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Invest Stuttgart Sie sind die größte Gefahr für Ihr Geld!

Es ist nicht schwer, selber vielversprechend anzulegen. Wie es geht und warum die meisten Privatanleger in der Praxis verheerend scheitern, war Thema auf dem WirtschaftsWoche-Podium der Anlegermesse Invest.

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Invest 2017: Geldanlage in Eigenregie. Quelle: Andy Ridder für WirtschaftsWoche

Kathrin Eichler ist Vermögensverwalterin. Seit 2009 führt sie ihre eigene Gesellschaft, die Eichler & Mehlert Finanzdienstleistungen in Düsseldorf. Früher hat sie bei der Privatbank M.M. Warburg in der Kölner Niederlassung vermögende Privatkunden betreut, später das Private Banking in Hamburg geleitet. Sie weiß, wie reiche und weniger reiche Privatanleger ihr Geld anlegen. Und ihre Meinung ist klar: Auf eigene Faust anlegen, das geht schief.

Das sind die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler Quelle: REUTERS
Mangelnde Streuung Quelle: REUTERS
Fehler 1: Mangelnde Streuung Quelle: AP
Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel Quelle: dpa
Fehler 2: Aktien-Picken - Befund Quelle: dpa
Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen Quelle: dpa
Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel Quelle: dpa

Eichler ist keine, die das nur aus Geschäftsinteresse sagt. Sie hat so ihre Erfahrungen gemacht. "Wer nicht ständig den Puls des Marktes fühlt, der hat kaum eine Chance, auf Dauer erfolgreich zu handeln", sagt Eichler mit Blick auf das immer schneller Geschehen an den Finanzmärkten. "Privatanleger sind mit dieser Herausforderung in der Regel überfordert." Sie hätten ihre Emotionen nicht im Griff, würden komplexe Strategien, etwa Alternativen zu Niedrigzinsen, nicht wirklich durchschauen.

Überforderte und überaktive Anleger

Wissenschaftler, die Geldanlage und deren konkrete Umsetzung und Erfolge in der Praxis untersuchen, haben eigentlich wenig für die meisten Produkte der Finanzindustrie und deren Verkäufer übrig. Vor allem deren hohe Kosten sind ihnen oft ein Dorn im Auge. Doch die Geldanlage auf eigene Faust sehen sie nicht als lohnende Alternative. Für die meisten sei die Geldanlage in Eigenregie eher eine Schnapsidee, sagt Sebastian Müller, Professor an der German Graduate School of Management and Law in Heilbronn. Anleger würden in der Praxis zu viel handeln, nicht ausreichend breit streuen und sich selbst völlig überschätzen. Sie versuchten, mit geschicktem Timing und der Auswahl aussichtsreicher Aktien den Markt zu schlagen. Und scheiterten damit meist.

Die Folgen sind verheerend. Die Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer haben jüngst für die Zeitschrift Finanztest die Transaktionen auf 40.000 Depots von Direktbankenkunden im Zeitraum 2005 bis 2015 untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie groß der Schaden durch diese Fehler ist: Eigentlich hätten die Anleger fast neun Prozent Rendite pro Jahr erreichen können, da sie durchschnittlich etwa 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Anleihen im Depot hatten. Dafür hätten sie einfach nur zwei breite, also weltweit anlegende, Indizes auf Aktien und Anleihen kaufen müssen.

Dank kostengünstiger Indexfonds ist das ein Kinderspiel. "Der Dax ist kein guter Index als Basis für einen Indexfonds, weil er zu klein und merkwürdig verzerrt ist. Ein weltweiter Index wie der MSCI World eignet sich da schon sehr viel besser als Aktienbaustein bei der Geldanlage", sagt Honorarberater Frerk Frommholz.

