WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Klaus Kaldemorgen "Privatanleger haben viel zu wenig Aktien"

Klaus Kaldemorgen gehört zu den bekanntesten deutschen Fondsmanagern. Wie er mit fallenden Aktienkursen umgeht - und was Privatanleger in schwierigen Märkten tun können.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Fondsmanager Klaus Kaldemorgen nutzt in schwierigen Börsenphasen wie diesen alle Anlagemärkte und investiert auch mal in Terminkontrakte auf Währungen. Quelle: PR

WirtschaftsWoche Online: Herr Kaldemorgen, sehen wir nach den herben Kursverlusten im Oktober gerade eine Trendwende am Aktienmarkt?

Klaus Kaldemorgen: Was wir jetzt sehen, ist nicht ungewöhnlich und taucht mit großer Regelmäßigkeit immer wieder auf. In den vergangenen zehn Jahren hatten wir mit einer Ausnahme jedes Jahr eine Korrektur im Dax von zehn Prozent oder mehr – selbst, wenn am Jahresende ein Plus zu verzeichnen war. Ich würde die Kursverluste erstmal als kurzfristige Korrektur ansehen. Das ist vielleicht ein Zeichen, dass die Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung und der Unternehmensergebnisse zu hoch waren, die jetzt korrigiert werden. Damit muss ein Anleger rechnen. Eine Trendwende sehe ich aber noch nicht. 

Zur Person

Haben Sie trotzdem ihr Portfolio angepasst? 

Ich bin in den Oktober nur mit einem Aktienanteil von gerade mal 20 Prozent gestartet. Ich überlege derzeit, ob ich diesen Anteil nach den sehr raschen Rückgängen wieder etwas erhöhe. Das Portfolio war ja doch relativ stark abgesichert. Die Absicherung kann ich auflösen. Der Ertrag, den ich in diesem Jahr erzielen konnte, kam ja nicht im Wesentlichen von den Aktien, sondern in geringem Umfang von den Renten und vor allem über die Währungen. Dank der positiven Entwicklung kann ich jetzt dieses Risikobudget nutzen, um in einem stärker gedrückten Aktienmarkt wieder etwas zu kaufen – auch in der Hoffnung, dass sich der Markt auch kurzfristig wieder erholt. Der Dax ist ja in den vergangenen vier Wochen um gut zehn Prozent gefallen. Das ist von der Höhe und der Geschwindigkeit her schon bemerkenswert. 

Womit rechnen Sie denn jetzt?  

Ich kann in so einem Umfeld nur auf Sicht fahren. Was wir im Augenblick sehen, können Sie nicht schon drei Monate im Voraus antizipieren. Im Großen und Ganzen hat ein revidiertes Bild beim Wirtschaftswachstum die Korrektur ausgelöst – vor allem in Europa. Hinzu kamen sehr starke Schwankungen auf den Währungsmärkten. Typischerweise schwappen Schwankungen in einem Teil des Kapitalmarktes sehr schnell auf andere über.

Ist die Euro-Schwäche schuld an den Kursverlusten? 

Dass es Europas Aktienmärkte so stark erwischt, finde ich schon etwas überraschend, denn die Währungsentwicklung an sich ist ja für den Euro-Raum nicht so schlecht. Die unterdurchschnittliche Entwicklung seit Jahresanfang wurde ja immer damit begründet, dass europäische Unternehmen unter dem starken Euro leiden. Das Argument kann man ja nicht mehr heranziehen. 

Glauben Sie, der Euro fällt noch weiter? 

Ich denke, wenn die Märkte jetzt nach unten gehen – das verstärkt sich ja immer auch selber – sind die professionellen Anleger ziemlich schnell dabei, ihre Positionen abzusichern. Worauf ich jetzt warten würde, sind Maßnahmen und Kommentare der Europäische Zentralbank und Signale aus den USA, dass die Notenbank die Zinserhöhung vielleicht nicht so schnell vornimmt. Von Japans Notenbank erwarte ich, dass sie ähnlich wie hier in Europa weitere geldpolitische Maßnahmen, sprich stärkere Anleihekäufe in Erwägung zieht.

