Gold Bei Goldgräbern zugreifen

Das gelbe Metall ist die beste Versicherung gegen die Staatsschulden- und Finanzkrise. Die Ergebnisse des Euro-Gipfels haben die Erholung des Goldpreises nach der September-Korrektur zunächst nicht gestoppt. Vorsichtige Anleger kaufen Münzen und Barren nach. Wer etwas Risiko verkraftet, kauft Minenaktien.

Kupfer- und Goldmine in Indonesien Quelle: Bloomberg

"Es gibt keine zerknitterten Geldscheine mehr. Alle Scheine aus dem Automaten sind so glatt und sauber. Die drucken wie verrückt immer neues Geld", so ein 68-jähriger Rentner in der Innenstadt von Oelde, Westfalen.

Die Zahlen der Euro-Notenbanken widerlegen den bösen Verdacht des Rentners: Die Notenbanken werden bis Ende 2011 Banknoten für 171 Milliarden Euro drucken – 94 Milliarden weniger als 2010. Doch die Ängste bleiben, auch nach dem von den Finanzmärkten gefeierten Euro-Gipfel. Bester Beleg dafür: Der zuvor stark gestiegene Goldpreis zeigte sich von den Beschlüssen zu Griechenland-Schuldenschnitt und Bankenkapitalisierung unbeeindruckt. Tief im Bewusstsein vieler Menschen steckt, was Otmar Issing, Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), unlängst diagnostizierte: „Gold findet mehr Vertrauen als viele Währungen. Anleger fürchten um die Sicherheit ihrer Ersparnisse, und sie haben Angst vor Inflation.“

Marc Faber, auch Dr. Doom genannt, ist Börsenexperte und Fondsmanager Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Marc Faber rät zur Beimischung

Lange Zeit sah es in diesem Jahr tatsächlich danach aus, als könne sich der Goldpreis gegen den Ausverkauf an den Finanzmärkten behaupten. Im September aber fiel der Unzenpreis dann doch um fast 400 Dollar oder gut 20 Prozent. Seit seinem Tief am 26. September hat sich der Preis aber wieder stabilisiert. Vieles deutet darauf hin, dass der bisherige Jahrestiefstpreis von 1532 Dollar das zyklische Tief der diesmaligen Korrektur gewesen ist. Damit wäre der kurze Crash nicht mehr als eine von vielen Rückschlagsepisoden in der nunmehr gut zehnjährigen Goldhausse. Korrektur und aktuelle Stabilisierung bieten Anlegern die Chance, Goldpositionen auf- oder auszubauen. „Gold hat natürlich schon ein gewisses Kursrisiko. Aber einen Teil seines Vermögens in Gold zu investieren und es physisch zu halten, birgt wahrscheinlich ein geringeres Risiko als Staatsanleihen und Bargeld“, sagt der Schweizer Vermögensverwalter Marc Faber.

