Gold und Cash Die Dagobert-Duck-Strategie

Niemand ist reicher als Dagobert Duck. Heute feiert der Erpel aus Entenhausen seinen 65. Geburtstag. Was Sparer von dem alten Geizhals lernen können - und welche Rolle Warren Buffett und George Soros dabei spielen.

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen
Immer reicherDas Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten Quelle: ap
Bargeld und SichteinlagenDen größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank. Quelle: gms
TermingelderZugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren. Quelle: ap
VersicherungenAuch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro. Quelle: dpa
AktienAn der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger. Quelle: dapd
ZertifikateZertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären. Quelle: dpa
Festverzinsliche Wertpapiere247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr. Quelle: dpa

Über Tote und Geburtstagskinder redet man eigentlich nichts Schlechtes. Bei Dagobert Duck, der heute 65 Jahre alt wird, wollen wir eine Ausnahme machen – eine kleine zumindest. Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und eigentlich ein leiser Mann, sagte neulich über den Erpel aus Entenhausen, dass er dessen Strategie, nämlich immer mehr Geld und Gold zu horten, für höchst gefährlich halte. Der Ökonom forderte gar, es müsse „Schluss sein mit Dagobert-Duck-Deutschland“! Sofort! Der Erpel sei die „personifizierte Liquiditätsfalle“, berichtete Bofinger unseren Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Unter Wirtschaftswissenschaftlern ist das eine veritable Beleidigung. John Maynard Keynes, der legendäre britische Ökonom, hatte das Phänomen der „Liquiditätsfalle“ bereits vor vielen Jahrzehnten  beschrieben. Was er meinte, ist eigentlich recht schnell erklärt: Vermögende horten ihr Geld, weil es aus ihrer Sicht keine lukrativen Anlagemöglichkeiten mehr gibt. Dem Wirtschaftskreislauf wird somit Geld entzogen, mit der Folge, dass Unternehmen weniger investieren und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Die Armen werden ärmer, die Reichen am Ende noch reicher.

Ist Duck aus ökonomischer Sicht ein Schmarotzer? Den Erpel dürften die Vorhaltungen nicht weiter stören. Aus Finanzkrisen heißt es, er bade, wie er das eigentlich immer tue, auch an seinem Ehrentage in seinen Talern. Von Wirtschaftswissenschaftlern, zumal aus Europa, lasse er sich nicht belehren.

„Ich kann niemand leiden und mich kann auch niemand leiden“, hatte Duck vor geraumer Zeit in einem Interview mit dem Mickey-Maus-Heft gesagt. Deswegen liege ihm Weihnachten auch nicht so sehr. Für Geschenke braucht er kein Geld aus zu geben. Das schont das Portemonnaie.

Diese Anlagestrategien empfehlen die Finanzmarkt-Kenner

Bei Investoren ist das Geburtstagskind, anders als bei manchem Ökonom, derzeit jedoch wohlgelitten. Ducks Anlagestrategie, die darauf basiert, all seine Besitztümer, das sind vor allem Bargeld und Goldmünzen, in einem riesigen Tresor-Speicher zu horten, ist vielen nicht unsympathisch. „Geld auf Bankkonten ist nicht mehr als ein Versprechen der Bank, echtes Geld herauszurücken, wenn man es wieder haben möchte“, sagt der Buchautor Dirk Müller. „Daher gilt Dagoberts Motto: Nur ungern nimmt der Handelsmann statt barer Münze Plastik, also Kreditkarten, an.“

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