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Kapitalmarkt Hedgefonds-Schieflage zeigt das Risiko der Techblase

Quelle: imago images

In den USA ist ein Hedgefonds zusammengebrochen. Die Schockwellen sind auch an europäischen Aktienmärkten zu spüren – abzulesen an den Kursen der Bankaktien.

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Aktienexperten schauen heute besonders aufmerksam auf ihre Bloomberg-Terminals. In den USA ist ein riesiges Family-Office zusammengebrochen, Archegos Capital, das wahlweise auch mal als Hedgefonds bezeichnet wird, weil es eine richtige Zockerbude war. Neben Credit Suisse und der japanischen Bank Nomura haben auch Goldman Sachs und andere US-Banken dem illustren Anleger Bill Hwang Geld geliehen für seine Aktien- und Derivatewetten. Nach hohen Kursverlusten bei einigen Aktien, die Hwang in seinem Family-Office-Depot hatte, mussten die Banken ihre Sicherheiten verwerten, um die Kredite zurückzuführen.

Die Aktien von Viacom, Discovery und den chinesischen Unternehmen Baidu, Tencent Music, Vipshop und GSX Techedu verzeichneten deshalb bereits am Freitag hohe Verluste. 

Weil Credit Suisse und Nomura bekanntgaben, dass sie aus den Geschäften mit Archegos Capital hohe Verluste erwarten, fielen auch ihre Aktien zweistellig.



Bill Hwang war als Hedgefondsmanager bekannt geworden. Doch er machte auch früher schon von sich Reden. So war er einst von den US-Aufsichtsbehörden für die Geldverwaltung gesperrt worden, wegen Insiderhandels. Das von ihm gegründete Unternehmen Archegos Capital durfte deshalb nur noch mit eigenem Geld und auf Kredit – also mit dem Geld der Banken – spekulieren, aber kein Geld von anderen Investoren annehmen.

Was Hwang so berühmt macht: Er gehörte zu den „Baby-Tigers“, er war einer der Mitarbeiter von Julian Robertson, der als einer der ersten Hedgefondsmanager mit Tiger Management berühmt und reich geworden ist. Manche seiner Mitarbeiter wurden ebenfalls erfolgreiche Hedgefondsmanager. Hwang gehörte wohl eher nicht dazu. Trotzdem trauten ihm die Banken offenbar einiges zu: Immerhin haben sie es ihm ermöglicht, mit bis zu 20 Milliarden Dollar ein gewaltiges Rad zu drehen. Theoretisch könnte Hwang in Steueroasen Geld verwaltet haben, aber dass ihm deutsche Anleger Geld anvertraut hätten, wäre eher unwahrscheinlich.

Ungeschoren kommen Anleger hierzulande trotzdem nicht davon, selbst wenn sie eigentlich nichts mit Hedgefonds zu tun haben. Denn der Zusammenbruch des Hedgefonds sendet gewaltige Schockwellen an die Aktienmärkte, auch die Aktie der Deutschen Bank verlor am Montag drei Prozent, obwohl der Dax leicht im Plus liegt. Die Commerzbank gab 0,8 Prozent nach. In Europa warten die Hedgefonds-Experten noch den Montag ab, um den Zusammenbruch einzuschätzen. Alle Banken, die noch Kredite an Hwang ausgegeben haben könnten, würden ihre Sicherheiten heute verkaufen, so der Tenor.

Falls sich die Bankaktienkurse wieder erholen sollten, wären die Probleme gebannt, meint ein Hedgefondsexperte. Auf diesen Indikator sollten Anleger also besonders achten.

Von einem gefürchteten Hedgefondszusammenbruch, wie dem von Long-Term Capital Management (LTCM) vor mehr als 20 Jahren mit weitreichenden Folgen für die Finanzmärkte, gehen die Experten nicht aus. Damals ging es sogar um rund 200 Milliarden Dollar, außerdem waren Politik und Notenbanken nicht so rettungserfahren wie heute.

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Allerdings zeigt das Versagen mal wieder, dass noch immer Milliardengeschäfte in unregulierten Bereichen wie einem Family-Office möglich sind. Anscheinend waren die gesamten Kreditengagements von Hwang nirgendwo abrufbar, weder die Aufseher noch die Banken waren misstrauisch genug. Goldman Sachs soll nach Angaben von Bloomberg Hwang zunächst auf eine Schwarze Liste gesetzt haben, weil er wegen Insiderhandels aufgefallen war – dann hat das Haus diese Vorsicht irgendwann aufgegeben. 

Also Achtung: Durch Missgeschicke mit Hedgefonds oder anderen riesigen Vermögenssammelstellen kann noch immer viel schieflaufen und zu Turbulenzen am Aktienmarkt führen. Hedgefonds sind in den vergangenen Jahren mit Wetten auf fallende Kurse gescheitert. Jetzt droht ihnen auch Ungemach, wenn die Technologieblase platzt und manche Hedgefonds dort massiv auf Kredit spekuliert haben. Der Archegos-Zusammenbruch muss nicht der letzte gewesen sein.

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