitssaison verschenkt wird, deutet einiges auf einen weiteren Anstieg der Nachfrage hin.

Gesunkene Fördermenge der Minen: Die Goldminen mussten in den vergangenen Jahren angesichts des gesunkenen Goldpreises Kapazitäten abbauen. Die so erzeugte Knappheit, argumentieren Gold-Optimisten, stütze den Preis und sorge mittelfristig sogar für einen steigenden Goldpreis.

Rohstoffexperte Weinberg hält von diesem Argument nichts. „Steigt etwa der Euro, wenn ein Geldautomat ausfällt? Wir reden hier über eine Änderung der Förderkapazität von maximal 100 Tonnen im Jahr. Gemessen an den 160.000 Tonnen Gold, die weltweit im Umlauf sind, bewegen wir uns da im Promillebereich. Die Fördermenge ist total gleichgültig“, argumentiert Weinberg. Auch die jüngste Rally der Goldminenaktien lässt ihn kalt. „Goldminen sind aus meiner Sicht ein vollkommen nutzloses Investment, wenn man sich durch eine Goldanlage gegen Risiken absichern möchte.“

Goldfonds: Die Goldfonds, die ihre Anlagegelder mit physischem Gold hinterlegen, wurden jüngst höchstrichterlich von der Abgeltungsteuer befreit. Aber selbst wenn viele Anleger – insbesondere deutsche – steueroptimale Geldanlagen lieben, glaubt niemand ernsthaft, dass das dem Goldpreis auf die Sprünge hilft. Vielversprechender ist die Tatsache, dass die börsengehandelten Goldfonds (ETC oder ETF genannt) die lange Phase der Mittelabflüsse offenbar weitgehend hinter sich gelassen haben. Nach Auskunft der Landesbank Baden-Württemberg kauften die Fonds seit Jahresbeginn mehr als 260 Tonnen Gold, die jüngsten Abflüsse von zehn Tonnen nicht eingerechnet.

Schwacher US-Dollar: Die Zweifel an der Tragfähigkeit der Konjunktur in den USA sind noch nicht ausgeräumt. Verschiebt die US-Notenbank weiterhin Zinserhöhungen, dürfte das den Dollar weiter schwächen – und so den Goldpreis in die Höhe treiben.

Star-Investor Marc Faber sagte kürzlich gegenüber dem US-Sender CNBC auf die Frage nach seinen Prognosen für Dollar und Goldpreis: "Ich verstehe nicht, warum die Welt so begeistert vom US-Dollar ist." Kurzfristig böten der Dollar und US-Staatsanleihen zwar Vorteile gegenüber den oft negativ verzinsten europäischen Schuldtiteln. Doch auf lange Sicht werde sich der Dollar als schwache Währung erweisen. "Der Dollar ist keine begehrenswerte Währung. Ich denke Gold, Silber, Platin und Palladium werden künftig die begehrtesten Währungen sein."

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Anleger sollten dabei jedoch bedenken, dass Silber, Platin und Palladium auch Industriemetalle sind, deren Nachfrage in Weltwirtschaftskrisen schwindet. Und das belastet die Preise.

Geldpolitik und Negativzins: Überhaupt dürfte sich die expansive Geldpolitik mittel- bis langfristig positiv auf den Goldpreis auswirken. Gold bringt zwar keine Zinsen, aber es kostet auch keine. Über kurz oder lang werden Banken, die bei der Notenbank Strafzinsen zahlen müssen, dies an ihre Kunden weitergeben. Sollte zudem das viele Zentralbankgeld irgendwann seinen Weg in die Realwirtschaft finden, dürfte dies einen Anstieg der Inflation bewirken. Dann wird der Goldpreis profitieren.

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