Clever gestreut und gut gemischt

Tatsächlich legten die Anleger aber einen Schwerpunkt auf deutsche Aktien, sprangen oft hin und her, was auch die Handelskosten in die Höhe trieb. Unterm Strich holten die Anleger daher nur gut drei Prozent Rendite heraus, trotz aller Zockerei. "Ich lasse Kunden, die etwas zocken wollen, nebenher mit einem kleinen Vermögensanteil ein Depot mit Spielgeld führen", berichtet Frerk Frommholz, Honorar-Finanzberater aus dem norddeutschen Jevenstedt. Er trete dann selbst mit einem Depot als Konkurrent an - und läge am Ende meist vorn.

Viele Anleger unterschätzten die Bedeutung von Anleihen. "Mit Anleihen lässt sich auch heute noch gutes Geld verdienen", meint Vermögensverwalterin Kathrin Eichler aus Düsseldorf. Sie findet zum Beispiel einige Nachranganleihen interessant. "Die werden Sie vom Bankberater aber nicht bekommen. Das ist denen zu riskant."

Dabei kann die Geldanlage in Eigenregie eigentlich gut gelingen. Die Voraussetzungen sind besser als früher: Über kostengünstige Indexfonds können Anleger ihr Vermögen heute problemlos weltweit auf Aktien und Anleihen verteilen. Und die Profis sind Privatanlegern mitnichten immer überlegen. Auch Fondsmanager machen oft die gleichen Fehler, überschätzen sich und können, zumindest auf Dauer, ihre Vergleichsindizes nicht schlagen.

"Anleger sollten ihre Rendite mal mit der eines breiten Index vergleichen. Das würde vielen, die auf eigene Faust Einzelaktien kaufen, die Augen öffnen", sagt Müller. Er hat mit dem Arero-Fonds einen kostengünstigen Fonds mitentwickelt, der weltweit in Aktien, Anleihen und Rohstoffe investiert. Dabei werden einzelne Regionen mit ihrem Anteil an der Weltwirtschaftsleistung gewichtet.

Strategie ist gefragt

Hilfreich für die selbstgemachte Geldanlage ist eine klare Strategie. Die gilt es durchzuhalten, möglichst unbeeinflusst von Emotionen. Damit das klappt, sollten Anleger sich erst einmal klar machen, was sie wollen: Wie lang können sie das angelegte Geld erübrigen? Wie viel Verlust können sie ertragen? Der beste Plan nützt nichts, wenn er bei den ersten Börsenturbulenzen wieder über den Haufen geworfen wird. Strategien, die Risiken gezielt senken, sind daher hilfreich. Sie sind nervenschonend. Und weil sie Verluste möglichst begrenzen, halten Anleger länger durch.

Einstieg mit Sparraten schützt nicht vor Verlusten

Selbst mit reinen Aktieninvestments ist das möglich, wenn Anleger Zeit mitbringen, etwa bei der Altersvorsorge. Steigen sie dann nicht auf einen Schlag in den Markt ein und später wieder auf einen Schlag aus, ist schon viel gewonnen. Denn dabei wären die Anleger einem doppeltem Risiko ausgesetzt: Teuer zu kaufen. Und später billig verkaufen zu müssen. Denn allein der Einstieg mit regelmäßigen Sparraten schützt noch nicht vor Verlusten.

Das zeigt der Rückblick auf monatliche Sparpläne über 15 Jahre, mit denen Anleger kaufkraftbereinigt stets gleich hohe Raten in ein Dax-Investment, zum Beispiel über Indexfonds, eingezahlt hätten. Hätten sie damit im März 1988 oder April 1994 begonnen, hätten sie nach 15 Jahren keine oder sogar eine leicht negative Rendite erzielt. Klar, das waren die unglücklichen Ausnahmefälle. Aber sie kamen vor.

Sparpläne - besser in Raten aussteigen

Ratensparpläne senken nur das Risiko, teuer zu kaufen - weil der Einstieg verteilt über die ganze Spardauer erfolgt. Doch das Risiko, billig verkaufen zu müssen, bleibt. So war es auch hier: In beiden Fällen hätte der Ausstiegszeitpunkt die Rechnung vermiest. Im Frühjahr 2003  - also 15 Jahre nach März 1988  - fanden die Börsen nach dem Platzen der New-Economy-Blase ihren Boden. Im Frühjahr 2009  - 15 Jahre nach 1994  - erreichte die Finanzkrise ihren Höhepunkt und die Aktienkurse ihr Tief.

