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Haushaltsbücher digital Omas vergessene Buchhaltung auf dem Handy

Das klassische Haushaltsbuch hat ausgedient, heutzutage gibt es praktische Apps für das Smartphone. Quelle: imago images

Wer seine Ausgaben unter Kontrolle bringen will, braucht Übersicht und Struktur. Dabei kann man viel von altmodischen Haushaltsbüchern lernen. Und es gibt sie längst digital als App fürs Smartphone. Ein Überblick.

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Bei abgeschlossenen Abos, der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, seltenen Versicherungsbeiträgen und spontanen Restaurantbesuchen kann man schnell den Überblick verlieren. Nur 35 Prozent der Deutschen kennen ihr monatliches Budget genau. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Teambank aus dem vergangenen Jahr hervor. In der Coronakrise sank der Anteil der Menschen, welche ihr eigenes Budget genau kennen, innerhalb eines Jahres um neun Prozent.

Das Problem: Kaufen und Bezahlen wird immer bequemer, mal per Klick über Paypal, mal per Handy mit der Apple-Wallet oder per Kredit- und Bankkarte. Viele Menschen haben deshalb ihre Ausgaben nicht richtig im Blick und sie verlieren den Überblick. Tatsächlich können nur ein Drittel der Deutschen ihre Ausgaben für Kleidung, Schuhe und Lebensmittel genau benennen. „Meistens sind es nur Kleinigkeiten, wie das Brötchen beim Bäcker oder der Kaffee zwischendurch. Aber das macht trotzdem viel aus“, meint Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale NRW. Dafür fehle bei vielen Menschen das Gefühl.

Die einfachste Methode, die eigenen Ausgaben unter Kontrolle zu bringen, klingt altmodisch, ist aber ziemlich effektiv: Das gute alte Haushaltsbuch, in dem Oma in geschwungener Schreibschrift die Ausgaben und Einnahmen verzeichnete. Heute führen nur noch 20 Prozent der Deutschen ein Haushaltsbuch, so die Forsa-Umfrage. „Es ist absolut sinnvoll Ausgaben zu kontrollieren und mal aufzuschreiben“, meint Sylvia Groh. Nur so komme man den versteckten Ausgaben auf die Spur. „Es gibt viele Menschen, die sich nicht gerne damit beschäftigen“, weiß sie aus erster Hand. Dabei ist der Aufwand nur sehr gering: Stift, Papier und die Kontoauszüge reichen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.



Ihr Tipp: Sich für Kleinigkeiten den Bon geben lassen und bis zum Monatsende sammeln. „Wenn sich herausstellt, dass die Ausgaben nicht ins Gewicht fallen, kann man natürlich so weitermachen. Wenn es aber am Monatsende knapp wird, kann ich bewusst entscheiden, auf kleine Ausgaben zu verzichten oder sie zumindest reduzieren.“

Auch Schuldnerberaterin Rita Fergen von der Caritas in Kleve glaubt, dass bei Ausgaben ein guter Überblick wichtig ist. Sie machte die Erfahrung, dass Menschen eine Motivation brauchen, um mit dem Haushaltsbuch am Ball zu bleiben. „Die Klienten müssen ihre Ausgaben bildlich vor Augen sehen, um zu entscheiden, welche Ausgaben ihnen wichtig sind“, meint sie. Dabei zeigten sich auch ungesunde Angewohnheiten, wie Zigarettenkonsum oder der Hang zu Fast-Food. Dies könne eine zusätzliche Motivation sein, diese ungesunden Angewohnheiten abzulegen. „Manche Klienten sind von der Idee, ihre Ausgaben wieder unter Kontrolle zu haben, regelrecht begeistert“, sagt sie.

Die Verbraucherschützerin glaubt, dass nicht jeder dauerhaft akribisch Buch führen muss: „Einnahmen und Ausgaben aufzustellen, helfen schon zu einem ersten Überblick“, sagt sie. Man könne die Ausgaben auch nur über ein paar Monate kontrollieren. Besonders vor größeren Anschaffungen oder anstehende Ratenzahlungen sei das wichtig.



Eine Alternative zum Haushaltsbuch sind Apps für das Smartphone oder Tablet. Sylvia Groh hält diese für sinnvoll: „Besonders junge Menschen haben das Smartphone unterwegs häufiger dabei. Damit haben sie eine größere Chance, auch kleine Ausgaben zu erfassen“, meint sie. Sie glaubt, dass Apps für viele einfacher zu benutzen sind als ein Buch und die klassische Zettelwirtschaft. Eine App zur Finanzplanung nutzen derzeit nur 15 Prozent der Deutschen.
Auch Rita Fergen glaubt, dass Apps sich besonders für den Einstieg eignen. Dabei bemängelt die Schuldnerberaterin, dass in der Schule keine Haushaltsbücher oder Apps vorgestellt werden: „Es wäre total wichtig anzuerkennen, dass es ein wichtiges Thema ist“, meint Fergen. Sie glaubt, dass ein stärkeres Bewusstsein für die eigenen Finanzen früh gelernt werden kann.
In den App-Stores von IOS und Android finden sich hunderte Anbieter dieser digitalen Helfer.

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Auch wenn Apps sehr praktisch sind, bleibt ein Wermutstropfen: Bei vielen Anbietern ist unklar, wie die hochsensiblen Daten weiterverarbeitet werden. „Grundsätzlich sollte man unnötige Berechtigungen für die Anbieter vermeiden“, warnt Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale. „Der Server sollte möglichst in Deutschland stehen. Außerdem empfehlen wir, die App und das Bankkonto getrennt zu halten, weil die Bank so mehr Informationen erhalten kann als notwendig.“ Für sie gebe es zum Beispiel keinen Grund, die Kontaktdaten der App offenzulegen.

Mehr zum Thema: Egal in welchen Alltags- und Lebensbereichen Menschen Schwächen haben: Webdienste und mobile Apps helfen dabei, jedes Ziel zu erreichen. Für jede Lebenslage gibt es eine App.

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