Gold Auch im Crash bleibt Gold erste Wahl

Das neue Wertpapierkaufprogramm der japanischen Notenbank zeigt null Wirkung an den internationalen Finanzmärkten. Das könnte auch für die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einen Vertrauensverlust einleiten. Auch ein Crash ist jetzt denkbar.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Das neue Wertpapierkaufprogramm der Bank of Japan versandete ohne nachhaltig positive Wirkung zu entfalten an den internationalen Finanzmärkten. Dafür ist der Ölpreis eingebrochen. Der vorherige Anstieg der Ölsorten WTI und Brent über ihre 200-Tage-Linien könnte sich aus charttechnischer Sicht als klassische Bullenfalle herausstellen und der Auftakt zu einem neuen deflatorischen Prozess an den Finanzmärkten sein. 

Dort nämlich hat sich der überwiegende Teil der Investoren in Gottvertrauen auf die Notenbanken voll auf Vermögenspreisinflation eingestellt und sich entsprechend sorglos positioniert. Nur wurden Börsen bekanntlich nicht dazu geschaffen, um Menschen sorglos reich zu machen. All jene Investoren also, die sich das erhofft haben, könnten rasch entzaubert werden. Sie würden vollends auf dem falschen Fuß erwischt und wären ein potenzieller Katalysator im Falle eines Kursrutsches an den Börsen. Auch ein Crash ist deshalb jetzt denkbar.  

Taugt Gold als Krisenwährung?
1980Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung. Goldpreis am Ende des Jahres:589,8 US-Dollar 392,4 Euro 119.823,1 Yen 246,7 Pfund 1.047,8 Schweizer Franken Quelle: ap
1997Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Tigerstaaten von 1997-1998 (Asienkrise) ließ einen Großteil Asiens in eine Rezession verfallen. Gründe für die Krise waren exzessive Kreditaufnahme und maßlose Investitionen der Tigerstaaten. Die asiatischen Banken nahmen Kredite in US-Dollar auf und vergaben Kredite in inländischen Währungen. Das ging aber nur so lange gut, so lange der Dollar gegenüber dem Yen und anderen asiatischen Währungen schwach war. Als der Dollar ab 1995 anfing aufzuwerten, hatten die asiatischen Institute Probleme ihre Schulden zurückzuzahlen. Als die Gläubiger dies witterten zogen, sie ihr Kapital im großen Stil aus Asien ab, was wiederum die asiatischen Währungen schwächte. Eine sich selbst verstärkende Kapitalflucht ließ die Wirtschaft der Tigerstaaten einknicken. Goldpreis am Ende des Jahres:290,2 US-Dollar 266,1 Euro 37.733Yen 176,4 Pfund 423,3 Schweizer Franken Quelle: ap
1998Wirtschaftliche Probleme kamen in Russland bereits nach der Asienkrise 1997 auf. Doch als dann 1998 massiv Kapital, unter anderem auch von asiatischen Investoren, abgezogen wurde, brach die Wirtschaft Russlands endgültig ein. Der Rubel geriet massiv unter Druck und Unternehmen konnten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, weil sie für die Waren kein Geld mehr bekamen. Der Großteil der Bürger konnte keine Steuern mehr zahlen. Folge: Russland wurde zahlungsunfähig. In den USA erholt sich dagegen die Wirtschaft und die Inflation des US-Dollars lässt nach. Dies drückte in den vorangegangenen Jahren den Goldpreis deutlich nach unten. Goldpreis am Ende des Jahres:287,8 US-Dollar 245,1 Euro 32.463,8 Yen 173,0 Pfund 395,3 Schweizer Franken Quelle: Reuters
1999Gordon Brown verkaufte von 1999 bis 2002 systematisch einen Großteil der Goldbestände Großbritanniens - und das obwohl der Goldpreis bei einem 20-Jahres-Tief lag. Zu der Zeit war er noch Schatzkanzler. Als er später Premierminister wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: er erntete viel Kritik wegen der Goldverkäufe. Doch eine Schädigungsabsicht konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Großbritannien sind durch die Auktionen, verglichen mit dem heutigen Goldpreis, mehr als sieben Milliarden Dollar entgangen -der Goldpreis hat sich seit dem vervierfacht Brown wird deshalb vorgeworfen Großbritannien bewusst geschädigt zu haben. Zumal er die Verkäufe im Vorfeld ankündigte, was den Preis bereits vor der Auktion fallen ließ und ihm eine schlechte Verhandlungsposition einräumte. Es gibt Gerüchte, dass Brown vor der Einführung des Euro mithelfen wollte den Goldpreis zu drücken. Diese These konnte aber bisher niemand beweisen. Insgesamt verkaufte Gordon Brown 395 von 715 Tonnen. Die Zeit wird in England als „Gordon Bottom“ bezeichnet. Bis heute ist dieses Kapitel nicht endgültig durchleuchtet - die Motivation Browns bleibt damit ein Rätsel. Goldpreis am Ende des Jahres:290,3 US-Dollar 289,6 Euro 29.708 Yen 180,1 Pfund 464,6 Schweizer Franken Quelle: dapd
2000Im März des neuen Jahrtausends platzte die Dotcom-Blase. Anleger waren die Jahre zuvor nahezu versessen in Aktien von Internetunternehmen. Firmen mit nur einem PC und einem Büro hatten plötzlich einen höheren Börsenwert, als Firmen mit ganzen Lagerhallen, die materielle Güter produzierten. Grund war die Annahme, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei: die New Economy. Man dachte, dass Produktion und Material weniger wert würden und Ideen das Gut der Zukunft seien. Aktien von Internet-Start-Ups waren deshalb teurer, als die von Traditionsunternehmen. Doch der Irrtum flog auf, als die ersten Internetfirmen Insolvenz anmeldeten und Anleger scharenweise aus Internetaktien flüchteten und die Blase zum platzen brachten. Der Goldpreis fiel in den Neunzigerjahren stetig. Vor allem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung (auch dank der New Economy) der USA von 1994 bis 2001. Anleger misstrauten Aktien nach der Dotcom-Blase und begannen in ein altbewährtes Gut zu investieren: Gold. Der Goldpreis wird seitdem rapide steigen. Goldpreis am Ende des Jahres:274,5 US-Dollar 292,3 Euro 31.342 Yen 183,7 Pfund 444,7 Schweizer Franken Quelle: ap
2001Am 11. September 2001 stürzten wegen eines Terroranschlags die Zwillingstürme des World-Trade-Centers ein. Die westliche Welt wurde grundlegend erschüttert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen zerstört. Die wachsende Unsicherheit schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seit 2001 nur noch eine Richtung kannte: aufwärts. Für den ständig ansteigenden Goldpreis ist auch die Geldpolitik der USA verantwortlich, die mit ihrer Politik des billigen Geldes seit 2000 die Finanzmärkte mit Geld überflutete. Grund war der Versuch das Leistungsbilanzdefizit durch eine Entwertung des Dollars zu reduzieren. Folge des billigen Geldes war, dass Finanzinstitute exzessiv (Immobilien-)Kredite vergaben und diese Privatschulden schließlich an Investoren weiterverkauften - die perfekte Blase wuchs und wuchs, bis sie schließlich 2007 platzte. Goldpreis am Ende des Jahres:276,5 US-Dollar 310,5 Euro 36.238 Yen 190 Pfund 459,1 Schweizer Franken Quelle: dpa
2008Am 15.September 2008 beantragte die US-Bank Lehman Brothers das Insolvenzverfahren. Da die US-Regierung vorher bereits drei großen Banken geholfen hatte, tat sie dies bei Lehman nicht mehr. Die Pleite blieb nicht ohne Folgen: Banken fingen an sich gegenseitig kein Geld mehr zu leihen, Anleger zogen ihr Geld von Banken ab. Die Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise begann, spitzte sich daraufhin weiter zu. Goldpreis am Ende des Jahres:869,8 US-Dollar 625,7 Euro 78.842 Yen 604,9 Pfund 925,7 Schweizer Franken Quelle: dapd

