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Insiderverdacht Auffällige Geschäfte mit dem Goldpreis

Fünf Banken stellen fest, was eine Unze Gold weltweit kosten soll. Jetzt untersuchen Aufseher die intransparente Preisfindung – zu Recht. Doch nicht nur das antiquierte Ritual ist das Problem.

Gut abgesprochen Fünf Banken legen den Goldpreis fest. Quelle: Presse

Und täglich grüßt das Murmeltier. Seit dem 12. September 1919 wird in der Londoner City der weltweite Referenzpreis für Gold festgestellt – heute wie damals sind daran nur fünf Banken beteiligt. Der Goldfixing genannte Preisfindungsprozess läuft im Prinzip noch so ab wie damals. Um 10.30 und um 15 Uhr Londoner Zeit geben Banken eigene Kauf- und Verkaufswünsche und die ihrer Kunden in Handelssysteme ein und einigen sich binnen zehn Minuten auf einen Preis.

Diese Sammlermünzen kommen 2014 in den Handel
Die australische Münzprägeanstalt Perth Mint folgt bei ihren Sammlermünzen dem chinesischen Kalender. 2014 ist das Jahr des Pferdes, weshalb die neue Serie sich ganz dem Thema Pferd widmet. Die hier dargestellte Münze hat einen Goldgehalt von 99,99 Prozent und ist limitiert. Erhältlich ist sie in drei Größen: Die Zehntelunze kostet 182,79 Euro, die Viertelunze 424,87 Euro und die Unze 1.647,50 Euro. In der nicht-colorierten Version ist die Münze auch im Dreier-Set erhältlich - kostet dann aber stolze 2.255 Euro. Zur Münze dazu gibt es ein Echtheitszertifikat. Erhältlich ist sie ab Oktober 2014 und bestellt werden kann sie hier. Bild: Perth Mint Quelle: Presse
Deutlich günstiger sind die Sammelmünzen aus der Silber-Serie zu haben. So kostet die colorierte Baby-Pony-Münze aus 99 Prozent Silber 38,82 Euro pro Stück. Auch diese Münze ist limitiert - auf 7500 Stück. Die Perth Mint nennt sie ein perfektes Geschenk für Kinder, die im Jahr 2014 zur Welt kommen. Wer es etwas weniger kitschig mag, für den bietet die Prägeanstalt aus der "Lunar-Serie" die " Silver Proof High Relief Coin" für 62,36 Euro an. Bild: Perth Mint Quelle: Presse
Eine weitere Gedenkmünze, die 2014 aus dem Hause Perth Mint kommt, ist die Gedenkmünze für den australischen Juristen, Schriftsteller und Journalist, Andrew Barton Paterson, genannt "The Banjo", für 424,87 Euro. Sie besteht aus einer Unze Gold und ist auf 500 Stück limitiert. Die Banjo-Gedenkmünze ist auch in Silber erhältlich. Deutlich günstiger ist die Bronze-Münze " Australian Citizenship" aus der Münzprägeanstalt für 8,25 Euro das Stück. Bild: Perth Mint Quelle: Presse
Aber auch die Bundesregierung gibt Jahr für Jahr neue Gedenk- und Sammlermünzen heraus. So wird am siebten Februar die von Künstler Erich Ott gestaltete Zwei-Euro-Münze mit der Michaeliskirche in Hildesheim vorgestellt. Bestellt werden können die Münzen über die Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland. Künstler: Erich Ott (München) Fotograf: Hans Joachim Wuthenow (Berlin) Quelle: Presse
Zu den Sammlermünzen mit zehn Euro Nennwert gehört unter anderem die Gedenkmünze anlässlich des 150. Geburtstags des Komponisten Richard Strauss, die am fünften Juni 2014 ausgegeben wird. Der offizielle Ausgabepreis ist noch nicht bekannt. Künstler: Erich Ott (München) Fotograf: Hans Joachim Wuthenow (Berlin) Quelle: Presse
Am dritten Juli erscheint die Gedenkmünze "600 Jahre Konstanzer Konzil", die ebenfalls einen Nennwert von zehn Euro hat. Künstlerin: Katrin Pannicke (Halle) Fotograf: Hans Joachim Wuthenow (Berlin) Quelle: Presse
Und auch mit Märchen kann ab nächstem Jahr bezahlt werden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die von der Künstlerin Marianne Dietz gestaltete Münze "Hänsel und Gretel" in Sammelalben landet. Sie hat einen Nennwert von zehn Euro ist ab dem sechsten Februar 2014 erhältlich. Künstlerin: Marianne Dietz (Berlin) Fotograf: Hans Joachim Wuthenow (Berlin) Quelle: Presse

„Das Goldfixing ist für Außenstehende sehr intransparent“, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Der so undurchsichtig fixierte Goldpreis ist Richtwert für den Goldhandel weltweit, bestimmt die Erträge von Münzhändlern, Minen und Juwelieren. Investoren und Zentralbanken bewerten mit ihm ihre Bestände. Außerdem beeinflusst er die Terminmärkte, an denen Lieferansprüche auf Gold gehandelt werden, allen voran die New Yorker Comex.

