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Kosten für Finanzberater Streicht endlich die Provisionen!

Nur Honorarberatung zahlt sich aus. Quelle: Getty Images

Finanzberater verdienen ihr Geld meist mit Provisionen, oft zulasten von Kleinanlegern. Die Grünen wollen das ändern: Berater sollen ein Honorar statt Provision erhalten. Richtig so, es wird Zeit dafür.

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Unterstützt Sie ein Anlageberater oder ein Lebensversicherungsvertreter oder haben Sie einen Fonds im Bankdepot? All das kostet Geld. Allerdings sind die Kosten häufig nur im Kleingedruckten oder in komplizierten Aufstellungen transparent. Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin liegt das Thema auf dem Tisch. Nach dem Willen der Grünen sollen Verkäufer von Finanzprodukten, zu denen auch Lebens- und Rentenversicherungen gehören, in Deutschland künftig vom Anleger direkt ein Honorar erhalten. Momentan werden Banker und Versicherungsvertreter von den Produktherstellern entlohnt, also indirekt bezahlt. Der Anreiz dieser Berater ist groß, ein Produkt mit hoher Provision zu verkaufen, das für den Kunden nicht optimal sein muss. Ein Stundensatz in der Finanzberatung, wie er beim Handwerker, bei der Fahrschule oder beim Osteopathen üblich ist, wäre ein klarer Maßstab. Das Thema schreckt die Finanzbranche ebenso auf, wie die für sie tätigen Wirtschaftsprüfer und Beratungsgesellschaften. Am bestehenden System verdienen viele sehr gut mit, zulasten der Rendite des Anlegers.

Solidarisch jedenfalls ist das aktuelle Provisions-System nicht – auch wenn die Finanzlobby nun anderes verkündet. Kleinanleger zahlen üppig, während Großanleger mit günstigen jährlichen Kosten und fehlenden Einstiegsgebühren bevorzugt werden. Heute liegen für Kleinanleger häufig undurchschaubare, teure und unnütze Produkte auf dem Tresen, die Großanleger kaum anfassen. Etwa Zertifikate dieses Typs: „90 Prozent Digi-Tresor-Anleihe 05/2027 bezogen auf den MSCI World Climate Change ESG Select 4,5 Prozent Decrement“. Nicht nur der Name ist verrückt. Das Produkt hat so viele Haken, dass im besten Fall für den Anleger eine Rendite von 2,6 Prozent rauskommen könnte.

Der Fondsverband warnt, dass bei einem Stundensatz von 180 Euro keine Fondssparpläne mehr verkauft würden. Doch das ist kein echtes Gegenargument. Dann ist der Stundensatz vielleicht zu hoch und müsste für die Einsteiger sinken. Innovation muss auch in der Finanzberatung Einzug halten – mit digitaler Unterstützung und klaren Informationen ließe sich einiges verbessern. Die überbordende Regulierung in der Bankberatung wäre in einem transparenten Honorarsystem womöglich überflüssig.

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Im Pharmavertrieb wurden Provisionen verboten und als Korruption gewertet, nur bei den Banken und Versicherungen halten sie sich hierzulande hartnäckig. Dass Sparer der Bankberatung derzeit nicht trauen, zeigt sich auch daran, dass sie Milliarden auf nicht verzinsten Sparbüchern horten. Dabei ist eine gute Rendite in Zeiten der Inflation ähnlich wichtig wie passende Medikamente bei Krankheit.

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