Wetten auf Währungen werden wichtiger

Für eine Anlageentscheidung ist da sehr viel Politik im Spiel. 

Es ist leichter in Aktien zu investieren, wenn man sich nur auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Gewinnentwicklung der Unternehmen konzentrieren kann. Das liegt jedem Anleger und Portfoliomanager im Blut, damit umzugehen hat er gelernt. Die Kommunikation und die Maßnahmen der Notenbanken zu antizipieren, ist schon schwieriger. Auch die Reaktion der Märkte ist schwer vorherzusagen. 

Jede Bemerkung der Notenbankchefs wird an der Börse auf die Goldwaage gelegt, bis sie bei der nächsten Notenbanksitzung wieder relativiert werden. Nutzen Sie solche Stimmungsschwankungen? Oder bleiben Sie stur bei ihrer langfristigen Strategie? 

Nein, ich versuche schon, gerade bei meinem Concept-Fonds, auch diese kurzfristigen Schwankungen mitzunehmen. Solange das nicht nur in eine Richtung geht, kann ich als Investor da durchaus auch zusätzliche Rendite erwirtschaften. So ein Portfolio besteht ja zu einem Teil aus einer strukturellen Sicht und Strategie, und zum Teil aus taktischen Investments. Taktisch ist es zum Beispiel, antizyklisch zu agieren, wenn die Märkte sehr stark von einer positiven zu einer negativen Erwartung wechseln.

Zehn günstige deutsche Aktien

Währungen waren für Sie zuletzt der größte Renditebringer. Wie sehen sind denn die langfristigen Perspektiven für Dollar, Euro und Yen? 

Langfristig kann der Dollar gegen den Euro durchaus weiter aufwerten. Das liegt an der divergierenden Geldpolitik zwischen den USA und Europa – expansiv hier, mögliche Zinserhöhung in den USA. Wir haben mittlerweile große Zinsunterschiede. Amerikanische Anleihen bringen zwischen 1,5 und 2,0 Prozentpunkte mehr Rendite. Hinzu kommt, dass wir in den USA ein deutlich größeres Wachstum haben als in Europa. Diese Kombination ist geeignet, den Dollar weiter zu stärken und den Euro zu schwächen. Aber auch hier trenne ich den langfristigen Trend von den kurzfristigen Gegenbewegungen. Der Euro ist ziemlich schnell von 1,38 auf 1,25 Dollar gefallen. Eine solche Abwertung ruft bei den Beteiligten unmittelbar Gegenmaßnahmen hervor. Die USA werden zwar nie zugeben, dass sie Wechselkurspolitik betreiben, aber der starke Dollar-Anstieg kann ihnen nicht recht sein. Für mein Portfolio ist das trotzdem gut, so ließ sich wenigstens auf der Währungsseite ein ganz guter Schnitt machen. 

Investieren Sie in den Dollar nur über Aktien und Anleihen oder nutzen Sie auch riskantere Vehikel, um auf Wechselkursänderungen zu wetten? 

Beides. Wenn ich eine Aktie kaufe, hole ich mir damit ein Marktrisiko, ein unternehmensspezifisches Risiko und ein Währungsrisiko in das Portfolio. Alle drei Risiken muss ich getrennt bewerten. Was den Währungsbereich angeht, habe ich bereits einige Anleihen in Dollar gekauft, vor allem wegen der sehr positiven Zinsdifferenz. Aber darüber hinaus habe ich auch noch Währungsterminkontrakte auf den US-Dollar gekauft – gegen den Euro. Die wenigen US-Aktien, die ich habe, habe ich zusätzlich abgesichert.

Warum haben Sie denn nur wenige US-Aktien, wenn sie dort höheres Wirtschaftswachstum und eine Aufwertung des Dollar erwarten? 