Die Tatsache, dass fünf Banken unbeaufsichtigt und nicht öffentlich einen weltweiten Referenzpreis festlegen, ließ Aufseher jetzt, fast ein Jahrhundert nach dem ersten Fixing, hellhörig werden. „Das ist eines der bedenklichsten Fixings, das ich je gesehen habe“, sagte Rosa Abrantes-Metz gegenüber dem Börsendienst Bloomberg. Die Professorin an der Stern School of Business brachte mit einem Aufsatz die Ermittlungen in Sachen Libor-Manipulation mit ins Rollen. Was beim Zins möglich ist, könnte überall klappen, wo Banken Preise aushandeln, an denen sich Märkte orientieren – auch im Devisenhandel. Die US-Aufsicht CFTC, die britische FCA und jetzt auch die deutsche BaFin prüfen alle derartigen Prozesse.

Vor dem zweiten Fixing fällt der Goldpreis oft. Der Verdacht: Comex-Händler kennen den Preis vorab und wetten darauf. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Dass bei Gold etwas faul ist, hat Dimitri Speck nachgewiesen. Der Analytiker von Staedel Hanseatic hat aus Millionen Kursen ermittelt, dass der Preis seit 20 Jahren gehäuft scharf fällt, bevor in London gefixt wird (siehe Chart). Zu erwarten wäre zudem, dass die Handelsvolumina an der Comex erst anziehen, wenn das Ergebnis vorliegt, der Goldpreis tatsächlich gefixt ist. Andrew Caminschi und Richard Heaney aber haben das Gegenteil festgestellt, „eine Anhäufung von Handelsgeschäften unmittelbar nach Beginn des Fixings“, so die Professoren der Universität Perth.

Insider wissen mehr

Die Goldpreisprognosen der ängstlichen Analysten
Goldbarren Quelle: dpa
Goldman SachsDer Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus. Stand: 22. November 2013 Quelle: REUTERS
Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1396 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1435 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um neun und für das kommende Jahr um zehn Prozent zurück. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
Morgan StanleyFür 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück. Stand 25. Juni 2013 Quelle: dapd
HSBCDie größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
RBC Capital   Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze) Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze) Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)   Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013. Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai Quelle: REUTERS
Danske Bank Quelle: PR

All das lässt darauf schließen, dass Informationen von den fünf Banken schon vor dem Fixing durchsickern. Caminschi und Heaney haben zwischen 2007 und 2012 untersucht, wie genau die Goldderivate die Richtung des Fixings vorhersagen. Zwischen 14.59 und 15.00 Uhr stimmte die Richtung nur in 50 Prozent der Fälle mit dem meist gegen 15.10 Uhr veröffentlichten Fixing überein. Ab 15.01 Uhr kletterte die Erfolgsrate auf fast 70 Prozent und binnen weiterer fünf Minuten auf 80 Prozent.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

„Händler, die in diesen Preisfestsetzungsprozess involviert sind, haben Wissen, das für einen kurzen Zeitraum über den Kenntnissen anderer Personen liegt“, sagt Thorsten Polleit, Ökonom des Goldhändlers Degussa.

Bis 2012 arbeitete er für die britische Barclays. Die ist seit 2004 beim Goldfixing dabei, nachdem sich das letzte Gründungsmitglied Rothschild zurückgezogen hatte. Die anderen vier Gründerbanken wurden von Großbanken übernommen oder verkauften ihre Sitze. Heute fixen neben Barclays HSBC, Bank of Nova Scotia, Société Générale und Deutsche Bank.

In Arbeit
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Dass sich alle Banker dabei an hohe ethische Standards halten, daran sind seit den Libor-Manipulationen Zweifel angebracht. Wall-Street-Legende Henry Kaufman, bis 1988 bei Salomon Brothers, sieht die Ursache darin, dass Investmentbanken von Personen- zu Aktiengesellschaften wurden. Gesellschafter sind nicht mehr in das Tagesgeschäft eingebunden. Kaufmann: „Salopp gesagt stand immer mehr oder weniger deren Haut auf dem Spiel – sie waren unbegrenzt haftbar.“

Angestellte Manager gehen größere Risiken ein und tricksen eher. Geht etwas schief, dann müssen sie gehen, aber oft mit goldenem Handschlag.

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