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Ins Depot geschaut Die Strategie der besten Geldmanager

Welcher Vermögensverwalter ist sein Geld wert? Und welcher macht am meisten aus Ihrem Geld? Handelsblatt Online stellt Strategie und Lieblingsaktien der Besten vor.

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Die alten Strategien funktionieren nicht mehr. Wer auf Erträge kommen will, muss sich etwas einfallen lassen.

Düsseldorf Der Dax sackt ab – und zwar heftig. Beinahe jeden Tag geht es um 200, 300 Punkte abwärts. Für kurze Zeit taucht der Leitindex unter die 5.000er-Marke. An der Börse herrscht Panik. Etwa ein Jahr ist das jetzt her. Wohl dem, der in der Zeit Aktien gekauft hat!

Wirklich getraut haben sich das nur wenige Anleger. Selbst Profis verpassten die anschließende Rally. Inzwischen notiert der Dax wieder komfortabel über 7.000 Punkten. Seit dem großen Ausverkauf hat der Index um mehr als 30 Prozent zugelegt. Die besten deutschen Vermögensverwalter schafften längst nicht so viel.

Als Klassenbester kommt der BHF Trust aus Frankfurt auf ein Plus von 23,4 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Damit liegt die BHF in der Risikoklasse „moderat dynamisch“ vor allen anderen, auch in der Kategorie „konservativ“ schafft sie es auf den ersten Platz (+12,1 Prozent). In der Risikoklasse „ausgewogen“ siegt Flossbach von Storch (+15,3 Prozent), in der Kategorie „dynamisch“ schneidet Semper Constantia aus Wien am besten ab (+17,8 Prozent).

Das ergibt eine Auswertung des Datenanbieters Firstfive, der 300 Depots von 80 unabhängigen Vermögensverwaltern unter die Lupe genommen hat. Insgesamt verwalten diese Geldmanager ein Vermögen von 3,2 Milliarden Euro.

Zugegeben, der Vergleich mit dem Dax ist ein wenig gemein. Eine Rendite von 10, 15 oder sogar 20 Prozent, die die Besten in den vergangenen zwölf Monaten erzielt haben, kann sich durchaus sehen lassen. Das Ziel eines Vermögensverwalters ist nicht, maximale Rendite zu erwirtschaften, sondern Vermögenserhalt – was in diesen Tagen schon schwer genug ist.

Die Wahrheit hinter der Rally an den Börsen lautet: Die Zinsen sind so niedrig wie nie, obendrein drucken Notenbanken wie die Federal Reserve oder die Europäische Zentralbank fleißig Geld; alles, um die Konjunktur anzukurbeln, wie es heißt. Doch ein Teil des Geldes kommt nicht in der Wirtschaft an, sondern bleibt an den Finanzmärkten und treibt die Kurse hoch.

„Die sehr schwachen Konjunkturvorlaufindikatoren der letzten Monate haben zu einer massiven Reaktion der großen Notenbanken geführt, wovon konjunktursensitive Anlageklassen profitierten“, erklärt Stefan Klocker von Semper Constantia. Die Wirkung werde noch etwas anhalten, wenngleich ein Großteil schon eingepreist sein dürfte und die grundlegenden Probleme noch nicht ansatzweise gelöst seien.

Die Geldpolitik der Zentralbanken stellt die Vermögensverwalter vor ernste Schwierigkeiten. Gerade weil die Branche sehr auf Sicherheit bedacht ist, hat sie in der Vergangenheit viel Geld in Anleihen gesteckt. Die Schuldverschreibungen von Staaten galten als besonders sicher. Ein Staat kann nicht pleitegehen, hieß es. Genau diese Regel gilt aber nicht mehr.


Gefahr der unverzinsten Inflation

„Wir haben fast keine Staatsanleihen mehr in unseren Portfolios“, sagt Manfred Schlumberger, Geschäftsführer von BHF Trust. Der Schuldenschnitt in Griechenland hätte gezeigt, dass Staatsanleihen längst nicht mehr sicher seien. Für Sicherheit sorgen Unternehmensanleihen. „Da kennen wir Verschuldung und Cash Flow und können die Ausfallwahrscheinlichkeit abschätzen“, sagt Schlumberger. Bei konservativen Depots rät die BHF aktuell zu 60 Prozent Unternehmensanleihen und Pfandbriefe, bei moderat dynamischen Depots immer noch zu 30 Prozent. Die BHF greift etwa bei Versorgern, Metro, Deutsche Telekom oder Rheinmetall zu. „Diese Titel kontrastieren unsere Aktieninvestments“, sagt Schlumberger. Und die Renditen können sich sehen lassen, vor allem im Vergleich zu einer zehnjährigen Bundesanleihe, die aktuell bei 1,5 Prozent rentiert und nicht einmal die Inflation ausgleicht.

„Als Anleger müssen wir uns auf eine anhaltend lockere Geldpolitik einstellen. Ohne die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen würden die unter ihrer Schuldenlast leidenden Staaten der westlichen Industrieländer vor die Wand fahren. Die logische Konsequenz dieser Politik ist eine unverzinste Inflation, die zu einer geräuschlosen und schleichenden Enteignung der Sparer führt“, erklärt Flossbach. Es bleibe fast schon nichts mehr anderes übrig, als Aktien zu einem Schwerpunkt der Anlagestrategie zu machen, meint er.