Zum einen glaube ich, dass eine Aufwertung des US-Dollar Gegenwind für amerikanische Aktien bedeutet. So positiv der fallende Euro für die hiesige Exportindustrie ist, so negativ ist der starke Dollar für Unternehmen in den USA, die einen Großteil ihrer Erlöse hier in Europa oder den Schwellenländern erzielen. Die sich abzeichnende Zinserhöhung der US-Notenbank und die gestiegene Bewertung amerikanischer Aktien sprechen für mehr Vorsicht. Außerdem kommen noch Kleinigkeiten hinzu: Zum Beispiel schließen sich gerade Steuerschlupflöcher, von denen amerikanische Unternehmen in Europa sehr stark profitiert haben. Deshalb lege ich größeres Gewicht auf Europa und Japan. Die europäischen Aktienmärkte sind generell etwas niedriger bewertet, was auch an der bisherigen Geldpolitik und der Wechselkursentwicklung liegt.

Defensive Aktien aus Europa bevorzugt

Sie könnten aber auf US-Unternehmen setzen, die vor allem vom amerikanischen Binnenkonsum profitieren, um diese Bremsfaktoren zu umgehen. 

Das könnte man durchaus machen, aber wenn sie sich diese Aktien anschauen, sind sie schon sehr teuer. Ein Renner in den USA sind zum Beispiel Restaurant-Konzepte, die aufgrund des großen Binnenmarktes sehr schnell wachsen. Die haben aber schon stolze Bewertungen. Ich bin nicht so wachstumsorientiert, dass ich mich an solche Aktien heranwage.

20 Aktien, die Goldman Sachs für Schnäppchen hält

Schadet oder nutzt der niedrige Ölpreis der US-Wirtschaft? 

Der sehr stark fallende Ölpreis überrascht mich. Der Ölpreis lag zum Jahresanfang über 100 Dollar pro Barrel und liegt jetzt unter 85 Dollar. Das ist mal ein Wort  – und für die USA tendenziell ungünstiger als für Europa. Zum einen, weil in den US-Börsenindizes sehr viele Aktien der Ölbranche enthalten sind. Zum anderen kommen ungefähr 40 Prozent der gesamten Investitionsgüternachfrage aus dem Rohstoff- und Ölbereich. Die wird deshalb einen deutlichen Dämpfer bekommen. Ich bin der Meinung, ein hoher Ölpreis passt besser zu einer starken Wirtschaft. Er belastet zwar auf der Kostenseite, auf der anderen Seite ist die Ölbranche auch nachfragewirksam, weil viele Investitionen damit zusammenhängen.

Wie sieht denn mit Blick auf Europa Ihre Aktienstrategie aus? Gucken Sie auf bestimmte Branchen, die weniger exportlastig sind? 

In Europa bin ich eher defensiv investiert, zum Beispiel bei Nahrungs- und Genussmitteln und in der Pharmabranche. Ich glaube aber auch, dass Unternehmen mit einer hohen, nachhaltigen Dividendenrendite, im gegenwärtigen Umfeld attraktiv sind. Sie bieten mir eine Alternative gegenüber Anleihen und sind nicht so schwankungsanfällig. Außerdem schaue ich mir Banken und Versicherungen an, nachdem dieser Bereich so stark unter Druck gekommen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die EZB-Maßnahmen geeignet sind, hier für bessere Ergebnisse zu sorgen. 

Schauen Sie sich Börsenneulinge wie Alibaba, Rocket Internet oder Zalando überhaupt an? 

Ja sicher, ich bin ja dem Interesse der Anleger verpflichtet. Neuemissionen, wenn sie so prominent sind, spielen schon eine Rolle. Bei Alibaba war ich zum Beispiel dabei und habe gezeichnet. Aber bei solch heißen Emissionen bekommen Sie nicht so viele Aktien, dass sich der Kursgewinn in der Wertentwicklung des Fonds vor dem Komma bemerkbar macht.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Von Ihren milliardenschweren Flaggschifffonds haben sie sich vor drei Jahren verabschiedet und managen seitdem den Fonds DWS Concept Kaldemorgen. Der Fonds hat inzwischen ein Volumen von 1,2 Milliarden Euro. War es schwierig, so viele Investoren zu gewinnen? 