Möglicherweise leitet die Nullwirkung der quantitativen Lockerung in Japan einen Vertrauensverlust auch in die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ein. Ohnehin war es ziemlich naiv zu glauben, die inzwischen wieder ziemlich nah am Abgrund stehende Weltkonjunktur ließe sich durch Gelddrucken allein wieder in Schwung bringen. Auch die konjunkturelle Erholung von 2009 an war schließlich nicht das Ergebnis von geldpolitischen Übungen mit der Notenpresse, sondern die Folge von großen staatlichen Konjunkturprogrammen. 

Problem heute: Die damals aufgelegten Programme haben die Staatsschuldenquoten in den meisten Industrieländern in extreme Höhen getrieben. Das erschwert heute eine Neuauflage, weil sich privates Kapital dann noch weiter aus den Anleihemärkten zurückziehen würde. Sollten trotzdem neue Konjunkturprogramme angedacht und angeschoben werden, dann bliebe de facto nur noch die Notenpresse als Finanzierungsquelle. Die Notenbanken verabschiedeten sich in diesem Fall aber komplett von ihrer eigentlichen Daseinsberechtigung und ihrem Mandat, Geldwertstabilität zu gewährleisten.

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Denn bei einem Übergang in die unbegrenzte Staatsfinanzierung müssten sie Summen nachlegen, die ihre bisherigen Aufkaufprogramme weit in den Schatten stellten. Der Weg in Richtung unkontrollierbarer Inflation wäre damit tatsächlich besiegelt und Vertrauensverlust in Papierwährungen würde sich immer weiter beschleunigen. Am Ende dieser Entwicklung käme aber trotzdem das, was eigentlich so sehr verhindert werden soll: ein deflationärer Zusammenbruch - nur einer mit noch schlimmeren ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen.

Gut, soweit ist es noch nicht. Doch setzt sich der Ölpreisrückgang fort, wird es gefährlich für die Aktienmärkte. Anleger sollten jetzt die Renditen in den vermeintlich sicheren Anleihehäfen (USA, Deutschland) und den Preis für Silber, das klassische Inflationsmetall, genau im Auge behalten. Gehen die Renditen und der Silberpreis nach unten, erhöht sich die Gefahr eines neuen deflationären Schocks an den Weltfinanzmärkten. Nur physisches Gold, weniger die Aktien von Goldminen, bliebe in einem solchen Szenario erste Wahl.

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