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Grauer Markt Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten

Windige Unternehmer versprechen viel, um die Spargroschen deutscher Anleger zu bekommen: Produkte mit Inflationsschutz, bei hoher Sicherheit und auskömmlichen Renditen. Doch wahrscheinlicher ist, dass Anleger verlieren.

Bilder aus dem Leben der S&K-Chefs
Eine große weiße Limousine
S&K-Chef Jonas Köller posiert mit einer Waffe und einer unkenntlich gemachten Frau vor einer Tür, über der steht "Get rich or die tryin´"
Teure Autos
Ein Hubschrauber mit S&K-Logo
Einer der S&K-Chefs und Mark Medlock
Jürgen und S&K
Ein Elefant und eine unkenntlich gemacht junge Frau vor teuren Autos

Die Gerbermühle in Frankfurt ist Literaturgeschichte: Goethe feierte hier seinen 66. Geburtstag; „wir aber wollen nach der Mühle wandern“, ließ er einen Osterspaziergänger im „Faust“ sagen. Heute locken hier ein edles Restaurant, ein Sommergarten unter Kastanienbäumen und ein kleines Hotel Gäste an. Goethe, die Nähe zum Main und der Skyline-Blick machen die Gerbermühle zu einem beliebten Ausflugsziel – und zu einem interessanten Objekt für Immobilienspekulanten. 2011 sicherte sich die Frankfurter S&K-Gruppe den denkmalgeschützten Bau.

Mit Vorzeige-Investitionen wie dieser warben die Gründer und Chefs der Gruppe, der 33-jährige Stephan Schäfer und der 31-jährige Jonas Köller, bei Anlegern um Geld. Ein tolles Objekt, dessen Nutzen sich sofort erschließt: Steine und Ziegel statt Papiergeld und Bankenpleite – was soll da schiefgehen?

S&K hat leichtes Spiel

Auf ihrer Internet-Seite wirft S&K mit Superlativen um sich: Mehrere Tausend Mitarbeiter will die Gruppe inklusive ihrer Beteiligungen beschäftigen und Immobilien im Wert von über 1,7 Milliarden Euro verwalten.

Gesellschaften wie S&K haben derzeit leichtes Spiel. Die Deutschen fürchten sich vor Preissteigerungen, bei der Geldanlage sind Produkte, die Schutz vor Inflation versprechen, gefragt.

Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP

Doch was Sparern derzeit unter dem Deckmantel der „Sachwertinvestition“ ins Depot geschoben wird, ist oft schlimmer als jede Hyperinflation. Die WirtschaftsWoche hat einige der Antiinflationsprodukte, die aktuell an den Anleger gebracht werden sollen, geprüft: Vermeintliche Investitionen in Sachwerte entpuppen sich als hochriskant, kaum transparent und teuer. Im schlimmsten Fall wird nicht mal klar, ob alle Spargroschen der Anleger überhaupt investiert werden.

Übersicht zu den beliebtesten Investitionsobjekten deutscher Anleger (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Bedenklich ist: Längst werden die dubiosen Produkte nicht nur an Großverdiener vertickt, sondern zunehmend auch an die, die ohnehin nicht viel haben. „Wir beobachten einen Trend hin zu immer kleineren Anlagesummen“, sagt Philipp Zmyj-Köbel, der die Abteilung für Kapitalmarktstrafsachen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft leitet. Normalanleger aber sind mit den oft sehr komplexen Firmenstrukturen in der Regel überfordert.

Auch S&K ist eine für Laien schwer nachvollziehbare Firmenstruktur. Schäfer und Köller finanzierten die Immobiliengeschäfte ihrer Gruppe früher unter anderem dadurch, dass sie Anlegern Lebensversicherungen abkauften. Ende 2010 stellten sie das Geschäft ein: „Mit diesem Schritt distanziert sich die S&K Unternehmensgruppe von teils unseriösen Produktanbietern“, die das gesamte Geschäft in Verruf gebracht hätten, tönten die beiden.

Heute werben sie Gelder über Fonds wie den S&K Sachwerte Nr. 2 ein. Investoren erwerben Anteile an einem Fonds, der das eingezahlte Kapital als Darlehen an eine GmbH weiterreicht, die zur S&K-Gruppe gehört. Die GmbH soll für das Darlehen so hohe Zinsen zahlen, dass beim Anleger pro Jahr stolze zwölf Prozent hängenbleiben. Anleger erwerben hierbei keinen Anteil an einer Immobilie, sondern finanzieren mit einem Kredit die Geschäfte der GmbH aus dem S&K-Reich.

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