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Grüne Geldanlage Brauchen wir ein Gütesiegel für Ökofonds?

Nachhaltige Geldanlagen sind gefragt. Doch nicht alle investieren nur in ökologisch und ethisch korrekt handelnde Unternehmen, viele sind nicht so grün wie gedacht. Experten fordern ein staatliches Siegel.

Nachhaltige Geldanlagen. Quelle: dpa/Montage

Große Unternehmen müssen inzwischen einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht zu den Jahresabschlüssen anfertigen, bei Geldanlagen haben nachhaltige Produkte ein starkes Wachstum. Unternehmen, die Umweltsünden begehen, von Kinderarbeit oder schlechte Arbeitsbedingungen profitieren wollen und durch eine schwache Unternehmensführung auffallen, müssen immer häufiger Konsequenzen fürchten. Die sehen etwas so aus, dass sie von Konsumenten gemieden werden, Abnehmer Verträge kündigen und Investoren ihre Aktien verkaufen. „Das Thema Nachhaltigkeit nimmt an Wichtigkeit zu“, sagt Jutta Rabe. Die Diplom-Volkswirtin ist im Vorstand des gemeinnützigen  Verein zur Erforschung nachhaltiger Finanzmodelle.

Wenn das Gewissen über die Geldanlage entscheidet
Euromünzen Quelle: Fotolia
Platz 17: Bergbau (6 Prozent)Die großen Bergbaukonzerne der Welt stehen häufig am Pranger – nicht nur wenn es um Nachhaltigkeit geht. Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus haben trotzdem eher wenige Bedenken bei der Branche: Nur Sechs Prozent würden hier kein Geld investieren. Quelle: dpa
Platz 16: Hersteller von Verhütungsmitteln/Betreiber von Abtreibungseinrichtungen (6 Prozent)Ebenfalls 6 Prozent finden Verhütungen und Abtreibungen ethisch bedenklich und würden hier kein Geld investieren. Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geldanlagen hatte übrigens nur jeder zwanzigste der Befragten. Quelle: AP
Platz 15: Autobranche (7 Prozent)Knapp ein Drittel der übrigen Befragten hat aber generell Interesse. Diejenigen, die aus dem Osten der Bundesrepublik stammen oder älter als 60 Jahre sind, sind seltener für ethisch-ökologische Geldanlagen zu begeistern. Sieben Prozent der Verbraucher haben ein grundsätzliches Problem damit, Geld in die Automobilbranche zu investieren. Quelle: dpa
Platz 14: Chemiebranche (9 Prozent)Vor die Wahl gestellt hielt fast die Hälfte der Teilnehmer ethische Aspekte für wichtiger als ökologische. Nur ein gutes Viertel gab der Umwelt den Vorzug, der Rest mochte sich nicht entscheiden. Fast zehn Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Geld in der Chemiebranche anzulegen. Quelle: dpa
Platz 13: Pharmabranche (12 Prozent)Trotz ihrem Beitrag zum medizinischen Fortschritt: In der Bevölkerung herrscht traditionell das Bild der bösen Pharmaindustrie vor. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Für 12 Prozent der Befragten käme eine Investition in das Geschäft mit den Medikamenten nicht in Frage. Quelle: dpa
Platz 12: Biogas- und Biosprit-Herstellung (13 Prozent)Ein Großteil der landwirtschaftlich angebauten Lebensmittel wird mittlerweile für die Produktion von Biogas und Biosprit verwendet. Das ist in manchen Regionen der Welt problematischer als in anderen, denn die Verknappung der Lebensmittel kann die Konkurrenz zwischen Teller und Tank verschärfen. 13 Prozent der Befragten schließen die Branche bei ihren Geldanlagen deshalb kategorisch aus. Quelle: dpa

Studie enthüllt Details über Indizes

Zusammen mit der Evangelischen Forschungsgemeinschaft FEST in Heidelberg hat der Verein auf 105-Din-A4-Seiten ausführlich dargestellt, wie die verschiedenen Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen arbeiten. 20 internationale Nachhaltigkeits-Fonds und Indizes werden beschrieben und analysiert.

Diese Regeln sollten Sie bei Ihrer Geldanlage beachten

Die Wissenschaftler haben die Kriterien untersucht, die herangezogen werden, damit sich ein Fonds nachhaltig nennen kann und die bei der Zusammenstellung von Nachhaltigkeits-Indizes gelten. Sie sind dabei der Frage nachgegangen, ob wirklich immer Aktien oder Anleihen in den Produkten stecken, die ein Investor erwartet (Studie kann kostenlos unter www.fairshare-am.com heruntergeladen werden).

Auf das Schlagwort Nachhaltigkeit allein, so ihr Fazit, könne sich kein Investor verlassen. „Denn ein allseits akzeptiertes und sicheres Güte-Zertifikat für nachhaltige Anlageprodukte, dem ‚Blauen Engel’ ähnlich, gibt es immer noch nicht“, bemängelt Rabe. Sie fordert ein staatliches Gütesiegel. Es müsse transparente und verbindliche Regeln haben und hinter ihm dürften keine eigenen wirtschaftlichen Interessen der vergebenden Stelle stehen.

Weiteres Gütesiegel Anfang Juli

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Schon jetzt setzen viele Anbieter zwar auf Siegel, die dem Anleger bestätigen sollen, dass der Fonds Aktien und Anleihen nach strengen Kriterien auswählt. Ein solches ESG-Siegel verleiht etwa die gemeinnützige Organisation Luxembourg Fund Labelling Agency (LuxFlag). Das Kürzel ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Ab der kommenden Woche können sich Fondsgesellschaften zudem um ein neues Siegel bewerben, den das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) erstmals anbietet.

FNG ist die Lobbygruppe für 160 Mitglieder aus Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen und Ratingagenturen aus dem deutschsprachigen Raum. Rabe hält das FNG-Siegel nicht für ganz passend, da es von ihr als nicht transparent und verbindlich genug eingeschätzt wird und auch mit wirtschaftlichen Interessen verbunden sei. „Am besten wäre eine EU-Vergabestelle“, sagt Rabe.

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