Gold-Prognose für 2013 "Klares Aufwärtspotenzial für den Goldpreis"

Gold kostet wieder so viel wie vor zwölf Monaten, dazwischen gab es heftige Schwankungen. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank erklärt, was Marktakteure und Goldpreis antreibt.

Warum Investoren wieder auf Gold setzen
Muster-Banknoten und Goldbarren Quelle: dpa
Goldbarren liegen in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa/dpaweb
Die Rückseite einer Krügerrand-Goldmünze vor Goldbarren Quelle: dpa
American investor Jim Rogers, chairman of Rogers Holdings Quelle: AP
President and Portfolio Manager of Paulson & Co. John Paulson Quelle: REUTERS
An Indonesian customer holds a 10 grams fine gold Quelle: dpa
Der US-Milliardär und Investor George Soros Quelle: dpa

WirtschaftsWoche Online: In der vorigen Woche war der Goldpreis kurzfristig eingebrochen. Was war passiert?

Eugen Weinberg: Es war wahrscheinlich keine falsche Order, sondern vermutlich sogar vorbereitet. Vor dem Einbruch wurden hohe Volumina an Put-Optionen gehandelt – mit denen Spekulanten auf einen fallenden Goldpreis setzen. Sie wurden im großen Stil gekauft und am gleichen Tag mit erheblichen Gewinnen wieder verkauft. Aber es gab auch allen Grund dazu, denn die Diskussion um die Fiskalklippe in den USA schien beendet. Das hätte zu einem Rückgang der Goldnachfrage geführt, die ja sonst mit wachsender Unsicherheit zunimmt. Aber genau werden wir das wohl nie erfahren, das ist überwiegend Spekulation. Der Einbruch beim Goldpreis war jedenfalls nicht fundamental, sondern technisch begründet.

Die Goldnachfrage ist ja auch robust. Vor allem die börsennotierten Goldfonds, kurz Gold-ETCs oder –ETFs genannt,  verzeichnen Rekordbestände. Wie kommt das?

Eugen Weinberg

Die Zunahme ist tatsächlich auffällig. Die ETCs haben in letzter Zeit große Zuflüsse verzeichnet und halten inzwischen mehr als 2600 Tonnen Gold. Das ist mehr, als die meisten Zentralbanken der Welt besitzen – mit Ausnahme der Bundesbank und der US-Notenbank Fed. Damit sind die Goldfonds eine ernstzunehmende Komponente im Markt. Schließlich müssen die ETC-Anbieter tatsächlich physisches Gold kaufen und hinterlegen.

Welche Investoren sind es denn, die die hohe Nachfrage bei ETCs ausgelöst haben?

ETCs sind für alle möglichen Investoren ein tolles Vehikel. Als Bank, Versicherung oder Pensionskasse kaufen sie ihr Gold nicht beim Händler. Auch an der Börse geht das nicht ohne Know-how und die entsprechende Lizenz. Gold-ETCs oder börsennotierte Goldfonds werden gekauft, weil es das einfachste für die Investoren ist. Sie müssen nicht auf Goldgewichte oder Zölle achten und können jederzeit wieder verkaufen. Das kann man mit einer Tonne Gold beim Händler an der Ecke kaum riskieren.

Der Edelmetallausblick 2013 der Commerzbank

Auch Zentralbanken haben große Mengen Gold gekauft. Wenn die Nachfrage so hoch ist, müsste der Goldpreis doch eigentlich deutlich höher liegen.

Nicht unbedingt. Zum einen bilden sich die Preise für Gold nicht nur am physischen, sondern auch am Terminmarkt. Dort haben sich die Investoren eher zurückgezogen. Zum anderen ist die Schmucknachfrage im vergangenen Quartal sehr schwach gewesen. Das zeigen die Daten des World Gold Council. Offenbar hat hier die Nachfrage unter den hohen Preisen gelitten. Aber wir gehen langfristig davon aus, dass die Schmucknachfrage und die Höhe der Minenproduktion keine so große Rolle spielen. Vor allem die Nachfrage der Anleger wird die Preise beeinflussen. Gold entwickelt sich immer weniger wie ein Rohstoff und immer mehr wie ein Investment. Ähnlich wie Öl oder der Euro: Beides ist nicht knapp, ihre Preise können aber gegenüber anderen Anlagen durchaus steigen.

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