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Gold als Geldanlage Der Goldpreis wird zum Glücksspiel

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Was gegen einen steigenden Goldpreis spricht

Hohe Wetten auf steigenden Goldpreis: Dass der Goldpreis vom Jahresanfang bis heute mehr als 15 Prozent steigen konnte, sollte zur Vorsicht mahnen. „Nehmen Anleger nun ihre Gewinne mit, wird es kurzfristig zur einer Preiskorrektur kommen“, ist Weinberg überzeugt. „Das ändert aber nichts an der mittel- bis langfristigen Aussicht auf einen steigenden Goldpreis.“

Am US-Terminmarkt haben seit Jahresbeginn die Wetten auf einen steigenden Goldpreis deutlich zugelegt. Sollte die Angst vor der nächsten Krise schwinden, ist mit einem Abbau dieser Positionen zu rechnen. Das dürfte den Goldpreis belasten. Wie schnell er sich von einer solchen Korrektur wieder erholen kann, dürfte davon abhängig sein, wie sich die Krisenangst in der Folge entwickelt.

Die könnte sich aber in den USA - und in der Folge auch weltweit - bald schon legen. Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass sich der wichtige US-Häuser- und Arbeitsmarkt wieder besser entwickeln. Auch die Konsumausgaben haben in den USA eine neue Rekordhöhe erreicht, obwohl zugleich die Sparraten gestiegen sind. Die zuletzt leicht rückläufige Industrieproduktion könnte zudem vor ihrer Erholung stehen. 
Mit zunehmender Stärke der Wirtschaft ist eine Erhöhung der Zinsen wahrscheinlicher. Das wäre Gift für den Goldpreis.

Keine Inflation in Sicht

Inflation wäre ein klares Argument für einen Goldpreisanstieg. Beides ist eng miteinander verknüpft. Leider ist weit und breit kein Anziehen der Preise in Sicht, schon gar nicht in Höhe der Notenbank-Zielmarke von rund zwei Prozent.

Gemeint ist damit allerdings die Inflation der Verbraucherpreise. Eine anders geartete Inflation gibt es nämlich schon: bei den Vermögenswerten, allen voran bei Aktien, Immobilien und anderen Sachwerten.
Insbesondere die gesunkenen Energiepreise bei Strom und Öl bremsen die Verbraucherpreis-Inflation hingegen aus. Im Februar lag sie in der Euro-Zone deshalb sogar im negativen Bereich, bei minus 0,2 Prozent.

Einige Experten rechnen mit einer langsam anziehenden Teuerungsrate. Commerzbank-Experte Marco Wagner erwartet einen steigenden Ölpreis. Demnach könnten die Energiepreise ab dem Sommer wieder anziehen und so die Inflation anschieben. Zudem steigen die Rohstoffpreise wieder, auch wenn es zu früh ist, um von einer Trendwende zu sprechen. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner hält eine Inflationsrate von zwei Prozent bis zum Jahresende für möglich.

Immerhin: In den USA regt sich die Inflationsrate bereits. Der US-Notenbank-Vize Stanley Fischer bestätigte das und fügte an, das wäre „etwas, was wir gerne sehen würden.“

Sogar der amerikanische Finanzdienstleister Blackrock - seines Zeichens größter Investor der Welt - rechnet mit einer steigenden Inflationsrate. Richard Turnill, globaler Chef-Investmentstratege bei Blackrock, teilte öffentlich mit: „Wir mögen inflationsgeschützte Bonds und Gold als Diversifizierung.“

Solange die Notenbanken jedoch die Zinsen nicht deutlich erhöhen oder – wie im Fall der Europäischen Zentralbank – zumindest damit aufhören, Milliardenbeträge in die Märkte zu pumpen, dürfte auch die Inflation kaum in Höhen vordringen, die den Goldpreis dauerhaft befeuern. Experten wie WiWo-Kolumnist Daniel Stelter befürchten sogar, dass wir noch lange unter der „japanischen Krankheit“ leiden könnten. Die Symptome: Leitzinsen auf Dauer nahe null, schwaches Wachstum und deflationäre Tendenzen - also das Gegenteil von Inflation.

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