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Gold für Anleger Mit Minenaktien die Gewinnchancen verdoppeln

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Minenbetreiber haben sich verkalkuliert

Diese Kosteninflation sorgte dafür, dass für viele Produzenten die Gewinnschwelle näher an den aktuellen Goldpreis rückte als vielfach angenommen. Viele Probleme waren auch hausgemacht. Er kenne kaum eine Branche, wo die Managementleistungen in den vergangenen Jahren so schwach gewesen seien wie im internationalen Goldbergbau, sagt der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf. In der Annahme immer weiter steigender Goldpreise wurden eigentlich unrentable Vorkommen in die Minenpläne einbezogen. Ziel: Die Lebenszyklen der Minen sollten verlängert und die Produktionsmengen ausgeweitet werden.

So schmieren die Aktien der Goldminen-Betreiber ab

Der überbordende Optimismus steigerte den Risikoappetit des Managements. Es wurde teuer zugekauft, meist finanziert durch die Ausgabe neuer Aktien. Durch die Verwässerung der Aktienbasis aber verringerte sich der auf die einzelne Aktie entfallene Produktionsanteil seit der Jahrtausendwende im Schnitt um gut ein Drittel. Das hat der kanadische Branchenkenner Douglas Pollitt analysiert. Auch das hat den positiven Effekt eines steigenden Goldpreises für die Minenbetreiber ausgehebelt.

Niedriger Ölpreis macht Goldförderung rentabler

Nachdem der Goldpreis sein Rekordhoch im September 2011 erreicht hatte, funktionierte der Hebel der Goldminen auf den Goldpreis allerdings wieder – nur in die andere Richtung. Die Minenaktien sind seither um gut 80 Prozent eingebrochen, doppelt so stark wie der Goldpreis. Der S&P 500 legte gar weiter zu, bis zum Rekordhoch im Mai 2015 um 75 Prozent.

Meilensteine des Goldpreises

Für viele Minenbetreiber begann ein Überlebenskampf. Führungsmannschaften wurden ausgetauscht, Explorations- und Entwicklungsprojekte abgeschrieben, veräußert oder auf Eis gelegt. Die Kosten mussten rigide gesenkt werden. Im Zuge dieser Marktbereinigung wurden neue Prioritäten gesetzt. Es geht nicht mehr um die Maximierung der Goldförderung, sondern um Rentabilität und Kapitaldisziplin. Die Erzielung freier Mittelzuflüsse steht im Vordergrund. Aus ihnen lassen sich Dividenden ausschütten und Schulden tilgen. Inzwischen haben sich die Betriebs- und Kapitalkosten der Branche spürbar verringert, die Margen haben sich deutlich verbessert. Im energieintensiven Bergbau helfen zudem tiefere Ölpreise und die jetzt schwachen Währungen in vielen Förderländern.

Goldminen sind historisch niedrig bewertet

Nachdem Abschreibungen und Wertberichtigungen einmalige Maßnahmen waren, könnte also jetzt wieder ein erhöhter Hebel nach oben wirken. Immerhin konnten viele Minen ihre Profitabilität in den vergangenen Quartalen verbessern, obwohl sich der Goldpreis nur geringfügig bewegte. Goldanalysten des kanadischen Brokerhauses BMO erwarten, dass die Produzenten ihre freien Mittelzuflüsse in den nächsten Quartalen steigern, selbst bei einem rückläufigen Goldpreis.

Was Analysten für das Anlagejahr 2016 erwarten
Deutsche Bank Quelle: REUTERS
Deka BankDie Fondsspezialisten der Sparkassen erwarten, dass der Goldpreis im kommenden Jahr deutlich unter die kritische Marke von 1000 Dollar fallen wird. S&P 500: 2000 Punkte Nikkei: 17000 Punkte Gold: 960 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre: 1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,9 Prozent Quelle: dpa
PostbankIm Gegensatz zur Deka Bank ist die Postbank beim Goldpreis etwas optimistischer. Ein möglicher Impuls kommt von der Schmucknachfrage, da die Konjunktur in Indien zuletzt deutlich besser lief als erwartet. S&P 500: 2250 Punkte Nikkei: 21750 Punkte Gold: 1100 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10 Jahre: 1,0 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,75 Prozent Quelle: dpa
Berenberg BankDeutschlands älteste Privatbank ist im Vergleich zur Konkurrenz vergleichsweise optimistisch, was den Euro angeht. S&P 500: 2200 Punkte Gold: 1150 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1,15 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,8 Prozent Quelle: obs
SantanderS&P 500: 2250 Punkte Gold: 1050 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10-jährige: 0,9 Prozent US-Treasury Rendite 10-jährige: 2,75 Prozent Quelle: AP
Credit Suisse Quelle: REUTERS
Commerzbank Quelle: dpa

Trotz dieser Fortschritte befindet sich die Bewertung der Goldbranche noch auf einem historisch tiefen Niveau. Der fundamentale Wert eines Rohstoffunternehmens errechnet sich vor allem aus dem Wert der Reserven in Bezug zu den Förderkosten. Goldminen werden derzeit mit einem Abschlag von über zehn Prozent auf den Nettowert ihrer Goldreserven gehandelt. Im langjährigen Mittel zahlten Anleger Aufschläge von rund 40 Prozent. Im Vergleich zum Goldpreis sind Goldminen so tief bewertet wie seit 2000 nicht mehr.

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