WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Hedgefonds Heuschrecke verdient kräftig durch Griechenland-Rettung

Mit dem Anleihen-Rückkauf der Griechen, der durch Hilfsgelder der Euroländer erst möglich wurde, pusht der US-Hedgefonds Third Point seinen Gewinn.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Mit dem Anleihen-Rückkauf der Griechen hat der US-Hedgefonds Third Point laut Brancheninsidern mit Wetten auf Griechenland-Bonds in wenigen Monaten eine halbe Milliarde Dollar verdient. Quelle: Fotolia

Jetzt ist offiziell, was die WirtschaftsWoche schon lange angekündigt hatte. Die Gewinne aus der Griechenland-Rettung schöpfen Hedgefonds ab. Der US-Hedgefonds Third Point, der vom Milliardär Daniel Loeb gegründet wurde, hat laut Brancheninsidern gegenüber der britischen Tageszeitung Financial Times mit Wetten auf Griechenland-Bonds in wenigen Monaten eine halbe Milliarde Dollar verdient. Eingesetzt hatten die Amerikaner eine Milliarde Dollar ihrer insgesamt verwalteten acht Milliarden Dollar. Third Point konnte Griechenland-Bonds zu Kursen von unter 20 Prozent des Nennwertes kaufen, als noch kein Rückkaufsangebot bekannt gegeben wurde. Nach der Ankündigung des großzügigen Rückkaufs alter Anleihen durch den griechischen Staat hatten Spekulanten die Kurse zehnjähriger Papiere bis auf 45 Prozent hochgezogen.

Gegen den Strom

Loebs Wette war zur damaligen Zeit hochriskant. Bei vergleichsweise kleinen acht Milliarden Dollar Vermögen ist der Einsatz einer Milliarde auf Griechenland schon aggressiv. Aber Loeb war offenbar nicht der einzige Hedgefondsmanager, der die Chance ergriffen hat. Griechische Medien berichteten, dass Hedgefonds dem Staat Anleihen im Wert von rund 15 Milliarden Euro angeboten hätten. Damit wäre dann etwa die Hälfte der Gelder aus dem  Rückkaufprogramm in die Taschen der Hedgefonds und ihrer Anleger geflossen.

Börsenperlen aus Krisenstaaten
Arbeiter auf einer Offshore-Plattform Quelle: PR
Arbeiter in einem Fiat-Werk in der Nähe von Neapel Quelle: dapd
Eine Fabrik des Geräteherstellers Indesit in Russland Quelle: PR
Zwei Passanten benutzen öffentliche Telefonanlagen des spanischen Unternehmens Telefónica. Quelle: PR
Logo der Lotteriegesellschaft Opap Quelle: PR

Aber insgesamt spiegeln sich die hohen Gewinne noch nicht in einer guten Hedgefondsperformance in diesem Jahr wider. Die Fonds haben weltweit im Schnitt nur ein Plus von rund fünf Prozent erzielt. Und unter den größten Verlierern ist wieder einer der bekanntesten Manager, der Amerikaner John Paulson. Der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank Ende 2010 aufgelegte Investmentfonds DB Platinum IV Paulson Global Fund verlor seit seiner Auflage nahezu 70 Prozent an Wert. Und das lehrt zumindest, dass Hedgefondsmanager es dauerhaft auch nicht besser machen, als viele andere Fondsmanager und immer nur für kurze Zeit die Stars sind. Denn Paulson wollte in diesem Jahr auch gegen den Strom schwimmen und hat gegen Bundesanleihen gewettet. Die aber sind im Kurs munter weiter gestiegen und nicht wie von ihm erwartet gefallen.

