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Goldmarkt Hochzeitssaison für Goldkäufer

Spekulanten, die Geld brauchen, verkaufen zeitweise massiv Goldfonds und Derivate auf Gold. Langfristig orientierten Goldanlegern bieten die dadurch ausgelösten vorübergehenden Preiseinbrüche im Goldmarkt immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten für Barren und Münzen. Kurzfristig stabilisierend auf den Goldpreis könnte die steigende Schmucknachfrage aus Indien wirken,  dem weltweit wichtigsten Absatzmarkt für Gold.

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Indische Braut Quelle: dpa

Gegenüber seinem Rekordhoch vom vergangenen September bei 1923 Dollar pro Unze fiel der Goldpreis zwischenzeitlich um 21 Prozent, aktuell notiert die Feinunze mit 1615 Dollar noch gut 16 Prozent unter dem Allzeithoch. Das ist nicht die erste spürbare Preiskorrektur im langjährigen Goldbullenmarkt. Zumal jeder Korrektur ein steiler Preisanstieg vorauseilte. 2006 verlor der Goldpreis zwischenzeitlich 23,4 Prozent, 2008 gar 33,9 Prozent – nach vorherigen Preisanstiegen von 78 Prozent und 84,5 Prozent.

Goldpreis

Wenn kurzfristig Liquidität beschafft werden muss, wird eben alles verkauft, auch Gold. Das betrifft weniger physisches Gold, dafür aber Gold-Futures an den Terminmärkten, wo der Goldpreis gemacht wird. Der aktuelle Rücksetzer ist deshalb noch lange keine Folge einer stark sinkenden physischen Goldnachfrage oder einer plötzlichen Angebotsschwemme. Vielmehr haben kurzfristig orientierte Finanzanleger ihre Kauf-Positionen an der Terminbörse Comex in New York in den vergangenen Monaten massiv abgebaut. Die spekulativen Netto-Long-Positionen verringerten sich seit Anfang August 2011 um 151.000 Kontrakte auf zuletzt 77.000 Kontrakte. Dieser Abbau entspricht immerhin einer virtuellen Goldmenge von 15,1 Millionen Unzen.

Der temporäre Rückzug der Spekulanten verschafft langfristig orientierten Goldanlegern immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten. Diese nutzen die derzeitige Preisschwäche tatsächlich wieder zum Aufbau ihrer Bestände. Die mit Barren besicherten Goldfonds etwa verzeichnen wieder steigende Zuflüsse. Die Goldbestände stiegen soeben auf einen Rekordwert von 77,6 Millionen Unzen.

Blick nach Indien

Auch die Schmucknachfrage aus Indien, dem weltweit wichtigsten Absatzmarkt für Gold, könnte in den nächsten Monaten wieder spürbar zulegen. Normalerweise greifen die indischen Schmuckhändler zu, wenn der Preis gefallen ist. Sie wollen sich eindecken, bevor er wieder steigt. Nur notiert Gold in indischer Rupie nur unwesentlich unter seinem Allzeithoch von Ende November 2011. Allein im vergangenen Jahr legte der Goldpreis in Rupie um etwa 50 Prozent zu. Belastend wirkte sich auch die massive Erhöhung der Steuern auf Goldimporte aus. Doch nachdem sich landesweit erheblicher Widerstand der indischen Schmuckhändler gegen die Einführung der Steuern formiert hatte, wurde die Steuererhöhung von der indischen Regierung inzwischen wieder zurückgenommen.

Goldpreis kann noch fallen

Eine Kundin kauft Goldschmuck in einem indischen Juwelierladen Quelle: dapd

Die indischen Verbraucher werden sich allmählich wohl mit dem hohen lokalen Preisniveau anfreunden und wieder vermehrt Goldschmuck kaufen. Schließlich beginnt im September die indische Hochzeitssaison, in der traditionell viel Goldschmuck verschenkt wird. In Indien dient Goldschmuck nicht nur als Zierde, sondern als Mitgift und Lebensversicherung für Ehefrauen sowie als Altersvorsorge. Auch die bedeutenden hinduistischen Feiertage Dhanteras und Diwali im November sorgen in der Regel für einen Anstieg der indischen Goldnachfrage in der zweiten Jahreshälfte.

Goldnachfrage ist abhängig von der Monsunzeit

Etwas gebremst wird die Nachfrage derzeit noch durch die Monsunzeit. Indische Landwirte warten derzeit noch die Auswirkung des Monsuns auf die Ernteerträge ab. Eine gute Monsunsaison sorgt für eine bessere Einkommensentwicklung der Landbevölkerung, auf die gut zwei Drittel der Goldnachfrage in Indien entfällt. Die Monsunsaison, die bis September andauert, soll in diesem Jahr normal ausfallen, sagen die Wetterdienste. In diesem Fall rechnet die Bombay Bullion Association damit, dass die indischen Goldimporte in diesem Jahr 24-26 Millionen Unzen betragen. Das wäre immer noch ein Rückgang gegenüber 2011, als 31 Millionen Unzen importiert wurden. Doch der Rückgang erklärt sich vor allem mit der Nachfrageschwäche in der ersten Jahreshälfte.

Trotz robuster physischer Nachfrage ist dennoch nicht auszuschließen, dass der Goldpreis sein Zwischentief von Ende Dezember bei 1522 Dollar in den nächsten Wochen noch unterschreiten wird. Sollten sich nämlich die Erwartungen der internationalen Finanzanlagenschieber auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik rund um den Globus nicht erfüllen, werden sich die deflationären Tendenzen verstärken.

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Physisch Gold zulegen

Eine Zinssenkung der EZB heute wäre allenfalls ein symbolischer Akt, der ohnehin längst eingepreist ist an den Finanzmärkten. China jedoch könnte mit Blick auf den jüngsten, inflationstreibenden Preissprung an den Agrarmärkten die geldpolitischen Zügel schon weniger beherzt lockern wie erhofft. Und ob US-Notenbankchef Ben Bernanke der gerade beschlossenen Verlängerung des „Operation Twist“-Programms gleich das nächste Lockerungsprogramm hinterherschickt, ist ebenfalls fraglich. Dazu ist der Leidensdruck noch nicht groß genug.

Wenn also die Notenbanken den nächsten Einsatz ihrer Notenpressen hinauszögern, dann könnte es auch den Goldpreis noch einmal treffen – über einen weiteren Abbau der spekulativen Long-Positionen an den Terminmärkten. Bis es im Krisenjahr 2008 für den Goldpreis wieder nach oben ging, fielen die Netto-Long-Positionen der Finanzanleger an der New Yorker Comex auf weniger als 37.000 Kontrakte. Das wäre vom aktuellen Niveau noch ein Rückgang von 40.000 Kontrakten. Virtuell kämen noch einmal vier Millionen Unzen auf den Markt. Coole Goldanleger werden sich für eine solche Preissubvention beim Goldeinkauf bedanken und beherzt zugreifen – physisch, versteht sich.

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