Goldschätze der Staaten
Alle Länder gemeinsam halten Goldreserven im Volumen von 881,1 Millionen Unzen, oder umgerechnet 27.405,1 Tonnen. Auf der Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze entspricht das einem Gegenwert von knapp 1410 Milliarden Dollar. Damit haben die Goldreserven an den weltweiten Währungsreserven von 11714 Milliarden Dollar einen Anteil von durchschnittlich 12 Prozent. Aber die Goldbestände in den Staatstresoren sind ungleich in der Welt verteilt. Auch internationale Institutionen halten Gold, der Internationale Währungsfonds IWF allein im Wert von knapp 145 Milliarden Dollar, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Wert von 6,1 Milliarden Dollar. Welche Staaten darüber hinaus die größten Währungsreserven halten und wie viel davon durch Gold gedeckt ist. Berechnungen auf Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze Quellen: Bloomberg, World Gold Council, eigene Berechnungen Stand: 6. Oktober 2011 Quelle: dpa
AlgerienDer nordafrikanische Staat hütet einen Goldschatz von 5,6 Millionen Unzen, das sind 173,6 Tonnen Gold zu einem Marktwert von 8,9 Milliarden Dollar. An den gesamten Währungsreserven Algerien hat der Goldbestand einen Anteil von 4,9 Prozent. Im Bild: die republikanische Garde in Algerien. Quelle: AP
ThailandThailand verfügt über Goldbestände von 4,1 Millionen Feinunzen, bzw. 127,5 Tonnen, die einen Wert von 6,6 Milliarden Dollar haben. Hinzu kommen Währungsreserven im Volumen von 178,1 Milliarden Dollar. Damit hat Gold einen Anteil an den Reserven Thailands von 3,6 Prozent. Im Bild: Ein Mönch steht gegenüber von goldenen Buddhas im Dhammakaya Tempel bei der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Quelle: REUTERS
LibyenDas Land in Nordafrika verfügt über eine Goldreserve von 4,6 Millionen Feinunzen, bzw. 143,8 Tonnen. Der Gesamtwert der Reserven liegt bei 7,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den Währungsreserven von 6,9 Prozent. Im Bild: Demonstranten auf dem Platz der Freiheit in Misrata. Quelle: dpa
Saudi-ArabienDas größte Erdölförderland der Welt hält Goldreserven in Höhe von 10,4 Millionen Feinunzen. Das entspricht einem Gewicht von 322,9 Tonnen und einem Wert von 16,6 Milliarden Dollar. Der Anteil an den Währungsreserven des Goldes liegt bei 3,2 Prozent. Im Bild: Die Pilgerstadt Mekka empfängt im Hadj-Pilgermonat Pilgerer aus der ganzen Welt. Quelle: dpa/dpaweb
Taiwan Der chinesische Inselstaat verfügt über Goldreserven in Höhe von 13,6 Millionen Feinunzen, was einem Goldgewicht von 423,6 Tonnen entspricht. Taiwan hält damit Reserven im Wert von 21,8 Milliarden Dollar – etwa 5,3 Prozent der gesamten Währungsreserven. Im Bild: Das Hochhaus Taipei 101 in der Hauptstadt von Taiwan. Quelle: AP
IndienDer Subkontinent verfügt über 17,9 Millionen Unzen. Das sind 557,7 Tonnen. Der Wert dieser Reserven, die etwa 9,4 Prozent der gesamten Währungsreserven entsprechen, liegt bei 305,1 Milliarden Dollar. Im Bild: der Goldene Tempel der Sikhs in Amritsar, Indien. Quelle: dpa
JapanIn Inselstaat aus Fernost hortet 24,6 Millionen Unzen und hält somit 765,2 Tonnen Gold. Das entspricht einem Marktwert von 39,4 Milliarde Dollar, etwa 3,4 Prozent der gesamten Währungsreserven. Im Bild: Die Skyline von Tokyo. Quelle: AP
RusslandMoskau hält 27,0 Millionen Unzen, das sind etwa 841,1 Tonnen. Der Marktwert dieser Goldreserve entspricht 43,3 Milliarden Dollar und 8,4 Prozent der gesamten Goldreserven. Im Bild: die St. Basil's Kathedrale am Roten Platz in Moskau. Quelle: REUTERS
SchweizDas Alpenland verfügt über 33,4 Millionen Feinunzen, bzw. 1040,4 Tonnen. Damit hält die Schweiz Gold im Wert von 53,5 Milliarden Dollar. Der Goldanteil an den gesamten Währungsreserven ist hoch – er liegt bei 14,5 Prozent. Im Bild: Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher. Quelle: dpa
