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Indexfonds Welche ETFs 2017 die beste Rendite brachten

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Wie finde ich den besten ETF?

Nun schafften es weder der Dax noch der weltweit größte Aktienindex MSCI World unter die Top 20 der ertragsstärksten ETFs seit Jahresanfang.

Doch für Anleger, die ein Portfolio anlegen möchten, mit dem sie das Risiko der Aktienmärkte möglichst global verteilen können, empfiehlt sich stets ein ETF auf den MSCI World Index, der derzeit 1652 Aktien in 23 Industriestaaten abbildet. Nur stellt sich die Frage: Welchen der verfügbaren MSCI World ETFs wählen?
Vier Kriterien helfen bei der Auswahl:

1. Performance
Der reine Index, wie er von MSCI berechnet wird, schaffte seit Jahresanfang in US-Dollar ein Plus von 19,4 Prozent – sofern die Dividendenerträge der Konzerne reinvestiert wurden.

Ein passender ETF von HSBC, der MSCI World USD ACC, schaffte seit Jahresanfang nach Bloomberg-Angaben 19,02 Prozent. Er legt die Dividenden für Anleger ebenfalls wieder an. In den Daten von Bloomberg ist es der ETF, der die Performance des MSCI World seit Jahresanfang am exaktesten abbilden konnte.

2. Ausschüttend oder Thesaurierend

Wenn für einen ETF beide Varianten erhältlich sind, sollten Anleger sich gut überlegen, welche Version ihren Bedürfnissen entspricht. Wollen sie möglichst hohe Erträge, empfiehlt sich eine thesaurierende Variante. Die Dividendenausschüttungen der im Index enthaltenen Werte werden dann direkt wieder reinvestiert. Das erhöht die Performance, wie sich am MSCI World zeigen lässt. Während der HSBC ETF 19 Prozent seit Jahresanfang schaffte, kam der beste ausschüttende MSCI World ETF von der UBS für deutsche Anleger auf nur 15,4 Prozent. (Ohne Dividendenerträge schaffte auch der MSCI World Index selbst nur gut 16 Prozent).

Wer hingegen einen ETF braucht, der laufend die Dividenden der Konzerne ausschüttet, muss sich trotz besserer Performance gegen einen thesaurierenden ETF entscheiden.

3. Nachbildung

Unter ETF-Anhängern stets heiß diskutiert: Wie sollten die Fondsgesellschaften einen Index abbilden? Muss ein Indexfonds wirklich jede einzelne Aktie besitzen, die im Basiswert enthalten ist?
Bei 30 Aktien, die im deutschen Leitindex DAX liegen, wäre das eine durchaus mögliche Variante. ETFs, die die Aktien für ihre Anleger tatsächlich kaufen, werden als physisch replizierend gekennzeichnet.
Für den MSCI World mit über 1600 Aktien aus über 23 Ländern ist es selbst für die größten Fondsgesellschaften kaum möglich, alle Aktien direkt zu kaufen. Schon gar nicht, zu solch geringen Handelskosten, wie ETFs sie bieten sollen.

In solchen Fällen bilden die Fondsgesellschaften die Wertentwicklung eines Index synthetisch nach. Dazu gehen sie Tauschgeschäfte mit anderen Handelspartnern ein, sogenannte Swaps. Selbst, wer als Anleger in einen Dax-ETF investiert, besitzt dann im Zweifel nicht eine einzige Dax-Aktie.

Beide Varianten kommen nicht ohne Risiken aus, wenn einmal Tauschpartner ausfallen sollten. Denn auch Anbieter von physisch replizierenden ETFs können ihre Wertpapiere verleihen. Doch bislang sind solche Ausfälle auf dem ETF-Markt nicht bekannt.

4. Gebühren
Neben der Performance ist für Anleger deshalb meist die Höhe der Gebühren ihres ETFs ausschlaggebend. Der Durchschnitt aller 5394 von Bloomberg gelisteten ETFs liegt bei jährlichen Gebühren von 0,40 Prozent.

Wie schlagen sich die rentabelsten ETFs seit Jahresanfang mit Blick auf ihre Kosten?

Auf Platz 11 und 12 liegen zwei Indexfonds, die den MSCI Schwellenländer-Index Emerging Markets abbilden. Beide schütten mögliche Dividendenerträge der Aktien an Anleger aus. Der eine ETF von SPDR State Street Global Advisors kam seit Jahresanfang auf 36,39 Prozent, der zweite, von UBS, schaffte 37,00 Prozent.

Die besten ETFs 2017 - Platz 10 bis 1

Beide Werte liegen zu dicht zusammen, als dass lediglich die Performance den Ausschlag für eine Investition geben könnte.