Third Point rechnet mit weiteren Gewinnen

In welchen Länder Aktien unterbewertet sind
Platz 20: MexikoDer IPC, der Leitindex der mexikanischen Börse, hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Mexiko gehört mittlerweile zu den beliebtesten Schwellenländern. Der BRIC-Erfinder Jim O'Neill hat es in sein neues Konzept integriert: MIST (Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei). Gemessen an den wichtigsten Kennzahlen sind die Aktien Mexikos allerdings alles andere als günstig. Dividendenrendite (2012): 0,9 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 10,3 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,6 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 2,9 Performance:3 Monate: + 5 Prozent 6 Monate: + 12 Prozent Anmerkung: Bei der Dividendenrendite gilt: je höher, desto besser. Bei den übrigen Zahlen ist es genau umgekehrt. Quelle: DZ Bank Quelle: dpa
Platz 19: IndonesienIndonesiens Bali ist für Surfer ein Paradies, allerdings nicht für Anleger. Der IDX hat sich seit 2009 verdreifacht und ist gemessen an den Kennzahlen sehr teuer. Trotzdem gilt Indonesien bei vielen Investoren als Schwellenland der Zukunft. Die MIST-Strategie wird wegen schwächelnder BRIC-Staaten immer beliebter. Dividendenrendite (2012): 2,3 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 9,8 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 13,4 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 3,0 Performance:3 Monate: + 6 Prozent 6 Monate: + 3 Prozent Quelle: dpa
Platz 18: USADas „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bietet leider keine günstig bewerteten Aktien für ein Investment. Die Unternehmen der USA gelten jedoch wegen ihrer internationalen Ausrichtung als sicheres Investment. Deshalb sind US-Aktien trotz schlechter Kennzahlen bei Investoren beliebt. Dividendenrendite (2012): 2,1 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 8,8 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 13,3 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 2,1 Performance:3 Monate: + 6 Prozent 6 Monate: + 4 Prozent Quelle: REUTERS
Platz 17: IndienIndien ist das I der BRIC-Staaten. Diese haben sich in den vergangenen Jahren allerdings nicht sehr berauschend entwickelt. Der BSE Sensex lockt auch nicht gerade mit einer günstigen Bewertung. In den letzten zwei Jahren hat der BSE eine Berg- und Talfahrt erlebt und sich nicht entscheidend in eine Richtung entwickelt. Dividendenrendite (2012): 1,7 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 8,7 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 11,8 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 2,0 Performance:3 Monate: + 5 Prozent 6 Monate: + 5 Prozent Quelle: dapd
Platz 16: SchweizDie Schweiz ist ein teures Pflaster, das gilt auch für die Börse. Der Leitindex der Schweiz, der SMI, hat im Laufe der Finanzkrise deutlich an Wert verloren, den er immer noch nicht wett gemacht hat. Trotzdem ist der SMI, gemessen an den Kennzahlen, nicht günstig. Dividendenrendite (2012): 3,4 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 10,0 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 12,4 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 2,0 Performance: 3 Monate: + 7 Prozent 6 Monate: + 7 Prozent Quelle: dapd
Platz 15: SüdafrikaDer afrikanische FTSE-All-Share-Index ist mittlerweile teuer - und das nicht, weil er viel zugelegt hat. Ganz im Gegenteil: Der FTSE lag 2007 bei fast 4.000 Punkten, heute bei knapp 2.900. Die Aktienkurse haben gemäß der Kennzahlen kein großes Potenzial mehr. Zwar ist Südafrika die stabilste Demokratie des Kontinents, doch die wirtschaftlichen Probleme sind nicht zu übersehen. Hohe Arbeitslosigkeit und ein extrem großer Unterschied zwischen arm und reich belasten das Land. Dividendenrendite (2012): 3,8 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 7,9 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 11,2 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 2,1 Performance: 3 Monate: + 4 Prozent 6 Monate: + 4 Prozent Quelle: dpa
Platz 14: TürkeiObwohl die türkischen Aktien, die im Leitindex ISE-100 gelistet werden, den Kennzahlen nach nicht sehr günstig sind, gilt die Türkei als das Chancenland der Zukunft. Die Finanzkrise im Jahr 2001 ist überwunden und der Finanzsektor kommt wieder auf die Beine. Die Produktion zieht deshalb deutlich an und die Wirtschaft wächst. Die Türkei ist das T der MIST-Strategie. Dividendenrendite (2012): 3,1 Prozent Kurs-Cash-Flow (2013): 7,0 Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 9,6 Kurs-Buch-Verhältnis (2012): 1,6 Performance: 3 Monate: - 1 Prozent 6 Monate: 0 Prozent Quelle: dpa

Third Point ist auf spezielle Situationen fixiert, die zu einer Neubewertung von Anlageklassen führen können und damit oft hohe Kursgewinne bringen. Gewöhnlich setzen die Manager ihre Expertise dazu ein, die Events im Umfeld von Firmenübernahmen zu entdecken, dieses Mal war es die Volkswirtschaft Griechenlands und die Politischen Geplänkel im Euroland, die ihnen die Chancen boten. Üblicherweise bleiben Loeb und sein Team offenbar auch nicht untätig nach Investitionen. "Unsere Manager haben die Fähigkeiten, große Positionen einzugehen und auch die Belange der Unternehmen zu beeinflussen in die investiert wurde, um damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass der anvisierte Event tatsächlich eintritt", so beschreiben die Manager die Strategie im Internet. Es ist allerdings nicht bekannt, dass sie sich aktiv an die griechischen Politiker gewandt hätten, um die in ihrem Bemühen um das Rückkaufprogramm zu bestärken.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Angeblich hat sich Third-Point-Chef Loeb auch nicht vollständig aus Griechenbonds verabschiedet. Er soll noch immer einen Großteil der Papiere halten, weil seine Analysten mit weiteren zweistelligen Kursgewinnen rechneten.

Geldanlage



Die größten Gewinne sind jetzt gelaufen, für Privatanleger macht es jetzt kaum noch Sinn, mitzuspekulieren. Politiker haben massiv Steuergelder eingesetzt, um die Griechen im Euroraum zu halten. Derzeit entsteht dadurch der Eindruck, die Eurokrise nehme einen guten Ausgang wie auch die Asien- und Russlandkrise. Aber noch immer ist die Schuldenlast der Griechen erdrückend und weitere Hilfen werden benötigt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%