Henning Gebhardt "Gewinnentwicklung der Unternehmen muss Fahrt aufnehmen"

Henning Gebhardt, der Aktienchef der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltung, sieht die Gewinnentwicklung der deutschen Unternehmen optimistisch. Warum ihn hohe Aktienbewertungen noch nicht nervös machen.

Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa

Herr Gebhardt, macht es Sie noch nervös, wenn Sie hören, dass Griechenland sich auf eine Pleite vorbereite?

Da geht es mir wie vielen Börsianern: Es gibt einen Gewöhnungseffekt. Auch der Dax bewegt sich angesichts dieser Nachrichtenlage erstaunlich ruhig. Aktuell steckt die Börse das Griechenland-Problem ähnlich gut weg wie die Ukraine-Krise im Jahr 2014. Die hat den Dax bis August erschüttert, danach waren die Auswirkungen auf die Aktienkurse nicht mehr stark. Der Markt hat negative Nachrichten schnell abgeschüttelt.

Henning Gebhardt, der Aktienchef der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltung, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: DWS

Was kann die Ruhe stören?

Die Kurse sind stark gestiegen, die Kurssteigerung wurde aber nicht im gleichen Maß durch gestiegene Gewinne der Unternehmen unterstützt. Dadurch ist der Markt anfällig, wenn es überraschende negative Nachrichten geben sollte. Mit Rücksetzern ist zu rechnen. Wer jetzt an der Seitenlinie steht und nicht weiß, ob er investieren soll, der sollte diese dann als Chance sehen. Wenn die USA in eine Zinserhöhungsphase eintreten, kann es stärkere Schwankungen geben, zumal die Börsen den Sommer über ohnehin volatiler sind. Dass eine Zinserhöhung das US-Wachstum und damit die Börsen abwürgt, erwarte ich aber nicht.

Drehen Frankfurter Fondsmanager bis dahin Däumchen und lassen ausländische Investoren den Dax hoch treiben?

Wir beobachten, wo die Musik spielt, und investieren. In unsere Deutschland-Aktienfonds sind in diesem Jahr bereits mehr als 630 Millionen Euro neue Anlegergelder geflossen, und wir haben stets attraktive Aktien gefunden. Jetzt kommt es in der Berichtssaison darauf an, dass die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen Fahrt aufnimmt. Die Kurse haben steigende Gewinne vorweggenommen, jetzt müssen die Unternehmen liefern. Die Börse baut darauf, dass die Analystenschätzungen übertroffen werden und die Gewinnprognosen der Unternehmen nach oben gehen.

Zur Person

Was erwarten Sie?

Ich bin optimistisch. Eben erst hat etwa der Laborausrüster Sartorius seine Gewinnprognose für das Jahr erhöht, für BMW war das erste Quartal das beste seiner Geschichte. Das weltweit solide Wirtschaftswachstum bietet den Euroland-Unternehmen gute Rahmenbedingungen, sie profitieren vom günstigen Öl, von den gesunkenen Zinsen und vom schwachen Euro. Bis September war die Währung eine Belastung für die Unternehmensgewinne, jetzt ist sie zum Gewinntreiber geworden.

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