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IWF-Bericht Die Finanzmarkt-Bombe tickt noch

Es müssten noch mehr faule Kredite bereinigt und Banken geschlossen werden: Der Internationale Währungsfonds hat in seinem Finanzstabilitätsbericht vor alten sowie neuen Gefahren gewarnt und weiter radikale Aufräumarbeiten gefordert.

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, zeigt sich entschlossen, das weltweite Sicherheitsnetz zu verstärken Quelle: dapd

Die akute Eurokrise ist vorerst entschärft, aber die Bedrohung für das Finanzsystem ist nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch nicht überwunden. Der Krisenhelfer fordert, bei den Aufräumarbeiten im Bankenwesen nicht nachzulassen. Neues Ungemach droht auch aus den Schwellenländern.
Das europäische Finanzsystem ist nach Einschätzung des IIWF trotz aller Fortschritte noch zu anfällig. „Ein Anziehen des Wachstums hat die Aussichten verbessert, doch eine hohe Verschuldung, eine niedrige Inflation und finanzielle Ungleichgewichte sind weiterhin aktuelle Risiken“, heißt es in dem Bericht zur Finanzstabilität, den die Organisation am Mittwoch in Washington vorlegte.

Mehr Warnungen als Ermutigungen

Insgesamt falle das Urteil zwar nicht negativ aus: „In der Eurozone haben die Banken ihre Kapitaldecke gestärkt“, schreibt der IWF. Auch die Unternehmen seien insgesamt wieder finanzstärker. Aber es gebe weiterhin schwierige Herausforderungen. So hapere es etwa in den schwächeren Euroländern immer noch an einer Kreditvergabe, die der Konjunktur wichtige Schübe verpassen könne.

Wo Anleger auf der Hut sein sollten
Mit der Krisenampel frühzeitig gewappnet sein Die Krisenampel ist ein Frühwarnsystem, um negative Auswirkungen auf die Kapitalanlage zu prognostizieren. Entwickelt wurde das Warnsystem von der Quirin Bank und dem Analysehaus Future Value Group. Rot signalisiert dabei eine akute Krise, grün hingegen steht für eine aktuell entspannte Situation. Gelb zeigt eine möglicheerweise drohende Krise an und sollte als Alarm verstanden werden. Quelle: Handelsblatt Online
Negative RealzinsenDie Zentralbanken halten durch Ihre zwar rückläufigen aber nach wie vor erheblichen Interventionen das Zinsumfeld weiter künstlich niedrig. Gegenüber ihren zwischenzeitlichen Höchstständen zum Jahreswechsel 2013 / 2014 haben sich so die Renditen für Staatsanleihen tendenziell wieder reduziert (so liegt die Rendite z. B. zehnjähriger deutscher Staatsanleihen aktuell nur noch bei 1,66 %, die des US-Pendants weiter deutlich höher aber ebenfalls rückläufig bei 2,74 %). Die Gefahr eines plötzlich stark steigenden Realzinses (also der nominalen Zinsen nach Abzug der Inflation) ergibt sich somit auch weiterhin nicht. Auch die Inflationsraten haben sich stabilisiert (im Februar lag die Inflation in Deutschland fast unverändert bei 1,2 %), so dass auch von dieser Seite kein sprunghafter Anstieg des Realzinsniveaus droht. Ampel: Grün, seit 31.05.2013 Quelle: dpa
WährungskriseDer Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar bleibt weiter überaus fest. Aktuell überschreitet er mit einer Notierung von gut 1,3840 selbst die zwischenzeitlichen Höchststände vom Jahreswechsel. Trotz der nach wie vor ungelösten Euro-Problematik scheint der Kurs der Gemeinschaftswährung nach wie vor deutlich von den Beruhigungstendenzen im gemeinsamen Währungsraum zu profitieren. Selbst Kapitalmarktturbulenzen, wie sie im Februar in Bezug auf die Schwellenländer auftraten, die üblicherweise mit einer US-Dollar-Stärke einhergehen, konnten bislang an dieser trendmäßigen Entwicklung wenig ändern. Ampel: Grün, seit 31.05.2013 Quelle: dpa
StaatsschuldenkriseEin weiteres Mal hat die Wirtschaftspolitik in den USA die sicherlich schmerzhafte Diskussion um eine Absenkung der enormen Staatsverschuldung umgangen und die Schuldenobergrenze für den Bundeshaushalt erneut erhöht. Die in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geführte Diskussion um Sparmaßnahmen und Ausgabenkürzungen wird so mindestens bis ins nächste Frühjahr verschoben. Der Stand der US-amerikanischen Staatsverschuldung lag im letzten Jahr den Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) gemäß bei fast 106 % gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP). Für die Euro-Zone insgesamt betrug diese Quote im gleichen Zeitraum knapp 96 %. Ampel: Gelb, seit 31.05.2013 Quelle: dpa
BankenkriseAufgrund der vielfältigen sonstigen wirtschaftspolitischen und auch außenpolitischen Themen – etwa in der Ukraine – richtet sich derzeit kaum Aufmerksamkeit auf den bevorstehenden Banken-Stresstest in Europa. Die EZB beteuert kontinuierlich, in jedem Fall stützend in den europäischen Bankensektor eingreifen zu können. Dies unterstreicht auch, dass die EZB mögliche Verwerfungen nach schlechten Ergebnissen befürchtet. Eine Entwarnung kann deshalb noch nicht gegeben werden. Die Bond-Spread-Indikatoren als Basis für die Krisenampel-Schaltung verharren derzeit weiter im „gelben“ Bereich. Ampel: Gelb, seit 31.05.2013 Quelle: dpa
Versorgungs- und RohstoffpreiseTrotz der fortwährenden Verschärfung der Krim-Krise und ihrer möglichen Implikationen für die Versorgung großer Teile Europas mit Energierohstoffen (s. dazu auch unter „Transport- und Handelskrise“), zeigen sich die entsprechenden Preise an den Spot-Märkten derzeit weitgehend unbeeindruckt. So notierte Rohöl der europäischen Sorte Brent zuletzt mit knapp 108 US-Dollar je Barrel noch deutlich unter den Ständen zum Jahreswechsel (die US-Sorte WTI hat sich hingegen – vermutlich wegen teils enttäuschter Hoffnungen auf die Preiseffekte des sogenannten „Fracking“ – auf zwischenzeitlich fast 105 US-Dollar verteuert). Ampel: Grün, seit 20.12.2013 Quelle: dpa-dpaweb
Verbraucherpreis-InflationDie Nominal- und Reallohnentwicklung in Deutschland ist weiter unterdurchschnittlich. So teilte das Statistische Bundesamt Ende Februar mit, dass die Nominallöhne im Jahr 2013 durchschnittlich um lediglich 1,3 % gestiegen sind. Angesichts einer jahresdurchschnittlichen Inflationsrate von 1,5 % in 2013 sind damit die Reallöhne in Deutschland im Jahr 2013 erstmals seit 2009 wieder gefallen. Eine Nachfrageinflationskrise zeichnet sich daher momentan immer weniger ab. Ampel: Grün, seit 31.05.2013 Quelle: dpa

