Invest 2018 „Bitcoin ist nicht die Währung der Zukunft“

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Die Herausforderungen der Emittenten

Sowohl die technologische Infrastruktur der Blockchains als auch die Handelbarkeit diverser Kryptowährungen stellen große Herausforderungen für Emittenten dar. „Wer an der Börse ein Zertifikat von uns kauft oder verkauft, erwartet eine unmittelbare Ausführung und einen liquiden Handel, wie er es von Zertifikaten und Hebelprodukten seit vielen Jahren gewohnt ist“, sagt Geiger. Doch weil der Handel mit den Kryptowährungen diese Anforderungen nicht immer erfüllt, lassen sich nicht gleich neue Anlageprodukte schaffen – auch wenn die Nachfrage seitens der Anleger besteht.

Yassin Hankir sucht deshalb nach einer Alternative. Er hat das Start-up Savedroid gegründet, eine Sparapp, die junge Leute animieren soll, in Kleinstbeträgen zu sparen. Etwa dann, wenn sie an einem Tag besonders oft das Handy in die Hand nehmen. Die Savedroid-App legt dann für jede Entsperrung einen beliebig wählbaren Betrag auf ihr Sparkonto zurück. Oder auch dann, wenn Sparer eine besonders gute Zeit auf ihrer Joggingstrecke geschafft haben. Jeder Sparer kann solche individuellen Sparziele definieren.

Und Hankir möchte, dass sie künftig nicht nur in Euro sparen, sondern auch in Kryptowährungen. Ab Herbst soll das möglich sein, so der Plan von Gründer Hankir und seinem Team. Dafür legt Savedroid Sparern in der App eigene digitale Geldbörsen an, sogenannte Wallets, auf die ihre Kleinstbeträge von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen gutgeschrieben werden. Um diese Erweiterung seiner App zu finanzieren hat Hankir mit Savedroid bereits ein ICO gewagt, bei dem Anleger für schätzungsweise 40 Millionen Euro in die Tokens investierten. Mit diesen Tokens können sie künftig in der App die Gebühren für ihre Krypto-Sparpläne zahlen. Denn die Abwicklung von Kryptowährungen ist aufwendig, und Savedroid wird dafür eine Gebühr berechnen.

Ob bei Savedroid oder anderen Start-ups weltweit, nie war es für Anleger einfacher, sich an jungen Unternehmen zu beteiligen. Trotz allem Erfolg der ICOs: Immer wieder nutzen Betrüger diese bislang unregulierte Finanzierungsform aus und verschwinden nach einem ICO mit den Geldern der Anleger. Das aktuellste Beispiel: Die Betreiber einer Firma in Vietnam sollen mit 660 Millionen Dollar verschwunden sein, die sie über die Finanzierungsrunden von den Start-ups iFan und Pincoin eingesammelt hatten, berichtet die Zeitung Nikkei Asian Review.
Gründer Hankir warnt: „Wer Geld bei einem ICO anlegt muss wissen, dass es eine hochspekulative Anlage ist. Viele investieren zu blauäugig, ohne sich die Unternehmen und Gründer genau anzuschauen, denen sie ihr Geld anvertrauen“, sagt er auf der Invest in Stuttgart. Und: „Man sollte nicht investieren, wenn man das Konzept eines Start-ups nicht nachvollziehen kann. Viele der Gründer gehören zu den weltweit führenden Köpfen in der Entwicklung von Blockchains und Kryptografie. Nur wer diese Technologie versteht, sollte investieren.“

Und schließlich ist die Anlage in Kryptowährungen auch deshalb besonders riskant, weil niemand weiß, welche Kryptowährung sich als eine Art Leitwährung künftig durchsetzen wird. Bitcoin und auch seine Konkurrenten kämpfen weiterhin mit Kinderkrankheiten und technischen Problemen. Noch gilt der Bitcoin als Nummer Eins auf dem Kryptomarkt. Aber: „Der Bitcoin ist vermutlich nicht die Kryptowährung, die sich in Zukunft durchsetzen wird“, schätzt Hankir. „Vermutlich auch keine der anderen heute verfügbaren Kryptowährungen.“ Viele sind schlicht noch zu langsam und zu teuer in der Abwicklung.

Doch Hankir und die Experten Hakert von Winheller und Geiger von Vontobel sind sich in dem Punkt einig, dass die Blockchain Grundlage für weitere, weltweit führende Innovationen im Finanzmarkt sein wird. „Die Situation ist vergleichbar mit dem Internet in den 1990ern: Es war für Nutzer langsam und unbequem, so wie heute die Kryptowährungen. Aber das wird sich in den kommenden Jahren ändern“, sagt Hankir. Die Anlageklasse beginnt gerade erst, sich wirklich zu entwickeln.

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