Doch auch bei den Gebühren unterscheiden sich die beiden ETFs kaum. SPDR verlangt eine jährliche Gebühr von 0,42 Prozent, die Anlegern über die Kursentwicklung direkt abgezogen wird. Die UBS verlangt 0,45 Prozent im Jahr.

Kein Wunder, dass Anlegern die Entscheidung für oder gegen einen ETF besonders schwer gemacht wird. Auch, wenn Blackrock mit iShares knapp die Hälfte des europäischen Marktes beherrscht, nimmt die Konkurrenz unter den Anbietern zu.

Mit dem Einstieg des US-Anbieters Vanguard können deutsche Anleger auch darauf hoffen, dass die Gebühren für ihre Indexfonds weiter sinken. „Wir wollen die Anlagekosten in Europa senken“, sagte Sebastian Külps, Deutschlandchef von Vanguard zum Marktstart Ende Oktober. Ein Trend, der in den USA bereits begonnen hat – und sich in Europa nun fortsetzt.

Wettbewerb drückt Gebühren

Der Datenanbieter Thomson Reuters Lipper hat die durchschnittlichen Kosten für einen ETF auf den EuroStoxx 50-Index beobachtet. 2010 kostete der noch 0,19 Prozent Gebühr, mittlerweile liegt sie bei 0,10 Prozent. Lipper Analyst Detlef Glow schreibt: „Dadurch, dass stetig neue Anbieter auf den europäischen Markt drängen, die mit günstigen Angeboten Kunden locken wollen, müssen auch die etablierten Spieler ihre Kosten senken.“ Gut für Anleger. Doch grundsätzlich ein Problem für die Fondsanbieter, findet Glow. „Ich glaube nicht, dass alle Anbieter mit dem ETF-Geschäft Gewinne machen. Kein Wunder, dass sich einige Häuser von ihren ETF-Sparten trennen wollen.“

Das Sparverhalten der Deutschen im Ländervergleich

Denn obwohl bei Anlegern beliebt, stehen erstaunlich viele ETF-Sparten zum Verkauf. Comstage, das ETF-Geschäft der Commerzbank etwa, wartet seit nun rund einem Jahr auf einen Käufer. Warburg Pincus konnte im Frühjahre bereits seine Source-ETFs verkaufen. Die US-Fondsgesellschaft Invesco übernahm Source, mit denen Warburg Pincus nicht recht auf einen grünen Zweig kam.

Können Anleger sich weder bei Gebühren noch bei der Performance für einen bestimmten ETF des gleichen Basiswertes entscheiden, kann die Höhe der verwalteten Gelder den Ausschlag geben. Je größer ein Fonds, desto höher die Chance, dass er auch langfristig am Markt verfügbar bleibt.

Denn bei kleinen Spezial-ETFs müssen Anleger auch immer wieder damit rechnen, dass sie schließen. Die besten 20 ETFs zeigen, dass Asien sich in diesem Jahr besonders als Investment lohnte. Vor allem die chinesischen Technologieaktien wie Alibaba oder Tencent sorgen für stetig neue Kursrekorde. Mit 447 Milliarden Euro Marktkapitalisierung überholte Tencent in dieser Woche gar den US-Konkurrenten Facebook, der an der Börse „nur“ 364 Milliarden wert ist.

Wer von solchen Aktien also profitieren will, ohne sich das Risiko eines einzigen Unternehmens oder ausschließlich des chinesischen Marktes ans Bein zu binden, bräuchte einen Asien ETF, der breit in Technologieaktien investiert.
Eine Möglichkeit: ein ETF der Deutschen Bank, der db X-Trackers MSCI Emerging Markets Information Technology. Samsung oder Alibaba zählen zu den größten Positionen im ETF, wie auch Apple-Zulieferer Foxconn und eben Tencent.

Seit seiner Auflage 2011 bis Anfang Mai 2017 brachte der db-x-Trackers einen Zuwachs von 75 Prozent. Einziges Problem: Der ETF wurde im Juni geschlossen. Mit 20 Millionen Dollar Volumen war der ETF ein Winzling am Markt. Nach sechs Jahren war für den Indexfonds Schluss.

Anleger werden in solch einem Fall rechtzeitig von ihrem Fondsanbieter informiert. Verkaufen sie ihre Anteile vor dem letzten Handelstag nicht, zahlt der ihnen den Wert des letzten festgestellten Kurses automatisch aus.

So sollten Anleger immer auch darauf achten, dass die ETFs neben verlockender Performance und niedrigen Kosten auch eine gewisse Größe statt nur weniger Millionen vorweisen. Zur Orientierung: Der Durchschnitt aller ETFs liegt bei rund 54 Millionen Euro. Dem weltweit größten ETF, dem SPDR S&P 500, haben Anleger dagegen knapp 213 Milliarden Euro anvertraut.

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