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Inflationsangst und Nullzins So begegnen Sparer dem Vermögensschwund

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Investoren sollten Ruhe bewahren

Fondsmanager Posthoff, der Mann von Bantleon aus der Schweiz, liegt schon auf der Lauer, und zwar bei Aktien. Er hält in seinem Mischfonds Bantleon Family & Friends 30 Prozent Unternehmensanteile. „Unsere Maximalquote beträgt da 40 Prozent. Bei einer Korrektur an der Börse könnten wir uns vorstellen, entsprechend aufzustocken“, sagt Posthoff. Dazu fährt er einen Mix aus etwas Gold, Rohstoffen, Liquidität und einem breit gestreuten Anleiheportfolio. „Auch Privatanleger sollten sich nicht nur auf eine Anlage konzentrieren, sondern möglichst über die wichtigsten Investmentklassen streuen“, sagt Posthoff.

Ohnehin sind Angst, vor Inflation etwa, oder gar Panik, vor Protektionismus und dem Aufstieg der Populisten, bei der Geldanlage schlechte Ratgeber. Je länger der Anlagehorizont, desto mehr Ruhe sollten Investoren bewahren. Eine simple Mischdepotstrategie, von der WirtschaftsWoche mehrfach vorgestellt (etwa in Ausgabe 3/2012), funktioniert da prächtig. Für alle Startjahre seit 2000 brachte sie zwischen fünf Prozent Rendite (im schlechtesten Fall, Depotstart im Jahr 2015) und gut acht Prozent (im besten Fall, Depotstart 2009). 2016 hätten Anleger mit der Strategie 7,3 Prozent gewonnen, im jungen Jahr 2017 auch immerhin schon 0,4 Prozent. Hinter der Mischdepotstrategie steckt ein Mix aus je 30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold und 15 Prozent Tagesgeld. Dabei gilt fast die Devise: Kaufen und liegen lassen.

Nur einmal im Jahr müssen sich Anleger kümmern und die Anteile der einzelnen Anlageklassen wieder auf das Ausgangsniveau zurückbringen, also je nach Entwicklung einzelne Anlagen aufstocken oder zurückfahren. Diese jährliche Überprüfung führt dazu, dass im Mischdepot keine zu starken Über- oder Untergewichtungen entstehen. Wer jederzeit aktiv sein Depot managt, der sollte bei Anleihen derzeit zum Euro Fremdwährungen beimischen, die einen höheren Zins bieten, aber kein massives Risiko in sich bergen; heißt, Schwellenländerwährungen wie etwa die türkische Lira sind da tabu. Anleihen in Dollar, die Norwegische und die Schwedische Krone bieten sich dagegen an.

Dollar-Papiere etwa wie von T-Mobile USA, der US-Tochter der Deutschen Telekom, versprechen jährliche Renditen von immerhin bis zu knapp sechs Prozent.

Auf der Aktienseite lohnen sich Dickschiffe aus dem Dax, deren Bewertungen bei Weitem nicht so hochgejazzt sind wie diejenigen vieler US-Unternehmen und diejenigen zahlreicher Nebenwerte. Siemens und SAP etwa glänzten mit ihren bereits vorgelegten Jahreszahlen 2016 und ihren Ausblicken für die Zukunft, bei Münchener Rück oder Daimler winken im Frühjahr Dividendenrenditen von knapp fünf Prozent; Beiersdorf bringt Stabilität ins Depot, weil das Papier sehr schwankungsarm ist, und mit Infineon spekulieren Anleger auf eine anhaltend gute Konjunktur für den Spezialchiphersteller. Insgesamt sollten Aktien weltweit profitieren, solange der Realzins nur unmerklich über null Prozent liegt, wie in den USA etwa, oder eben deutlich unter der Nulllinie wie es in Deutschland weiter zu erwarten ist.

Naturgemäß ist es besser, in einem Crash zu kaufen, dann, wenn die Börse am Boden liegt. Aktuell sind die Börsen, für sich betrachtet, eher teuer. Doch im Vergleich zu Zinsanlagen, die zwar Sicherheit versprechen, aber bestenfalls vor sich hinmodern, muss der Aktienmarkt das Beste noch nicht hinter sich haben. Dafür spricht ironischerweise eben der Mangel an verzinslichen Alternativen, den es hierzulande so seit drei Generationen nicht mehr gab. Ganz zweifellos sollte nicht jeder Euro in Aktien gehen. Aber ein Drittel ihrer liquiden Anlagen sollten Anleger dort halten. Geht es deutlich runter, sollte bis zu dieser Quote wieder aufgestockt werden. Denn eine historische Erfahrung ist auch: Die Zeiten hoher Inflation sind deutlich seltener als Börsenhaussen.

Zu einem ausgewogenen Portfolio dazu gehören traditionell Tagesgeld und Gold (Digitalpasskunden klicken hier). Zumal das Edelmetall mit hoher Sicherheit zulegen sollte, wenn sie denn mal kommt, die große Inflation.

Wer sich dagegen vom Sparbuch nicht verabschieden möchte, sollte einen Blick in die Erzählungen der Väter werfen. Ebenda findet sich bei Stefan Zweig jener Satz, der dem Verlust des Materiellen noch etwas Positives abgewinnt: „Denn eben durch das Unerwartete, dass das einstmals Stabilste, das Geld, täglich an Wert verlor, schätzten die Menschen die wirklichen Werte des Lebens: Arbeit, Liebe, Freundschaft, Kunst und Natur.“

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