Gold aus Sternenstaub und Diamanten aus Seife
Gold gehört zu den begehrtesten, weil edlen und raren Elementen. Die Gründe dafür liegen im Kosmos, denn dort entsteht das Edelmetall. Allerdings nicht wie etwa Kohlenstoff oder Eisen in normalen Sternen durch Kernfusion, sondern nur durch extrem energiereichere Vorgänge, etwa die Kollision zweier Neutronensterne. Quelle: dpa
Bei diesen Fusionen verschmilzt neutronenreiches Material der Auswurfmasse, anschließend zerfallen die daraus hervorgegangenen Elemente wieder zu stabilen Kernen wie eben Gold. Bei einem solchen Ereignis, das Astronomen vor einigen Jahren beobachteten, entstand eine Menge Gold, die schätzungsweise zehnmal der Masse unseres Mondes entspricht. Quelle: dpa
Die Weltproduktion an Diamanten reicht längst nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken: 80 bis 90 Prozent aller Diamanten werden daher mittlerweile künstlich erzeugt. Sie kommen meist in der Industrie zum Einsatz, Schmuck macht den kleinsten Teil aus. Die 20 Tonnen Naturmaterial stammen vor allem aus zwei Quellen: Zum einen aus den klassischen Minen, bei denen sogenannte Kimberlit-Schlote nahezu senkrecht in die Erde ausgebeutet werden – der Stein trägt die begehrten Diamanten. Quelle: dpa
Die andere Quelle sind sogenannte Diamantseifen, die trotz ihres Namens nichts mit waschaktiven Substanzen zu tun haben. Vielmehr handelt es sich hier um eine besondere Form der Mineralanreicherung. Verwittert der Kimberlit, bleiben die Diamanten als extrem robuste Materialien übrig. An einigen Küsten wie in Namibia passiert dies auch in Strandnähe. Wenn ankommende Wellen Material auf den Strand verfrachten, nimmt das zurückströmende Wasser die leichteren Körner wieder mit, während die harten Brocken, eben die Diamanten, im Sand oder Kies zurückbleiben und sich dort zu Diamantseife anreichern. „Seife“ stammt übrigens aus dem geologischen Sprachgebrauch und bezeichnet jede Art sekundärer Mineralanreicherung in Sedimenten. Quelle: Lempertz, Köln
Ein altes Flussbett bei Ratnapura, südöstlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, ist das Eldorado für Edelsteinsucher. Seit 2000 Jahren schätzen Glückssucher die Region wegen ihrer relativ leicht zugänglichen Vorkommen an Saphiren, Rubinen und Granaten. Ursprünglich stammen sie aus dem angrenzenden Hochland, wo ihr Ausgangsgestein erodiert und von Niederschlägen in die Flussläufe gespült wurde. Dort lagerten sich die edlen Steine ab und wurden von jüngeren Sedimenten überdeckt. (Foto: dpa)
2016 wurde hier einer der bislang größten Saphire der Welt ausgegraben und der Öffentlichkeit vorgestellt: Er wiegt 1404 Karat und ist schätzungsweise 90 Millionen Euro wert. Bei dem hier abgebildeten Stein handelt es sich um ein anderes Exemplar, das bei einer Versteigerung im Jahr 2008 „nur“ knapp drei Millionen Euro erbrachte. (Foto: dpa)
Bislang besteht die wirtschaftliche Bedeutung des bolivianischen Salar de Uyuni in seinem touristischen Wert. Der riesige Salzsee im Altiplano der Anden lockt jedes Jahr zehntausende Touristen an, die die bizarre Salzpfanne bewundern. Doch der Salar besitzt noch einen weiteren Schatz, und der weckt industrielle Begehrlichkeiten: Er umfasst das weltweit vielleicht größte Vorkommen an Lithium – einem Metall, das etwa für Akkumulatoren von Elektroautos oder Smartphones gebraucht wird. Quelle: dpa

