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Klage vor US-Gericht Waren Platin- und Palladiumpreise jahrelang manipuliert?

Großbanken haben schon den Libor-Zinssatz und womöglich auch Goldpreis beeinflusst. Jetzt hat ein US-Juwelier Klage wegen Preismanipulation bei Platin- und Palladium eingereicht. Das trifft auch einen deutschen Chemiekonzern.

Platin ist in der Industrie und für die Schmuckherstellung ein wichtiger Rohstoff. Quelle: REUTERS

Das Image der Banken hat sich noch nicht von Libor-Skandal und dem Verdacht der Goldpreis-Manipulation beim Fixing erholt, da droht schon der nächste Manipulationsverdacht: Die Preise für die beiden Edelmetalle Platin und Palladium sollen jahrlang illegal beeinflusst worden sein. Erweisen sich die Vorwürfe als stichhaltig, würde die Serie der Bankenskandale einen neuen Höhepunkt erreichen - und sich der Verdacht erhärten, dass einige Großbanken keinesfalls vor unseriösen oder sogar illegalen Praktiken zurückschrecken, wenn es ihnen nützt. Das haben auch die zahlreichen Bankenskandale um gewaschene Drogengelder und umstrittene Rüstungsgeschäfte trotz Waffenembargos gezeigt.

Wissenswertes zu Platin

Doch diesmal trifft es nicht nur durch Großbanken, sondern auch ein deutsches Industrieunternehmen.

Konkret droht dem weltgrößten Chemiekonzern BASF Ärger mit der US-Justiz: Der Industriegigant sieht sich zusammen mit drei Großbanken einer Klage gegenüber, die Schadenersatz aufgrund manipulierter Platin- und Palladiumpreise fordert. Die Juwelier-Firma Modern Settings aus Florida wirft BASF sowie den Großbanken Goldman Sachs, HSBC und der südafrikanischen Standard Bank vor, seit 2007 bei der Feststellung beim Preisfixing in London illegale Absprachen getroffen zu haben. Diese vier Teilnehmer beraten zweimal täglich in einer Telefonkonferenz die Preise, zu denen sie kaufen und verkaufen würden. Darauf basierend einigen sie sich auf einen fairen Preis, der den übrigen Marktteilnehmern als Referenzpreis für die beiden Edelmetalle dient. An diesem Preis orientiert sich somit auch der Spotpreis am Metallmarkt, der durch Angebot und Nachfrage um dieses Preisfixing schwankt.

Wissenwertes zu Palladium

Dass BASF seinen Platz in diesem Quartett hat, verdankt der Chemiekonzern seiner großen Bedeutung auf dem Markt für Platin und Palladium. Beide Edelmetalle sind unentbehrlicher Rohstoff für die Herstellung von Katalysatoren, zahntechnische Produkte und die Schmuckherstellung. Seitdem BASF den US-Konzern Engelhard - der weltweit größte Hersteller von Katalysatoren -im Jahr 2006 für 3,8 Milliarden Dollar übernahm, führen die Ludwigshafener auch einen Edelmetallhandel. Die Katalysatoren sind für rund 40 Prozent der Platinnachfrage verantwortlich. Palladium wird ebenfalls hauptsächlich für Herstellung der Abgasfilter benötigt.

Das BASF-Edelmetallgeschäft mit Handelsbüros in London ist nicht klein: 2013 brachte es BASF immerhin 2,36 Milliarden Euro Umsatz ein. Insgesamt erlöste der Konzern vergangenes Jahr knapp 74 Milliarden Euro.

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