Ähnlich sieht es Peter Huber, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Starcapital in Oberursel. Dass sich viele Anleger entgegen allen Ratschlägen in vermeintlich sichere Anlagen flüchten, liegt seiner Ansicht nach an einem einzigen Grund: Angst um die Zukunft und damit um das Vermögen. „Aktien bleiben bei diesen Überlegungen aber außen vor, denn seit der Jahrtausendwende gelten sie als Hochrisiko-Papiere, an denen man sich nicht noch einmal die Finger verbrennen will“, sagt Huber.

In den Köpfen steckt immer noch: Anleihen sind sicher, Aktien riskant. Im Dotcom-Hype haben sich viele Anleger die Finger mit hoch bewerten Tech-Firmen verbrannt. Als sich die Umsätze als Luftnummern herausstellten, brachen die Aktienmärkte auf breiter Front ein. Seitdem kommen Aktien selbst für viele Profis nur noch in homöopathischen Dosen infrage.

Immerhin, etwas mutiger sind die Vermögensprofis im vergangenen Jahr geworden. Das zeigt ein Blick in die Aufteilung der Portfolios: Am meisten hat sich die Cashquote verändert. Sie lag vor einem Jahr im Schnitt bei etwa 13 Prozent, jetzt nur noch bei neun Prozent. Vermögensverwalter halten immer dann viel Cash, wenn sie Verluste an den Märkten fürchten und ihr Geld in Sicherheit bringen wollen.

Ein Teil der Barreserven ist in Aktien geflossen. Die Aktienquote lag vor einem Jahr bei rund 27 Prozent, heute bei etwas über 30 Prozent. Der Anteil in Anleihen hat sich kaum verändert und liegt konstant bei 44 Prozent. Der Rest entfällt auf Investments wie Zertifikate oder Gold, deren Anteil von 16 auf 17 Prozent gestiegen ist. Die Quoten allein sagen jedoch nicht alles.


Die Lieblingsaktien der Verwalter

Erst ein genauer Blick in die Depots zeigt, welche Aktien, Fonds oder Zertifikate bei den Profis angesagt sind. Dabei fällt auf: Die Geldmanager mögen es beständig. Erstens sind die beliebtesten Aktien Seit Jahren immer dieselben, allenfalls die Gewichtung ändert sich geringfügig. Zweitens handelt es sich um Aktien von Weltkonzernen, denen kaum eine Krise etwas anhaben kann.

„Wir favorisieren Aktien erstklassiger Unternehmen, die global aufgestellt sind und über ein krisenresistentes Geschäftsmodell verfügen, dass nachhaltige und gut vorhersehbare Cashflows erwarten lässt. Qualitätsaktien mit sicheren und steigenden Dividenden waren im Vergleich zu Staatsanleihen noch nie so attraktiv wie heute“, sagt Flossbach.

Für den Kölner Vermögensverwalter zählen dazu Papiere des Lebensmittelriesen Nestlé. Die seien sicherer als der Schweizer Staat, sagt er. Auch bei seinen Kollegen steht Nestlé hoch im Kurs: Die Aktie steckt in 56 der 300 von Firstfive untersuchten Depots. Es gibt überhaupt nur eine Aktie, die noch beliebter ist: BASF findet sich in 65 Depots wieder. Ebenfalls sehr gefragt sind Siemens (56) und Shell (50).

Mit solchen Aktien kann man nicht viel falsch machen – aber auch nicht viel gewinnen. BHF-Geschäftsführer Schlumberger setzt auf weniger beachtete Titel. Konsumtitel seinen einen Blick wert. Neben Großunternehmen wie Reckitt Benkister oder Colgate Palmolive setzt BHF auch auf Gerry Weber, Next oder Essilor. Bei den Finanztiteln sei der finnische Versicherer Sampo interessant. „Die Aktienrally ist noch nicht vorbei, aktuell fließt das Geld aus den Anleihenmärkten in die Aktienmärkte“, sagt Schlumberger. Wer Risiken nicht scheut, könne vor diesem Hintergrund ein kurzfristiges Investment in Bankaktien wie Deutsche Bank oder BNP Paribas erwägen.

Semper Constantia lag in der Risikoklasse „dynamisch“ mit Aktien und Anleihen von Immobilienfirmen richtig. Hier setzen die Geldmanager zunächst auf US-Reits, später dann auf asiatische Immobilienaktien und. In Europa investierte die Wiener Vermögensverwaltung ab Mitte des Jahres in den Kernregionen Frankreich, Großbritannien, Nordeuropa und Deutschland. Inzwischen wurden die Positionen aber wieder zurückgefahren und dafür mehr Cash aufgebaut – ein klares Zeichen dafür, dass die Österreicher kurzfristig mit Gegenwind an den Märkten rechnen.

Die Geldmanager müssen sich etwas einfallen lassen, um künftig auf Erträge zu kommen, so viel steht fest. Das geht aber nur mit etwas mehr Mut zum Risiko, mit geschickter Auswahl und mit dem richtigen Timing. Aktien können dabei ein zentraler Baustein sein. Wer sich nach wie vor auf die alten Rezepte – zum Beispiel die gute, alte Bundesanleihe – verlässt, wird es schwer haben.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sich die Kluft zwischen den guten Geldverwaltern und dem Rest noch vergrößern wird. Schon jetzt fällt auf, dass seit Jahren immer dieselben Namen oben in den Ranglisten auftauchen: BHF Bank, Flossbach und von Storch und Semper Constantia sind auch auf Sicht von fünf Jahren unter den Besten.

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