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Intelligent investieren
Geldanlage: Zeit ist ein kritischer Faktor für Anleger Quelle: imago

Der Investor und der „Zeitfaktor“

Thorsten Polleit
Thorsten Polleit Chefvolkswirt der Degussa

Zeit ist ein kritischer Faktor für Anleger. Ein langer Anlagehorizont ist eine gute Basis, um Ihr Kapital zu mehren. Wie viel Zeit Sie für das Analysieren und Bewerten aufwenden, hängt aber vom Investitionsansatz ab.

Der Königsberger Philosoph Immanuel Kant (1724 – 1804) machte in seiner Kritik der reinen Vernunft (1781) eine bahnbrechende Aussage: Dass nämlich die Gegenstände, die wir erfahren, nicht so sind, wie wir sie erfahren. Vielmehr schreiben wir den Gegenständen der Erfahrung bestimmte Eigenschaften zu. Anders gesagt: Unsere Erfahrung richtet sich nicht nach den Gegenständen, vielmehr richten sich die Gegenstände nach der Beschaffenheit unseres Erkenntnisvermögens.

Wir nehmen zum Beispiel die Dinge in Raum und Zeit wahr, nicht weil Raum und Zeit Eigenschaften der Dinge selbst wären, sondern weil wir gar nicht anders können, als die Dinge in Raum und Zeit zu erfahren. Raum und Zeit sind, so Kant, „reine Anschauungsformen“. Kants „transzendentale Idealität von Raum und Zeit“ ist unter den Philosophen nicht unwidersprochen. Aber für den umsichtigen Investor klingt es doch zunächst „weltzugewandt“, dass der Faktor Zeit bei all unseren Erfahrungen am Werke sein soll.

Recht so. Denn dieser Eindruck erweist ist bei näherer Überlegung als hieb und stichfest. Als handelnde Wesen können wir uns nicht widerspruchsfrei vorstellen, dass es so etwas wie Zeitlosigkeit gibt. Zeit ist immer im Spiel, wenn menschliches Handeln stattfindet. Sie ist ein unverzichtbares Mittel, um Handlungsziele zu erreichen. Für den Investor heißt das: Gleichgültig, ob man in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert, ob man eine aktiv oder passive Investitionsstrategie verfolgt, der Faktor Zeit lässt sich nicht ausblenden.

Investmenterfolg in Abhängigkeit von Investitionshorizont und Jahresrendite in Prozent. Quelle: Privat

Beispielsweise bei der Festlegung des Investitionshorizontes. Herr A legt heute 10.000 Euro für 40 Jahre zu, sagen wir, zehn Prozent pro Jahr an. Am Ende wird er 452.593 Euro haben – dank des Zins- und Zinseszinseffektes, der über die Zeit wirkt. Herr B fängt hingegen spät mit dem investieren an und kann nur noch 20 Jahre anlegen. Er bringt es bei gleicher Rendite daher nur auf 67.275 Euro. Will Herr B auf die gleiche Endsumme von Herrn A kommen, müsste er schon ein Investment finden, das 21 Prozent pro Jahr abwirft.

Langer Investitionshorizont ist vorteilhaft

Je länger der Investitionshorizont ist, desto entspannter kann der Investor sein: Eine jährliche Rendite von zehn Prozent über 40 Jahre zu erzielen, ist weitaus weniger aufwendig und nervenaufreibend als eine jährliche „Überrendite“ von 21 Prozent für 20 Jahre. Fehlentscheidungen, vor denen man ja als Investor nie gefeit ist, schlagen weniger stark auf den Investmenterfolg durch, je länger der Investitionshorizont ist; und je länger der Investmenthorizont, desto größer auch die Chance, Fehler wieder wettmachen zu können.

Mit dem Investieren sollte man also möglichst früh anfangen. Wer für sich, seine Familie, für die eigenen Kinder oder Patenkinder vorzusorgen hat, sollte keine Zeit verlieren – sondern die Zeit für den Investitionserfolg arbeiten lassen. Und wer als Investor in langen Zeiträumen denkt – von mehr als fünf, zehn oder 20 Jahren –, der hat gute Gründe, auf Unternehmensbeteiligungen, nicht auf Anleihen zu setzen. Zum einen, weil heute die Zinsen weltweit zu niedrig sind, als man mit einem akzeptablen Investitionsergebnis rechnen kann.

Zum anderen ist die Leitung der Unternehmen Ursache und Quelle des volkswirtschaftlichen Wohlstandes. Unternehmen schaffen langfristig Wert, sind in der Lage, ihren Wert im Zeitablauf zu steigern. Wer in Aktien investieren will, muss eine zentrale Entscheidung treffen: Wer meint, nicht besser abschneiden zu können als der Gesamtaktienmarkt, der investiert passiv in einen breit diversifizierten Aktienmarkindex. Wer hingegen meint, er könne den Markt „outperformen“, setzt auf eine aktive Einzeltitelauswahl.

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