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Intelligent investieren

So schlagen Sie Verlustängsten ein Schnippchen

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Keine Angst vor einer Kurskorrektur

Anders verhält es sich im zweiten Fall. Hier stellt sich heraus, dass das Management der Unternehmung nicht so gut ist, wie Sie ursprünglich gedacht haben. Ihnen ist also ein Schätzfehler unterlaufen. Sie müssen erkennen, dass der Wert des Unternehmens nicht 100 ist, sondern nur, sagen wir, 50 Euro. Ihr Buchverlust beträgt folglich 20 Euro (50 minus 70 Euro). Wie sollen Sie jetzt mit dieser Situation umgehen? Vielleicht doch warten, bis die Aktie wieder ihren Kaufpreis erreicht hat und dann verkaufen?

Die Empfehlung ist hier recht klar: aussteigen. Sie haben zu viel bezahlt. Die Investition beschert ihnen einen dauerhaften Kapitalverlust. Damit wird deutlich: Die Auswahl und Bewertung der Aktien ist zentral für Ihren Investitionserfolg. Hier legen Sie fest, welche Rendite Sie auf Ihr Kapital in den kommenden Jahren erzielen. Und wenn Sie das verinnerlicht haben, dann wissen Sie auch genau, welchen Entwicklungen Sie fortan sinnvollerweise Aufmerksamkeit und Energie schenken müssen und welchen nicht.

Das Auf und Ab der Börsenkurse ist für den umsichtigen Investor nur insofern wichtig, als es ihn günstige Gelegenheiten finden lässt: Wenn die Kurse für Unternehmensaktien deutlich unterhalb ihres Wertes handeln – dann sind sie für das Investieren prinzipiell attraktiv. Von allergrößter Bedeutung ist aber die Wertbestimmung, die eingehende Unternehmensanalyse mit dem Ziel, den Aktienwert (innerhalb einer gewissen Bandbreite) hinreichend verlässlich abschätzen zu können.

Finger weg vom Markt-Timing

Viele Investoren stehen jedoch im Bann der Aktienkursschwankungen. Und sie haben Angst vor einer Kurskorrektur. Sie wollen ihre Aktien verkaufen, bevor die Kurse einknicken, und Aktien erst wieder kaufen, wenn die Kurse auf dem Tiefpunkt sind. Das Problem: Man weiß nicht, ob und wann Börsenkurse fallen. Wenn die Kurse gefallen sind, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, ob sie ihren Boden schon gefunden haben. Die meisten Anleger verkaufen zu früh und steigen zu spät wieder ein – und das schmälert ihre Investitionsrendite.

„Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen“
1. Gehen Sie bewusst Risiken ein, um kontinuierliche Vermögensverluste zu vermeiden Quelle: dpa
Widerstehen Sie kurzfristigen Gewinnmitnahmen Quelle: dpa
Begrenzen Sie Ihre Verluste Quelle: dpa
4. Vergessen Sie den Einstandskurs Quelle: dpa
Vermeiden Sie es, auf vermeintlich attraktive Modethemen aufzuspringen Quelle: dpa
6. Lassen Sie sich nicht von schlechter Stimmung anstecken Quelle: dpa
Investieren Sie niemals in todsichere Tipps Quelle: obs

Erfolgreiche Investoren haben an dieser Stelle einen Rat parat: Sie empfehlen, ausschließlich in „großartige Unternehmen“ zu investieren. In solche also, die über lange Zeit überdurchschnittlich hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen und den Gewinn pro Aktie merklich steigern können. Das gelingt nicht allen. Großartigen Unternehmen aber schon, weil sie über „Markteintrittsbarrieren“ verfügen: Sie können etwas, was andere nicht oder nicht so ohne weiteres nachahmen können.

US-Investor Philip A. Fisher (1907 – 2004) weist darauf hin, dass es im Grunde kaum eine Situation gibt, in der es sich empfiehlt, großartige Unternehmen, die man gut ausgewählt hat und deren Wert man kennt, zu verkaufen. Wenn die Börsenkurse in der Baisse purzeln, sei der umsichtige Investor vielmehr gut beraten, an ihnen festzuhalten, sie nicht zu verkaufen. Großartige Unternehmen überstehen auch schwierige Wirtschaftsphasen, ihr Aktienkursrückgang ist nur vorübergehend.

Auch in Kurs-Übertreibungsphasen, wenn die Börsenkurse der Aktie stark steigen und teuer werden, sollte der umsichtige Investor an seinen großartigen Unternehmen festhalten und kein Markt-Timing betreiben. Denn er sieht sich hier schließlich den gleichen Problemen gegenüber wie in der Börsen-Baisse: Man weiß nicht, wo der beste Verkaufskurs liegt, und man weiß nicht, wie tief die Kurse noch fallen werden, so dass man – wenn man nicht ad hoc aus dem Bauch reagieren will – auch nicht weiß, wann man wieder einsteigen soll.

Nicht zuletzt spricht die Besteuerung gegen eine „Rein-Raus“-Strategie. Sie ist mit erheblichen Kosten verbunden und schmälert die Investitionsrendite. Allerdings gilt auch hier: Sollten Sie tatsächlich einmal die Erfolgspotenziale eines Unternehmens falsch, das heißt zu optimistisch eingeschätzt haben, ist es trotz Besteuerung der zwischenzeitlich aufgelaufenen Kursgewinne meist doch lohnend, auszusteigen und in Unternehmensaktien zu investieren, die tatsächlich großartig sind. (Siehe hierzu das angehängte Beispiel.)

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