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HSBC-Nachhaltigkeitschef „Wir Banken haben unsere Rolle in der Gesellschaft verloren“

HSBC-Nachhaltigkeitschef Daniel Klier schwärmt von Indiens Zehnjahresplan. Quelle: PR

Die Großbank HSBC prescht vor in Sachen CO2-Vermeidung. Im Interview erklärt Nachhaltigkeitschef Klier, wieso es dazu keine Alternative gab, wie gefährlich China ist und was sich für die Mitarbeiter verändert hat.

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Daniel Klier verantwortet den Bereich Sustainable Finance, nachhaltige Finanzierung, bei der britischen Großbank HSBC.

WirtschaftsWoche: Grüne Investments sind immer noch ein Nischenprodukt. Wieso hat sich HSBC diesem Thema verschrieben?
Daniel Klier: Es gibt zwei Themen, die unsere Zukunft bestimmen werden: zum einen der Aufstieg Chinas zur weltweit größten Volkswirtschaft, zum anderen der Wechsel zu einer CO2-armen Wirtschaft. Wir als Bank treiben das Thema aus drei Gründen: Der erste ist das wirtschaftliche Potenzial. Das ist die größte Investitionswelle, die die Welt in den nächsten Jahrzehnten sehen wird. Der zweite ist das Risiko, das darin liegt. Abhängig von Klimaszenarien werden Bankbilanzen und die gesamte Finanzwelt signifikante Risiken tragen. Der dritte Grund ist: durch die Finanzkrise haben wir Banken unsere Rolle in der Gesellschaft verloren. Mit der Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft können wir wieder einen relevanten Beitrag leisten.

Wann ist Ihrem Empfinden nach Nachhaltigkeit zum Trend-Thema geworden? Der Gedanke hat einen weiten Weg hinter sich, von der spartigen Jutebeutel-Öko-Bewegung der Achtzigerjahre hin zum breiten Mainstream.
Das Pariser Klimaabkommen 2015 war einer der Auslöser. Zudem sind große Aktionäre wahnsinnig wichtig in diesem Bereich, große Pensionskassen, große Versicherer. Die haben das Thema sehr früh ernstgenommen. Sobald große Aktionäre anfangen, sich diese Fragen zu stellen, kümmern sich auch die Aufsichtsräte darum. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Studien nachgewiesen haben, dass der Klimawandel existiert. Und es hat sich eine breite gesellschaftliche Bewegung dazu entwickelt. Man sehe sich nur an, was aus den schwedischen Schülerprotesten geworden ist.

Ist Nachhaltigkeit also ein Generationen-Phänomen, heiße sie nun Y oder Z? Oder hat das eher etwas mit dem Zeitgeist zu tun?
Ich glaube schon, dass da ein Generationen-Phänomen drinsteckt. Es ist ein anderer Druck da, weil die Leute wirklich persönlich betroffen sind, weil sie den Wandel selbst erleben werden. Dennoch ändern sie als Konsumenten ihr Verhalten nicht, essen weiter Fleisch, fliegen weiter Flugzeug.

Viele Menschen sehen es nicht ein, ihren Konsum einzuschränken, der im Vergleich zur Industrie ja kaum CO2 verursacht.
Das ist sicher richtig. Aber die Industrie arbeitet ja für den Endkonsumenten. Wenn der Konsument sein Kaufverhalten ändert, wird die Industrie sich anpassen. Wenn Kunden im Supermarkt das nachhaltigere Produkt wählen, werden die Produzenten sich umstellen. Der Einfluss ist da, aber er wird nicht genutzt. Gerade in der Finanzwelt. Privatanleger realisieren nicht, dass ihr persönliches Investitionsverhalten Einfluss hat.

Der Trend zu nachhaltigen Investments geht also nur auf institutionelle Anleger zurück?
Auf der institutionellen Ebene kommt das Thema Nachhaltigkeit aus der Nische raus. Das sieht man auch in unserem eigenen Geschäft: Wir haben sehr erfolgreiche Fonds für Institutionelle. Wir haben auch Fonds für Privatanleger, aber da gibt es kaum Nachfrage.

Weil die Renditen schlechter sind?
Im Gegenteil, die Renditen sind langfristig in der Regel gleich oder sogar besser, abhängig von der Art des Produktes. Die nachhaltigen Produkte vermeiden Risiken. Sie investieren in Unternehmen, die besser gemanagt sind, die mehr Augenmerk auf Kunden, Mitarbeiter und Umwelt legen.

Wenn es sogar mehr Geld bringt, nachhaltig zu investieren, warum tun die Menschen es dann nicht? Das klingt paradox.
Es ist ein bekanntes Dilemma: Wie kriegt man die richtige Balance zwischen langfristigen Investments und kurzfristiger Rendite? Für den Anleger ist die große Frage, mit welchem Investitionshorizont er hantiert. Will er in einem Quartal sein Geld verdoppeln, sind nachhaltige Investments wohl nicht das richtige Thema. Plant er hingegen sein Portfolio für die nächsten 15 Jahre, dann sind sie es sehr wohl. Ich glaube, dass die Mehrheit der Staatenlenker, Firmenlenker und Investoren die Langfristperspektive versteht.

Aber?
Das schwierige Thema ist die Kurzfristperspektive für die Unternehmen. Häufig muss man ein, zwei, drei Jahre niedrige Gewinne hinnehmen, um sich zu wandeln. Die Unternehmen müssen Milliarden investieren, um komplette Produktionsprozesse zu verändern, ihr komplettes Produktportfolio verändern. Die deutsche Autoindustrie hat das begonnen, inzwischen sehr erfolgreich. Aber sie müssen über Jahre mehrere Technologien parallel fahren: den Verbrennungsmotor und den Elektromotor und vielleicht sogar noch den Wasserstoffmotor. Das vervielfacht die Kosten.

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