Es lief relativ langsam an, was ich auch verstehen kann. Zum einen ist so ein Konzept erklärungsbedürftig, weil die Anleger bisher eher an Benchmark-Konzepte gewöhnt waren und weniger an Total-Return-Fonds. Die Anleger mussten zunächst das Leistungsversprechen verstehen und ich musste beweisen, dass ich liefern kann. Aber ich hatte schon ein wenig Bonus bei den Investoren, als völlig Unbekannter wäre es schwieriger gewesen.

360-Grad-Blick auf alle Märkte

Waren Sie bei Ihren alten Flaggschiff-Fonds mit den Anlagemöglichkeiten unzufrieden? 

Zunächst war es mir ein Bedürfnis, ein breiteres Anlagespektrum abzudecken, anstatt immer nur in Aktien zu investieren. Bei meinen alten Fonds bin ich nie dafür belohnt worden, wenn ich Risiken absolut gesehen reduziert habe. Wenn ich dort zum Beispiel Währungen abgesichert habe und die stiegen, habe ich von den Anlegern Prügel bezogen, weil ich hinter der Benchmark zurücklag. Mit meinem neuen Fonds verspreche ich dem Anleger eine Risiko-Komfortzone und versuche innerhalb dieses Bereichs die bestmögliche Performance zu erzielen.

Deutsche sind die größten Finanz-Analphabeten Europas
53 Prozent ohne FinanzbildungMehr als die Hälfte der Deutschen gibt an, keine Finanzbildung erhalten zu haben. Dies ergab eine Umfrage der Ing-Diba in Zusammenarbeit mit Ipsos Marktforschung. Auf die Frage: „Haben Sie jemals Finanzbildung erhalten?“ antworteten 53 Prozent der Deutschen mit „Nein“, was die höchste Quote unter den befragten Ländern war. Für finanziell besser gebildet halten sich dagegen... Quelle: dpa
...die Polen. Dort antworteten nur 39 Prozent mit „Nein“. Auf Platz zwei landete Luxemburg. Dort gaben 42 Prozent an, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben. Quelle: dpa
Alle wollen sie, kaum einer kriegt sieIn Großbritannien fordern 88 Prozent der Befragten Finanzbildung in der Schule. Doch nur zwölf Prozent haben sie auch wirklich erhalten. In Deutschland wünschen sich 78 Prozent, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt wird. Jedoch nur 18 Prozent bekamen diese auch in der Schule. Damit haben etwa 40 Millionen Erwachsene keinerlei Finanzbildung in der Schule erhalten. Quelle: dpa
Frauen kennen sich besser ausAuf die Frage: „Wer kann besser Geld verwalten, Mann oder Frau?“ antworteten in Deutschland 25 Prozent mit „Frau“ und 14 Prozent mit „Mann“. 54 Prozent gaben an, dass es keinen Unterschied gebe. Die größte Differenz bei dieser Frage gab es... Quelle: dpa
...in der Türkei. Dort sagten 46 Prozent, dass Frauen Geld besser verwalten könnten, 30 Prozent stimmten für die Männer. 20 Prozent gaben an, es gebe keinen Unterschied. In allen befragten Ländern lief es auf dasselbe hinaus: Frauen können es besser. Quelle: dpa
Die wenigsten Unterschiede zwischen Mann und Frau sahen die Luxemburger und die Österreicher. Hier gaben 58 Prozent an, dass es zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied in der Finanzkompetenz gebe. Quelle: dpa
Die eigene Bank via Social Media kontaktieren? In Deutschland noch eine Seltenheit. Nur 20 Prozent der Deutschen gaben an, dass sie ihre Bank oft per Social Media ansprechen würden. 73 Prozent antworteten mit „selten/nie“. Anders ist dies dagegen in... Quelle: REUTERS

Erhöht das nicht den Aufwand bei Anlageentscheidungen enorm? 