ChinaDie größten Banken der Welt liegen im Reich der Mitte – und die Währungsreserven sind auch hier die größten: 3255,9 Milliarden Dollar. Aber nur 1,7 Prozent hat die chinesische Zentralbank in Gold angelegt. Damit hält China 24,6 Millionen Feinunzen, etwa 765,2 Tonnen, was einem Marktwert von 39,4 Milliarden Dollar entspricht. Im Bild: die Chinesische Volksbank, die People’s Bank of China, ist die Zentralbank der Volksrepublik China. Quelle: dapd
DeutschlandDie Bundesrepublik kann sich rühmen, die zweithöchsten Goldreserven aller Staaten zu besitzen, genau 3401 Tonnen, umgerechnet 109,3 Millionen Feinunzen. Der Marktwert betrug bei 1600 Dollar je Feinunze entsprechend 175 Milliarden Dollar. Damit stellt Deutschland auch den größten Beitrag in Gold zu den Währungsreserven in der Euro-Zone. Im Bild: Goldbarren aus den Reserven des Bundes liegen in einem Regal in der Bundesbank in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/dpaweb
Euro-ZoneNeben dem großen Goldschatz Deutschlands zählen auch die Gold und Währungsreserven der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den Reserven der Euro-Zone. Insgesamt verfügen die Länder des Euro-Raum zusammen über Goldreserven im Volumen von 347 Millionen Unzen, umgerechnet 10792,5 Tonnen. Der Marktwert der Goldreserven liegt somit bei mehr 555 Milliarden Dollar. An den gesamten Währungsreserven in der Euro-Zone in Höhe von 1174,6 Milliarden Dollar beträgt der Goldanteil somit stolze 72,5 Prozent. Einen höheren Goldanteil kann nur ein Staat weltweit vorweisen. Im Bild: die EZB in Frankfurt am Main. Quelle: dapd
USA Den größten Goldschatz der Welt nennen die Vereinigten Staaten ihr Eigen. Insgesamt verfügen die Amerikaner über 261,5 Millionen Unzen Gold, das sind 8133,5 Tonnen des Edelmetalls. Bei 1600 Dollar je Feinunze entsprach das einem Gegenwert von 418,5 Milliarden Dollar. Damit decken die USA 89,7 Prozent ihrer gesamten Währungsreserven von 466,7 Milliarden Dollar – das ist mehr als jeder andere Staat auf dem Globus. US-Staatsanleihen sind somit gleich in vielerlei Hinsicht eine ausfallsichere Investition. Die USA können nämlich, anders als Schuldner aus Euroland, unabhängig vom Kreditranking ihre Schulden immer bezahlen – weil sie jederzeit Geld drucken können. Nun ist der Dollar die wichtigste Reservewährung und die Gläubiger der USA wollen ihre Forderungen nicht ewig mit kaufkraftreduzierten Dollar beglichen haben. Irgendwann werden sie den USA keinen Kredit geben und sich aus dem Dollar zurückziehen. Dann schmiert der Dollar komplett ab. Am Ende steht eine Währungsreform. Das wissen natürlich auch die Amerikaner. Deshalb haben sie auch nie ihr Gold verkauft. Die hohen Goldreserven sorgen dafür, dass den USA auch in einer neuen Weltwährungsordnung eine führende Rolle zufällt. Im Bild: die Skyline von New York bei Nacht. Quelle: dbutzmann.de

Auch im ersten Crashzyklus der globalen Schuldenkrise knickte der Goldpreis temporär ein. Besonders dramatisch gerieten 2008 die Kurse von Goldminen unter die Räder. Dieses Muster hat sich in dieser Schärfe nicht wiederholt. Die Aktien der Goldminen, die sich im Juli und August erstaunlich stabil gegenüber der einbrechenden Börse hielten, notieren zwar gut 15 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom 9. September. Gegenüber dem Crashtief vom Oktober 2008 aber liegen sie gut 250 Prozent vorn. Gemessen an ihren Kennzahlen, sind Goldförderer heute noch günstiger als 2008. Entsprechend hoch sei ihr Kurspotenzial, sagt etwa Goldminenexperte Markus Bachmann.

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