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Intelligent investieren

Die Jagd nach Dividende ist Unsinn

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Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?

Was passiert, wenn das Unternehmen eine Dividende zahlt? Die Dividende wird aus dem bereits versteuerten Gewinn gezahlt – und diese Steuer geht zu Lasten der Aktionäre. Auf Aktionärsebene fällt dann noch die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent an. Einschließlich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Steuerbelastung beim Aktionär von insgesamt 28 Prozent auf die erhaltene Dividende.

Hinzu kommt, dass die Dividende den Aktienkurs schmälert: Der Kassenbestand des Unternehmens nimmt in Höhe der Dividendenzahlung ab, in gleicher Höhe verringert sich das Eigenkapital. Der Aktienkurs fällt niedriger aus im Vergleich zu der Situation, in der das Unternehmen keine Dividende gezahlt, sondern den Betrag in das eigene Geschäft reinvestiert hätte.

Wenn der Aktionär mit seiner Dividende weitere Aktien seines Unternehmens an der Börse erwirbt, schneidet er schlechter ab als wenn das Unternehmen den Gewinn gleich einbehalten und reinvestiert hätte: Der Zins- und Zinseszinseffekt, den er mit seiner Investition erzielen kann, fällt aufgrund der Belastung durch Steuern vergleichsweise geringer aus.

Was aber, wenn der Anleger darauf bedacht ist, einen jährlichen Zahlungseingang zu verbuchen? Macht es dann aus seiner Sicht nicht doch Sinn, auf Unternehmen zu setzen, die eine möglichst hohe Dividende zahlen? Hinter dieser Überlegung verbirgt sich die Idee: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Dem Anleger ist die Dividende heute lieber als die Kurssteigerung morgen.
Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Unternehmen, das heute eine Dividende zahlt, künftig entsprechend weniger Dividenden auszahlen kann (als es könnte, wenn es gegenwärtig keine Dividende ausschüttet). Hinzu kommt, dass der Börsenkurs der Aktie fällt, wenn die Dividende gezahlt wird. Kurzum: Für den Aktionär ist es besser, wenn das Unternehmen den Gewinn einbehält, der Aktienkurs dadurch steiler steigt und er bei Liquiditätsbedarf Aktien verkauft.

Ein Unternehmen kann auch, um den Gewinn an die Aktionäre direkt weiterzureichen, eigene Aktien zurückkaufen. Dadurch nimmt die Anzahl der ausstehenden Aktien ab, der Gewinn pro ausstehende Aktie steigt. Für sich genommen wird dies den Aktienkurs erhöhen. Ob es sich für die Aktionäre rechnet, wenn das Unternehmen eigene Aktion zurückkauft, hängt davon ab, zu welchem Preis das Unternehmen die Aktien zurückkauft.

Werden die Aktien zu einem Kurs gekauft, der über ihrem intrinsischen Wert (das ist die Summe aller abdiskontierten künftigen Gewinne) liegt, so ist das eine schlechte Investition –eine, die eine geringe oder gar negative Rendite einspielt. Werden die Aktien hingegen zu einem Kurs gekauft, der unter ihrem intrinsischen Wert liegt, macht das Unternehmen ein gutes Geschäft, steigert seine Kapitalrendite.

Insgesamt lässt sich somit sagen: Erstens ist es entscheidend für den Investmenterfolg, in „großartige Unternehmen“ zu investieren. Sie aufzuspüren – und möglichst früh in ihrem Lebenszyklus in sie zu investieren – muss das Bestreben des Anlegers sein. Und selbst die großartigsten Unternehmen sollten auch nur dann gekauft werden, wenn sie nicht zu teuer sind.
Zweitens ist die Dividende, ob hoch oder niedrig, nicht die zentrale Größe für den Investmenterfolg. Im Gegenteil. Mit der Jagd nach Dividenden(rendite) begibt sich der Anleger auf eine falsche Fährte: Sie führt ihn nicht (oder nur zufällig) zu den Aktien, die ihm eine dauerhaft hohe Rendite bringen. Provokant – aber einprägsam – gesprochen: Die Jagd nach Dividende ist Unsinn.

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