Obwohl die Märkte den krisengeschüttelten Banken in der Eurozone wieder mehr vertrauten, seien die Bilanzen der Institute in Wirklichkeit noch nicht ausreichend von faulen Krediten befreit worden. Die Politik müsse daher weiter rigoros die Gesundheit des Finanzsystems überprüfen. Darauf aufbauend müssten Bilanzen bereinigt und Banken geschlossen werden, die nicht mehr zu retten seien.

Ein stärkeres europäisches Bankensystem würde das bereits zunehmende Vertrauen in die Finanzmärkte weiter stärken, erklärt der internationale Krisenhelfer. Das könnte auch den nötigen Ausbau der Unternehmensfinanzierung auf anderen Kanälen beflügeln. Es sei weiterhin in vielen Ländern notwendig, den überschuldeten Unternehmenssektor auf gesunde Füße zu stellen.

Weltweit betrachtet sei die Finanzstabilität in den entwickelten Volkswirtschaften „deutlich gestärkt“ worden, meint der IWF. Kreditrisiken seien insgesamt klar zurückgegangen. Allerdings seien die Staatsschulden vielerorts weiter zu hoch - teilweise seien sie sogar zuletzt wieder gestiegen.

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Neue Gefahren aus den Schwellenländern

Zudem würde der Übergang zu einer strengeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed neue Herausforderungen mit sich bringen. Ein verknapptes Geldangebot könnte die Schwäche einiger Schwellen- und Entwicklungsländer offenlegen, zu sehr von ausländischen Kapitalgebern abhängig zu sein. Resultierende Finanzschwierigkeiten könnten zu den großen Volkswirtschaften zurückschwappen und ihnen neue Probleme bereiten. Das hätten bereits die Marktturbulenzen in den vergangenen Monaten bewiesen.
Daher sei das Finanzsystem der wirtschaftsstarken Mächte gegen Marktturbulenzen in den aufstrebenden Ländern abzusichern. Zudem müsse der Übergang zu einem Wirtschaftswachstum geschafft werden, das nicht mehr von geldpolitischer Unterstützung abhänge. Die Konjunktur sei durch unternehmerische Investition und eine höhere Beschäftigung zu stützen.

Neue Schwierigkeiten könnten dem internationalen Finanzsystem auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine bereiten, befindet die Organisation weiter. Bislang seien dort zwar nur die lokalen Märkte betroffen. Sollte sich der Konflikt aber ausweiten, könnten die globalen Märkte tief besorgt reagieren. Auch der weltweite Handel könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.

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