Ich muss mehr Anlagemärkte als nur Aktien abdecken, insofern ist der Aufwand schon gestiegen. Allein das Spektrum am Rentenmarkt, in das ich investiere, ist riesig: Staatsanleihen, Hochzinsanleihen, Kreditpapiere, lang- und kurzlaufende Anleihen und vieles mehr. Die Währungsmärkte und Rohstoffmärkte kommen noch hinzu. Ich nutze alle Anlageklassen über alle Regionen. Insgesamt brauche ich einen 360-Grad-Blickwinkel auf die Welt. Die Herausforderung ist ein gutes Risikomanagement, um all die Investitionen vergleichbar zu machen. Ich muss das Risiko jeder einzelnen Anlage, aber auch für ganze Anlageklassen oder Marktsegmente überwachen und im Verhältnis zu den Ertragschancen beurteilen. Das machen viele Anleger falsch. 

Weil sie nur die Renditechancen im Blick haben? 

Anleger sind schlecht beraten, ihre Investments nur in einer bestimmten Region oder einem Anlagesegment zu konzentrieren. Das zeigt sich dieses Jahr ziemlich deutlich. Nur durch eine globale Diversifikation gibt es für Anleger weniger Risiko bei gleichzeitig deutlich höherem Ertrag. Der deutsche Aktienmarkt ist schon zwölf Prozent im Minus dieses Jahr, während die internationalen Aktienmärkte noch im Plus sind. 

Von welchen Anlagesegmenten und Märkten erwarten Sie denn langfristig die höchsten Erträge? 

Die höchste Performance sollte auf Sicht von zwölf Monaten von den Aktienmärkten ausgehen. An den Rentenmärkten sehe ich derzeit kaum noch größeres Renditepotenzial. Was ich besonders fürchte: Kommt es zu einer wirtschaftlichen Abschwächung, kann das die Unternehmensanleihen – vor allem im Hochzinsbereich – unter Druck bringen und dann wird dieser Markt sehr illiquide. Dieses Phänomen kennen wir eigentlich nur von diesem Markt. Die Tür, durch die man raus will, ist dann sehr eng. Das bedeutet, dass dort die Kurse sehr stark zurückgehen können. 

Setzen Sie weiter auf Währungen? 

Ich glaube, auf der Währungsseite lässt sich noch Geld verdienen. Aber nicht nur mit dem Währungspaar Dollar-Euro, sondern auch mit dem Paar Yen-Dollar. Sehr spannend finde ich zurzeit auch den brasilianischen Real zum US-Dollar - schon weil im brasilianischen Real momentan mit fast elf Prozent pro Jahr sehr hohe Zinsen gezahlt werden. Diese Zinsdifferenz zum Dollarraum kann ich vereinnahmen, wenn ich in Real investiere.

Geldanlage



Ist so eine Strategie auch für Privatanleger geeignet? 

Davor muss ich warnen. Das sind sehr volatile Märkte, auf denen Investoren sehr schnell reagieren müssen, wenn es in die falsche Richtung läuft. Die Mittel dazu haben eigentlich nur Profi-Investoren.

Was raten Sie Privatanlegern dann? 

Fakt ist: Der deutsche Privatanleger hat strukturell betrachtet viel zu wenig Aktien. Der Aktienanteil liegt gerade mal im hohen einstelligen Prozentbereich. Akzeptiert er, dass die Zinsen für lange Zeit sehr niedrig bleiben, kommt er nicht umhin, seinen Aktienanteil zu vergrößern. Das kann er über Fondsanlagen oder direkte Investments und mit einem langfristigen Anlagehorizont tun. Solche Schwächephasen, wie wir sie im Augenblick an den Märkten haben, könnten da ein ganz guter Anstoß sein, dieses strukturelle Anlageproblem anzugehen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%