Wer stattdessen auch wieder in Raten aus Aktien aussteigt, der fährt besser. So hätte die Kombination aus einem 15-jährigen Ratensparplan und einem 25-jährigen Entnahmeplan, in Summe also eine Anlagestrategie über 40 Jahre, seit Anfang 1960 stets hohe Renditen gebracht. Erneut gehen wir von kaufkraftbereinigt gleich hohen Ein- und Auszahlungen im Verlauf der Zeit aus und investieren stets zu 100 Prozent in den Dax (samt Dividenden). Die Rendite der jeden Monat neu gestarteten Spar- und Entnahmepläne lag zwischen 5,7 und 9,9 Prozent pro Jahr. Im Schnitt über alle bereits beendeten Spar- und Entnahmepläne bei 8,6 Prozent. Der große Vorteil hier: Renditen unter 5,7 Prozent kamen nicht vor.

Gold senkt das Risiko

Über den Dax hätten Anleger wenigstens 30 verschiedene Aktien kombiniert, allerdings nur Aktien aus Deutschland. Auch wenn deutsche Unternehmen international vernetzt sind und damit natürlich auch stark vom Welthandel insgesamt profitieren, ist eine breitere Streuung durchaus sinnvoll. Die sollte sich nicht nur auf einen Mix an Ländern beschränken. Um auch Börsenschwankungen abfedern zu können, sollten Anleger neben Aktien auch andere Anlageklassen kaufen. So entwickelt sich der Goldpreis zum Beispiel häufig genau gegenläufig zum Aktienmarkt. Das können Anleger ausnutzen. Indem sie sich auch etwas Gold ins Portfolio legen, senken sie ihr Risiko.

Eine gut austarierte Mischung bietet zum Beispiel das von der WirtschaftsWoche mehrfach vorgestellte Mischdepot aus je 30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold und 15 Prozent Tagesgeld. Für den Aktienanteil eignen sich zum Beispiel Indexfonds auf den MSCI World-Index (wie ISIN LU0392494562), auf Euro-Unternehmensanleihen (wie IE0032523478), physisches Gold in Barren oder Münzen (alternativ Xetra Gold, DE000A0S9GB0) und Tagesgeld mit deutscher Einlagensicherung (derzeit zum Beispiel bei der Consorsbank, für Neukunden zu 0,8 Prozent Zins für sechs Monate).

Jedes Jahr werden die Depotanteile wieder auf das Ausgangsniveau gebracht (Rebalancing). So schützen Anleger sich selbst vor psychologischen Fallen: Angst, wenn eine Anlageklasse sich sehr schwach entwickelt. Oder Gier, wenn diese im Gegenteil extrem stark steigt. Schwach gelaufene Anlageklassen werden wieder aufgestockt, sodass eine folgende Kurserholung sich auszahlt. Stark gestiegene Anlageklassen werden wieder reduziert, sodass eine mögliche Trendwende den aufgelaufenen Gewinn nicht aufzehrt.

Im Rückblick hat sich das Konzept bewährt. Egal in welchem Jahr seit 2000 Anleger damit gestartet hätten: Sie wären bis jetzt auf Renditen zwischen 5,4 (bei Start im Jahr 2000) und 9,1 Prozent (bei einem Start 2016) pro Jahr gekommen. Im laufenden Jahr 2017 liegt das Mischdepot aktuell schon 3,5 Prozent vorn. Selbst auf Jahressicht hat das Mischdepot gut abgeschnitten. Einzig in den Jahren 2002 und 2008 haben Anleger mit ihm nennenswerte Verluste erlitten, von 5,5 beziehungsweise 8,5 Prozent. Aber auch das war kein Vergleich zu den Aktienmärkten, die in beiden Jahren über 30 Prozent verloren haben (MSCI World). Und die Verluste beim Mischdepot waren schon im Folgejahr wieder aufgeholt.

Zwar können die Erfolge der Vergangenheit nicht einfach in der Zukunft fortgeschritten werden, doch mit einem guten Plan sind die Startbedingungen für die erfolgreiche Anlage auf eigene Faust durchaus gut. 

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